Zum Renngeschehen

Wie befürchtet, regnete es fast die ganze Nacht und die Bahn liess kein Warm Up am Morgen zu. Statt dessen war man schon seit den frühen Morgenstunden bemüht, die Bahn pünktlich bis zum Start um 14.00 Uhr fahrbar zu präparieren. Es gelang den Bahnmeistern, doch konnte man den Löchern nicht wirklich Herr werden und die Akteure mussten mit dieser ungewohnt schlechten Piste in Parchim zurecht kommen. Sie machten das Beste draus und rund 2500 Zuschauer harrten trotz des wechselhaften aber überwiegend sonnigen Wetters bis zum Ende aus.

Mit dem grössten Aufgebot an Fahrern konnte Team-Manager Josef Hukelmann seine Jungs wieder ins Rennen schicken. Und während Reservist Bacher nicht zum Einsatz kam, konnten sich 5 der übrigen 6 Piloten für den Langbahn Grand Prix 2004 qualifizieren. Bernd Diener wurde zum grossen Pechvogel dieses Rennens, nachdem er erst aufgrund von Krögers Verletzung fest ins Feld kam.

Theo Pijper, der sich beim Crash in Lüdinghausen doch an der linken Hand verletzte, konnte dank seines englischen Arztes fast schmerzfrei ins Rennen gehen und sorgte gleich für den ersten Paukenschlag. Mitfavorit Barth kam erst an 4. Stelle liegend aus der Startkurve und kämpfte sich an Matt Read auf Rang 3 vorbei, doch konterte dieser kurzfristig wieder und der Weltmeister musste einen neuen Angriff starten. Erst ausgangs der Startkurve der 2. Runde machten Doncaster und Read einen Fahrfehler und Barth konnte innen durchziehen, aber Pijper war zu diesem Zeitpunkt schon weit enteilt, um ihn noch von Rang 1 zu verdrängen. Erik Eijbergen rutschte währenddessen eingangs der 2. Runde weg, doch konnte er sein Motorrad ins Innenfeld schieben, ehe der Lauf abgebrochen werden musste. Richard Wolff erntete daraufhin den letzten Punkt.

Bernd Diener konnte sich anschliessend in der Startkurve gegen seinen stärksten Widersacher Gerd Riss durchsetzten und führte die Konkurrenz in die erste Runde. Doch wie die Briten zuvor, geriet auch der Schwarzwälder am Ende der 3. Ecke zu weit nach aussen und Riss huschte innen durch. Svab, der nicht einen Meter auf der Bahn zuvor gefahren ist, sicherte sich Rang 3 vor Glen Philipps. Stephan Katt, der am Trainingstag mit derben Getriebeproblemen zu kämpfen hatte, wechselte innerhalb der 3-Minuten Frist noch einmal sein Bike, mit dem er allerdings von Rang 6 aus am Ende nur einen Zähler holen konnte und somit Philippe Ostyn verdrängte.

Mit einem Start-Ziel-Sieg zog der Trainingsschnellste Kelvin Tatum um die Bahn gefolgt von Ralle Löding, der bei allem Optimismus am Samstagabend noch ein staubiges Finale prophezeite, und Joonas Kylmäkorpi, der ebenfalls "kalt" auf die Bahn ging und sich im Startgetümmel am Ende durchsetzten konnte. Sirg Schützbach, dem der Start misslang, setzte sich bis zum Ziel gegen Jason Bunyan und Marius Rokeberg durch. Rokeberg wurde allerdings in der Startkurve so heftig abgestrahlt, dass er beim Versuch wieder freie Sicht zu bekommen, mehrere Plätze einbüssen musste.

Einen Startsieger gab es im 4. Lauf nicht wirklich, denn fuhren Riss und Svab gleich auf in und auch wieder raus aus der Kurve. Erst auf der Gegengeraden konnte sich Riss die entscheidenden Meter gegenüber dem Tschechen holen und siegte nun schon zum 2. Mal. Svab blieb auf Rang 2 vor Kylmäkorpi, Bunyan, Read und Doncaster.

Löding machte es da schon besser, als er sich schon in der Startkurve des 5. Heats vom Feld absetzten konnte. Schützbach sicherte sich wichtige 4 Zähler vor Philipps, Eijbergen, Wolff und Ostyn.

Der 6. Lauf versprach Spannung pur, denn gingen mit Pijper, Barth, Tatum und Diener hier schon potenzielle A-Finalteilnehmer an den Start. Der Englandprofi aus Holland erwischte den besten Start und konnte sich auch bis ins Ziel gegen seine attackierenden Mitstreiter durchsetzten. Barth verwies Tatum auf den 3. Rang, ehe Diener auf Rang 4 ins Ziel folgen konnte. Katt und Rokeberg zogen dabei die Verliererkarte und blieben auf Rang 5 und 6 hängen.

Nach 2 Durchgängen lagen somit Riss und Pijper ungeschlagen an der Spitze und sollten auch weiterhin in der Vorrunde nicht aufeinander treffen. Während Riss zu seinem 3. Laufsieg in Folge ansetzte, schrieb Diener wichtige 4 Punkte. Read und Philipps, der sich von 5 auf 4 vorarbeiten konnte, sowie Kylmäkorpi erhielten die letzten Punkte. Rokeberg fiel derweil in der 2. Runde an 5. Stelle liegend aus.
Nach nur 2 Punkten aus 2 Läufen musste im Stall von Katt was passieren und man wollte noch kurz dem 3. Start den Motor und Vergaser aufs andere Motorrad wechseln. Doch blieb nicht genügend Zeit dafür und man beschränkte sich auf den Vergaser. Während Barth nun seinen ersten Laufsieg ins Ziel brachte, fuhr Katt endlich in die vorderen Punkteränge und blieb auf Rang 2 somit Sieger gegenüber seinem Landsmann Löding, der mehrere Angriffe startete, seinerseits die 4 Punkte zu sichern. Bunyan, Eijbergen und Schützbach folgten am Ende ins Ziel.
Mit dem 9. Heat forderte Tatum die Revanche gegenüber Pijper, der beim ersten Aufeinandertreffen Sieger wurde und der Brite fuhr einen Start-Ziel-Sieg nach Hause. Pijper wurde derweil in der Startkurve so heftig abgestrahlt, dass er nur auf Rang 4 aus dieser wieder auftauchte. Hinter Svab, der mittlerweile ein mehr als ernst zu nehmender Gegner wurde, konnte sich Pijper aber noch an Doncaster vorbei auf Rang 3 fahren, während Wolff und Ostyn erneut chancenlos am Ende fuhren.

Alles klar bei Theo
Kelvin bei der Lagebesprechung
Gerd wartet auf seinen Einsatz

Der letzte Vorlaufblock wurde angepfiffen und aus Katts Sicht mussten noch wichtige Punkte her, um wenigstens das B-Finale sicher zu erreichen. Hinter dem Startsieger Riss kämpfte er allerdings wieder gegen oder mit Löding, wobei er sich letztendlich absetzten konnte. Die Jagd auf Riss konnte also beginnen, der sich auf der Gegengeraden der letzten Runde schon nach Katt umsah und seinen heissen Atem zu spüren schien. Katt liess nicht locker und drehte noch einmal mächtig am Gashahn, was ihm auf der Ziellinie nur um Zentimeter den Laufsieg vor Riss und die rettenden 5 Punkte brachte. Löding blieb auf Rang 3 vor Rokeberg, Doncaster und Ostyn, der nicht einen einzigen Punkt schreiben konnte.

Anschliessend schloss Pijper seine Vorrunde mit einem weiteren Laufsieg ab und auch Svab sicherte sich einen weiteren 2. Rang vor Read, Schützbach und Eijbergen, während Kylmäkorpi, der relativ stark begann, jetzt auch noch einen Ausfall einstecken musste. Ob die eingefahrenen 15 Punkte für Löding und Svab am Ende fürs sichere A-Finale reichen sollten, musste erst einmal abgewartet werden, denn stand noch ein Lauf dieser Vorrunde aus.

Tatum, Barth und Diener schossen als Erstes aus den Bändern und gingen so in die erste Runde. Doch in der 2. Ecke rutschte der Weltmeister weg und ein Raunen ging durch die Massen. Diener, Bunyan, Philipps und Wolff kamen an Barth vorbei, der sein Gerät noch am Laufen hielt, wieder aufsprang und mit einer fulminanten Aufholjagd noch wieder Wolff einholen und sich einen mehr als wichten letzten Punkt sichern konnte.

Wie wichtig dieser eine Punkt am Ende war, wurde bei der Einteilung der Finalplätze deutlich: Während Riss mit 19 Punkten, Pijper und Tatum (je 18) und auch Löding sowie Svab (je 15) sicher im A-Finale standen, ging es noch um einen Platz, den Barth am Ende mit 14 Punkten gegenüber Diener bei gleicher Punktzahl erhielt. Dank seines Laufsieges aus dem 8. Lauf erhielt er aufgrund der besseren Majorität den Zuschlag für das schon sicherer WM-Ticket, während Diener nun auf einen der 2 festen oder den Reserveplatz hoffen musste. Auch Katt (11) und Schützbach (8) schafften neben Read und Philipps (9) sowie Bunyan (8) den Einzug ins B-Finale, das in den WM-Vorrunden immer mit besonders viel Spannung erwartet wird.

Das C-Finale, in dem sich die übrigen Fahrer wiederfanden, gewann am Ende Kylmäkorpi, der mit 7 Vorlaufpunkten nur knapp am B-Finale scheiterte und mit einem Plattfuss zum Sieg fuhr. Der in seiner letzten Saison befindliche Doncaster (6) folgte dann vor Eijbergen (4), Rokeberg (2), Wolff (3) und Dauerschlusslicht Ostyn (0).

Die Jagd im B-Finale auf die letzten 2 + 1 Tickets wurde eröffnet, und Katt erwischte den besten Start vor zunächst Diener, Schützbach und Read. Der Engländer konnte sich auf der Gegengeraden an Schützbach vorbei schieben und machte nun Jagd auf Diener, den er ebenfalls abfangen konnte. Mit Beginn der 2. Runde wurde Diener aber plötzlich langsamer und schied zum Entsetzten aller aus. Ein Motorschaden bremste den Schwarzwälder, der sich in seiner 25. Rennsaison befindet und sorgte dafür, dass Diener in diesem Jahr kein festes WM-Ticket erhalten wird. Natürlich war die Enttäuschung mehr als gross, während Katt sich mit dem Laufsieg wie Matt Read, der nun völlig überraschend in seiner 1. WM-Runde steht, qualifizieren konnte. Katt sagte erleichtert im Anschluss: "Ich bin heute mindestens um 10 Jahre gealtert" Schützbach, der in Bielefeld als Reservist aus Parchim in den Last Chance Heat muss, konnte es aber so gesehen seinem Ortema-Fuchs Team-Kollegen gleich tun. Nachdem Philipps seinen Landsmann Bunyan von Rang 4 verdrängen konnte, fiel dieser ebenfalls aus und fuhr vorzeitig ins Innenfeld.

Lödings Prognose behielt Recht und es staubte trotz einiger kurzen Schauern zwischendurch tatsächlich in den Finalläufen. Im A-Finale verpatzte er allerdings den Start und die Reise ging mehr oder weniger ohne ihn los. Riss setzte sich zunächst am besten durch, doch blieb Tatum an seinem Hinterrad und konnte ihn abfangen. Damit ging der Halbfinalsieg an den Engländer, der von sich behauptet: "Ich bin im Moment gut drauf". Riss blieb auf Rang 2 gefolgt von Pijper, Barth und Löding, der am Ende noch Svab hinter sich lassen konnte.

2. Gerd Riss - 1. Kelvin Tatum - 3. Theo Pijper

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