Grasbahnrennen in Opende NL
19.06.2004

Man traute seinen Augen nicht, als man auf das Gelände kam: Die Bahn sah aus, als ob sich in Opende kein Rad mehr drehen wurde. Durch die vielen Rennen am Freitag und den Regen in der Nacht glich die Strecke einem Matschfeld, doch berieten sich die Offiziellen und Akteure und kamen zu dem Entschluss, dass man erst kurz vor dem Start mit dem Bahndienst beginnen wollte. Man wusste nicht, wie sich das Wetter verhalten würde, obwohl die sonnigen Abschnitteüberwogen. Das Training wurde gecancelt - oder besser gesagt - auf eine Runde vor den jeweiligen ersten Heats verkürzt. Eine Zehnerschaft an Bahndienstfahrzeugen wurden zum Einsatz gebracht und sorgten für das Optimum an Bahnverhältnissen.

Bahnbesetzung der anderen Art

Dass die Strecke nicht perfekt werden konnte, war schon klar, und die hinten im Feld fahrenden Piloten hatten auch mehr mit dem Dreck als mit den Gegnern zu kämpfen, doch gab es trotz allem noch guten Bahnsport zu sehen.

Der Bahndienst hat zwar lange gedauert aber war nötig

Mit der Fahrerpräsentation wurde auch ein junger Mann vorgestellt, der in Opende seinen 45. Geburtstag feierte: Bernd Diener, der seit über 2 Jahrzehnten aktiv den Bahnsport betreibt, freute sich nicht nur über das Präsent der Veranstalter, sondern auch über die "Mitbringsel" seiner Fans. Ein eigenes Geschenk machte sich Bernd dann im Laufe der Veranstaltung, indem er mal wieder den zum Teil wesentlich jüngeren Kollegen zeigte, wo es lang geht. Und gerade der Endlauf war sein Lauf, nachdem er sich vom letzten Platz aus wie ein junger Gott an die 2. Position fahren konnte. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch!

Heat 1 - erster Start

Doch bis es zum Finale kam, musste jeder Pilot 3 Mal in der Vorrunde auf die Bahn. Dieses 21er Fahrerfeld wurde dann mit den 14 punktbesten Akteuren in 2 Semifinals aufgeteilt, worauf dann die 7 Punktbesten ins Finale ziehen durften. Allerdings gab es hier keine Punkte mehr und es wurde der Einlauf im Endlauf zur Platzierung gewertet.

Für Enrico Janoschka war das Rennen aber schon in der 2. Ecke beendet: In der "Trainingsrunde" vor dem 1. Heat brach ihm der Stehbolzen und nachdem er in der Fahrerlagerkurve von Wouter Duursema vom Bike geholt wurde, war auch das Ersatzbike krumm und er konnte einpacken.

Im Rerun zum Auftaktheat, für den Duursema nicht mehr zugelassen wurde, konnte sich Maik Groen durchsetzten und schrieb die ersten 6 Zähler vor "Oldboy" Trevor Banks und Ralf Strack. Ralf, der noch von seinem Crash eine Woche zuvor in Loppersum mit einem blauen Auge gekennzeichnet war, wurde später ebenfalls auch noch ein Opfer von Duursema. Doch dazu später mehr.

Als letzter im Fahrerlager traf Matten Kröger ein, der noch am Abend zuvor ein Rennen im dänischen Aalborg mit einem 2. Platz absolvierte und gewann, wie auch über 80 % seiner anderen Läufe, den Start zum 2. Heat. Doch fuhr er auf Sicherheit und liess Dirk Fabriek ziehen, der als Youngster im Feld somit für eine kleine Überraschung sorgte. Hinter Matten kam dann Jörg Tebbe ins Ziel während Manfred Knappe, für Csaba Hell startend, zunächst nur einen Zähler schrieb. Doch als Ackerpilot konnte sich der Traunsteiner immer mehr steigern und profitierte später noch von Stracks Pech.

Heat 2

Heat 3

Hinter dem enteilten Startsieger Diener machte sich Zdenek Schneiderwind auf und konnte am Ende der 4 Runden als Sieger die Ziellinie überqueren. Christian Hülshorst fuhr sicher auf dem 3. Rang und konnte seine ersten 4 Punkte schreiben, ehe Diener im anschliessenden Lauf die Oberhand gegenüber Groen behielt. Auch der Sieger des 2. Laufes Fabriek war in diesem Match vertreten und konnte auf den 3. Rang die 4 Runden beenden gefolgt von Knappe und Schützbach, der nun seine zweiten 2 Zähler schreiben konnte.

Sturzverursacher Duursema legte im 5. Lauf einen Start-Ziel-Sieg hin und verwies Mitch Godden, der zuvor 3 Zähler schrieb, Tebbe und Hülshorst auf die Plätze. Hinter dem Startsieger Schneiderwind konnte zunächst Kröger die 2. Position in die Startkurve bringen. Mit einer akrobatischen Leistung konnte er sich hier zwar auf dem Bike halten, doch musste er dem angreifenden Strack letztendlich die 2. Position überlassen ehe ihm dann auch noch Harm Jannes Renkema und Banks links und rechts um die Ohren fuhren. Er ärgerte sich schon ein wenig über diese "nur" 2-Punkte-Ausbeute, doch nahm er es mit Humor: "Nur von oben haben sie mich nicht überholt"

Heat 6

Und wie schon nach dem 1. Durchgang folgte die Putz-Meisterschaft

Im direkten Duell konnte dann Groen den Spieß umdrehen und Diener besiegen, der in diesem 7. Lauf auch gegen Sohn Patrick antreten musste. Während der Aufsteiger in die I-Lizenz aus 2 Läufen nur einen Punkt holen konnte, konnte er sich nun besser in Szene setzten und holte sich hinter Godden und Hülshorst dann 2 weitere hinzu. Für einen Platz im Semifinale reichte es dann aber nicht mehr.

Der 8. Lauf wurde dann abgebrochen, da Duursema ins Band fuhr und er musste abwarten, wie weit er bezüglich des Semifinals mit seinen 6 Zählern noch kommen würde. Banks sicherte sich die beste Position gefolgt von Kröger und Knappe. Der Bayer, der von sich behauptete: "Langsam kiem i zrecht", konnte sich in der Tat immer besser auf die Bahnverhältnisse einstellen und bezwang in einem tollen Fight den Norddeutschen und sicherte sich damit einen Platz im Halbfinale.

Heat 9

Strack setzte sich sich dann im letzten Vorlauf durch und schrieb am Ende dieser Vorlaufserie 15 Zähler. Die hatte auch Fabriek, der hinter Strack ins Ziel kam. Und das Schneiderwind zu bezwingen war, zeigten die beiden, da sie dem Tschechen keine Chance auf einen seiner Überholvorgänge liessen.

Nach Abschluss der Vorläufe mussten sich also Steven van der Helm (5), Paul Knott (5), Sirg Schützbach (4 bei einem Ausfall), Patrick Diener (3), Jim Groen (2) und Martin Williams (2 bei einem Ausrutscher) verabschieden.

Im ersten Halbfinale trafen Groen (17), Fabriek (15), Godden (14), Tebbe (9), Hülshorst (10), Diener (16) und Renkema (7) aufeinander und man sah wieder ein Duell Groen gegen Diener, was der Niederländer mit einem 2:1 mit dem Laufsieg für sich entschied. Tebbe verfolgte das Duo und sicherte sich 4 Punkte vor Fabriek, Hülshorst, Godden und Renkema.
Den Start zum 2. Halbfianle verschlief Schneiderwind auf der Innenbahn total und fuhr dem Sechstett eher chancenlos hinterher. Dass er allerdings am Ende dennoch 6 Siegpunkte schreiben konnte, verdankte er eher dem Umstand, dass der Lauf wiederholt werden musste. Denn wie schon im 1. Heat holte nun Duursema in der 2. Ecke Strack vom Motorrad, der nach dem spektakulären Abstieg vorm Fahrerlager liegen blieb. Der Rennarzt, der Strack auch schon Loppersum nach seinem Crash untersuchte, erteilte dem Ostfriesen daraufhin Startverbot, obwohl er sich nichts getan zu haben schien. Duursema wurde ebenfalls vom Restart ausgeschlossen.

Semifinale 2 - erster Versuch

Ralf Strack schied unverschuldet aus

Der Start zum Rerun verlief für Schneiderwind wiederum nicht perfekt, doch konnte er sich von Rang 3 aus erst an Knappe und dann an Kröger, die wieder an der Spitze fuhr, vorbeifahren und siegte somit. Banks und Isaak Jacob Mulder erhielten die letzten Zähler. Die grosse Rechnerei begann und während Groen (23), Schneiderwind (22), Diener (21), Fabriek (18) und Banks (17) sicher im Finale standen, gab es Diskussionen und eine Absprache mit dem Referee, dass für den eigentlich qualifizierten Strack, der 15 Punkte schrieb, ein Ersatzfahrer ins Finale ziehen durfte. Godden, Tebbe und Knappe folgten in der Punktliste mit 13 Zähler und die Startzusage erhielt Knappe aufgrund der insgesamt besseren Platzierungen.

Was dem Tschechen zuvor misslang, gelang ihm im Finale - und zwar ein perfekter Start und der Sieg dieses Einlaufes sowie der Gesamtwertung. Dass man aber auch mehr als 3 Plätze aufholen kann, bewies Geburtstagskind Bernd, der wirklich als Stockletzter vom Start weg kam. Mit einer atemberaubenden Aufholjagd, wo er z.B. innerhalb einer Runde gleich 4 Plätze gut machen konnte, konnte er sich am Ende auf einen tollen 2. Rang vorarbeiten. (Ich bin mir sicher, hätte es eine 5. Runde gegeben, wäre er auch noch an Zdenek vorbeigekommen). Für Kröger wurde es am Ende der 4. Runde noch etwas knapp, doch sicherte er sich den 3. Gesamtrang vor Fabriek, der mit dieser Leistung wieder unterstrich, dass er in die WM-Runde gehört. Groen war der grosse Verlierer dieses Rennens,

Action aus Heat 3 - Diener gegen Schneiderwind

denn als Punktbester und nur mit einer Niederlage gegen Diener hatte er im Endlauf keine Chance mehr, einen Podestplatz zu erreichen. Knappe nutzte währenddessen seine Chance und verbesserte sich von einem eigentlich 8. Rang auf den 6. Gesamtplatz und verwies somit Banks ans Ende der Top 7.

#
Name Nat
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Pkt
S1
S2
Pkt
Fin
Platz
16
Zdenek Schneiderwind Tschechei
6
6
4
16
6
22
1.
1.
18
Bernd Diener Deutschland
5
6
5
16
5
21
2.
2.
12
Matthias Kröger Deutschland
5
2
4
11
5
16
3.
3.
9
Dirk Fabriek Niederlande
6
4
5
15
3
18
4.
4.
1
Maik Groen Niederlande
6
5
6
17
6
23
5.
5.
11
Manfred Knappe Deutschland
1
3
5
9
4
13
6.
6.
4
Trevor Banks  
5
3
6
14
3
17
7.
7.
6
Ralf Strack Deutschland
4
5
6
15
S
15
8.
15
Jörg Tebbe Deutschland
4
4
1
9
4
13
9.
14
Mitch Godden England
3
5
4
12
1
13
10.
17
Christian Hülshorst Deutschland
4
3
3
10
2
12
11.
23
Isaak Jacob Mulder Niederlande
3
2
3
8
2
10
12.
22
Harm Jannes Renkema Niederlande
T
4
3
7
0
7
13.
5
Wouter Duursema Niederlande
S
6
T
6
S
6
14.
3
Steven van der Helm Niederlande
3
0
2
5
0
15.
20
Paul Knott England
2
1
2
5
5
16.
7
Sirg Schützbach Deutschland
2
2
A
4
4
17.
8
Patrick Diener Deutschland
0
1
2
3
3
18.
10
Jim Groen Niederlande
2
D
0
2
2
19.
21
Martin Williams England
1
0
S
1
1
20.
2
Enrico Janoschka Deutschland
S
N
N
0
5
21.

Aufgrund der Wetter- und Bahnbedingungen konnte man den Bahnrekord nicht wie geplant vor Beginn der Läufe durchführen. Durch die Platzierungen im 1. Durchgang setzte man aber 4 Akteure ins Rennen gegen die Zeit und führte diesen Bahnrekord nach dem Finale durch. Während Groen auf den Rekordversuch verzichtete, gewann auch hier Schneiderwind und war somit der Mann des Tages.

Zdenek Schneiderwind 18,79 sec
Dirk Fabriek 18,91 sec
Bernd Diener 19,13 sec

Zeitnahme auf holländisch