Langbahn WM Qualifikation 2
Vechta, 15.05.2004

Wie zur guten alten Zeit führte ein Spielmannszug die Gladiatoren in die Arena. 18 + 2 Fahrer standen in Vechta dem Qualifikationslauf zur Langbahn WM 2004 gegenüber und nicht weniger als 7 Fahrer kamen dabei aus dem gastgebenden Land. Während Knappe und Hülshorst die Reserveplätze belegten, durften sich die anderen Herren doch berechtigte Hoffnungen auf das Erreichen der nächsten Runde machen. Teamchef Josef Hukelmann jedenfalls war zuversichtlich und führte die starke Truppe zu einem sensationellen Erfolg, der sich in der Ergebnisliste auch wieder spiegelte.

Vor dem Rennen habe ich einige Akteure nach der Zielsetzung dieser WM-Qualirunde befragt:

Stephan Katt:
Frage: Wie schätzt du deine Chancen ein?
Eigentlich ganz gut und es sollte auch unter die ersten 3 gehen.
Frage: Es sind viele im Fahrerfeld dabei, die man zum Teil nur vom Namen her kennt bzw. noch überhaupt nicht gesehen hat. Was meinst du, wie wird das Abschneiden des gesamten deutschen Teams aussehen und wer könnte für eine Überraschung sorgen?
Ich denke, dass das deutsche Team das unter sich ausmachen wird. Obwohl, man weiss es nicht, denn Donci ist dabei. Und wenn der Geld riecht, dann wird es schwierig, dann gibt er Gas :-)
Ja, es ist klar, vom Namen her ist es nicht das beste Feld, aber ich weiss z.B. nicht, wie der Russe ist. Ach, aber eigentlich sollte alles okay gehen.
Frage: Und wenn du dich qualifizierst, wo möchtest du hin, nach Parchim oder nach St.Macaire?
Parchim wäre schön wegen Teterow, aber St.Macaire mag ich auch gern, da war ich die letzten 2 Jahre ja gewesen und kam da immer gut zurecht.
Frage: Du siehst deine Chancen also im allgemeinen ganz gut, um auch dieses Jahr wieder in die Weltmeisterschaft rein zu kommen?
Schon ja, doch doch...

Jeremy Doncaster:
Frage: Was ist dein Ziel für dieses Rennen?
Auf alle Fälle mich für das Semifinale zu qualifizieren.
Frage: Wo möchtest du lieber hin, Parchim oder St. Macaire?
Es wäre schön, wenn ich nach Parchim käme, denn ich bin am Donnerstag in Herxheim und könnte das gleich gut miteinander verbinden. Es wäre von der Logistik her viel einfacher und so hoffen wir einfach, dass es mit Parchim klappt.
Frage: Glaubst du, du schaffst es auch in den Langbahn Grand Prix einzuziehen, denn schließlich bist du mit 42 ja auch nicht mehr der Jüngste?
Ja ich hoffe es, denn es ist mein letztes Jahr, so oder so. Vielleicht fahre ich dann noch ein oder zwei offene Rennen, aber in der nächsten Saison ist schon ein Farewell auf der Speedwaybahn in Ipswich geplant. Ich habe dann ein gutes Rennalter erreicht und kann mit vielen positiven Dingen und auch mit einem Respekt von den Kollegen abtreten.

Matten Kröger
Frage: Deine WM-Vorbereitung sah in diesem Jahr etwas anders aus als sonst. Was hast genau du gemacht?
Die Saisonvorbereitung fand letzte Woche im Sulky statt und war sehr interessant.
Frage: Bist du da denn sofort mit klar gekommen, weil es ja auch ein ganz anderes Metier ist?
Das Pferd und ich sind super miteinander klar gekommen. Ich wusste, worauf es dabei ankommt. Ein guter Bekannter hat mir eine Einweisung gegeben und dann ging es los und ich war auch gleich vorne mit dabei.
Frage: Und dann wurdest du Zweiter und Katti hat sogar auf dich gewettet und 30 Euro gewonnen?
Ja, das war schon super.
Frage: Bist du da denn gegen richtige Cracks gelaufen?
Nein, das war ein Prominentenrennen und die anderen haben natürlich etliche Male vorher trainiert und vom Papier her war mein Pferd auch nicht das Schnellste, aber irgendwie hatte ich das wohl in den Fingerspitzen.
Speedway.org stellt fest: Selbst mit nur einem PS kommt der Kröger aufs Podest!

(Dieses Sulkyrennen fand im übrigen auf dem Nordmarkurs in Kiel statt, wo schon vor Jahren Grasbahnrennen auf der 1400 Meter langen Strecke gefahren wurden. Bevor Matten allerdings in den Sulky stieg, fegte er mit seinem Bike ums Oval und wurde von Karl-Heinz Spur mit einer Geschwindigkeit von 142 Km/h gemessen, so wie Matten noch im Anschluss an das Gespräch erzählte.)

Frage: Zurück zum Rennen hier. Was für ein Ziel setzt du dir jetzt für heute, denn so gesehen gehörst du zu den Top-Favoriten auf den Sieg.
Ich denke mal, dass, wenn nichts passiert, ich mit auf dem Treppchen lande und dass ich dann zufrieden bin.
Frage: Möchtest du nach Parchim oder nach Frankreich?
Ja, Frankreich hat immer eine leichte Terminüberschneidung mit meinem schönen Teterow - dem Bergringrennen und daher möchte ich natürlich lieber nach Parchim. Aber man muss sehen, was passiert.

Es ist mittlerweile nichts Neuss mehr, wenn hier geschrieben steht, dass Katt, Doncaster und Kröger eine Runde sind. Aber auch Tebbe, Eijbergen und vor allem Rudolph standen schon vor dem letzten Lauf als Qualifikanten für den die nächste Runde fest. Peppi kam als Vorlaufbester und ungeschlagen aus der Vorrunde und das, obwohl er aufgrund seines Berufes kaum Zeit für die Vorbereitung hatte. Im Training unterlag er zeitlich gesehen noch Kröger, der am Ende die schnellste Trainingszeit fuhr, doch im direkten Duell gegen den Bokeler siegte der Bayer und erst im A-Finale stellte sich heraus, wer der letztendlich absolut Schnellere von beiden war.

Hinter Rudolph kam Kröger dann mit einem Punkt weniger aus der Vorrunde gefolgt von Katt, der sich 2 Mal Peppi fügen musste. Tebbe, der neben einem Laufsieg dann 5 Zähler auf der Strecke liess, versuchte Landsmann Hermann Bacher von der folgenden Konkurrenz zu schützen, doch während die Zähler für
Tebbe am Ende immer noch locker fürs A-Finale reichten, schrieb Bacher am Ende einen Punkt zu wenig, um sicher durch zu sein. Er musste Erik Eijbergen und eben dem Old-Boy Donci, die 14 Zähler schrieben den Vortritt lassen. Eigentlich fuhr Eijbergen eher unscheinbar und profitierte auch vom Ausrutscher seines Landsmannes Dirk Fabriek, der wie Erik noch vor dem letzten Durchgang 10 Punkte schrieb. Der Jüngste des Feldes verkaufte sich prima und hätte einen Platz im sicheren A-Endlauf verdient gehabt, doch blieb ihm im B-Finale bei seiner Form noch alle Möglichkeiten, sich trotzdem zu qualifizieren.

Weiter im B-Finale standen neben Bacher und Fabriek Paul Cooper, der wie Bacher einen Zähler zu wenig einfuhr, um direkt eine Runde weiter zu sein. Steven van der Helm, der sich nach seinem Brandunfall 5 Wochen zuvor wieder 100%ig fit fühlt, und der Norweger Kenneth Borgenhaugh hatten ebenfalls ausreichend Punkte für diesen Endlauf gesammelt. Den Tscheche Richard Wolff unterschätzen einige seiner Kollegen mit Sicherheit, denn trumpfte er gleich zu Beginn auf und erlitt nach einem 2. Rang zum Auftakt im 2. Umlauf an 2. Stelle liegend einen Ausfall, der ihm wohl auch den vermeintlich Einzug ins A-Finale kostete.

Mit diesem Fahrerfeld der Teilnehmer um die letzten 3 + 2 Tickets sollte es noch einmal spannend werden und man drückte vor allem dem deutschen Bacher die Daumen. Doch ehe diese Jungs ans Band fuhren, ging es um die Ehre der C-Finalisten, wo sich diejenigen wiederfanden, die man im Vorfeld nicht einschätzen konnte. Dabei war der Franzose Christophe Martin mit 6 Vorlaufpunkten noch der Beste dieser Finalisten und scheiterte nur um einem Punkt am B-Finale, während seine Mitkonkurrenten nicht über 3 Gesamtzähler hinauskamen.

Das C-Finale sicherte sich Jérémy Coste-Lescoul vor seinem Landsmann Martin, der sich von Rang 4 aus an seine Fersen heftete. Der Russe Anatoly Khylnov reiste ohne Material nach Vechta, da Gustav Pape den Kontakt zu Hans Siegl Jun. herstellte und der ihm neben dem Material auch seine Funktion als Mechaniker zur Verfügung stellte. Mit Rang 4 verabschiedete sich der Tscheche Karel Kadlec, der in der Vorrunde nur einmal in die Punkteränge fahren konnte. Der mit belgischer Lizenz fahrende Niederländer Arjan Borgers kam zwar auf Rang 5, aber das mit der roten Laterne ins Ziel, da der Neuseeländer Strider Horton, auf den man besonders gespannt war, nach einer enttäuschenden Vorrunde im Finale zu allem Überfluss auch noch ausfiel.

Van der Helm brillierte durch einen Blitzstart, doch konnte er diesen Platz nicht ins Ziel bringen, da ihm Wolff diese Führung schon ausgangs der Startkurve abnahm. Auch Fabriek mogelte sich schnell an Steven vorbei und fuhr mit diesem 2. Rang einer sicheren Fahrkarte entgegen. Bacher, der zu Beginn dieser 4 Runden auf Rang 3 lag, verlor immer mehr an Boden und auch an Plätze, da nun der "Wilde Reiter GmbH - Cooper" von hinten her anrückte. Cooper klagte über einen kurzzeitig herausgesprungenen Gang am Start und kämpfte daher um so verbissener um jeden Meter für den sicheren letzten Platz. Im Ziel verpasste er van der Helm nur um Zentimeter und so musste er nun den Reserveplatz in Kauf nehmen. Bacher fiel derweil aus, was dem Norweger Borgenhaugh letztendlich den 2. Reserveplatz beschrte.

Eine Runde waren sie jetzt schon alle, doch geht in diesem Lauf ja auch um die Podestplätze und das liebe Geld. Katt gewann den Start, doch wurde er bereits ausgangs der Startkurve schon von Rudolph abgefangen. Nun machte Kröger, der von Rang 4 kam, Jagd auf Katt, den er als bald überholen konnte. Rudolph musste nun um seinen Tagessieg bangen, denn kam Kröger mit mächtigen Schritten immer näher und konnte ihn in der letzten Runde packen. Katt blieb auf Rang 3, während Tebbe mit dem 4. Rang den tollen Gesamterfolg der deutschen Fahrer, sieht man einmal von Bacher ab, komplettierte. Eijbergen fuhr im übrigen auf dem 5. Rang ins Ziel, während Doncaster aufgrund eines Ausfalles vorzeitig ins Innenfeld fuhr.

Alle Punkte Heat für Heat

Und hier noch etwas Statistik:

Heat
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Startsieger
Rudolph
Bacher
Kröger
Doncaster
Kröger
Rudolph
Eijbergen
Rudolph
Katt
Laufsieger
Rudolph
Fabriek
Kröger
Doncaster
Kröger
Rudolph
Tebbe
Rudolph
Katt

Heat
10
11
12
C-FIN
B-FIN
A-FIN
Startsieg
Tebbe
Katt
Doncaster
Coste-Lescoul
van der Helm
Katt
Laufsieger
Kröger
Katt
Rudolph
Coste-Lescoul
Wolff
Kröger

Trainingsschnellster:   Matten Kröger - 40,84 sec
Schnellste Siegergeschwindigkeit:   Matten Kröger - 96,91 km/h - Lauf 3
Meisten Start-Ziel-Siege:   Herbert Rudolph
Pechvogel des Tages:   Hermann Bacher/Paul Cooper
Verwegenster Fahrstil:   Paul Cooper
Überraschung des Tages:   Dirk Fabriek
Meisten Überholvorgänge:   Paul Cooper
Ältesten Teilnehmer:   Jeremy Doncaster 42, Karel Kadlec 41
Jüngster Teilnehmer:   Dirk Fabriek 18
Weiteste Anfahrt   Strider Horton - Neuseeland
Reservisten:   Knappe - 1 Einsatz, Hülshorst - ohne Einsatz

Trainingseindrücke - 2x2 Runden mit Bandstart

Und im Rahmenprogramm...