Grasbahn EM Finale in Eenrum NL
22.08.2004

Dass das Grasbahn EM Finale in Eenrum ein Kracher werden sollte, konnte man fast erahnen, als man die Startaufstellung der Qualifizierten ansah. Doch leider konnten 2 potenzielle Podestanwärter erst gar nicht am Rennen teilnehmen. Matten Kröger sagte in der Woche aufgrund seines Schlüsselbeinbruches schweren Herzens ab, und Kelvin Tatums Traum, seinen 2. EM Titel nach 1995 einzufahren, endete im schon freien Training:
Sein Landsmann Jason Handley zog in langsamer Fahrt in der Kurve von der Aussen- auf die Innenbahn, ohne anscheinend nach hinten zu sehen. Den mit Vollspeed ankommenden Tatum bemerkte er erst als es krachte, da er nun auf Tatums Spur fuhr. Tatum versuchte noch zu reagieren und wollte nach aussen ziehen, doch verhakte sich sein Vorderrad mit dem Hinterrad von Handley und es gab nach dem Krachen einen furchterregenden Abflug, der das Aus für Kelvin bedeutete. Zunächst blieb er am Boden liegen und wurde vom Sanitätspersonal umsorgt, ehe ihn sein Mechaniker Kevin und Tuner Marcel Gerhard ins Fahrerlager trugen. Er packte sofort seine Sachen und fuhr Richtung Heimat. Einige Zeit später kam dann die Nachricht im Fahrerlager ein, dass Kelvin sich "nur" Prellungen am Arm und Hüfte zugezogen habe.

Speedway.org wünscht schnelle und gute Besserung

Für Matten Kröger kam der 1. Reservist Mitch Godden fest ins Feld, während Ralf Strack nun plötzlich die Rennen der Startnummer 14 bestreiten durfte. Maik Groen wurde als 2. Reservist nach Krögers Absage dann sofort nachnominiert und kam ebenfalls noch zum Einsatz.
Mit Gerd Riss (Europameister 2003), Maik Groen (2001), Bernd Diener (1999) und Zdenek Schneiderwind (1998 und 2000) standen 4 Fahrer am Band, die sich schon mal Europameister nennen durften. Und während Groen bei 2 Einsätzen wie Schneiderwind nach allen Vorläufen immerhin das B-Finale erreichte, konnten sich Riss und Diener erneut durch das Erreichen des A-Finals Hoffnungen machen. Allerdings bereite dem Titelverteidiger die Muskelverletzung am Arm immer noch derbe Probleme, was man nach 2 Laufsiegen auch sah, indem er die Gegner anschliessend zum Teil ziehen lassen musste.
Der laut- und 25 Mann-Starke Fanclub aus Schwarme, die auch MSC-Mitglied Enrico Janoschka heftig anfeuerten, hatten am Ende dennoch Grund zur Freude, denn standen beide im A-Finale. Und während es sich für Gerd noch auszahlte, verpasste Ricky nur denkbar knapp das Podest. Unter gesunden und fitten Umständen hätte er nach einem Blitzstart mit Sicherheit auch den Titel verteidigen können, doch war er ein fairer "Verlierer" und gratulierte seinem Nachfolger als Erster.

Mit nur einem abgegebenen Punkt im 3. Lauf gegen Riss stand Theo Pijper schon nach der Vorrunde als Bester da und konnte Gerd nach unermüdlichem Angriff in der 3. Runde den Titel vor der Nase wegschnappen und stand nun seinerseits am Ziel seiner Träume. Übrigens machte er aus seiner Startnummer 13 eine 13+½. Ist er wohl abergläubisch? Nein, nicht wirklich :-)
Schon im Training fuhr eine der schnellsten Zeiten und wusste, dass dies sein Tag werden kann.


Gerd hatte immer noch Probleme
mit dem Arm

Auf Händen zum Podest getragen

Theo und der Blick zur Konkurrenz

Vor seinem vermeindlich grössten Erfolg stand auch Stephan Katt, der insgesamt nur 2 Punkte abgegeben hatte. Zum einen an Theo und zum anderen an seinen Kumpel Ricky, den er im letzten Lauf, nachdem er die Quali fürs A-Finale schon locker in der Tasche hatte, den Weg in den entscheidenden Endlauf ebenfalls ebnete. Während Catman im letzten Vorlauf also direkt vom Start weg in Führung lag, schien dieser Plan allerdings fast in die Hose zu gehen, denn befand sich der Güstrower nur auf Rang 4. Doch wie schon so oft in dieser Saison bewiesen, zeigte Enrico Mut zur Lücke und ein grosses Kämpferherz und konnte Strack und Schneiderwind innerhalb 3 Runden überholen, ehe die beiden den Plan umsetzten konnten. Schützenhilfe oder faire Geste? Egal - auf jeden fall eine Supersache, denn fährt im A-Finale ja sowieso jeder für sich.

Eine Disqualifikation wegen Zeitüberschreitung hätte Bernd fast das Ticket gekostet. Im 8. Heat wollte sein Bike partout nicht anspringen und seine Jungs schoben und schoben. Zum Glück kam alles noch rechtzeitig in Gang und der Schwarzwälder holte sich seinen Laufsieg. Am Ende hatte wie Janoschka 15 Vorlaufpunkte. Das bedeutete also die sichere Quali zur Titelentscheidung.

Um den 6. und letzten A-Finalplatz musste ein Los durch die Offiziellen entscheiden. Dirk Fabriek und Andrew Appleton, der im übrigen erst nach dem Training im Fahrerlager aufgrund eines Ligarennens am Abend zuvor eintraf und kalt in die Rennen ging, sammelten je 12 Vorlaufpunkte. Die Majorität der Plätze war ebenso identisch, wie die 2 direkten Duelle, die sie gegeneinander hatten. In Heat 4 besiegte der niederländische Youngster den Briten und im 11. Lauf ging Andrew vor Dirk über die Ziellinie. Selbst unbeteiligte Fahrerkollegen fanden die Lösung mit dem Losentscheid etwas unfair den Betroffenen gegenüber, die gar keinen Einfluss auf dieses Szenario hatten und brachten spasseshalber einen separaten Entscheidungslauf zur Sprache. Appleton gewann dieses Losen und fand sich total erschöpft und müde von den anstrengenden Rennen an den Tagen zuvor also im A-Finale wieder, was er somit auch komplettierte.

Heat 1

Heat 2

Heat 3

Mit einem Blitzstart konnte der angeschlagene Titelverteidiger, wie schon erwähnt, also den Start und die ersten 3 Runden machen, ehe Pijper zu seinem 1. Titel fuhr. Aber auch dahinter gab es sehenswerte Fights: Katt eroberte sich zunächst Rang 3 doch bekam er von Riss und Pijper ausgangs der 1. Ecke soviel Dreck, dass er im englischen oder Matten-Kröger-Fahrstil sich so gerade noch auf dem Bike halten konnte. Er fiel prompt 2 Plätze zurück und
konnte nichts mehr am 5. Rang ändern. Ihm durchschlüpfen konnten Enrico und Bernd, die nun ihrerseits weiter um die Bronzemedaille kämpften. Mit seinen 45 Jahren schaffte es Diener dann doch, sich auf Rang 3 vorzufahren und sicherte sich somit erneut einen Podestplatz bei einer Titelentscheidung. Aber auch Enrico war trotz der verpassten Treppe zufrieden, während Catman und Andrew, der keine Chance auf die vorderen Plätze hatte, zunächst enttäuscht waren. Katt war wirklich minimal vor seinem grössten Erfolg, während Andrew aufgrund seiner Erschöpftheit seiner verpassten Chance hinterher trauerte, denn zeigte er bereits in dieser Saison sehenswerte Ergebnisse und eine tolle beständige Form.


B-Finale

In seinen Einsätzen war Maik hellwach

Vor Lauf 9 musste Zdenek das Bike wechseln
Pechvogel des Losentscheids Dirk hatte auch beim Start des B-Finals kein Glück, den warf ihn ein Cowboystart weit zurück und er konnte sich nur mit Paul Hurry um den letzten Platz streiten. Er besiegte Paul zwar in diesem internen Duell, doch war er in Anbetracht seiner tollen Vorrunde mit Rang 11 unter Wert geschlagen.

Die Mitstreiter um die Plätze 7-12 machten die vorderen Plätze also unter sich aus. Als zweitbester B-Final-Qualifikant stand EM-Küken Jannik de Jong sowie Herbert Rudolph, Zdenek Schneiderwind und Maik Goren mit am Band. Rudolph, der im ersten Lauf mächtig Plätze aufgrund von undefinierbaren Maschinenproblemen einbüsste und neben einem Laufsieg insgesamt 10 Punkte sicherte, führte im B-Finale, ehe er sich über eine Kurvendistanz mehrmals mit Schneiderwind diese Führung teilte. Er musste den Tschechen ziehen lassen und so kam er dann auch noch in Bedrängnis durch Groen, der in der allerletzten Ecke noch auf Rang 2 vorfahren konnte und Peppi auf Rang 3 verdrängte, während Jannik seinen 10. Gesamtrang von Anfang an festigte.

Beim Tennie schienen im 1. Heat die Nerven ins Band zu ziehen, denn wurde er wegen Bandberührung disqualifiziert. Glück hingegen hatte er im 8. Lauf, dass man ihm den 2. Rang nicht wieder wegnahm, da er seinen Dirtdeflektor verlor.
Für Jannik kam im ersten Heat Reservist Groen zum Einsatz und er konnte auch im 10. Heat noch einmal ans Band, da er den zuvor gestürzten Stephane Tresarrieu ersetzten durfte. Aus diesen 2 Läufen holte der Ex-Europmaiser immerhin 7 Punkte und sorgte somit dafür, dass der punktschlechteste Massimo Mora, der nur 2 Zähler einfuhr, nicht mehr mal mehr die Quali für das C-Finale erhielt.

Heat 4 mit Dirk auf Rang 2 hinter dem enteilten Rudolph

Das C-Finale wurde am Ende nur mit 4 Piloten gestartet, denn konnte der Ältere der Tresarrieu-Brüder aufgrund seiner leichten Verletzung aus Heat 7 nicht mehr antreten und auch Matthieu, der sensationell und völlig überraschend den 1. Heat gewinnen konnte, verzichtete auf den Start. (Gründe sind mir nicht bekannt). Das Feld durfte laute Reglement durch Mora nicht ersetzt werden
Somit konnte Dani Bacher, der in der Vorrunde nur 4 Punkte einfahren konnte, einen perfekten Start-Ziel-Sieg vor Mitch Godden, Jason Handley und Ralf Strack hinlegen.

??? Merkwürdig ???

Der deutsche Teambetreuer Josef Hukelmann, der auch bei den anderen Fahrern mal hier und da nach dem Rechten schaut, kam es schon vor dem 3. Durchgang merkwürdig vor, dass sich Theo Pijper die blaue Helmfarbe für den nächsten Lauf zurechtgelegt hatte, obwohl er laut Programm doch auf weiss starten sollte.
Als dann auch noch Stéphane Tresarrieu ohne Fremdeinwirkung ausgangs der 2. Ecke des 7. Laufes stürzte, geriet ich dann auch ins stolpern: Laut meinem eigenen vorgedruckten Schema, die ich mir vor jedem Prädikatslauf schon zu Hause vorbereite, sollte der Franzose nämlich erst im 8. Lauf starten. Die Rücksprache mit Josef, den ich drauf aufmerksam machte und die Kontrolle im UEM-Handbuch bestätigte also meinen Verdacht: Das ausgedruckte Schema im Programm war das Alte vom letzten Jahr und somit eigentlich falsch. (Für 2004 entwickelte die FIM, nach deren Vorgabe auch die UEM ihre Rennen fährt, für die Wertungsläufe 7-9 und 10-12 zum Teil neue Helmfarben- und Fahrereinteilungen.)

Der Rennleiter, der Jurypräsident und der Schiedsrichter verglichen dann die Startplätze mittels Programmheft und Handbuch und stellten nun ebenfalls fest, dass es sich nicht um das aktuelle Startschema handelt. Doch blieb man bei dem alten Modus von 2003, da nun ja in der Zwischenzeit auch schon der 3. Durchgang komplett gefahren war und man einfach keine Möglichkeit fand, dieses jetzt wieder in den aktuellen Modus zu ändern. Doch sollte dieses Missgeschick noch einmal bei der Jurysitzung nach Rennende angesprochen werden.

 

Alle Punkte Heat für Heat

Mehr zum Rahmenprogramm folgt morgen