1. Bundesliga in Brokstedt
01.05.2004

"Da hast du aber Schwein gehabt...", grunzt das Schweinchen, dass Tommy Stange nach seinem furchtbaren Sturz in Diedenbergen von einem Fan geschenkt bekam. Der 19-Jährige, der 2 Tage vor dem Rennen in Brokstedt die Freigabe vom Arzt erhielt, konnte erstmals nach seinem Unfall wieder an einem Rennen teilnehmen. Für ihn persönlich lief es nicht schlecht, doch hätte sein Mannschaftskollege Ronni Weis auch lieber ein Glücksschweinchen an seinem Bike haben sollen: Leider gab es auch in Brokstedt wieder einen verheerenden Crash, in dem dann auch noch wieder ein Fahrer des MSC Diedenbergens verwickelt war. Ronni Weis kam dabei leider nicht so glimpflich davon wie Tommy mit seinem Daumenbruch.

Ein Schweinchen auf Speedwaykurs

Tommy ging nach seinem Crash das erste Mal wieder ans Band. War es für Ronni das letzten Rennen?

Es war 11. Lauf, in dem Olchings Raimund Schön den Reservisten Robert Kral einsetzte. Mit in diesem Lauf waren auch Mirko Wolter, Danny Knakowski (als Reservist für Güstrow) und eben Ronni Weis. Mit dem 2. Einsatz im 3. Durchgang nahm Ronni auf der Aussenbahn Platz und kam mit Schwung aus der Kurve. Er machte viele Meter und befand sich auf der Startlinie zur 2. Runde im Begriff, an Kral vorbei zu ziehen. Krals Kette riss aber just in diesem Moment und wurde abrupt langsamer. Ronni hatte keine Chance zu reagieren, geschweige denn, auszuweichen und fuhr mit seinem Bike aufs Hinterrad von Kral. Dabei hob sein Bike ab und wirbelte den Meißener 3 Meter in die Luft. Nach einem fast unendlich erscheinenden Flug schlug Ronni viele Meter weiter erst auf der Bahn wieder auf, überschlug sich noch mehrmals und das Stadion verstummte nach den ersten Schreien.
Ohne zu wissen, was passiert war, lag Ronni auf der Bahn und wurde selbstverständlich sofort ärztlich untersucht. Mit Schmerzen in der Schulter und weiteren argen Verletzungen brachte man ihn ins Krankenhaus nach Neumünster. Nach Rennende konnte Team-Manager der Diedenbergener Hans Stange mit seinem Mechaniker telefonieren. Die gute Nachricht war, dass die Crew Ronni mit nach Hause nehmen könne - die Schlechte: er muss zu Hause sofort operiert werden. Ein Trümmerbruch am Schlüsselbein und ein Trümmerbruch an der Fusswurzel sind wohl die schlimmsten Verletzungen, die der 2. Vorsitzende des MC Meißens davon getragen hat.

Speedway.org wünscht gute Besserung und Toi Toi Toi - Kopf hoch, Ronni !!!

Für die Diedenbergener bedeutete dies eine ganz neue Zusammensetzung für das am nächsten Tag stattfindende 4. Liga-Rennen in Wolfslake. Aber nicht nur für die Hessentruppe verlief dieser Renntag völlig daneben, nein, auch für die Hausherren um Matten Kröger meinte es der erste Durchgang nicht gut.
Dabei fing es grad so grandios durch Stephan Katt an, der gleich zu Beginn einen Start-Ziel-Sieg unter anderem auch über Tomasz Bajerski aufs Parkett zauberte. Der Pole sicherte den Olchinger demnach den 2 Rang vor seinem Landsmann Robert Miskowiak, auf den Hans Stange grosse Hoffnung setzte, und Michael Möller. Auch im 2. Lauf war wieder die Helmfarbe rot, die den Gastgeber kennzeichnet, in Person von Charlie Gjedde weit in Front, als er in der 2. Runde wegen Methanolmangel ausfiel!! Somit sicherte sich Jörg Pingel, der vor dem ersten Auftritt der Güstrower keine Ahnung hatte, wie das ausgehen sollte und wie das Team überhaupt stehen würde, den Laufsieg vor Tobias Kroner (als Reservist für Tommy Stange) und Hans Jörg Müller.

Catman setzte zum Titel "bester Fahrer seines Teams" an

Jörg zog den Hut vor Mattens Maschinenbeherrschung

Im 3 Lauf lieferten sich Mirko Wolter für die Wikinger und Martin Smolinski für Olching einen klasse Fight um den ersten Platz. Zu Beginn der letzten Runde konnte Wolter die Führung erobern , doch gleich darauf sprang ihm die Primärkette ab und er hatte noch Glück, dass Smolinski vorbei kam. Soviel Pech gleich mit 6 Punkten Verlust zu bezahlen war schon sehr arg, doch es gab noch einen Malheur-Kandidaten. Smolinski gewann im übrigen diesen Lauf dann vor Steffen Mell und Jörg Tebbe. Matten Kröger sah aus, als wollte er die bereits verlorenen Punkte in einem Lauf wieder rein holen, doch erwischte er ausgangs der 4. Ecke ein so bösen Auftsteiger, dass er zum einen froh sein konnte, sein Bike unter Kontrolle zu kriegen, er aber zum anderen von Rang 1 auf Rang 3 zurück fiel. Ob Team-Weltmeister Peter Karlsson Matten auch im Normalfall hätte holen können, sei dahin gestellt, doch der Schwede sicherte für Güstrow 3 Zähler vor Michael Hertrich, Matten und Weis. Soviel Pech in einem Durchgang gibt es doch gar nicht, dachten sich bestimmt die Fans die auf 7-8 Zähler kamen, die die Brokstedter schon mehr auf dem Konto hätten haben können.

BRO OLC DIE
Heat 1 3 0 2 1
Heat 2 A 3 1 2
Heat 3 A 2 3 1
Heat 4 1 3 2 0
Gesamt 4 8 8 4

Es waren schon jetzt wahnsinns spannende und packende Läufe und es versprach ein knappes Ergebnis zu werden

Heat 3: Auch in der 3. Runde war Smoli
noch vor Mirko

Von ganz hinten holte Wolter im 3. Heat Schwung und fuhr an die Spitze -
aber nur für knapp 100 Meter

Heat 4: Matten lag weit vor Karlsson und nur der Aufsteiger verhalf den Schweden zum Sieg.
Michi Hertrich zeigte (nebenbei erwähnt) ebenfalls keinen Respekt vor dem GP-Fahrer

Peter und Mirko beim netten Plausch in der Box

Smoli setzte im 5. Lauf einen drauf, nachdem er sich mit Katt an der Spitze abgewechselt hatte. Somit gingen an Catman die 2 Zähler, Pingel erhielt einen und Kroner ging leer aus. Gjedde entschuldigte sich anschliessend mit einem Laufsieg bei den Fans und seinem Team wegen des zu wenig getankten Bikes zuvor. Hertrich und Güstrows hoffnungsvolles Nachwuchstalent Danny Knakowski schrieben die weiteren Zähler, während Tebbe für Diedenbergen diesmal Null schrieb. Im Anschluss folgte für Tommy Stange der erste Lauf nach seinem Crash wieder, doch hatte er gegen Karlsson, Wolter und Bajerski nicht wirklich eine Chance und es war keine Schande gegen diese Experten zu verlieren.

Heat 7: Tommy jagte die anderen gnadenlos vor sich her

Nach drei Nullrunden konnte der Pole Miskowiak nicht nur erstmals für die Hessen siegen, sondern auch die ersten und einzigen Zähler überhaupt in diesem Durchgang einfahren. Er liess Kröger, Mell und Müller hinter sich.

BRO OLC DIE
Gesamt 4 8 8 4
Heat 5 2 1 3 0
Heat 6 3 1 2 0
Heat 7 2 3 1 0
Heat 8 2 1 0 3
Gesamt 13 14 14 7

Robert Miskowiak

Nachdem die 2. Runde unumstritten an die Brokstedter ging und direkt Anschluss gefunden haben, sollte die Runde der Diedenbergener folgen. Aus Brokstedter Sicht mochte man gar nicht gar nicht denken, was gewesen wäre, wenn...

Doch zurück zum Rennen: Auf der Aussenbahn kam Stange im 9. Lauf zwar nicht optimal weg, doch behielt er die Nerven, den Gashahn in der Startkurve auf Anschlag und zog am Feld vorbei. Dabei liess er Katt, Mell und Müller doch etwas alt aussehen.

Auch Miskowiak legte im Anschlus noch einmal einen drauf und verwies damit Smoli, Karlsson und Gjedde auf die Plätze. Spätestens jetzt wusste man, warum Papa Stange auf den jungen Polen so vertraute. Lange schauten sich die Brokstedter die Serie der Diedenbergener aber nicht mehr mit an und schickten Wolter zu einem Laufsieg auf die Bahn. Doch dieser Lauf war es denn, der den zu Anfang beschriebenen Unfall in sich hatte. Als Abbruchverursacher wurde Kral aus dem Feld genommen und für den verletzten Weis rollte Kroner ans Band. Wolter erledigte die Vorgabe seines Teams und Knakowski sowie Kroner folgten. Ab diesem Lauf nahm nicht nur die Dramatik der Positionskämpfe ab, sondern auch die Stimmung im Stadion. Zu tief sass der Schock, über das, was man da gesehen hatte.

Wolter fuhr einen wichtigen Laufsieg nach Hause

BRO OLC DIE
Gesamt 13 14 14 7
Heat 9 2 1 0 3
Heat 10 0 1 2 3
Heat 11 3 2 D 1
Heat 12 0 2 3 1
Gesamt 18 20 19 15
Bajerski machte dann im letzten Lauf des dritten Durchganges alles klar und führte die Olchinger zum Sieg. Pingel konnte als erster folgen und Tebbe hielt Brokstedts Reservisten Kristian Drossmann klar in Schach. - Es war wirklich äußerst spannend auf den ersten 3 Rängen. Und obwohl die Diedenbergener auf Gerd Riss verzichten und sie einen bösen Unfall einstecken mussten, blieb dieser Rundengewinn einmalig, denn sollten von jetzt an, bis zum Finale nur noch 4 Punkte folgen. Diedenbergen war also weg vom Fenster, doch wie würde der Dreikampf an der Spitze ausgehen. Antworten gab es in den letzten 8 Läufen dieses Liga-Matches

Olchings Bajerski machte dabei den Anfang und fuhr den Ausgleich gegenüber Güstrow nach Hause, die mit Mell 2 Zähler einfingen. Gjedde blieb unter seinen Erwartungen und somit verloren die Wikinger wieder etwas den Anschluss. Kroner fuhr auf Rang 4 ins Ziel, genauso wie Tebbe im folgenden Heat. Hier holte Karlsson nicht nur den Laufsieg, sondern auch die Führung wieder zurück, vor allem, da Müller erst hinter Katt ins Ziel kam. Pingel baute im Anschluss die Führung sogar auf 4 Punkte aus, als er Miskowiak, Kral und Drossmann, die beide ihren 2. Lauf noch fahren mussten, hinter sich lassen konnte. Im Kapitänslauf gab es für Stange dann wieder keine Chance den furiosen Laufsieg zu wiederholen, denn fuhren Smoli und Matten um die Spitze, während "Knacker" sich Tommys Angriffen erwehren konnte. Smoli verkürzte den Abstand vor den Finals somit noch einmal auf 2 Punkte, doch schien jetzt die Tendenz mit den Clubs aus Güstrow und Olching für den Tagessieg abzuzeichnen, denn verlor Brokstedt nun mit den 4 Punkten Abstand den Anschluss zu Olching

Danny Knakowski macht immer mehr auf sich aufmerksam

BRO OLC DIE
Gesamt 18 20 19 15
Heat 13 1 2 3 0
Heat 14 2 3 1 0
Heat 15 0 3 1 2
Heat 16 2 1 3 0
Gesamt 23 29 27 17

Peter Karlsson, Martin Smolinski und Robert Miskowiak
stellten sich im A-Finale dem besten Hausherren Stephan Katt.

Doch bis es zu diesem Höhepunkt kam, setzte Gjedde zum Laufsieg der Viertplatzierten an. Er verwies Knakowski, Müller und Tebbe auf die Plätze und verkürzte den Abstand zu Olching auf 2 Punkte.

Nur im Finale der Drittplatzierten fand sich Brokstedts Kapitän Matten wieder, der aber siegen konnte und nachdem Mell auf Rang 2 und Stange nach packendem Fight mit Hertrich den letzten Punkt einfuhr, konnten die Brokstedter nun mit einem Punkt an Olching vorbeiziehen. Güstrows Führung betrug lediglich 3 Zähler und es waren noch 2 Läufe offen, während Diedenbergen schon lange nicht mehr vom Podest sprach.

Im Endlauf der Zweitplatzierten siegte Bajerski vor Wolter und stellte das Remis der beiden Clubs ein. Pingel holte für Güstrow zwar nur einen Punkt, doch betrug der Vorsprung immer noch 3 Zähler, und mindestens einen Punkt würde Karlsson im grossen Finale schon fahren sollen. Viel spannender war dann schon eher das Match zwischen den Norddeutschen und den Bayern. Wer hatte die besseren Nerven, Catman oder Smoli? Wer konnte für sein Team den 2. Rang sichern?

Es war am Ende Smoli, der das schaffte, allerdings nicht mit einem Sieg, sondern mit dem 2. Rang hinter dem Schweden. Der Bayer arbeitete sich regelrecht von Rang 4 aus auf Rang 2 vor. Miskowiak profitierte am Ende dann noch von Katts Aufsteiger, der ihn von Rang 3 auf 4 zurück warf.

BRO OLC DIE
Gesamt 23 29 27 17
Heat 17 3 2 1 0
Heat 18 3 2 0 1
Heat 19 2 1 3 0
Heat 20 0 3 2 1
Gesamt 31 37 33 19
Mit diesem Sieg trat der Titelverteidiger gleich in Aktion und demonstrierte seine Klasse, doch erinnere man sich an die Punkte, die Brokstedt zu Anfang auf er Strecke lassen musste. Um auf das Statement von Jörg Pingel zurück zu kommen: Immer noch so skeptisch, was die Leistung angeht? - Klar waren alle drauf gespannt, wie sich Güstrow in ihrem ersten Match beweisen wird und kann, doch dass die Mannen aus Mecklenburg das so eindrucksvoll schafften, war schon eine Überraschung. Mit 13 Punkte (übrigens punktgleich mit Smolinski) wurde Karlsson auch bester Einzelfahrer.

2. Platz - MSC Olching
3. Platz - MSC Brokstedt + Nachwuchs

Wer siegt muss auch Sekt-duschen!
1. Platz - MC Güstrow

Alle Punkte Heat für Heat