Langbahn WM Lauf 3 in Pfarrkirchen,
29.08.2004

Der RSC Pfarrkirchen gab sich viel Mühe mit der Ausrichtung des Langbahn WM-Laufes 3 und richteten am Samstagabend im Festzelt im Fahrerlager einen Fahrerempfang vom Feinsten aus. Nach den Festreden u.a. durch Schirmherrin und Landrätin Bruni Mayer und Bürgermeister Georg Riedl und einer Filmpräsentation der Stadt Pfarrkirchen gab es Essen und Getränke satt für die ca 250 geladenen Gäste, ehe auch die Fans im angrenzenden Zelt nebenan der Fahrerpräsentation beiwohnen durften. In der Mittagspause des Renntages traten dann alle Piloten - sowohl die WM Piloten als auch die Akteure der B-Lizenz - zur ausgiebigen Autogrammstunde an und mit fortlaufender Stunde stieg auch die Spannung bis zum Start.
Wie üblich in der WM-Runde gab es zunächst für 6 Last Chance Fahrer den Kampf um die 2 letzten Tickets für das Hauptfeld. Hier traten u.a. Bernd Diener und Matten Kröger erneut an, die sich durch die letzten 2 Last Chance Läufe in Bielefeld und Marmande bereits viele Punkte in der Gesamtwertung ergattern konnten und in den Top 5 zu finden waren. Jörg Tebbe, ebenfalls schon 2x in der WM zum Einsatz gekommen, sowie Nynke de Jong und Matthieu Tresarrieu mussten sich dann aber auch noch gegen Sirg Schützbach versuchen durchzusetzen, der in Marmande durch einen Crash im 1. Heat in diesen Extra-Lauf verdonnert wurde. Für Matten war es der 1. Einsatz nach seinem Schlüsselbeinbruch, den er sich 3 Wochen zuvor in Schweden eingefangen hat.
Es sah für den Bokeler zunächst auch ganz gut aus, denn konnte er sich hinter dem stark auftrumpfenden Schwarzwälder zunächst Rang 2 sichern. Allerdings konnte er nur gut 1 Runde diesen Rang gegenüber Sirg behaupten, der seinerseits mächtig Druck machte und Matten letztendlich auf Rang 3 verdrängte, ehe Matten in der 3. Runde leider ausfiel und somit keine WM-Punkte in Pfarrkirchen schreiben konnte. Jörg, Matthieu, der im übrigen aufgrund des U19 EM-Finals in Rybnik PL am Tag zuvor nicht am Training teilnehmen konnte, und Nynke fuhren auf die folgenden Plätze, doch blieben Jörg und der Franzose als Reservisten ohne Einsatz.

Die Last Chance Teilnehmer

1. Ecke Last Chance:
Bernd setzte sich sofort an die Spitze, Mattens 2. Platz hielt nicht lange


Heat1


Heat2


Heat3

Somit standen also Bernd und Sirg fest im Feld und beide konnten ordentlich mitmischen in der Vorrunde. Gespannt war man allerdings auch auf Kelvin Tatum, Gerd Riss und Robert Barth, die alle als Topfavoriten dieser WM mit Verletzungen zu kämpfen hatten. Während Robert sich wieder 100%ig fit fühlte und sich in Pfarrkirchen nun zum 1. Mal dem WM-Feld stellte, hatte Gerd immer noch Probleme mit seinem Arm. Kelvin fühlte sich hingegen eigentlich ganz gut nach seinem bösem Crash eine Woche zuvor in Eenrum. Dass sich dann ausgerechnet diese 3 von mir scherzhaft bezeichneten"WM-Invaliden" auf dem Podest wieder fanden, war ein Zeichen ihres eigenen Leistungsvermögen und der gut präparierten Strecke.

Bereits nach Ablauf der Vorrunde standen sie als Punktbeste auf den Rängen 1,2 und 3. Tatum und Barth nahmen sich je einen Zähler in den Heats 6 und 12 weg und Gerd musste je einen an die Kontrahenten in Lauf 2 und 9 abgeben. Mit 19 bzw 18 Zählern hatten sie dann auch 2 Punkte Vorsprung gegenüber den folgenden Piloten. Der 3. der EM Bernd Diener konnte insgesamt 16 Zähler ins Ziel bringen und zeigte als ältester Teilnehmer einmal wieder, dass er noch immer zu den Stärksten gehört. Mit je 15 Punkten schafften dann Herbert Rudolph und Stephan Katt den Sprung ins A-Finale, auch wenn beide sozusagen einen Vorlauf verpatzten. Dieses Finale war dennoch ungefährdet.

Heat 4

Heat 5

Heat6
Wie schon angedeutet konnte sich auch Sirg toll in Szene setzten, doch hatte er einen grossen Schutzengel an seiner Seite, als ihm im 10. Lauf in der letzten Runde die Aufhängung der hinteren Schwinge brach. "Ich dachte, ich hätte einen Plattfuss", so Sirg, der als Konsequenz dieses Mahleurs "nur" einen Platz an Andrew Appleton abgeben musste. Als Punktbester der B-Finalisten hätte ihm der eine Zähler mehr aber auch keinen Platz im A-Finale beschert.
Neben ihm konnte sich dann der frischgebackene Grasbahn Europameister Theo Pijper für das B-Finale qualifizieren. Auch Theo musste auf das Training verzichten, da er wieder einmal ein Ligarennen für seinem Club Edingburgh Monarchs bestreiten musste. Er traf mit seiner Crew erst am Samstagabend zum Fahrerempfang ein, doch ist er Profi genug, um sich auch ohne Training schnell zurecht zu finden.
Für 4 Akteure galt es noch die Plätze zu vergeben und diese 4 waren sich aus Punktesicht nach der Vorrunde einig. Während sich Sirg und Theo mit 11 Zählern qualifizierten, schrieben Matt Read, Enrico Janoschka, Andrew Appleton und Maik Groen je 8 Vorlaufpunkte und es galt nur die Reihenfolge für die Helmfarbenauslosung durch die Jury zu bestimmen. Matt Read wusste in der Vorrunde bei seinem Pfarrkirchen-Debüt wirklich zu beeindrucken, doch hätte er mit Sicherheit mehr Punkte auf dem Konto gehabt, hätte er sich nicht in Lauf 5 Zündungsproblemen stellen müssen. Auch Enrico musste einen Lauf vorzeitig beenden, als sich in Heat 6 der Zahnriemenadapter löste.
Auch Andrew schrieb gleich zu Beginn eine Nullrunde, doch war kein Ausfall der Grund. Er wusste sich aber mehr und mehr zu steigern und konnte seine zuletzt gezeigte WM-Leistung wieder unter Beweis stellen. Der Dritte im Bunde, der ohne Training in die Arena trat, war Maik Groen, der noch bis spät in die Nacht im Rahmenprogramm der 125ccm Gold Trophy (wo Ramon Stanek Europameister wurde) in Siddeburen NL zugegen war. Ohne Ermüdungserscheinung konnte er als eigentlicher Grasbahnspezialist immer punkten und hatte mit dem Erreichen des B-Finals schon mehr Matchpunkte sicher, als in den Rennen in Bielefeld und Marmande, wo er jeweils nur im C-Finale stand.

Nur noch 1cm Gestänge hielt das Bike zusammen

Ricky beugt dem schmerzenden
Strahl vor

Peppi weiss bescheid

Vielleicht etwas überraschend stand Zdenek Schneiderwind nur im C-Finale. Auch er gehörte nach den 2 voran gegangenen WM-Läufen zu den Top 6 und musste wie Enrico wichtige WM-Punkte auf der Strecke lassen. Neben ihm stellten sich dann Stéphane Tresarrieu, Massimo Mora, Dirk Fabriek, Uppie Bos und Glen Philipps dem C-Finale. Bis auf Glen konnten alle anderen dieses Sextett ihre Punkte ins Ziel fahren, doch bei dem jungen Engländer lief es einfach nicht. Schon im Training am Samstag hatte er Probleme mit dem Setup und fiel in den Vorläufen am Sonntag sogar 2 Mal aus.

C-Finale

Wie immer startete man die Finalrunde mit dem C-Finale und hinter Schneiderwind konnte sich jetzt ganz überraschend Glen Philipps nicht nur den 2. Rang erobern, sondern ihn auch ins Ziel bringen, während Uppie und Dirk ein sehenswertes internes niederländisches Duell ausfuhren, was der Youngster allerdings verlor. Mit den Plätzen 5 und 6 gehen die Last-Chance-Plätze in Morizes an Massimo Mora und ausgerechnet Stéphane Tresarrieu, der vor heimischen Publikum in Morizes nun noch einer grösseren Anspannung ausgesetzt sein wird.

B-Finale

Matt Read konnte derweil im B-Finale einen tollen Start-Ziel-Sieg hinlegen und unterstrich damit seinen tollen Renntag. Immerhin konnte er Theo in Schach halten, der seinerseits von Maik verfolgt wurde. Der B-Finalsieger der letzten beiden WM-Läufen fand sich zwar nur auf dem 4. Rang wieder, doch war Andrew am Ende trotzdem zufrieden nach seinem enttäuschenden Start mit der roten Laterne. Etwas enttäuschend waren da schon die Abschlussplatzierungen von Sirg und Enrico. Während man Sirg nach der tollen Vorrunde mehr zugetraut hätte, wusste Enrico, woran es lag. "Wenn ich nicht aus dem Band komme, kann das auch nichts werden", so der Güstrower. Auch Sirg wusste, dass er nach dem Bruch der Schwingaufhängung auf der vermeindlich schwächeren Maschine nicht noch einmal für einen Paukenschlag sorgen konnte und nahm es anschliessend ganz locker.

A-Finale

Mit dem A-Finale stand dann der spannendste Lauf des Tages auf dem Plan: Gerd holte sich die Führung und konnte diese über eine Runde vor Kelvin behaupten. Doch auf der Gegengeraden der 2. Runde vermutete der Bad Wurzacher seinen Rivalen aus England auf der Innenbahn. Kelvin suchte aber die Spur auf der Aussenbahn und zog an Gerd Vorbei, während Bernd auf einem anscheinend sicheren 3. Platz fuhr. Doch sah man, dass der Vorsprung zum Titelverteidiger immer mehr schmolz und Robert in der letzten Ecke innen an Bernd vorbei zog. Peppi war der Letzte, der ins Ziel kam, denn fiel Catman in der 2. Runde "stromgeladen" aus. Ihm fiel der Zündkerzenstecker runter und beim Versuch diesen während der Fahrt wieder raufzusetzten, erhielt er einen Stromschlag und fuhr sofort ins Innenfeld. Dennoch brauchte er wie Peppi nicht traurig sein über die Endplätze 5 und 6, denn beeindruckten sie in der Vorrunde mit Achtung.

Die "WM-Invaliden" setzten sich durch

Alle Läufe Heat für Heat

Der WM-Zwischenstand

Posa inspizierte alles ganz genau

Andrea Gärtner schnappte sich Günther Bauer

Am Rande

Mit 2000 KM Anreise traf man auch auf den ältesten Eisspeedwaypiloten Per Olov Serenius aus Schweden. Wie in jedem Jahr verbringt er einige Wochen im Sommer in Deutschland und besuchte u.a. auch seinen Freund Michael Lang. Klar, dass er dann in Pfarrkirchen zum Methanol schnuppern kam.
Neben Posa traf man aber auch auf Günther Bauer, Stefan Pletschacher, Viatscheslav Nikulin und Martin Leitner, die man ebenfalls aus der Eisszene kennt. Aber auch andere bekannte Gesichter aus dem Bahnsport zählten zu den Fans.

So sah man Karl Maier, Alois Wiesböck, Georg Gilgenreiner und Egon Müller, der aber auch als Tuner von Enrico Janoschka vor Ort war. Ein Tunertreffen war es mit Anton Nischler, Hans Zierk, Klaus Lausch, Marcel Gerhard und Guiseppe Mazotto obendrein, um nur einige zu nennen.

Nach langer Verletzungspause gab es auch ein Wiedersehen mit Josef Onderka, der seit 12 Monaten kein Rennen mehr fahren konnte. Auch Franz Heublhuber kam am Samstag sofort nach seiner Krankenhausentlassung (nach seiner Lendenwirbelverletzung) ins Stadion.

Weitere Eindrücke

Sieger Kelvin Tatum - Foto: Josef Strohhammer


oben: Training - Katt vor Barth
rechts: Heat 10 - Riss vor Rudolph

Autogrammstunde im Fahrerlager

"Du Huki, ich kann eh kein Weltmeister mehr werden, aber mit diesem Gerät zeige ich es den anderen"

Die Helmfarben-Mädels sorgten schon am Samstagabend beim Fahrerempfang für die optimale Startplatzwahl bei den Akteuren

Die Rennen der B-Lizenz gibt es ab morgen