Eisspeedway DM 2004

Inzell 22.01.2004

Oh je, oh je - das neue DM-System ist nicht das gelbe vom Ei. Nichts gegen den DM-Sieg von Markus und dem Vize-TItel von Stefan, doch blieb der Vorlaufbeste Günther Bauer auf der Strecke. Bereits bei der Fahrerbesprechung gab es Diskus-sionen um diesen neuen Modus. Bauers angesprochene Problematik bezog sich aber hierbei auf die Helmfarben für die Semifinals und das Finale, die nicht von den Piloten in der Reihenfolge der punkthöchsten Fahrer gewählt werden sollten, sondern zugeteilt wurden.
Pro und Contra des Systems und einige Stimmen der Piloten spiegeln den Rennabend wieder.

Günther fuhr auf Maximumkurs

Markus grub sich am Start ein

Insgesamt 20 Fahrer nannten bei der DM und mit einem 16er sowie einem 4er Feld gab es insgesamt 27 Rennen zu sehen. Bauer, Eibl, Schwaiger und Pletschacher wurden als vermeindlich stärkste Fahrer auf die Startplätze 1, 5, 9 und 13 gesetzt und trafen im 5. Heat des Abends aufeinander, nachdem jeder von ihnen klar und deutlich den ersten Lauf für sich entschied. Der gelbe Startplatz glich einer Softeisbahn und auf dieser grub sich Schwaiger am Start ein und konnte nicht mehr in die Punkte fahren. Den Sieg verbuchte Bauer vor Pletschacher und Eibl. Natürlich war Markus enttäuscht über den Ausgang dieses Laufes, doch hatte er noch genügend Läufe Zeit, ausreichend Punkte für einen Platz unter den ersten 8 der Vorrunde zu erfahren.

Im dritten Durchgang setzten sich die 4 Gladiatoren erneut gegen ihre Mitstreiter durch und punkteten erneut mit je 3 Zählern. Und während Bauer, Eibl und Schwaiger auch im 4. Durchgang die Nase vorn behielten, fiel Pletschacher in der 2. Ecke des 14. Heats weit in Führung liegend wegen Kettenrisses aus. Nun musste auch er eine Nullrunde einstecken und nach 8 bisher gefahrenen Punkten blieb ihm nur noch ein Lauf Zeit, den Platz der Top 8 der Vorrunde zu bestätigen. Überraschend stark präsentierten sich auch bis dahin schon Hans Siegl, Marian Kreklau, Anton Weber und Erich Soir, die allesamt Richtung Semifinale schielten.

Stefan musste einen Kettenriss einstecken

Robert Eibl büsste nur 2 Zähler ein

Robert Eibl setzte sich auch im letzten Lauf durch und hatte einen Platz im Semi sicher. Auch Günther und Markus gewannen ihre Läufe, während Stefan sich nach einem packenden Fight gegen Hans Siegl letztendlich geschlagen geben musste. Nach 20 Läufen standen die Teilnehmer der Semis also fest und mit den Vorlaufplatzierungen 1, 4, 6 und 7 trafen Bauer (15), Siegl (12), Kreklau (10) und Anton Weber (9) im 1. Semifinallauf aufeinander. Dieses schien auch der vermeindlich leichtere Lauf gewesen zu sein, bei dem sich ja nur die ersten 2. fürs Finale qualifizieren. Günther setzte sich gleich vom Feld ab, doch brach ihm in der Startkurve der 3. Runde der Kipphebel und aus war der Traum von der Titelverteidigung. Und nicht nur das, denn mit
dem für ihn gewerteten 4. Rang war er am Ende mit Rang 7 in der Endwertung mehr als unter Wert geschlagen. Kreklau nutzte diesen Ausfall zum Laufsieg und dem Einzug ins Finale ebenso wie Anton Weber. Für Hans Siegl blieb mit Rang 3 im Semi der 6. Gesamtplatz.

Im 2. Semifinale, die sich aus den Vorlaufplätzen 2, 3, 5, und 8 zusammensetzten, fuhren Schwaiger, Eibl und Pletschacher ans Band. Der achtplatzierte Erich Soir verzichtete auf diesen Start und nahm daher gleich Rang 8 in der Endwertung ein. Der weit aus schwerere Lauf wurde zu einem Krimi und sorgte im Anschluss für Diskussionen. Alle 3 kamen gut aus den Bändern, doch konnte sich Markus so grad noch nach einem Schlenker in der Startkurve auf dem Bike halten. Dies hatte zur Folge, dass er den Anschluss an das fightende Duo verlor. In diesem Moment bedeutete dies eigentlich, dass Markus sich vom Finale hätte verabschieden können, doch obwohl an der Spitze mit Rang 1 und 2 eigentlich alle Weichen für das Finale gestellt waren, griff Robert Stefan in der Startkurve zur letzten Runde dennoch an und beförderte ihn und sich in die Strohballen. Als Sturzverursacher wurde Eibl disqualifiziert, während man ohne Rerun Stefan und auch Markus ins Finale setzte. Damit hatte Markus nicht mehr rechnen können und während Stefan mit einigen Blessuren im Gesicht und Schnittwunden am Bein noch einmal auf die Zähne biss, konnte Markus als Einziger etwas Positives aus diesem System ziehen.

Die Führung im Finale holte sich zunächst der "lange Lulatsch", doch konnte er seinen BERU-Team-Kollegen nur bis zur 2. Ecke halten. "Ich bin bei dem Crash mit dem Kopf in die Strohballen rein und als ich im Finale auf der Bahn war, fing es um die Augen rum an zu flackern. Ich konnte Markus nicht mehr halten und war dann nur noch froh, dass ich den 2. Platz ins Ziel retten konnte", so Stefan nach dem Vize-Erfolg, den er mit einem Urschrei im Fahrerlager besiegelte. Markus konnte seinerseits nicht begreifen, was ihm da gelungen war, vor allem nach dem er in der Vorrunde einen Nuller schrieb und dann eigentlich schon aus dem Finale raus trotzdem zum Einsatz kam.

Die Plätze 3 und 4 waren schnell verteilt und so konnte Marian Kreklau seinerseits ebenfalls seinen grössten Erfolg verbuchen. Aber auch Anton Weber nahm dankend die Glückwünsche für den 4. Rang dieser kuriosen DM an.

Bereits im Training gingen die Piloten so ans Band, wie es der Startplan
mit den Heats 1-4 und des 4er Feldes vorgesehen hatte.
Einlauf im 1. Heat: Bauer - Kreklau - Kirchner - Mayerbüchler
Geburtstagskind Günther Kirchner (#2) stürzte in Lauf 6 und wurde in Lauf 14 disqualifiziert. Insgesamt kam er auf 3 Punkte und belegte Rang 14. Franz Mayerbüchler (#4) musste ebenfalls eine Disqualifikation einstecken. Am Ende gehörte ihm Rang 13 mit 4 Zählern.

Einlauf im 2. Heat: Eibl - Roth - Beeskow - Hülshorst
Christian Hülshorst (#6), der seinen Erfolg vom letzten Jahr nicht wiederholen konnte, machte auf dem Weg nach Inzell noch einen Zwischenstopp bei Gerd Riss, um sein defektes Getriebe mit Hilfe von Ütze und Hepper zu reparieren. Das Getriebe hielt zwar, doch gab sein gesamtes Material nicht mehr her, als Rang 15 mit 1 Punkt. Holger Beeskow (#7) riss sich nach einem Highsider in Lauf 12 alle Bänder in der linken Schulter ab. Voraussichtlich kostet ihm diese Verletzung 3 Monate. Andreas Roth (#8) wurde von Riss-Mechaniker Hepper begleitet und konnte insgesamt 5 Punkte einfahren, was ihm Platz 12 bescherte.

Einlauf im 3. Heat: Schwaiger - Siegl - Soir - Greisel (A)
Hans Siegl (#12), der den deutschen Junioren Meister Martin Smolinski als Mechaniker an seiner Seite hatte, fuhr ein erstaunliches Rennen. 2 Laufsiege und 3 zweite Plätze brachten ihm 12 Punkte und mit Rang 6 einen Platz in der nächsten WM-Runde. Aber auch Erich Soir (#11) darf sich darauf freuen, denn mit 7 Punkten war er der 8. Mann für die Semis, worauf er allerdings verzichtete. Schon mit WM-Erfahrung, was die Qualifikationen angeht, hatte sich Reinhard Greisel (#10), dem Joachim Kugelmann zur Seite stand, mit Sicherheit mehr erwartet. Doch kam er nach einem Ausfall im ersten Lauf nicht mehr in Schwung und scheiterte mit 6 Zählern nur knapp an der Semi-Runde.

Einlauf Heat 4: Pletschacher - A. Weber - H. Weber - Gegenbauer
Das Vater-Sohn Duell ging zu Gunsten des Juniors Anton aus, der sich ja ins Finale kämpfte. Senior Helmut, der nun fast vor 21 Jahren mit der Team WM schon seinen grössten Erfolg verbuchte, konnte es aber nicht lassen, und drehte ebenfalls am Gashahn. Immerhin sicherte er sich 6 Punkte und landete auf Rang 10. Sebastian Gegenbauer (#16) gehört wie A. Weber und Roth zu der ganz jungen Garde, die sich mit tollen Fights in Szene setzten. 5 Punkte und Rang 11 war die Ausbeute seiner ersten Eis-DM.

Die Fahrer mit den Startnummern 17 - 20 erhielten nach dem Training die Zusage, dass sie in eigenen Wertungsläufen zum Einsatz kommen. Für Lars Mieser, der nicht erschien, rückte Jochen Reischmann mit der Nr. 20 ins Feld. Reischmann, der früher als Mechaniker bei Slava Nikulin mit unterwegs war, nannte sich selber "Testpilot für Nikulin", da dieser ja aus Gesundheitsgründen dieses Jahr auf Eisspeedway verzichten muss. Bei seinem allerersten Auftritt auf dem Eis kam er immer besser zurecht und sicherte sich 3 tolle Laufsiege, ehe sich im letzten Lauf in die Strohballen verabschiedete. Lachend und ohne Blessuren kam er zurück: "Ich habe einfach keine Kraft mehr gehabt." Seine 9 Punkte führten aber zum Sieg dieses Rahmenprogramms, was in der DM Rang 17 ausmacht. Mit jeweils 6 Zählern gingen Werner Thiessen, trotz einer Startbanddisqualifikation, und Oskar Kiefer in die Wertung. Tausendsassa Arne Jasper bildete mit 3 Zählern das Schlusslicht dieser DM. Obwohl der Gespannpilot zumeist die Starts vor der Konkurrenz gewann, musste er im Laufe der 4 Runden die Überholmanöver seiner Mitstreiter hinnehmen.

Stefan Pletschacher
Markus Schwaiger
Marian Kreklau

Team BERU hatte grossen Grund zur Freude

Voices im Anschluss:

Günther Bauer

Bei der Fahrerbesprechung hast du deinen Unmut schon kund getan im Bezug auf den Startplatz für die Finals
"Der Startplatz wurmt mich am meisten, denn wenn ich 15 Punkte in den Vorläufen habe und muss dann auf Weiß starten, das ist für mich ein Witz. Das ist immerhin ein Rennen und keine Lotterie und da hat eindeutig nicht der Schnellste gewonnen sondern der Glücklichste. Das ist für mich ein Witz für einen Motorsport Veranstalter."
Man sollte also so schnell wie möglich von diesem System wieder runter?
"Ja, das wäre eindeutig besser. Man sollte A - B- C- Finals machen, so wie es auch im Grand Prix ist."

Dir ist das System nun zu Gute gekommen, denn bist du jetzt deutscher Meister geworden, aber was sagst du allgemein zu diesem System?
Allgemein sage ich, dass es sch... ist. Das hat man ja gesehen, wenn man im falschen Rennen ausfällt, so wie es beim Bauer war, dann bist du einfach weg. Es war ja keiner da, der ihn schlagen konnte. Es geht ja auch um den Rennsport, dass da alles passt, auch am Motorrad. Aber es kann dir immer was passieren nur wenn es dich grad dann trifft, dann bist du weg vom Fenster
Markus Schwaiger

Du hast nun Glück gehabt, dass du im Prinzip in der Vorrunde den Nuller hattest.
Ja, das war der Lauf wo alle vier, ich sage mal Chancen auf den Titel hatten, gegeneinander gefahren sind. Und da hatte ich nun das Pech auf Gelb zu starten, was eine Softeisbahn war. Ich habe mich total eingegraben in dem Lauf und da bin ich die ersten 2 Runden noch hart hinterher gefahren und wollte die zwei, also Pletschacher und Eibl noch kriegen, aber das ist nicht mehr gegangen. Ich habe dann gedacht, ins Halbfinale wirst du schon noch rein kommen, und so war es dann ja auch. Und das war dann alles nur noch Glück.

Robert Eibl

Was sagst du über das DM-System?
"Das ist absolut Sch... "
Du bist also auch dafür, dass man das wieder abgeschafften sollte?
"Ja, es ist einfach unfair, grad gegenüber dem Günther. Er wäre souverän deutscher Meister geworden."
Aber nichts gegen Markus' Leistung?
"Nein nein, von dem mal ganz ab, das ist gar kein Thema. Aber das System ist einfach unfair. Bei der Fahrer-besprechung ist der Günther das System schon angegan-

en und ich bin es auch angegangen, dass es absolut ungerecht und unfair ist. Aber sie haben es so gelassen.

Am Freitagmittag traf Stefan Pletschacher zum Training der Team WM auf dem Rennplatz ein. Er kam direkt aus dem Krankenhaus, wo er sich untersuchen liess. Doppelt verärgert war er auch aufgrund der nun verpüatzten Teilnahme der Team WM. Obwohl das deutsche Team schon genannt war, liess ihm der deutsche Teambetreuer Gustav Pape vor der DM ein Türchen offen. Mit dem 2. Platz hätte er den Startplatz von Robert Eibl erhalten, doch bekam er vom Arzt die rote Karte.
   
Stefan, wie geht es dir heute?
"Mir tut alles weh. Ich war gerade 3 Stunden beim Arzt. Meine Schnittwunden am Bein wurden geklebt, ich habe ein Schleudertrauma und was am 4 Lendenwirbel. Und mein Gesicht habe ich die ganze Nacht gekühlt "
Also kannst du bei der Team-WM doch nicht teil-nehmen?
"Nein, und das ärgert mich am meisten. Nun hätte ich doch starten können, doch hat der Arzt mir Startverbot erteilt. Und selbst wenn ich hätte
Stefan Pletschacher

starten dürfen, wäre ich nicht richtig fit gewesen. Und dann wäre ich schuld gewesen, wenn das deutsche Team keine Leistung gebracht hätte. Ich bin einfach nur stinkend sauer."
Wie sieht es denn mit der Teilnahme bei deinem WM-Halbfinale aus, die in 2 Wochen ist?
"Das kann ich jetzt noch nicht sagen, ich muss erst einmal abwarten."

An dieser Stelle noch einmal gute Besserung Stefan

Weitere Eindrücke vom Training

Anton Weber
Hans Siegl
Erich Soir
Holger Beeskow
Reinhard Greisel
Christian Hülshorst
Jochen Reischmann
Andreas Roth
Günther Kirchner

# Fahrer 01 02 03 04 A 05 06 07 08 B Pkt 09 10 11 12 C Pkt 13 14 15 16 D Pkt 17 18 19 20 Pkt
S1
S2
Fin
Platz
9 Markus Schwaiger *     3     0         3     3     6       3   9   3     12   2. 1. 1.
13 Stefan Pletschacher *       3   2         5       3   8   A       8     3   11   1. 2. 2.
3 Marian Kreklau 2             3     5     2     7     2     9     1   10 1.   3. 3.
14 Anton Weber       2     3       5     1     6 1         7       2 9 2.   4. 4.
5 Robert Eibl   3       1         4   3       7     3     10       3 13   D   5.
12 Hans Siegl     2           3   5   2       7 2         9     2   11 3.     6.
1 Günther Bauer * 3         3         6 3         9 3         12 3       15 A     7.
11 Erich Soir     1         1     2 2         4   3       7       0 7   N   8.
10 Reinhard Greisel     A       2       2       1   3     1     4 2       6       9.
15 Helmut Weber       1       2     3   0       3       2   5 1       6       10.
16 Sebastian Gegenbauer       0         2   2 1         3     0     3   2     5       11.
8 Andreas Roth   2             1   3     0     3   2       5 0       5       12.
4 Franz Mayerbüchler 0               T   0       2   2       1   3       1 4       13.
2 Günter Kirchner 1           S       1   1       2   D       2   1     3       14.
6 Christian Hülshorst   0         1       1 0         1       0   1     0   1       15.
7 Holger Beeskow   1           0     1       S   1 N         1   N     1       16.
20 Jochen Reischmann         3 3 6         3 9         S 9         9       17.
17 Werner Thiessen         D 1 1 2 3         3 6         6       18.
19 Oskar Kiefer         2         2 4         1 5         1 6         6       19.
18 Arne Jasper         1         0 1         T 1         2 3         3       20.

* BERU Blue Power Team