Grasbahnrennen in Lüdinghausen,
20.05.2004

Wenn zu Himmelfahrt die Motoren anfangen im Westfalen Stadion zu dröhnen, kommen nicht nur die wahren Bahnsportfans nach Lüdinghausen, sondern auch die, die an Vatertag so richtig die Sau raus lassen wollen. Es sei ihnen ja gegönnt, nur sollte etwas Disziplin auch im angeheiterten Zustand seitens dieser Fans gewahrt werden. Nicht umsonst musste Rennleiter Albert Raesfeld zu immer später werdenden Stunde die Starts verzögern und Stadionsprecher die Fans immer öfter durchs Mikro ermahnen, die Sicherheitszone frei zu machen. Sie heisst schließlich nicht umsonst "Sicherheitszone" und welchen Zweck diese Zone erfüllt, wurde leider leider im Finale noch einmal deutlich:

Pechvogel Matten Kröger, für den die WM nun zu Ende

Die 7 qualifizierten Finalteilnehmer gingen nach einem sonst sturzfreien Renntag auf die Reise, doch kam es dann in der Startkurve zu diesem verheerenden Unfall, bei dem sich Matten Kröger anschliessend in eben dieser Sicherheitszone wieder fand. Theo Pijper rutschte von der Innenbahn aus das Vorderrad weg und wurde Richtung Bande getrieben. Der folgende Matten konnte nicht mehr ausweichen, kollidierte mit der Maschine von Theo, prallte mit dem Oberkörper auf seinen Lenker und schlug mit dem Rücken erst gegen die Bande und fiel anschliessend über diese rüber. Zdenek Schneiderwind, der selber nicht sehen konnte, was sich vor ihm ereignete, stürzte ebenfalls und blieb einige Meter später liegen. Theo schien unverletzt geblieben zu sein und wurde gleich zurück ins Fahrerlager gefahren. Zdenek konnte nach einem ersten Check

von den Sanitätern ebenfalls zurück, doch Matten musste erstversorgt werden, ehe man ihn mit Verdacht auf Rippenbruch ins Krankenhaus brachte. Dieser Verdacht bestätigte sich dann später und man stellte 4 Rippenbrüche (2 an jeder Seite) neben erheblichen Prellungen fest. Nach einer Nacht, die er zur Beobachtung da bleiben sollte, entschied er am nächsten Tag für sich selber, noch einige Tage länger dort zu verweilen, denn fühlt sich der Bokeler "wie von einem Panzer überrollt".

So gesehen hatte Matten aber noch Glück gehabt, doch war dies bereits der 2. schwere Sturz, den er innerhalb von 12 Stunden einstecken musste. Am Abend zuvor stürzte er bei einem Ligarennen in Kopenhagen ebenfalls, kam da aber unbeschadet davon, während sein Speedwaybike nur noch Schrottwert hat. Aufgrund dieses Ligarennens traf Matten auch erst nach der Trainingsesssion ein und fuhr ohne NBM-Teilnahme seine Rennen. Auch das Langbahnbike war nun nach diesem Crash völlig krumm und die WM-Semifinalteilnahme in Parchim kann er nun auch vergessen, denn lautete die vorsichtige Prognose des Arztes 3-4 Wochen Pause.

Speedway.org wünscht Matten baldige Genesung und Toi Toi Toi - Kopf hoch, Matten!

Ob und in wie fern Theo diesen Unfall überstanden hat, konnte ich nicht in Erfahrung bringen, da er alsbald das Stadion verliess. Wie es hiess, musste er um 20.00 Uhr in Amsterdam am Flughafen sein, da er den Flieger zurück auf die Insel erreichen musste, um am Freitag wieder ein Ligarennen zu bestreiten. Zdenek konnte ich allerdings nach dem Rerun des Finals noch fragen und er klagte über Schmerzen im linken Handgelenk und in der rechten Hüfte.

Auch an Zdenek gute Besserung

Doch was geschah bis zum Finale?

Erstmalig in der Bahnsportszene organisierten die Veranstalter einen Pitwalk, bei dem sich die Fahrer ihren Fans so präsentieren durften, was ihnen gerade einfiel. Autogrammkarten waren in Null-Komma-Nichts weg und immer wieder wurden Fotos der Idole gemacht. Allerdings vermissten einige Fans auch die Möglichkeit, direkt die Technik im Fahrerlager zu begutachten, doch blieben dies die Ausnahmen.

Appleton und Schneiderwind
"Who is Who" bei den Dieners
Auch Matten stand hoch im Kurs
Der König und sein Gefolge

Der ungekrönte König

Schon am Abend zuvor gab es eine Zeltfete, wo unter anderem die Lokalmatadoren Hülse, Jens Klein, der allerdings nach seinem Sturz in Vechta nicht in der B-Lizenz antreten konnte und auf Krücken durch die Gegend humpelte, sowie die I-Lizenz-Aufsteiger Markus Gössing und Maik Domscheit, die ihr erstes internationales Rennen auf dem Heimkurs vor sich hatten, hier schon dem rasenden Reporter Stephan Prante Rede und Antwort standen. Barths Mechaniker Disco und Michel berichteten derweil Speedway.org ihre Eindrücke vom Speedway Grand Prix in Prag, wo Robert einige Tage zuvor als Wildcardfahrer teilgenommen hatte. Was das Team dort erlebte und was sich im Fahrerlager alles abspielte, würde eine eigene Internetseite füllen, doch empfehlen sie auf alle Fälle die TV-Übertragung anzusehen, die (hoffentlich) in Kürze ausgestrahlt wird.
Als König vom Westfalenring trat Robert aber wieder zurück in sein Metier und stand vor seinem vermeintlich 7. Sieg auf dem Westfalenring, obwohl er pessimistisch diesem Ereignis gegenüber stand.

Viel Glück für das Rennen wünschte man natürlich auch Bernd Diener, der beim letzten Auftritt im Westfalenstadion ja nicht weiter als bis zur 1. Ecke des Eröffnungsheats kam und sich bei dem Sturz beide Arme brach. Doch zeigte der "alte Haudegen", dass er diesen Crash mental gut verarbeiten konnte und musste sich jetzt im Familienduell gegen Sohnemann Patrick behaupten. Zweimal traten die Dieners gegeneinander an, wobei der Papa siegen konnte. Den NBM-Lauf gewann Bernd klar und deutlich, während Patrick über 3 Runden auf Rang 3 lag, ehe Enrico Janoschka ihn mit der letzten Runde abfangen konnte. Dennoch war Patrick voll zufrieden über die Ausbeute seiner ersten 2 NBM-Punkte in diesem 8er-Feld.

Bernd und Patrick

Die "blaue Amader" mit Bernd Diener, Stephan Katt, Patrick Diener, Enrico Janoschka und Christian Hülshorst führten die "Bunten" in die erste Ecke". Wie schon erwähnt, konnte Enrico nach tollem Fight mit dem Aufsteiger den 3. Rang am Ende im Ziel behaupten.

1.
Bernd Diener
5
2.
Stephan Katt
4
3.
Enrico Janoschka
3
4.
Patrick Diener
2
5.
Christian Hülshorst
1
6.
Benjamin Hegener
0
7.
Jörg Tebbe
0
8.
Stefan Bromberg
0

Während der Ehrung der NBM-Sieger bereite Zeitnehmer Thomas Burkhardt alles für den anschliessenden Bahnrekord vor. "Achtung, wer zu schnell fährt, wird geblitzt... und siegt", so das Motto des Laufes gegen die Zeit. Aus dem Training qualifizierten sich neben dem Bahnre-kordhalter Robert Barth auch Bernd Diener und Enrico Janoschka, der im Pflichttraining nicht nur Barth in Schach hielt, sondern auch die schnellste Trainingszeit fuhr. Nur um 18-hundertstell verpasste Robert seinen eigenen Rekord, doch wurde er für den Sieg des Bahnrekordes natürlich separat geehrt.

1. Robert Barth 27,94 sec 128,85 Km/h
2. Enrico Janoschka 28,38 sec 126,85 Km/h
3. Bernd Diener 28,47 sec 126,45 Km/h
An dieser Stelle sei auch einmal ein großes Dankeschön an Thomas Burkhardt gesagt, der mit seiner Computertechnik immer für die genausten und schnellsten offiziellen Ergebnislisten sorgt, von denen nicht nur Speedway.org profitiert

Die lautstarke Fantruppe inklusive der Ente Erna drückte dann in den Läufen vor allem Hülse die Daumen, der beim Pitwalk für "Nagelversenken in 3 Schlägen" ein Bier springen liess. Nach 5 Vorlaufpunkten reichte es für den Lokalmatadoren nicht mehr zum Einzug ins Finale und stand schon in seinen Zivilklamotten am Fahrerlagerwall. Nach dem Abbruch im Finale huschte er allerdings ganz fix wieder in sein Renndress, da er nach Mattens Ausscheidens und Theos Verzicht am Rerun wie Jörg Tebbe als folgender Reservist zum Rerun zugelassen wurde. Aus der Not machte Hülse dann eine Tugend und bot seinen Fans was für die
Galerie. Als vierter konnte er in die Startkurve einbiegen, doch verfiel er in eine Orientierungslosigkeit aufgrund der starken Staubentwicklung, berührte mit dem Lenker ausgangs der Kurve schon die Bande, die er einige Meter als Führungsschiene nutzte und schaute rechts über diese rüber. "Da war wenigstens kein Staub", so Hülse, der nun, natürlich abgeschlagen, dem Feld "hinterher-wheelte" und dafür den Applaus auf seiner Seite hatte.







Bis es aber zum Finale kam, musste jeder Pilot 4 Vorläufe bestreiten, von denen das schlechteste Ergebnis als Streichresultat galt. Nach einem Sonderlauf am Vormittag, bei denen sich Kalle König, Stefan Bromberg und Mandi Knappe für den letzten freien Platz qualifizieren mussten, und in den Bayer den Sieger fand, schieden Knappe (0), Benny Hegener (2), Patrick Diener (3) Maik Groen (4) und Andrew Appleton (4) aus, während Hülse (5) und Jörg (7) ja im 2. Finallauf als Reservisten das Feld wieder auffüllen durften. Während Mandi, Benny, Patrick und Maik mit den Gegner in diesen Vorläufen zu kämpfen hatten, stritt sich Andrew fortwährend mit seinem Getriebe. Der Brite, der zuvor noch nie eine so lange Grasbahn gesehen hatte, mochte im Training die Bahn noch nicht wirklich, doch gestand er nach Rennende, dass sie ihm im Laufe der Rennen immer besser gefallen hätte, was er auch mit tollen Aufholjagten für sich bestätigen konnte. Allerdings kam er in der ersten 3 Läufen nie in den 2. Gang und musste dem weit enteilten Feld hinterher eilen und fand jedesmal wieder den Anschluss. Was er wirklich im Stande war zu zeigen, demonstrierte der knapp 22-Jährige im letzten Vorlauf als er auf 2 Rang ins Ziel kam. Allerdings muss man auch erwähnen, dass Stephan Katt in der letzten Runde an führender Position die Hinterkette riss und Andrew dadurch noch einen Zähler geschenkt bekam.
Mit Catman befinden wir uns nun auch mitten im Feld der Finalisten. Robert ging nach 19 gefahren aber 15 gewerteten Punkten als Führender in den Endlauf gefolgt von Bernd, der im letzten Vorlauf den Weltmeister besiegen konnte und nach zwei Siegen und zwei 2. Plätzen von seinen 18 gefahrenen Punkten 14 mit ins Finale nahm. Neben Robert unterlag Bernd auch einmal Enrico, der als schlechtesten Lauf einen 3er streichen durfte. Der DM-Dritte, der sich sichtlich auf dem 1000 Meter Oval wohl fühlt, konnte somit von seinen 16 Punkten 13 mit ins Finale nehmen und verwies Theo Pijper somit auf den 4. Vorlaufplatz. Noch im Training haderte der Speedway-profi mit der Technik, die er aber im Rennen wieder in den Griff bekam. Von einem Laufsieg über Enrico bis hin zu einem 2. Rang fuhr er ins Ziel und durfte diese 2. Punkte als Streichergebnis nehmen. Stephans Ausfall im letzten Vorlauf kosteten ihm nicht nur 5 Siegpunkte, sondern auch 2, die er mehr fürs Finale hätten haben können. Mit 10 statt 12 von vermeintlichen 15 Vorlaufzählern zog Catman also ins Finale, dem dann erst Matten folgte. Es lag nicht am Sturz vom Vortag, dass Matten nicht mehr als 10 Vorlaufpunkte sammelte - wie man irrtümlicher Weise hätte annehmen können, sondern eher daran, dass er verschiedenste Setups für Parchim testete. Nach eigentlich immer sehr guten Starts passte die Abstimmung dann im letzten Vorlauf, wo er erstmalig - aus seiner Sicht - den Startsieg auch ins Ziel bringen konnte. Mit 9 von 10 gefahrenen Punkten stand er aber im Endlauf genauso wie Zdenek, der 8 von 9 gefahrenen Punkten gewertet bekam.
Was nach dem Start in der ersten Ecke geschah, wurde schon erwähnt und auch das, was Hülse aus dem Rerun machte, doch wurde noch nicht erwähnt, wie der letzte Lauf des Tages endgültig ausging. Nach der Reihenfolge der gewerteten Vorlaufpunkte kamen die Akteure nach den letzten 3 Runden des Tages wieder ins Ziel und somit konnte Robert nun schon zum 7. Mal insgesamt gewinnen. Bernd und Enrico folgten ihm aufs Podest auf den Plätzen 2 und 3.

Wie "I-Solo Küken" Patrick Diener nun seinen ersten richtigen Renneinsatz in der internationalen Lizenzklasse gesehen hat, verriet er Speedway.org nach Rennende:
"Ich bin voll zufrieden, habe im NBM-Lauf den 4. Platz geholt und war 3 lang sogar Dritter und auch vom Rennen her bin ich voll zufrieden. Ich habe immer mal wieder einen Punkt geschrieben und das in diesem 7er Fahrerfeld und habe vor allem Anschluss gehalten. Es ist mir keiner weggefahren und ich bin immer schön dran geblieben und das war eigentlich das Wichtigste."

# Name Nat 3 4 9 10 14 15 19 20 Pkt Gew 23 Pkt Platz
1 Robert Barth Deutschland
5
5
5
4
19
15
5
20
1.
17 Bernd Diener Deutschland
5
4
4
5
18
14
4
18
2.
3 Enrico Janoschka Deutschland
4
5
4
3
16
13
3
16
3.
5 Stephan Katt Deutschland
3
4
3
A
10
10
2
12
4.
2 Theo Pijper Niedelande
4
3
5
2
14
12
S/N
12
5.
6 Matthias Kröger Deutschland
3
1
1
5
10
9
S/N
9
6.
4 Zdenek Schneiderwind Tschechische Republic
2
3
3
1
9
8
S/0
8
7.
7 Jörg Tebbe Deutschland
0
1
2
3
6
6
0
6
8.
11 Christian Hülshorst Deutschland
1
2
0
2
5
5
0
5
9.
9 Andrew Appleton England
0
0
0
4
4
4
4
10.
12 Maik Groen Niedelande
2
2
0
0
4
4
4
11.
19 Patrick Diener Deutschland
1
0
2
0
3
3
3
12.
8 Benjamin Hegener Deutschland
0
0
1
1
2
2
2
13.
10 Manfred Knappe Deutschland
0
0
0
A
0
0
0
14.

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