Langbahn WM-Lauf 4 in Morizes,
03.09.2005

Die Nacht der Entscheidung

Doch zuvor richteten sich die Blicke auf andere Akteure

   

Nicht nur bei den Fans und den WM-Akteuren standen Robert Barth und Gerd Riss im Mittelpunkt des Wochenendes, nein, auch ein Bayerisches Fernseh-Team in Zusammenarbeit mit einem französischen Kamerateam begleitete die WM-Titelanwärter an beiden Tagen. Heute, (05.09.2005) strahlt Bayern 3 in Blickpunkt Sport ab 21.45 Uhr eine Zusammenfassung des Rennens aus und werden direkt im Studio mit Robert und Gerd das Rennen noch einmal Revue passieren lassen.

     
 
     
 
Auch Josef Hukelmann und meine Wenigkeit wurden unter Beschuss genommen.

Alle Augen richteten sich also auf Gerd und Robert, doch bevor die beiden frühestens aufeinandertreffen sollten, mussten erstmal die letzten 2 festen Fahrer aus dem Last Chance Heat ermittelt und auch alle 12 Vorläufe gefahren werden. Matthieu Tresarrieu holte sich den Sieg vor Matten Kröger, die beide also fest ins Feld kamen. Christoph Dubernard und Massimo Mora folgten und bekamen auch noch jeweils einen Einsatz.
Mit dem Auftakt des 1. Durchganges sah allerdings Referee Frank Ziegler nicht glücklich aus, denn fuhr Bernd Diener in der letzten Ecke mit beiden Rädern fast einen Meter durchs Innenfeld und bekam trotzdem die Punkte zuerkannt. Auch im 2. Heat kam es zu einer ungerechten Punktewertung: Matthieu Tresarrieu fiel in der letzten Runde aus. Der hinter ihm fahrende Daniel Bacher wusste nicht wohin und stürzte, während die anderen 4 regulär ins Ziel fuhren, rollte Tresarrieu in diesem Moment schon im Innenfeld. Höhe Fahrerlagertor zeigten ihm seine Mechaniker aber den Weg ins Ziel und der junge Franzose schob wieder auf die Strecke und erreichte sah die karierte Flagge und bekam dafür einen Punkt zugeschrieben.
Im Nachhinein kann man aber sagen, dass beide Fahrer (Bernd als auch Matthieu) durch diese "geschenkten" Punkte aber keinen Vorteil auf ein besseres Finale gehabt haben. Auch ohne die Zähler hätten sie also in ihren Finals gestanden. Die Frage, warum nicht die Kurvenbeobachter beim Referee bescheid gegeben haben, stellte man sich natürlich. Doch ist es eine FIM Regelung, dass der Referee in solchen Fällen mit eigenen Augen die Situation erkennen muss. Da es in Morizes allerdings ein etwas überhöhtes Innenfeld gibt und man nur schlecht an den Rand der Strecke blicken kann, musste man diesen Auftakt akzeptieren.

Von dem in der Vorrunde von einander getrennten Zweikampfes um die WM-Krone zeigte sich vor allem Antonin Svab unbeeindruckt und zog mit einem Punkt unter Maximum als Punktbester ins A-Finale. Ausgerechnet "le petit" Tresarrieu brachte ihm die einzige Niederlage des Abends bei - es war natürlich klar, dass die vielen Tausend französischen Fans da jubelten. Neben diesen beiden zogen dann aber auch die Gladiatoren ins A-Finale. Riss erfuhr sich 17 Punkte und Barth deren 16. Souverän war so gesehen aber keiner von beiden, da beide Federn lassen mussten. Ausserdem kamen dann auch noch Kröger und Paul Hurry in diesen Endlauf. Im Falle von Hurry musste er seinerseits alles daran setzten, um nicht letzter in diesem Finale zu werden. Denn nach dem Sieg von Joonas Kylmäkorpi im zuvor gefahrenen B-Finale, ging es zwischen diesen beiden ja auch noch um die Bronzemedaille in dieser WM, und bei einem 6. Rang von Hurry hätte ein Stechen die Entscheidung bringen müssen.

Zu einem Stechen hätte es auch zwischen Barth und Riss kommen können, denn gab es mehrere Varianten, wie Riss durch eine bessere Platzierung als Barth die 2 Matchpunkte hätte aufholen können. Nach einem guten Start kam die Entscheidung allerdings in der 1. Ecke, wo Barth Riss aussen den Weg zu machte und er sich nun seinerseits 3 Ränge vor dem Titelverteidiger aus dieser Kurve heraus katapultierte. Svab machte aber derweil seinen ersten GP-Sieg dingfest und war der grosse und verdiente Tagesgewinner. Barth sicherte sich aber mit dem 2. Rang letztendlich nun die WM, während Hurry mit Rang 3 in der Tageswertung nun auch die Bronzemedaille für sich entschied.
Die 2. Überraschung neben Svab war ohne Zweifel Tresarrieu, der die Landesfarben aufrecht hielt und sich mit dem 4. Rang sogar noch besser verkaufte, als Bruder Stéphane (der im Last Chance allerdings einen Sturz mit Philip Ostyn hatte) bei dem GP in Marmande.
Riss, der über den grössten mitgereisten Fanclub im Nacken verfügte, kam nur auf dem 5. Rang ins Ziel - doch strahlte er bei der Siegerehrung ebenso wie Barth, denn sagte er vor dem Rennen: "Ich habe ja nichts zu verlieren und das Leben geht auch ohne einen 6. WM-Titel weiter". Zu erwähnen ist nun nur noch der 6. Rang von Kröger, der mit seinem Clubkollegen Stephan Katt trotzdem einen Grund zur Freude am Nachmittag hatte, denn erfuhren sie direkt aus Güstrow das Ergebnis vom letzten Ligarennen und auch, dass ihr Club Finalausrichter bleiben wird.

Für den WM-Debütanten Kylmäkorpi war der 4. Rang in der Endwertung ein stolzes Ergebnis, doch rechnet man die 2 Punkte hinzu, die er aufgrund von Vergaserproblemen im ersten Heat gleich verlor, so hätte er seinen direkten Rivalen Paul Hurry bei Punktgleicheit eigenhändig bei besserer Majorität ins B-Finale befördert und er hätte - egal wie das A-Finale für ihn ausgegangen wäre - die Bronzemedaille sicher gehabt. So verabschiedete sich der Finne mit dem Sieg im B-Finale und einem kleinem Lächeln auf den Wangen.
Mit seinem besten WM-Rennen verabschiedete sich auch Herbert Rudolph in Morizes. Mit einem 10. Vorlaufplatz stand er sicher im B-Finale und konnte hier die weitere Konkurrenz klar in Schach halten. Catman folgte dem Pilstinger, doch musste Katt auch einen Lauf wegen einer gebrochenen Schwinge den Lauf vorzeitig beenden. (Um noch einmal etwas zu spekulieren: Ihn hätten die 2 nun verloren gegangenen Punkte seinerseits ins A-Finale befördert und somit hätten Hurry und Kylmäkorpi im direkten Duell um die Bronzemedaille kämpfen müssen). Doch hätte, wenn, aber... Fakt war, dass Katt im B-Finale stand und hier Rang 3 sicherte.
WM-Küken Jannick de Jong fuhr sich - bis auf Parchim, wo ihn ein Motorschaden hinderte - auf seinen angestammten Platz des B-Finals. Mit dem dritten 10. Platz innerhalb der verkürzten WM kam er am Ende auf den 12. Gesamtrang und war zufrieden damit und meinte bescheiden wie immer: "Ich bin noch jung und habe noch Zeit". Enrico Janoschka, der hochmotiviert ins Rennen ging, war einer der Leidtragenden des un regulären Auftakts von Bernd Diener, doch zeigte er sein Potenzial im 8. Heat, den er souverän gewann. Am Ende sprang im B-Finale nicht mehr als Rang 5 heraus und er war auch der Letzte, der ins Ziel kam.

 

Christian Bouin wurde geehrt

Startmarschall Thomas Grundler
bei der Arbeit

C-Finale

B-Finale (Abbruch)

Auf einer dieser beiden Bahnen ging es A-Finale um die WM 2005

Langsam wird es ernst

Auf gehts zu den letzten 4 Runden bis zur Entscheidung

Das Feuerwerk

Zuvor "erhängte" sich Diener nämlich quasi am Startband und wurde wegen Bandberührung vom Restart ausgeschlossen. Logische Folgerung: Rang 6 im B-Finale - macht Rang 12 in der Endwertung und Rang 13 in der WM-Wertung.
Auf die Frage: Wo blieb überhaupt Pijper ab?, gab es nur noch eine Antwort: Leider nur im C-Finale! Im Training gehörte er zu den Schnellsten, doch einen Tag später kam er im Rennen nicht richtig in Schwung. Obendrein stürzte er im 9. Heat, er verletzte sich zwar nicht wirklich arg, doch wurde er vom Rerun ausgeschlossen. Zuvor kämpfte er zweimal verbissen bis zur Ziellinie mit seinem jeweils direkten Gegner und verlor jeweils diese Duelle. Schadensbegrenzung hielt er aber mit dem Sieg im C-Finale. Ihm folgte Sirg Schützbach, der im ersten Heat durch ein rotes Licht irritiert wurde, da er dachte, es sei ein Abbruch gewesen. Ohne Punkt fuhr er in diesem Lauf hinterher, steigerte sich aber anschliessend wirklich von Lauf zu Lauf.
Etwas mehr hatte man sich auch von Andrew Appleton erwartet, doch kam der Brite nicht in Schwung und büsste durch einen 15. Gesamtrang wertvolle Punkte in der Endwertung ein. Als Punktbester zog Jörg Tebbe ins C-Finale, da er mit einem Laufsieg (neben einem 5. und 2. sechsten Plätzen) glänzen konnte. Im Endlauf kam er aber nicht gut weg und kam nur auf Rang 4 ins Ziel. Die beiden Reservisten Dubernard und Mora kamen ebenfalls in dieses Finale, da sie je einmal für den nach seinem Sturz nicht mehr antretenden Daniel Bacher ins Rennen gingen. (Bacher versuchte es allerdings noch einmal, doch zeigten sich grosse Schmerzen im Knie). Mora glaubte nicht an diese Teilnahme, doch waren seine 2 erfahrenen Zähler genauso mehr, wie die 3 von Dubs gegenüber einem Zähler von Markus Eibl und eben 0 Punkte von Bacher. Dubernard und Mora bildeten aber somit auch das Schlusslicht dieses Finals, während Eibl und Bacher ohne Einsatz auch ohne weitere WM-Zähler blieben.

2. Robert Barth
1. Antonin Svab
3. Paul Hurry
     
WM - 2. Gerd Riss
WM - 1. Robert Barth
WM - 3. Paul Hurry

 
     

Zum Ergebnis und Pit Stop

4-Länderkampf im Rahmenprogramm

Das Duell: Philips gegen van Weele

 
Nach dem Rennen in Aduard wurde auch in Morizes ein 4-Länderkampf ausgetragen. Während die Franzosen eine Ausscheidung mit 10 Fahrern machen mussten, gingen für Holland Henry van der Steen und René van Weele, für England Glen Philips und Shane Colvin und für Deutschland Hermann Bacher und Patrick Diener an den Start. Sie alle trafen am Ende auf Jeremy Coste Lescoul und Jeans Cottier.

Für die deutschen Vertreter gab es nichts zu gewinnen, denn verzichtete Patrick Diener nach dem 1. Lauf auf weitere Starts, da ihm sein Oberschenkel bei seinem 1. Rennen nach

dem Unfall von Pfarrkirchen doch zu sehr schmerzte. Allein konnte Hermann Bacher somit nur 4 Punkte ins Ziel fahren, was Rang 4 in der Endwertung brachte.
Die Franzosen konnten nur im 1. Lauf mit 6 Punkten auftrumpfen, ansonsten belegten sie die hinteren Plätze in den Läufen. Somit lief alles auf ein Nationenduell England gegen Holland heraus, allen voran van Weele gegen Philips. Der Brite, der ohne Training ins Rennen ging, war bester Einzelakteur vor van Weele, der ihn aber einmal auf der Linie schlagen konnte. Etwas unstrittig war der 4. Vorlauf dieser Gruppe: van Weele sieht auf Rang 2 fahrend die rote Ampel und nimmt das Gas zurück, da er auch 2 rote Flaggen sah. Als er aber bemerkte, dass die anderen weiterfahren und sein Landsmann van der Steen ihn auch schon kassiert hatte, fuhr er wütend das Rennen zu Ende. Auch Philips bestätigte das kurz aufleuchtende Licht und die 2 Flaggen, doch wurde dieser Lauf nicht wiederholt, da - so hiess es - die WM absolut Priorität hatte. Am Gesamtsieg der Dutchrider hatte es am Ende keine Auswirkungen, da sie mit 36 zu 35 die Nase vorn hatten.

Länderkampf

#
Name
1
2
3
4
Pkt
Finale
Pkt
Platz
Team
Holland
1
Henry van der Steen
3
4
2
9
6
15
3.
36
2
René van Weele
5
3
5
13
8
21
2.
England
5
Glen Philips
5
5
4
14
10
24
1.
35
6
Shane Colvin
4
0
3
7
4
11
4.
Frankreich
7
Jeremy Coste Lescoul
2
2
2
6
0
6
6.
14
8
Jeans Cottier
4
1
1
6
2
8
5.
Deutschland
3
Hermann Bacher
1
3
A
4
6
7.
30
4
Patrick Diener
0
N
N
0
0
8.

   
2. England
1. Holland
3. Frankreich