Eisspeedway WM Läufe 5+6 in Assen,
13./14.03.2004

Nach 4 WM-Läufen in Russland ging es endlich auf west-europäischen Boden weiter und die viel zitierte "russische Meisterschaft" fand in Assen mit den Grand Prix Läufen 5 und 6 ihre Fortsetzung. Es gab Gewinner und Verlierer, Sieger und Pechvögel und am Ende dieser 2 WM-Läufe sieht es an der Tabellenspitze nicht wirklich verändert aus. 5 Punkte Vor-sprung nimmt der Titelverteidiger Vitaly Chomicevich mit nach Berlin, doch sind ihm seine Landsmänner arg auf den Fersen. Mit einem Sprung über 4 Plätze kann sich Antti AAkko als bester Nicht-Russe nun in der WM-Tabelle behaupten, der mit einem furiosen Auftritt am Samstag den favorisierten Russen mehr als Paroli bieten konnte. Auch Franz Zorn überzeugte mit einem sagenhaften Rennen, doch wurde ihm die FIM-Regelung für den Sonntag zum Verhängnis. Die deutsche Hoffnung Günther Bauer, seines Zeichens amtierender Vizeweltmeister, erwischte einen rabenschwarzen Samstag und musste sich mehr oder weniger dem Defektteufel beugen. Die grossen Gewinner aus Punktesicht waren daher Dmitri Bulankin, der das erste Mal ausserhalb von Russland ein Rennen bestritt und Nikolai Krasnikov, die sich beide als Sieger in die Ergebnislisten von Assen eintragen durften.

Ohne Tagessieg in Assen immer noch Leader der WM - Vitaly Chomicevich

Die Athleten werden in der Reihenfolge der in Assen erzielten WM-Punkte vorgestellt:

# 13 - Nikolai Krasnikov / Russland 39 WM-Punkte
Nikolai Krasnikov war nicht nur der jüngste Teilnehmer mit seinen 18 Jahren, sondern auch der Sieger am Samstag. Nach 4 souveränen Laufsiegen konnte er sich sogar eine Nullpunkte-Fahrt erlauben, und er stand trotzdem noch im A-Finale, welches er dann ja auch gewann. Es war sein erster Grand-Prix Sieg und ging natürlich auch am Sonntag als Favorit ins Rennen. Am 2. Tag fehlte ihm aber ein Vorlaufpunkt, um wiederum im A-Finale zu stehen. Mit dem klaren Sieg im B-Finale hielt er aber Schadensbegrenzung und liegt nun weiterhin auf Rang 5 der WM-Wertung.
 
Sa
So
Vorlaufpunkte
12
11
Finalteilnahmen
Platz 1 A-Finale
Platz 1 B-Finale
WM-Punkte
25
14
WM-Platzierung
77 Pkt - Platz 5
91 Pkt - Platz 5
Tendenz
gleich
gleich

Der sympathische Youngster fährt bereits seit seinem 13. Lebensjahr. Wäre ihm die Knieverletzung beim 1. Grand Prix nicht dazwischen gekommen, würde er jetzt mit Sicherheit viel weiter oben in der WM-Wertung zu finden sein.

Augen zu und durch im A-Finale am Samstag

# 4 Dmitri Bulankin / Russland 39 WM-Punkte

Dmitri Bulankin

Der zweite grosse Punkteabräumer und Tagessieger heisst Dmitri Bulankin. Wie schon erwähnt kam er das erste Mal aus Russland raus und hatte mit den nieder-ländischen Eisverhältnissen noch am Samstag derbe Probleme. Mindestens einen Meter fuhr er hier im Auftaktheat auf dem Asphalt im Innenfeld und wurde letztendlich doch zu Recht disqualifiziert, nach dem man ihm zunächst den Laufsieg zugesprochen hatte. Fast das gleiche Mahleur passierte ihm im 4. Durchgang als er
sich nach einem Dreher in der Startkurve wieder auf dem Asphalt des Innenfeldes wiederfand. Das war somit der 2. Satz Reifen, deren Spikes nicht mehr wirklich die Funktion erfüllen konnten. Am Sonntag war von diesen Fahrfehlern keine Spur mehr zu sehen und er zog einsam und ungeschlagen seine Kreise. Auch im A-Finale, das allerdings 2x gestartet werden musste, fuhr er der Konkurrenz auf und davon und konnte den Abstand in der WM-Tabelle auf jetzt nur noch 5 Punkte verkürzen.

 
Sa
So
Vorlaufpunkte
8
15
Finalteilnahmen
Platz 1 B-Finale
Platz 1 A-Finale
WM-Punkte
14
25
WM-Platzierung
88 Pkt- Platz 2
113 Pkt - Platz 2
Tendenz
gleich
gleich

Auch Bulankin feierte seinen 1.
Grand Prix Sieg in Assen

# 9 Vitaly Chomicevich / Russland 34 WM-Punkte

Nikolai und Vitaly beim klärenden
Gespräch nach dem Crash?

Der Weltmeister hatte 2 Zähler auf dem Konto, als er im 2. Umlauf an 4. Stelle liegend plötzlich übers Eis rutschte. Ein Highsider hebelte Chomicevich vom Bike und nur dank seiner 3 folgenden Laufsiege schaffte er als Vorlaufdritter den Einzug ins A-Finale am Samstag. Hier hatte er keine Chance einen der Podestplätze für sich zu behaupten. Dieses holte er dann am Sonntag nach, obwohl er erneut in die Strohballen ging. Es war der letzte Vorlaufdurchgang, als ihm der Weg durch Krasnikov ausgangs der Startkurve zu eng gemacht wurde. 10 Punkte hatte er bereits auf dem Konto, doch liess Referee Petr Ondrasik alle 4 Fahrer wieder zu und Vitaly sicherte sich mit 2 weiteren Punkten erneut den Einzug ins A-Finale.
 
Sa
So
Vorlaufpunkte
11
12
Finalteilnahmen
Platz 4 A-Finale
Platz 3 A-Finale
WM-Punkte
16
18
WM-Platzierung
100 Pkt- Platz 1
118 Pkt- Platz 1
Tendenz
gleich
gleich

Rivalität zum ärgsten Kontrahenten Bulankin gibt es nicht. "Einer für alle und alle für einen", so Vitaly bei der Pressekonferenz.

# 7 Ivan Ivanov / Russland 33 WM-Punkte

Ivan Ivanov lag bis zum 3. Durchgang am Samstag verheissungsvoll im Rennen, doch warf ihn ein Sturz im 12. Lauf aus dem Kurs A-Finale. Er befand sich am Ende des Feldes, als er ausgangs der Startkurve der 2. Runde vom Bike abgeschmissen wurde. Mit weiteren 4 Punkten blieb ihm nur ein Platz im B-Finale, welches er mit dem 2. Platz beendete. Am 2. Tag drehte er ähnlich wie Bulankin auf und musste sich nur seinem genannten Landsmann zum einen und Serenius zum anderen geschlagen geben.

Mit dem 2. Platz im A-Finale schaffte er seine beste WM-Platzierung und nahm insgesamt schon zum 4. Mal auf dem Podest Platz.

 
Sa
So
Vorlaufpunkte
9
13
Finalteilnahmen
Platz 2 B-Finale
Platz 2 A-Finale
WM-Punkte
13
20
WM-Platzierung
80 Pkt- Platz 4
100 Pkt- Platz 3
Tendenz
gleich
1 Platz hoch

# 6 Antti Aakko / Finnland 33 WM Punkte

Fachsimpelei mit Robert Eibl

Wie jedes Jahr konnte Aakko zumindest an einem der 2 Tage wieder ordentlich aufdrehen. Er gab am Samstag jeweils einen Punkt an Franz Zorn und Vitaly Chomicevich ab und bestach durch traumhafte Rennen. Den Sieg vor Augen musste er sich aber im A-Finale Krasnikov geschlagen geben. Dennoch machte er mit diesem 2. Platz einen gewaltigen Sprung nach oben in der WM-Tabelle. Tags darauf begann er erneut stark, doch baute er ab dem 3. Durchgang ab. Mit einem Husarenstück rettete er sich im letzten Vorlauf vor einem Sturz, als er nach einem bösen Schlenker schon waagerecht über seinem Motorrad flog. Punkte gab es für diese Einlage nicht mehr und kam man gerade noch gegenüber Bauer ins B-Finale.
Das bessere Abschneiden gegenüber dem Deutschen brachte ihm die Teilnahme im zweithöchsten Finale, welches er mit dem 2. Rang beendete.

 
Sa
So
Vorlaufpunkte
13
8
Finalteilnahmen
Platz 2 A-Finale
Platz 2 B-Finale
WM-Punkte
20
13
WM-Platzierung
58 Pkt - Platz 7
71 Pkt - Platz 3
Tendenz
3 Plätze hoch
1 Platz hoch

Antti machte den grössten Sprung nach
oben in der WM-Wertung

# 12 Per-Olof Serenius / Schweden 28 WM Punkte

"Hallo Turm, was geht jetzt ab?"

Der alte Mann und das Eisoval - Posa Serenius ist einfach ein Phänomen in diesem Sport. Nachdem es bei der Team WM und auch bei den bisherigen GP-Läufen in Russland nicht wirklich gut klappte, drehte er in Assen gewohnt stark am Gashahn. Aufgrund eines Ausschlusses am Samstag, nachdem er mit Tuinstra ins Gehege kam und der Niederländer daraufhin stürzte, fehlten ihm an Ende wichtige Punkte. Ob es ohne Disqualifikation am Ende wirklich gereicht hätte, sei dahin gestellt, doch stellte er am Sonntag unter Beweis, dass er auf alle Fälle zu den besten des Abends gehört hätte. Nur Bulankin und Chomicevich musste er in den Läufen 22 und 32 ziehen lassen. Eine weitere Disqualifikation im alles entscheidenden A-Finale traf erneut den Schweden, obwohl dieses vom Referee hätte
anders entschieden werden müssen: Chomicevich hatte Probleme mit seinem Fahrgestell und sprang förmlich vor Posa hin und her ehe der 56-Jährige in der Startkurve der 2. Runde letztendlich in Strohballen landete. Zum Glück blieb er unverletzt, doch war die Enttäuschung über die verpasste Chance auf einen Podestplatz sehr gross.

 
Sa
So
Vorlaufpunkte
8
13
Finalteilnahmen
Platz 3 B-Finale
Platz 4 A-Finale
WM-Punkte
12
16
WM-Platzierung
39 Pkt - Platz 12
55 Pkt - Platz 11
Tendenz
gleich
1 Platz hoch

Volle Konzentration vor dem
A-Final-Start am Sonntag

# 11 Juri Polikarpov /Russland 22 WM Punkte

Juri Polikarpov

Nur einen Laufsieg konnte der russische Mike Tyson am ersten Tag für sich verbuchen. Mit insgesamt 8 Vorlaufpunkten langte es für ihn am Sonntag für den letzten B-Finalplatz. Rang 4 im Finale bedeutete den 8. Gesamtrang und 11 WM-Punkte. Fast identisch verlief das Abschneiden dann am Sonntag. Allerdings wurden ihm der eingefahrene Punkt zu Beginn nachträglich doch wieder aberkannt, weil er die Innenmakierung überfahren hatte.
 
Sa
So
Vorlaufpunkte
8
9
Finalteilnahmen
Platz 4 B-Finale
Platz 4 B-Finale
WM-Punkte
11
11
WM-Platzierung
45 Pkt - Platz 11
56 Pkt - Platz 10
Tendenz
gleich
1 Platz hoch

Innerhalb des russischen Teams macht sich mit dem immer grösser werdenden Youngsterpotenzial ein gewaltiger Generationswechsel breit. Einer, der darunter zu "leiden" hat ist unter anderem auch Juri Polikarpov

# 14 Vladimir Lumpov / Russland 20 WM Punkte
Als drittplatzierter der bisherigen WM-Wertung kam der Russe nach Holland, doch war er weit entfernt von dem, was ihm dieser 3. Zwischenrang bescherte. Über 2 zweite Plätze kam er am Samstag nicht hinaus und fand sich im C-Finale nur auf dem 3. Rang wieder. Am Sonntag liess er gleich zu Beginn durch einen Laufsieg aufhorchen, doch folgte diesem ein 4. Platz und alle guten Voraussetzungen waren wieder dahin. Neben einem weiteren Laufsieg kam er am Ende auf 9 Vorlaufpunkte und rettete sich im B-Finale auf den 3. Rang.
 
Sa
So
Vorlaufpunkte
6
9
Finalteilnahmen
Platz 3 C-Finale
Platz 3 B-Finale
WM-Punkte
8
12
WM-Platzierung
81 Pkt - Platz 3
93 Pkt - Platz 4
Tendenz
gleich
1 Platz runter

7 Punkte hat er jetzt auf Rang 3 aufzuholen, will er am Ende der WM auf dem Podest stehen. Allerdings liegt ihm Krasnikov mit 2 Pünktchen weniger ganz gewaltig im Nacken und man weiss ja mittlerweile um die gute Form des 18-Jährigen WM-Kükens.

Noch stehen 2 Läufe in Berlin aus,
ehe die Medaillen verteilt werden

# 1 Franz Zorn /Österreich 18 WM-Punkte

Franky Zorn sorgte für Stimmung

An der Stätte seines grössten Erfolges trumpfte Franky Zorn so richtig auf und konnte zumindest für etwas Stimmung sorgen. 2 Laufsiege waren unter anderem der Garant für die gute Punktausbeute. Im Rerun des 5. Heats (nach Chomicevichs Sturz) verlor er allerdings nach einem fast Highsider die gute Platzierung und fiel in der Zielkurve der 2. Runde von Rang 2 auf 3 zurück. Mit dem Laufsieg im letzten Durchgang gab er die Vorgabe gegenüber Ivanov, der ihm den letzten A-Finalplatz hätte streitig machen können. Aber da dieser "nur" 9 Punkte am Ende aufweisen konnte, stand Franky nach einer bisherigen totalen Miesere in der dieser WM-Runde erstmals im A-Finale.
Die Ernüchterung kam dann aber nach dem neuen WM-Stand. Da Skabraut komplett aussetzten musste für die Wildcardfahrer Tuinstra und Bootsma, lag Zorn auf einem der 2 schlechtesten Plätze, die zum Reservisten gemacht wurden. Diese Situation regte nun aber zu Überlegungen innerhalb der FIM an, diese Regelung zu ändern. Den Zuschauern und natürlich auch Franky blieb so ein 2 tolles Rennen am Sonntag verwehrt.

 
Sa
So
Vorlaufpunkte
10
N
Finalteilnahmen
Platz 3 A-Finale
N
WM-Punkte
18
N
WM-Platzierung
31 Pkt - Platz 14
31 Pkt - Platz 14
Tendenz
2 Plätze hoch
gleich

Der Blick sagt alles - sch... Regelung

# 3 Günther Bauer / Deutschland 17 WM Punkte

Günther zog schon vor dem Rennen den Kopf ein

Es sollte einfach nicht sein - es sollte auch schon in Russland nicht sein und so setzte sich das maschinelle Debakel auch in Assen fort. Seine Crew schraubte und werkelte was das Zeug hielt, doch warf ihn die maschinelle Technik aus dem Rennen. Gleich zu Beginn fiel ihm der Totmacher ab (den er während der Fahrt wieder befestigte), als er der Asphalt-Aktion von Bulankin ausweichen musste. Zwar bekam er nach der Disqualifikation des Russen einen Punkt gut geschrieben, doch schaffte er es auch im 2. Umlauf nicht mehr, als einen Punkt zu schreiben ehe ein Plattfuss im 3. Durchgang ihn sogar zur Aufgabe zwang. Erst dann kam ein Laufsieg und ein 2. Platz, was in der Addition aber nur das C-Finale bedeutete, in dem er sich zwar mit viel Geschick vor einem Sturz retten konnte, doch nur mit der roten Laterne ins Ziel kam.
Die halbe Nacht und am Sonntagvormittag schraubten seine Jungs weiter und er konnte einen Punkt mehr am Ende der Vorrunde aufweisen. Doch wie schon erwähnt, musste er gegenüber dem punktgleichen Aakko ins C-Finale, was er dann aber zur Freude aller gewinnen konnte.

 
Sa
So
Vorlaufpunkte
7
8
Finalteilnahmen
Platz 4 C-Finale
Platz 1 C-Finale
WM-Punkte
7
10
WM-Platzierung
48 Pkt - Platz 9
48 Pkt - Platz 9
Tendenz
1 Platz runter
gleich

Hektik und Stress war im Lager von Bauer angesagt

Hier gehts weiter