Eisspeedway Team WM,
Inzell 24.01.2004

Training der Deutschen....

...der Holländer..
...der Russen...

... und der Schweden

Bei herrlichstem aber eisigem Winterwetter wurde bereits am Freitag das Training zur Team WM ausgetragen. Ich nutzte die Zeit, um mit einigen Piloten über die Verteilung der Einzel-WM-Semifinals in Russland und Schweden zu sprechen.
   
Die Auslosung zum Semifinale ist gelaufen. Du musst nach Russland in die Höhle des Löwen, wo 8 Russen ans Band fahren und sich auch nur 8 Fahrer für den GP qualifizieren.
"Ja, das wird sicher eine schwierige Sache, aber ich muss sagen, es ist mir im Prinzip egal, wer neben mir steht. Nur gerechtfertigt ist das Ganze nicht, gegenüber anderen Fahrern genauso, weil es sicher noch andere Westfahrer sind, die sicher unter die ersten 16 im Grand Prix mitfahren können. Und die investieren genauso jahrelang ins
Franz Zorn

Material, Zeit und Geld und dann ist es natürlich schade, wenn man so eine Auslosung sieht."
Wie fühlst du dich mental?
"Mental fühle ich mich gut."
Das Maschinenmaterial passt?
"Ja, es gibt ja immer was besseres. Derzeit haben wir noch ein bisschen was zu testen. Aber es geht nicht schlecht, sagen wir mal so. Ich bin zufrieden."

Günther Bauer

Dein Platz beim Semifinale ist in Schweden, wo nur 4 Russen mit am Band stehen.
"Ja gut, es ist überall schwierig. Egal ob nun da oder da. In Schweden sind der Aakko und der Serenius auch mit dabei und die sind auch nicht zu unterschätzen. Es ist überall gleich schwierig."
Was ist für die Team WM dein Ziel?
"Unter die ersten 3"

Was rechnest du dir bei deinem Semifinallauf in Russland aus?
"Ja, was soll ich sagen, es wird sich zeigen. Man fährt einfach darunter und man hofft, dass man weiterkommt. Warten wir es einfach ab."
Markus Skabraut

Robert Eibl

Du musst dein WM-Halbfinale in Schweden fahren. Was rechnest du dir da aus, da du in der "leichteren" Gruppe bist und da nur 4 Russen sind. Die anderen müssen in die Höhle des Löwen
"Ich war jetzt schon so oft in Russland, also die Höhle des Löwen ist relativ. Das Halbfinale ist definitiv das härteste Rennen im Jahr, ganz egal wo du hinfährst. Es kommen acht Fahrer plus einen Reserve ins Finale und
es muss einfach alles stimmen. Wenn du einen guten Tag hast und es passt alles, dann passt das auch fürs Finale. Wenn du unter den ersten 8 bist ist es okay, nur das Problem ist, dass die russischen Fahrer super gut zusammenhalten und wenn dann einer mal keinen so guten Tag hat, dann wird es schwierig."
Was rechnest du dir jetzt hier bei der Team WM aus?
"Ich sage einfach mal, dass wir ein gute Teamleistung bringen und dass das einfach super gut laufen wird. Ich möchte keine Prognosen abgeben, weil alles möglich ist".

Du musst auch nach Russland, doch bist du momentan so gut drauf. Mit was für Gefühlen gehst du da jetzt hin?
"Dass, was ich heuer erreichen wollte, das habe ich erreicht, das war der deutsche Meister und alles was besser wird, ist super. Es ist schon mein Ziel, dass ich weiter komme."
Und da wird das gleiche System gefahren, wie bei der DM.
"Ja, vielleicht klappt es wieder so."
Markus Schwaiger

Ob Markus jetzt überhaupt noch nach Russland fahren kann, weiss er im Moment selber noch nicht einmal. Der Sturz im 13. Heat, bei dem er sich 2 Rippen brach, beendete zunächst einmal die Teilnahme an der Team WM. Nach einer Nacht im Krankenhaus war er am Sonntag wieder im Fahrerlager zugegen, und er drückte für seine Teamkollegen die Daumen.
"Ich weiss nicht, was jetzt mit Russland ist. Eigentlich müsste ich am Freitag in Flims mal testen, ob es überhaupt geht, denn ich kann nicht einfach nach Russland fahren, um da festzustellen, dass es doch nichts wird. Geplant ist es, das wir am Dienstag starten, doch ich muss es erst einmal abwarten, was sich ergibt", so Markus, der von seinen Schmerzen gezeichnet war.

Ivanov - Krasnikov - Chomicevich

Doch nun zum Renngeschehen

Als haushohe Favoriten fuhren die Russen ans Band, die auch das jüngste Team stellten. Der Weltmeister Vitali Chomicevich (25), Nikolai Krasnikov (19) und der Reservist Ivan Ivanov (21) waren fast die einzigen Piloten, die mit den russischen Eisverhältnissen klar kamen. So war es auch kein Wunder, dass sie am Samstag von insgesamt 6 Starts 5x mit einer maximalen Punktausbeute von 5:1 von der Bahn kamen. Bemerkenswert waren dabei die Aufholjagten von Krasnikov, der sich des öfteren am Start eingrub, doch im Laufe der 4 Runden an die Spitze fuhr. Im vorletzten Lauf des Abends wurde er allerdings disqualifiziert, da man ihn für einen Sturz des Tschechen Josef Siska verantwortlich machte. 28 Zähler von 30 möglichen war ihre Ausbeute.

Vor heimischen Publikum war es dann mehr als erfreulich, dass sich das deutsche Team um Günther Bauer so erfolgreich in Szene setzte. Den grössten Anteil am 2. Platz nach dem ersten Tag hatte Bauer, der sich nur im 1. Lauf gegen die Russen auf Rang 3 wiederfand. Mit 5 anschliessenden Laufsiegen stand er mit 16 Einzelpunkten am Ende des 1. Tages gleich mit Toni Klatovsky an der Spitze. Besonders fiel auf, dass Günther sich zumeist eingangs der 2. Ecke die Pole holte, und sie bis ins Ziel nicht mehr abgab. Nach dem Sturz von Schwaiger, der bis dahin 2 Punkte ins Ziel brachte, war nun Eibl fest mit im Feld und steuerte dann noch 4 Punkte aus 2 Läufen den 22 Gesamtpunkten bei.

Eibl - Schwaiger - Bauer + Jun - Pape

Wheelieking Klabo entpuppte sich
als Einzelkämpfer für sein Team

Den dritten Platz in der Zwischenwertung teilten sich die Tschechen und die Schweden. Überragender Mann der Tschechen war Tony Klatovsky, der nur Bauer und Chomicevich unterlag und jeden Laufsieg mit einem seiner Wheelies übertrumpfte. Tonis Bruder Jan machte seinerseits ebenfalls reden von sich - und zwar als Crashpilot. Gleich 3x ging er in Strohballen, doch blieb er jedesmal unverletzt. Reservist Josef Siska kam nur im letzten Lauf zum Einsatz und holte sich nach der Disqualifikation von Krasnikov im Rerun 1 Punkt, auch wenn dieser mit einer halben Runde Abstand ins Ziel gefahren wurde.

Die mitfavorisierten Schweden kamen nicht wirklich zum Zuge und holten nur über die Niederlande einen 5:1 Erfolg heraus. Trotz eines starken Rennens gegen die Russen blieben sie mit 1:5 auf der Strecke, doch holten sie aus den übrigen Läufen jeweils ein 3:3. Gute Führungspositionen des Schwedenduos konnten nicht ins Ziel gebracht werden und so mussten sie sich für den 2. Tag noch ordentlich anstrengen, wollte sie auf Podestkurs bleiben. Altmeister Posa fuhr 11 Zähler und Stefan Svensson holte 7 Punkte. Reservist Ulf Engenström blieb ohne Einsatz.

Posas Rennen war es nicht

Simon - Zorn - Skabraut

Mit einer nur durchschnittlichen Leistung kamen die Österreicher von der Bahn. Nur einen Erfolg gegen Finnland konten Franz Zorn und Markus Skabraut in Form eines 4:2 von der Bahn mit ins Fahrerlager nehmen. Reservist Zorn ging 5x ans Band, ehe er letzten Lauf auf den Start verzichtete und Simon ans Band rollte. Insgesamt 15 Punkte schrieben sie nach dem 1. Tag, doch sollte eine tolle Aufholjagd am Sonntag mit einem Erfolg gekrönt werden.

Was Klatovsky bei den Tschechen war, war Antti Aakko bei den Finnen - nämlich ein Einzelkämpfer. Er begann unerschrocken und stark, ehe er ab dem 3. Durchgang nachliess Dennoch gingen allein 12 der 13 Gesamtzähler auf sein Konto. Sein Teamkollege Raimo Henriksson stürzte gleich im Auftaktheat zum Ende der 2. Runde, nachdem er schon einen bösen Schlenker eine halbe Runde zuvor parieren konnte. Nach der ärztlichen Untersuchung war Raimo wieder im Fahrerlager anwesend, doch wollte er mit der Prellung am Knie erst wieder am Sonntag ans Band rollen. Seppo Klemettilä erfuhr den übrigen Punkt.

Aakko war der stärkste Finne

Tjitte Bootsma in Action

Die Niederländer Johnny Tuinstra und Tjitte Bootsma bildeten zwar das Schlusslicht mit 11 Punkten, doch gaben sie sich nicht so schnell geschlagen. Immer wieder folgten Angriffe und packende Fights mit den Mitstreitern, doch langten die Endspurte nicht, um den ein anderen Punkt ins Ziel zu bringen.

# Name 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Pkt Platz
1 Antti Aakko 3     3       2     1       1     2       13 6.
2 Seppo Klemettilä N     0       1     0       0     0      
15 Raimo Henriksson F                                        
Finland Finnland 3     6       9     10       11     13      
3 Johnny Tuinstra 2       0       2     1       0     0     11 7.
4 René Verhoef N       N       N     N       N     N    
16 Tjitte Bootsma 1       2       1     F       1     1    
Deutschland Niederlande 3       5       8     9       10     11    
5 Antonín Klatovský   3     3     3         2       3     2   18 3.
6 Jan Klatovský   0     1     F         F       F     N  
17 Josef Siska                                       1  
Tschechei Tschechien   3     7     10         12       15     18  
7 Markus Skabraut   1       0     0         2       3     F 15 5.
8 Harald Simon   N       N     N         N       N     1
19 Franz Zorn   2       1     3         1       1      
Österreich Österreich   3       4     7         10       14     15
9 Vitali Chomicevich     3     2       2   N     2         3   28 1.
10 Nikolai Krasnikov     2     3       3   3     3         X  
19 Ivan Ivanov                       2                  
Russland Russland     5     10       15   20     25         28  
11 Günther Bauer *     1       3       3   3     3         3 22 2.
12 Markus Schwaiger *     0       N       2   F     N         N
20 Robert Eibl             0                 2         2
Deutschland Deutschland     1       4       9   12     17         22
13 Per-Olov Serenius *       2     1     1       3     2   2     18 3.
14 Stefan Svensson *       1     2     0       F     1   3    
21 Ulf Engenström                                          
Schweden Schweden       3     6     7       10     13   18    
  01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21    

Tag 2, 25.01.2004

In der Nacht zum Sonntag fing es an zu schneien, was zwar zur Folge hatte, dass die Temperaturen zwar wärmer wurden, doch sollten 25cm Neuschnee in der gesamten Nacht nicht alles gewesen sein, was da vom Himmel kam. Aus der spiegelglatten Eisfläche vom Samstag, die während des Rennens hart und brüchig wurde, wurde ein weicheres, mit Schnee bedecktes Oval, dass für die Piloten komplett andere Bedingen bot - und man konnte fast sagen: Willkommen zum Schneespeedway. Das Startschema des 2. Tages wurde in entgegengesetzter Richtung ausgetragen, doch hätte man hier vielleicht die Helmfarben der gegnerischen Teams tauschen sollen.
(Kleine Anmerkung von Speedway.org an die FIM)

Bevor es aber Ernst wurde, durfte Luca Bauer (5 Jahre) wie schon am Samstag, einige Runden auf dem Oval drehen. Die Lücke, die Markus Schwaiger durch seine Verletzung gerissen hatte, konnte der Knirps noch nicht ganz füllen, doch ist das nur noch eine Frage ein der Zeit, bis er in die Fußstapfen seines Vaters tritt.

Luca on the rocks

Gegenüber dem Samstag blieben 2 Teams weiter auf der Erfolgsspur. Zum einen - na klar die Russen und dann natürlich noch Günther Bauer, der ein lupenreines Maximum am 2. Tag schrieb. Kein Gegner konnte ihm den Laufsieg streitig machen. Neben seinen 18 Punkten fuhr Eibl 5 weitere Punkte ein, die den Vize-Team-WM-Titel perfekt machten. Drittbester Fahrer in der Einzelwertung hinter Bauer und Krasnikov (15 Pkt) war Franz Zorn, der mit seinen 14 Punkten Garant für die tolle Aufholjagd um den 3. Gesamtplatz war. Mit Sicherheit hätte Skabraut auch noch mehr punkten können, doch wurde er im 1. Lauf gegen Deutschland wegen Startbandberührung vom Rerun ausgeschlossen.

Heat 23: Klabo vor Chomicevich, doch im Ziel war es andersrum auf dem 2. Platz hinter Krasnikov
Die Tschechen büssten derbe Punkte ein. Klabo lag im 38. Heat in Führung, als er von einem Highsider geschlagen wurde. Zum Glück kamen die nachfolgenden Niederländer Bootsma und Tuinstra sowie sein Bruder Jan vorbei. (Dieses Missgeschick passierte aber auch dem Russen Chomicevich im 28. Lauf, als er an dritter Stelle liegend ebenfalls einen Salto übers Motorrad machte.) Zum Glück blieben beide unverletzt, doch ging Klatovsky auch im letzten Lauf leer aus, da er ebenfalls in Führung liegend einen Ausfall gegen Österreich einstecken musste. Minimal 4 Punkte, die Klabo mit Sicherheit ins Ziel gebracht hätte, hätten den 3. Rang oder zumindest ein Stechen um diesen Rang bedeutet, denn gab es bei den Schweden keine nennenswerte Ausfälle oder Stürze, die sie zurückgeworfen hatten. Posa und Stefan kamen einfach nicht mehr zurecht und konnten nur auf 2 Laufsiege zurückblicken.
Antti fuhr für die Finnen weiter auf seinem Niveau und schrieb allein 25 von 29 Gesamtpunkten. Hätte es einen Preis für die spektakulärsten Rennen gegeben, hätten die Niederländer hier mit Sicherheit besser abgeschnitten. Bootsma und Tuinstra schenkten sich nichts und ärgerten die anderen Nationen schon mal hier und da im Laufe der 4 Runden. Immerhin fuhren sie am 2. Tag 15 Punkte und kamen damit letztendlich auf 26 Zähler.

Heat 30: Bauer suchte sich meist die 2. Kurve zum Überholmanöver

Heat 31: Krasnikov und Ivanov brachten wieder 5:1 gegen die Niederlande ins Ziel

# Name Pkt 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 Pkt Platz
9 Vitali Chomicevich 12
14
2
  2         F     N   2       0     1     52 1.
10 Nikolai Krasnikov   3         3     3   3       3     N    
19 Ivan Ivanov                   2                 2    
Russland Russland 28   33         36     41   46       49     52    
11 Günther Bauer * 16
2
4
3         3     3   3       3       3     45 2.
12 Markus Schwaiger * N         N     N   N       N       N    
20 Robert Eibl 1         2     1   1       0       0    
Deutschland Deutschland 22 26         31     35   39       42       45    
7 Markus Skabraut 6
1
8
T     1       2         0     2       1   35 3.
8 Harald Simon N     N       N         N     N       N  
19 Franz Zorn 2     2       3         3     1       3  
Österreich Österreich 15 17     20       25         28     31       35  
13 Per-Olov Serenius * 11
7
0
    3   1     0       0     1     3       33 4.
14 Stefan Svensson *     0   2     1       1     2     1      
21 Ulf Engenström                                          
Schweden Schweden 18     21   24     25       26     29     33      
5 Antonín Klatovský 16
1
1
  1     3       2         3     F     E   31 5.
6 Jan Klatovský   N     0       F         N     2     2  
17 Josef Siska   0                       0              
Tschechei Tschechien 18   19     22       24         27     29     31  
1 Antti Aakko 12
1
0
      3     1       2     2       2     3 29 6.
2 Seppo Klemettilä       N     N       N     N       N     N
15 Raimo Henriksson       F     2       0     1       0     0
Finland Finnland 13       16     19       21     24       26     29
3 Johnny Tuinstra 5
0
6
    2     1       F     2       1       1 26 7.
4 René Verhoef