Deutscher Bahnpokal der Gespanne
in Rastede, 08.08.2004

Unglückliche Voraussetzungen

Der weisse Zielrichterturm, der sich ca 100 Meter nach dem Start im Innenfeld befindet und für die Pferderennen benötigt wird, ist im Endeffekt schuld daran, dass dieser deutsche Bahnpokal der Gespanne nicht zu den besten Veranstaltungen gehört, die der AC Rastede ausgetragen hat. Trotz der Länge von 1000 Meter ist diese Strecke nur für 5 Gespanne zugelassen und da es innerhalb dieses Prädikates kein Modus für 5 Gespanne gibt, kam das 4er System zum Tragen. Ein System für 5 Gespanne tüftelte man zwar noch am Samstagabend aus, doch war es zu spät, um diesen beim DMSB einzureichen und absegnen zu lassen.
Nach den Absagen von D. Friskovec/H. Jasper, Waldhäusl/Rettenbeck sowie Buß/Hofman kamen zwar die Reservisten Kreuzer/Lachnit mit der Startnummer 8 zum Einsatz, doch blieben die anderen beiden Startfelder unbesetzt und es blieben nur 10 Teams übrig. (Somit hätte ein 5er Modus vielleicht auch Sinn gemacht) Es war also klar, dass teilweise nur 3 Gespanne ans Band gehen würden, doch kamen von diesen zum Teil dann sogar nur noch 2 Gespanne an.

Katrin Schmidt, die im Beiwagen von Michael Glittenberg sass, hatte noch immer Probleme mit ihrer im letzten Jahr verletzten Hand und musste nach dem 1. Lauf, wo sie vorzeitig ins Innenfeld fuhren, die restlichen Läufe dann auch noch absagen. So schmolz der Kampf um diese DM dann nur noch auf 9 zusammen.
Bei der Fahrerbesprechung ahnte man vielleicht schon, dass sich die Felder der einzelnen Läufe auseinander ziehen würden, und so kam der Vorschlag seitens des Sportkommissars Engelbert Wippermann, einen schriftlichen Antrag mit allen Unterschriften der DM-Teilnehmer bei ihm einzureichen, um die Distanz auf 3 Runden zu verkürzen. (Bei Prädikatsläufen sind 4 Runden laut DMSB-Gesetz vorgeschrieben) Doch waren 3 Athleten dagegen, und so musste man in der brütenden Hitze doch die 4 Runden in Angriff nehmen, obwohl die Platzierungen zumeist in der 1. Ecke schon Geschichte waren.
Nach dem Rennen, dass sich zudem auch noch in die Länge zog und aufgrund der mangelnden Spannung viele der geschätzten 2500 Zuschauer vorzeitig das Renngelände verließen, machte Wippermann der Rennleiterin Martina Willers den Vorschlag, den Turm entfernen zu lassen und er würde die Bahn sofort auf 6 Gespanne abnehmen.

Meine Meinung: Da schon von der Gemeinde angefangen wurde, im Innenfeld einen Berg zu entfernen, damit dieser Schlosspark wieder so ein Aussehen erhält, wie er vor 30 Jahren einmal war, sollte man auch diesen Turm berücksichtigen. Es ist immer schwer gewesen, für die B-Lizenz Fahrer, egal ob Solo oder Gespanne, Veranstalter zum Austragen dieser Meisterschaften zu bewegen, doch haben sich die AC Rasteder mit diesem Prädikat keinen Gefallen getan. Der 1. Vorsitzende Werner Schroer sagte auch: "Im nächsten Jahr werden wir das ganz deutlich zu spüren bekommen" und sprach damit die Zuschauer an, die nach diesem missglückten Renntag nicht mehr wieder kommen werden.

Zum Renngeschehen

Haushohe Favoriten auf den Titel waren trotz alledem Stefan Brandhofer und Markus Venus, die nach diesem Rennen, egal wie es ausgegangen wäre, bereits die internationale Lizenz erhalten und sogar bei der "grossen" DM in Hertingen als Reservisten mit dabei sind. Vor dem Rennen unterhielt ich mich mit Stefan und Markus
"Ihr seid hier die Topfavoriten auf den Titel - wie schätzt ihr euch selber ein, weil ihr nun auch das erste mal hier auf Bahn seid und seid ihr überhaupt schon einmal so eine lange Grasbahn gefahren?"- Stefan: "So eine lange Grasbahn sind wir noch nicht gefahren, aber ich hoffe einmal, dass wir gut mit dabei sein werden und wir versuchen unser Bestes, dass wir dass hier heute schaffen."
- "Ja stimmt, im letzten Jahr war es in Bad Hersfeld bei euch nur der 5. Platz, aber da habt ihr auch etwas Maschinenprobleme gehabt. Wäre dir denn jetzt auf dieser Bahn der 6er Modus lieber gewesen, oder ist das 4er System okay?" Stefan: "Ich muss sagen, auf dieser langen Bahn wäre der 6er Modus schon okay, Platz haben wir. Aber 4er Modus - naja, es kommt immer drauf an, wie du fährst."
- "Gestern bei der Fahrerbesprechung wurde angesprochen, dass ein Team nach diesem Rennen aufsteigen wird. Damit ward ihr gemeint, oder?" Stefan: "Ja, nächste Woche fahren wir International, egal wie es heute ausgeht. In Hertingen sind wir Reservefahrer und in Nandlstadt fahren wir fest im Fahrerfeld mit."
- Und Markus, wie siehst du das alles hier?" Markus"Ja nun, wir werden alles probieren, um unser Bestes zu geben und dann schaun wir mal."

Das Dreamteam aus Bayern

Start zum Finale

Die beiden "Riesen" wurden ihrer Favoritenrolle mehr als gerecht und fuhren mühelos und fast nur mit Halbgas von Sieg zu Sieg. Nicht ein einziges anderes Team konnte ihnen das Wasser reichen. So motorenschonend werden sie mit Sicherheit zu keiner Meisterschaft mehr fahren, doch war Tuner Helmut Heimann selbstverständlich auch vor Ort, falls es Probleme gegeben hätte.

Warten inder Hitze

Heat 2

Ohne direktes Duell gegen die neuen deutschen Meister trafen Franz Maucher und Jens Wunderlich erst im Finale auf sie und hatten schon fast vor den letzten 4 Runden den Vizetitel in der Tasche. Bei 2 Niederlagen gegen Uwe Zirbes im letzten Vorlauf und im 2. Semifinale gewannen sie die anderen 2 Vorläufe ebenso ungefährdet, wie Stefan und Markus ihre.
Zirbes und Sascha Winter hingegen fielen sogar noch im 2. Heat wegen Kettenriss am Start aus. Nach dem Finallauf, wo sie sich in der letzten Runde noch von Platz 4 auf 3 vorfahren konnten, feierten sie bereits mit einer Ehrenrunde und dem Gedanken, den 3. Rang erzielt zu haben. Doch kam diese Freude etwas zu früh und fast auch umsonst, denn mussten sie gegen Klaus Gerlach und Peter Schirmer in einem Stechen noch einmal über 4 Runden antzreten. Es sah über mehr als ¾ der Distanz dann aber auch so aus, als ob Gerlach/Schirmer diesen 3. Gesamtrang erzielen würden. In der letzten Ecke kam Zirbes allerdings heran, fuhr ausgangs dieser schon neben dem ältesten Teilnehmer und hatte im Ziel eine Reifenlänge Vorsprung.
Gerlach/Schirmer erzielten also den undankbaren 4. Rang, während Thomas Grabowski und Richard Gründer knapp am Endlauf scheiterten. Die Neuenknicker erzielten einen Laufsieg zu Beginn, doch stellten sie anschliessend fest, dass ihnen 3
Speichen im Vorderrad gebrochen waren. In Windeseile wechselten sie das Rad aus und konnten bereits 2 Läufe später ihr Gespann Thomas Groh und Berit Tralau zur Verfügung stellen. Nach weiteren 3 Zählern in der Vorrunde und 2 Punkten im 1. Semifinale war ihnen aber der 5. Gesamtplatz nicht mehr zu nehmen.

Unter dem Motto: "Wir sind zwar nicht die Schnellsten, aber die Buntesten", färbte Coiffeur Thomas sein ganzes Team für die Rennfete am Samstag in den Teamfarben ein. Selbst Sohnemann Timmy fand sein neues Outfit klasse.

Nach seiner komplizierten Schulterverletzung stieg Arne Friskovec früher als gedacht wieder ins Gespann und musste mit Arne Jasper auf das interne Familienduell gegen die Väter aufgrund deren Absage verzichten. Mit Kupplungsproblemen konnten sie in ihrem ersten Lauf einen Punkt erzielen, da Zirbes ja am Start ausfiel. Auch im 2. Lauf erzielten trotz grosser Probleme 2 Punkte, da eh nur Teams am Band waren. Im Semifinale verliess Arne jedoch endgültig auch die Kraft, um selbst in den 2. Gang zu schalten.
Vater und Sohn gab es aber im Gespann mit der Nr. 3 mit Rudolf und Tobias Stett. Auch sie profitierten zum Teil vom Verzicht oder Ausfällen anderer Teams, ehe sie im Semifinale 1 selber Opfer eines Maschinenschadens wurde. Frank Kreuzer und Kai Lachnit hingegen kamen zwar immer durch, doch war vor Beginn des Semifinal-2-Start schon klar, dass hier nach die DM vorbei sein würde.
   
Thomas Groh, der kurzfristig Berit Tralau ins Boot bekam, hatte am Samstag 2 Tankdeckel verloren und konnte kaum einen Trainingslauf beenden. Den Ersten fand er gar nicht erst wieder und so nahm er den vom BMW. Dieser hatte aber keine Belüftung und so musste er diesen während der Fahrt immer wieder kurz öffnen, doch festigte er ihn das eine Mal nicht richtig und so ging auch dieser flöten. Zum Glück wurde dieser wieder gefunden und er konnte diesen wieder auf das Auto schrauben. Not macht erfinderisch und so baute er sich aus dem Boden einer Plastikflasche einen Neuen, der auch hielt.
Im Gegensatz dazu hielt allerdings der Motor am Sonntag aber nicht und so fielen Thomas und Berit im ersten Durchgang auf der letzten Gegengeraden aus. Da aber bis dahin nur Maucher im Ziel angekommen war und Glittenberg mit Katrin schon in Innenfeld standen, wurden die letzten Meter bis zu den 2 Punkten ins Ziel geschoben. Der Start zu diesem Lauf war aus ihrer Sicht dann auch noch obendrein etwas kurios, denn machten sie einen Cowboystart, wobei Berit fast aus dem Boot fiel. Sie hangelte sich wieder rein, während Thomas das Gefährt in entgegensetzter Richtung kurz vor dem Innenfeld wieder abfangen konnte, nach links bog und mit rund 15 sec Verspätung endlich die richtige Richtung aufnehmen konnte.
Nachdem sie für den 2. Lauf ja auf das Motorrad von Grabowski zurückgreifen konnten, war ihr "Martyrium" aber immer noch nicht vorbei. Im 7. Lauf dieser Konkurrenz hatten sie derbe Kupplungsprobleme mit dem eigenen Bike, wo sich jetzt ein Motor von Jassper befand
Die Groh-Tralau Story

Der improvisierte Tankdeckel

Völlig geschafft von der Hitze kamen Thomas und Berit nach Rund 400 Metern schieben im Ziel an, wo schon kaltes Wasser auf sie wartete.

und man einigte sich wohl (anscheinend per Augenkontakt) auf einen Rollstart. Der 2. Platz im Ziel wurde ihnen dann aber doch von Schiedsrichter Ulli Ehlert nicht gewährt und sie erhielten eine Disqualifikation. Die Begründung des Stadionsprechers Klaus Witt lautete dann, dass man dem Publikum mal einen Lauf mit 4 Gespannen zeigen wollte. Somit erhielten sie keine Punkte, durften nicht mehr am Semifinale teilnehmen und wurden vor Glittenberg/Schmidt auf Rang 9 gewertet.

Die Sieger des etwas anderen Bahnpokals
Maucher/Wunderlich - Brandhofer/Venus - Zirbes/Winter

Das Action-Album der Platzierten

# Name 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Pkt Semi 1 Semi 2 Pkt Finale Pkt Platz
1 Stefan Brandhofer / Markus Venus 3     3     3     9 3   12 3 15 1.
10 Franz Maucher / Jens Wunderlich     3   3     2   8   2 10 2 12 2.
5 Uwe Zirbes / Sascha Winter   A   2       3   5   3 8 1+3 9 3.
4 Klaus Gerlach / Peter Schirmer 2         3     3 8   1 9 0+2 9 4.
6 Thomas Grabowski / Richard Gründer   3     1   2     6 2   8   8 5.
7 Arne Friskovec / Arne Jasper   1       2     2 5 A   5   5 6.
3 Rudolf Stett / Tobias Stett 1       2   1     4 A   4   4 7.
8 Frank Kreuzer / Kai Lachnit   2     0     1   3   0 3   3 8.
11 Thomas Groh / Berit Tralau     2 1     D     3     3   3 9.
9 Michael Glittenberg / Katrin Schmidt     A N         N 0     0   0 10.

Die 250er-Klasse


Toni Kröger

Kay Scheibe
Bereits am Samstag wurden neben dem Training zum Bahnpokal und der B-Lizenz 500er Ausscheidung auch die 4 Läufe der 250er-Klasse ausgetragen. Kay Scheibe, der erstmals in dieser Saison wieder in dieser Klasse mit dabei war, bedankte sich bei der Siegerehrung noch einmal herzlichst beim AC Rastede, dass sie dieser Klasse wieder die Rennen ermöglicht haben.
Kay, der sein Gerät zu Hause lassen musste, konnte leihweise auf dem von Arne Jasper fahren. Wirklich wohl hat er sich nicht drauf gefühlt und musste in der Startkurve immer wieder an der Kupplung ziehen. Ein Sturz im 3. Lauf bestätigte auch den Kommentar von Arne, der sagte: "Die Maschine zieht immer nach aussen", als Kay die Planke in der Fahrerlagerkurve touchierte und daraufhin stürzte. Ob es am Ende ohne diesen Sturz zum Tagessieg gereicht hätte, bleibt fraglich, denn war Toni Kröger auf dem Bike vom immer noch verletzten Udo Diekhoff sauschnell unterwegs und konnte nach der schnellsten Trainingszeit 2 Laufsiege und 2 zweite Plätze fahren.
Jürgen Schmidt fand kein Mittel gegen Kröger und Scheibe, etwas auszurichten, doch blieb er konstant hinter diesen beiden und sicherte sich Rang 3 in der Wertung vor Jörg David, Christian Puck und Rudi Gaschka, die die letzten Zähler erfuhren.

# Name
1
2
3
4
Pkt Platz
9 Toni Kröger
4
4
5
5
18
1.
3 Kay Scheibe
5
5
S
4
14
2.
1 Jürgen Schmidt
3
3
4
2
12
3.
4 Jörg David
2
2
3
3
10
4.
2 Christian Puck
1
1
2
1
5
5.
6 Ingo Allert
0
0
0
0
0
7.
8 Rainer Schmidt
N
N
0
A
0
8.
10 Jörg Dau
0
0
N
N
0
9.

"Kommt ihr Leut und lasst euch sagen, die Uhr hat kurz nach 3 geschlagen...."
Brennholzmanni, der mit seinen Einlagen auch bei der Rennfete auf sich aufmerksam machte, machte den Fahrerlagerwächter und sorgte dafür, dass alle ihren wohl verdienten Schlaf erhielten, denn standen bereits am Morgen die nächsten Trainingsrunden wieder an und man wusste, dass es wieder heisser Tag werden sollte.

Leider musste der AC Rastede neben Gerd Riss, der sich abmeldete, auch noch kurzfristig auf Matten Kröger verzichten. Zum Zeitpunkt der 250ccm-Läufe kam die Nachricht in Rastede an, das Kröger und Hülshorst in Schweden bei einem Sandbahnrennen gestürzt waren. "Hülse ok, Matten Verdacht auf Schlüsselbeinbruch", so die SMS. Während Hülse wie geplant nach Rastede reisen konnte, bestätigte sich der Bruch und mit Zdenek Schneiderwind und Jannik de Jong füllte man das I-Lizenz Feld wieder auf. - Mehr Infos zu den Rennen der B- und I-Lizenz gibt es ab jetzt