Langbahn WM Lauf 4 in Morizes,
04.09.2004

Wie sich mittlerweile schon rum gesprochen hat, gab es in Morizes einen fürchterlichen Crash, bei dem sich Matt Read und Zdenek Schneiderwind schwer verletzten, während Uppie Bos mit einer Rippenprellung und einer Schnittwunde am Arm noch glimpflich davon kam. Bei Zdenek stellte man einen Bruch am Fussgelenk fest, der noch operiert werden musste, sowie einen Bruch am Ellenbogen. Ihm geht es den Umständen entsprechend und kann sich auch an den Unfall erinnern.
Matt, den man auf der Bahn reanimieren musste, wurde direkt nach Bordeaux ins Krankenhaus gefahren, wo man neben schweren Brustprellungen auch einen Wirbelbruch diagnostizierte. Glück im Unglück: der Nervenkanal ist soweit okay, s.d. man hier davon ausgehen kann, dass es dabei vorraussichtlich wohl keine Spätfolgen geben wird. Allerdings macht den Ärzten ein grosser Bluterguss am Gehirn etwas Sorge, den man aber unter ständiger Kontrolle hält. Matt liegt derweil im künstlichen Koma, doch zeigte er zuvor Reaktionen bei den Untersuchungen.

Drücken wir Matt die Daumen, dass es ihm bald besser geht
und auch Zdenek wünschen wir gute Besserung.

Ein neuer Bahnbelag

Ein neuer Bahnbelag sorgte bereits beim Training am Freitag für etwas Gesprächsstoff, der sich tief und sehr sandig präsentierte. Tiefe Rillen waren die Folgen der jeweils 20-minütigen Trainingssitzungen pro Gruppe, doch bearbeitete man die Strecke am Samstag vor dem Rennen mit Wasser, s.d. die Bahn zu Beginn in etwas besserem Zustand war. Obwohl der Bahnbelag im Laufe der Veranstaltung (auch durch die 3 Gruppen des Rahmenprogramms) immer tiefer wurde, kann man bei dem Unfall davon ausgehen, dass es sich um einen Rennunfall handelte und nicht auf die Bahn zurückzuführen ist.
Auch der Unfall, bei dem Sirg Schützbach eingangs der 2. Ecke quer kam und Massimo Mora keine Chance zum Ausweichen hatte und direkt in Sirg hinein rauschte, war ein reiner Rennunfall. Beide kamen noch relativ glimpflich davon, auch wenn beide mit den Blessuren an Händen und Oberschenkel (in Sirgs Fall) und Fuss (bei Massimo) nun etwas zu tun haben.
Ein Ausrutscher von Dirk Fabriek und auch der Bandeneinschlag von Stéphane Tresarrieu blieb aber währenddessen ohne schmerzhafte folgen. Aufgrund der vielen Stürze blieb die Euphorie dieses Klassikers in Morizes aber immer mehr auf der Strecke, und man war einfach nur froh, dass die Sieger gegen 2.00 Uhr Nachts endlich feststanden. Man diskutierte nach dem 11. Lauf und den schlimmen Folgen schon über die Fortsetzung der Veranstaltung und während man das Rahmenprogramm bestehend aus einer internationalen Solo-Gruppe, den 1000ern aus England sowie der 125ccm Klasse für den 4. Durchgang cancelte, kam der Bahndienst für die restlichen Heats nach jedem Lauf heraus, um noch weiteres Unheil zu vermeiden. (Zuvor kam dieser nach den 3. WM-Läufen und den 3. Rahmenklassen auf die Bahn)

Doch nun zum Renngeschehen

Das obligatorische Gruppenfoto mit allen Fahrern

Zum 4. Mal konnte sich Bernd durch den Last Chance Heat fürs feste Feld qualifizieren

Mit dem Last Chance Heat ging man wie üblich auch in den 4. WM-Lauf, bei dem sich Bernd Diener nach gewonnenem Start am Ende hinter Stéphane Tresarrieu auf Rang 2 durchsetzten konnte. Auf Rang 3 kam Bruder Sébastien vor Matten Kröger ins Ziel, doch disqualifizierte Referee Toni Steele den jungen Franzosen wegen Durchfahrens des Innenfeldes, so dass Matten den Platz des 1. Reservisten erhielt. Der jüngste des Tresarrieu-Clans kam auf den Platz des 2. Reservisten, doch verzichtete er auf seine Starts und überliess sie Matten. Jörg Tebbe, der nach Sébastiens Ausschluss auf Rang 5 gewertet wurde, wurde ebenfalls zum Zuschauer .

Wie schon im Training zeigten sich die Startplätze 1 und 2 sowie 6 als die besten und so konnten auch die Fahrer auf diesen Startgates die meisten Punkte im ersten Durchgang holen. Während Gerd Riss, Stephan Katt und Kelvin Tatum jeweils siegten, konnten Zdenek, Matt und Maik Groen, der im übrigen sein letzten Rennen in Frankreich fuhr und nach dieser Saison aus beruflichen Gründen den Stahlschuh an den Nagel hängen wird, jeweils einen 2. Rang ins Ziel bringen. Mit einem 3. Rang war auch Bernd dann noch gut mit dabei, doch konnten aus deutscher Sicht Robert Barth nur 2 und Peppi Rudolph nur 1 Zähler schreiben, während Enrico Janoschka mit einem 6. Rang völlig unterging.

Heat 2 musste sogar wiederholt werden, da Dirk Fabriek, wie schon angesprochen, in der 2. Kurve an 2. Stelle liegend wegrutschte. Auch hier befand sich Robert im hinteren Drittel und konnte auch im Rerun als Trainingsschnellster die Chance auf eine bessere Platzierung nicht nutzen. Ohne weiteren Vorkommnisse ging es dann anschliessend in den 2. Durchgang, wobei sich Zdenek und Catman die nächsten Laufsiege sicherten. Im 4. Heat kam Robert wieder schlecht aus den Bändern und bekam obendrein noch einen heftigen Strahl, so dass er ans Ende des Feldes fiel. Matt Read fiel ebenfalls in diesem Heat erst zurück und schließlich aus, doch bekam er nicht mit, dass der Weltmeister noch eine Runde zu fahren hatte, als er nach seinem Ausfall bereits die Bahn zum Fahrerlagertor kreuzte und es hier schon nach einem Zusammenstoß aussah.

Nach gewonnenem Start musste sich Enrico anschliessend Katti beugen, der eindeutig schneller unterwegs war. Dennoch setzte Ricky mit diesem 2. Rang zu einer Aufholjagd aus Punktesicht an, die ihm später das A-Finalticket sichern sollte. Heat 6 war dann das Aus für Sirg und Massimo. Gerd sicherte sich dann im Rerun den Sieg vor Kelvin, während Bernd und Matten ins Ziel folgten. Matten kam für Mora ins Feld, da Sirg als Abbruchverursacher disqualifiziert wurde.

Warten am Vorstart

Ricky und Catman

Heat 2 vor Dirks (#7) Ausrutscher

Bernd und Robert auf A-Finalkurs

Catman durfte 2x die Zielflagge
der Siegerrunde zeigen

Tolle Überraschung für Bert van Essen: Theo bedankte sich bei der Fahrervorstellung bei seinem Tuner für den Gewinn des EM-Titels

Mit dem 3. Durchgang kam nun der Weltmeister zurück ins Spiel und holte sich seinen 1. Laufsieg. Vor Bernd, der sich von 3 auf 2 gegenüber Peppi vorkämpfen konnte, erhöhte Robert sein Punktekonto auf 8 Zähler und konnte sich somit schon einmal das C-Finale vom Leib halten. Mit einem überraschenden Laufsieg wahrte sich Maik Groen auf einmal sogar auch die Chance auf das A-Finale, während Enrico nach der Aufholjagd gegenüber Uppie wieder Rang 2 ins Ziel brachte.
Im Anschluss drehte Kelvin den Spiess um und holte sich seinen Laufsieg gegenüber Gerd wieder zurück, was aus Punktesicht ein Unentschieden ausmachte. Theo Pijper, der nach 2 Punkten in Heat 1 im 2. Durchgang aufgrund von Maschinenproblemen keine Punkte ins Ziel bringen konnte, konnte jetzt auch nur 3 Punkte schreiben und war natürlich enttäuscht über die bisherige Ausbeute.

Den Auftakt zum letzten Durchgang setzte Robert in einen Laufsieg vor Andrew Appleton um. Der junge Brite schraubte sein Konto nach 2 fünften und 2 zweiten Plätzen auf 10 Zähler, was ihm das B-Finalticket bescherrte, während Robert mit 13 gefahrenen Punkten noch auf die Konkurrenz warten musste, ehe er Gewissheit über die Finalteilnahme erhielt. Glen Philipps, den man gegenüber Pfarrkirchen aus fahrerischer Sicht gar nicht wieder erkannte, stand wie Andrew mit 10 Punkten derweil schon mal sicher im B-Finale.

Der folgende Start endete dann mit der langen Pause nach dem schrecklichen Unfall: Gerd und Ricky setzten sich in der Startkurve an die Spitze, während Peppi Probleme beim Umschalten in den 2. Gang hatte und somit zum Glück nicht in den Unfall verwickelt wurde. Zdenek und Matt verhakten sich Mitte der Kurve, wurden nach aussen getragen und schlugen in die Bande ein. 2 Plankenteile mit einer Breite von je 5-6 Metern wurden weggerissen und zu allem Überfluss fuhr auch noch Uppie in dieses Chaos herein.
Was anschließend geschah, wurde schon ausgiebig erwähnt, doch schlotterten Peppi im Fahrerlager gewaltig die Knie und bedankte sich bei seinem Schutzengel und dem Getriebeproblem, während Gerd und Ricky erst nach dem Abbruch von dem Crash erfuhren.

Es war schwer nach den Bildern, den ersten Diagnosen und der langen Wartezeit wieder zur Tagesordnung zurückzukehren, doch einigten sich die Fahrer und einige Mitglieder der Jury auf die Fortsetzung des WM-Rennens, während alle anderen Läufe ja gestrichen wurden. Nach den 3 verletzungsbedingten Absagen von Matt, Zdenek und Uppie füllte Matten als vierter Fahrer den Rerun wieder auf und durfte noch einmal auf Punkte hoffen, doch blieb er insgesamt gesehen unter seinen eigenen Erwartungen - aber nach der Schlüsselbeinverletzung durfte man als Aussenstehender noch nicht zu viel verlangen.
Gerd siegte vor Ricky, Peppi und Matten, ehe auch Kelvin im letzten Vorlauf wieder einen Laufsieg fuhr, während Catman und Theo folgten.

Jury-Präsident und Teambetreuer Josef Hukelmann diskutierten mit den WM-Piloten

Auch wenn jetzt gerechnet werden musste, was die Einteilungen der Finals anging, wusste man schon einmal, dass sich nur das A-Finale mit 6 Fahrern stellen würde. Während Sirg ohne gefahrenen Punkt eh aus den Top 18 heraus war und keinen WM-Punkt erzielen konnte, teilte man die WM-Matchpunkt von Matt und Massimo mit 1,5 und die von Uppie und Zdenek auf 7,5 Zähler. (Regel aus dem FIM-Reglement sieht das so vor)
Somit fanden sich im C-Finale nur Theo (8), Stéphane (6), der sich im letzten Vorlauf durch seinen Bandeneinschlag noch um 4 wichtige brachte, Matten (6) und Dirk (3) wieder.

C-Finale

Theo legte einen sauberen Start-Ziel-Sieg hin, doch verlor er in der Gesamtwertung der WM wichtige Punkte. Stéphane, Matten und Dirk folgten ins Ziel und erhielten die für ihre Platzierung vorgesehenen WM-Punkte.

B-Finale

Mr. B-Final-Champion Andrew Appleton schlug auch in Morizes wieder zu und sicherte sich den 3. B-Finalsieg im 4. WM-Rennen. (Nur in Pfarrkirchen büsste er 3 Plätze ein) Insgesamt gesehen kletterte der Shootingstar dieser WM aber von Rang 7 auf 5 in der Zwischenwertung. Rang 2 ging an Maik Groen, der definitiv damit seine letzten Runden auf dem Oval in Morizes fuhr. Um Rang 3 gab es noch einen Fight zwischen Peppi und Glen, den der Bayer aber letztendlich doch für sich entscheiden konnte.

A-Finale

Wie schon eine Woche zuvor in Pfarrkirchen hiess das A-Finale Kelvin gegen Deutschland, nur mit dem Unterschied, dass an Stelle von Peppi Ricky in die Top 6 einzog. Die Punktzahl von 12 Zählern hielt sich aber gegenüber den anderen Rennen im niedrigeren Bereich, s.d. es unter anderem auch Robert noch nach dem verkorksten Rennbeginn aus seiner Sicht reichte. Da Kelvin und Gerd mit je 19 Vorlaufpunkten die gleiche Majorität aufwiesen, musste die Jury wieder um den 1. Vorlaufplatz losen. Diesmal viel das Los auf Kelvin und er nahm auf Rot Platz. Gerd stellte sich auf Blau, Catman (16) nahm Weiss, Robert (13) ging auf Schwarz/Weiß, Ricky (12) wählte Gelb/Schwarz und für Bernd musste sich mit Grün begnügen.
Kelvin liess diesmal vom Start weg nichts anbrennen und fuhr mit Vorsprung ins Ziel, auch wenn er Ende der 3. Runde leichte Probleme hatte und fast zu stürzen drohte, als er sein Bike ausgangs der Kurve etwas überzog. Genauso sicher waren dann aber auch die Plätze von Gerd, Robert, Stephan, Bernd und Enrico.

Mit diesem Sieg konnte Kelvin 10 Punkte Vorsprung herausholen, während Gerd seinerseits 16 Zähler vor Bernd Rang 2 sicher inne hat. Aus Bernds Sicht ist echt schon erstaunlich, dass er sich zum einen immer der nervlichen Anspannung durch den Last-Chance-Heat kämpfen musste und sich als "Oldie" jedesmal bis ins A-Finale kämpfen konnte. Mit dem 4. Rang (8 Punkte hinter Bernd) konnte auch Enrico seinen 4. Rang sichern, der damit wie Andrew ebenfalls als Shootingstar dieser WM-Runde zu bezeichnen ist. Auch wenn Andrew jetzt 9 Punkte hinter Ricky auf dem 5. Rang liegt, wird es hinter ihm nun mächtig eng. Da sind mit dem letzten Lauf in Neuseeland mit Sicherheit noch einige Verschiebungen möglich, während, meiner Meinung nach, die Top 4 schon feststehen, sollte nicht einer von ihnen noch ganz gewaltig einbrechen. - Lassen wir uns überraschen!!!

Alle Punkte Heat für Heat

Die Tabelle

Im Rahmenprogramm traten unter anderem auch Daniel Bacher und Christian Hülshorst an, die sich am Ende auf den Rängen 1 und 2 gegenseitig beglückwünschen konnten. Die beiden, wie auch der drittplatzierte Paul Cooper, hätten nach dem Unfall auch auf ihren 4. Start verzichtet, wäre dieses Canceln nicht von offizieller Seite gekommen.

Während Hülse ohne Training (sein Bruder musste erst noch arbeiten, sonst hätte Hülse keinen Mechaniker gehabt) kalt in die Rennen ging, konnte Dani ausgiebig die neuen Bahnverhältnisse testen. Cooperman ging mit einer Fussverletzung schon angeschlagen ins Training, doch machte ihm dies nichts aus und er konnte auch in den 3. Durchgängen am Samstag seinen verwegenen Fahrstil präsentieren.

Hülse bekam ein Bandstart geschenkt, da im Auftaktheat Philippe Ostyn einen Abbruch nach seinem Cowboystart verursachte. Dies nahm der Lüdinghauser gleich zum Laufsieg vor Paul und Dani wahr. Im 2. Lauf, wo sich Harm Jannes Renkema in der 2. Ecke nach einem Sturz an der Hüfte verletzte und anschliessend nicht mehr antrat, siegte dann Ostyn vor Dani, während Hülse und Cooperman erst hinter Christoph Dubernard ins Ziel kamen. Dani sicherte sich mit dem Sieg im vorzeitigen letzten Lauf auch den Tagessieg, während Paul und Hülse auf Rang 2 und 3 ins Ziel kamen, auf dem Podest aber die Plätze tauschten.

#
Name Nat
1
2
3
Pkt
Platz
5
Daniel Bacher Deutschland
3
4
5
12
1.
2
Christian Hülshorst Deutschland
5
2
3
10
2.
6
Paul Cooper England
4
1
4
9
3.
1
Christophe Dubernard Frankreich
1
3
2
6
4.
3
Philippe Ostyn Frankreich
S
5
A
5
5.
4
Harm Jannes Renkema Niederlande
2
S
N
2
6.