Oh je, oh je.... was für ein Renntag in Schwarme, und das beim EM-Grasbahn-Finale 2005. Der MSC Schwarme hat im Vorfeld geackert und gerackert, Werbung ohne Ende gemacht und dann die drohende Wetterprognose im Vorfeld: Das Wochenende ist geprägt von Unwetter und Dauerregen. Noch am Freitagabend, als es im 20km entfernten Bremen wirklich zu Überschwemmungen kam und das Unwetter östlich Richtung Hamburg ziehen sollte, konnte das spaßige Mofarennen unter noch angenehmen Bedingungen ausgetragen werden, auch wenn ein kleiner Schauer kurz übers Gelände fegte. Den rund 800 (!) anwesenden Zuschauern tat dies aber keinen Abbruch und alle hatten ihren Spass, natürlich auch die Teams. In der Nacht zum Samstag kam dann der Guss runter, der längst erwartet wurde, doch erstaunlicher Weise hielt die Bahn und zum Trainingsbeginn am Samstag strahlte die Sonne im Schwarmer Bruch. Angenehme Temperaturen bis in die späten Abendstunden und trockene Verhältnisse trotzten dem Wetterbericht im Vorfeld. Doch ausgerechnet am Renntag des EM-Finals behielt dieser Bericht recht und wie angekündigt kamen ab Mittag immer mehr sturmartige Regenschauer runter, die von kurzen sonnigen Abschnitten unterbrochen wurden. Das Training der B-Lizenz Solisten am Morgen wurde allerhöchstens nach hinten verschoben, da man auf Hasenjagd gehen musste. 2 Lümmelmänner krochen im Innenfeld aus ihrem Bau und stellten einen neuen Rundenrekord auf der Bahn auf und brachten die letztendlich doch erfolgreichen Streckenposten zunächst zur Verzweiflung. Pünktlich zur Fahrervorstellung dann die ersten Tropfen, die sich bis zum Ende des ersten Wertungsblocks bei mir persönlich in eine mehr als klitschnasse Hose entwickelten. (Danke noch einmal an Ütze für die Ersatzhose!!!) Bis zu diesem Zeitpunkt gingen alle 18 Piloten wie geplant ans Band, doch da man vor dem Rennen bereits mehrere Zentimeter Bahnmaterial abgetragen und den Untergrund wieder gewalzt hatte, konnten die Wassermassen nicht mehr absickern und der Lehmboden wurde schon beim Laufen zu einer Rutschpartie. Es folgte eine eineinhalbstündige Unterbrechung, da sich ALLE Fahrer weigerten, weiter zufahren. B-Lizenz-Pilot und Baumaschinen-Experte Volker Striepe ging mit dem Gräterfahrer auf die Bahn und sie zogen die Schlammmassen ab, während der 1. Vorsitzende Kurt Harries lautstark seine Meinung den EM-Piloten kund tat: „Ihr probiert es ja nicht einmal – ich bin erschüttert“. 4000 Fans wollten einen neuen Europameister haben und Harries sowie auch später Referee Mike Bates aus England versuchten noch einmal auf die Fahrer einzureden. Die Bahn wurde in den Kurven um ca. 3-4 Meter nach innen verlegt und bis auf Gerd Riss und Herbert Rudolph, die in ihren Auftaktläufen zu Siegen kamen, zogen ihren Start dennoch zurück. Interne Fragen unter den Akteuren spekulierten auf einen Ausweichtermin, bzw. eine Wiederholung, doch keiner ging auf diesen Vorschlag ein. So kam es dann, dass die Fahrer beim ersten Aufruf zum 4. Heat nicht am Startband erschienen, und so zog man kurzerhand die Shorttracker und die B-Lizenz Fahrer zu ihren ersten Lauf an den Start vor. Erst danach, auch nach einer Einführungsrunde, ging es mit dem 4. Heat zur EM weiter. Man quälte sich durch den 2. Durchgang, in dem auch der EM-Neuling Steve Braidford (19 Jahre jung, seit 3 Jahren erst Bahnsportler) auf seinen Start verzichtete. Die Zeiten bzw. Geschwindigkeiten sanken um rund 10 km/h gegenüber dem Training und auch dem ersten Durchgang. Auch der 3. Durchgang wurde noch mit fast allen Fahren ausgetragen und man hätte laut Regelwerk jetzt schon eine Wertung vornehmen können, da man nun über 50% ausgefahren hatte. Die Akteure setzten sich aber immer wieder mit den Offiziellen auseinander, bis es letztendlich zur Aufgabe weitere auch potenzielle EM-Anwärter kam. Mit dem 10. Lauf schien man noch auf ein 6er Starterfeld blicken zu können, auch wenn der eine oder andere während der Fahrt aufsteckte und ins Innenfeld rollte, doch mit dem 11. Lauf geschah etwas, was selbst ich bei fast 30-Jähriger Bahnsport-Erfahrung noch nicht erlebt hatte: Keiner der 6 Startberechtigten erschien am Band und alle wurde disqualifiziert. Dies rief dann die Reservisten Sirg Schützbach und Ralf Strack zu ihrem jeweils 4. und letzten Einsatz auf die Bahn, und es wurde ein Zweikampf mit dem Untergrund ausgefahren. Auch im letzten Vorlauf waren es nur 2 Akteure, die noch auf Punktesammlung gingen - Paul Hurry und Glen Philips, aber auch dieser Lauf hatte nichts mehr mit Bahnsport zu tun, auch wenn Hurry immerhin noch mit über 95 km/h (nun schon 20 km/h weniger als unter besten Bedingungen am Vortag) um die Bahn rutschte. Stephan Katt, der sich trotz seiner derben Prellungen
und Beschwerden wie schon in Olching tapfer schlug und auch erstaunlicher
Weise gut in den Punkten lag, erklärte aber, dass er selbst im gesunden
und fitten Zustand nicht mehr weiter gefahren wäre. „Die Bahn ist
einfach katastrophal“.
Matten Kröger zog auch zurück und wies noch einmal nach der
Standpauke seitens Harries daraufhin, dass (er sprach somit auch für
einige seiner Kollegen) sie ihren Willen bei miserablen Verhältnissen
gezeigt hatten, doch wurde es immer unzumutbarer. „Man fährt ja
nur noch wie auf Eiern“. Nach den obligatorischen 12 Wertungsläufen wurden die Punkte also addiert und zunächst sprach man noch von der Einteilung des A-Finals, doch dann die plötzliche Durchsage: „Paul Hurry ist der neue Europameister, Dirk Fabriek der Vize und Dritter wurde Andrew Appleton.“ Appleton, der es bei Punktgleichheit mit Kröger und Philips aufgrund seiner besseren Majorität zu verdanken hatte, konnte sich aber nicht aber wirklich freuen, und schüttelte bei den ersten Glückwünschen im Fahrerlager mit dem Kopf. Hurry und Fabriek, die mit diesen Witterungsbedingungen auch augenscheinlich am besten zurechtkamen, sind also „verdient“ auf Rang 1 und 2 gelandet, und während Philips, Bernd Diener, Ralf Strack, Erik Eijbergen, Sirg Schützbach und Manfred Knappe ebenfalls 4 mal ans Band fuhren, sind die Leistungen von Appleton, Kröger (Rang 4), Katt (Rang 6) und Janoschka (Rang 9) und auch noch Massimo Mora (Rang 10 mit einem Ausfall und dennoch 9 Punkten) um so höher zu bewerten. Wer weiss, was unter einigermaßen vernünftigen Verhältnissen noch alles drin gewesen wäre und wer sich dann platziert hätte. Für das Wetter kann keiner was, und auch der Segen, der am Morgen noch im Zeltgottesdienst gegeben wurde, half nichts. Die Mannen um Harries haben alles versucht, um diese EM zu beenden. Doch leider leider sollte es nicht sein. Meine Meinung: Die Gesundheit der Piloten sollte immer im Vordergrund stehen und jeder von ihnen wusste selber, wo seine eigenen Grenzen lagen. Kompliment an alle Aktiven, die es geschafft haben, ohne Sturz dieses Rennen gesamt gesehen zu beenden. Kompliment aber auch an die Veranstalter, die wirklich alles versuchten. Dass die B-Lizenz und Shorttrackfahrer ihre Läufe durchzogen, ist ebenfalls hoch anzurechnen, doch darf man im Vergleich zu den EM-Piloten nicht vergessen, dass die B-Akteure auch hier und da Rennabsagen hatten und nur höchstens 3 Läufe pro Fahrer (Finalisten) und die Shorttracker mit einer ganz anderen Bereifung unterwegs waren. |
![]() MSC-Promotion-Man
Hasengalopp am Morgen
Erste Windböen liessen das Unheil erahnen
Die oberste Schicht wurde vor dem Regen abgetragen
Die "Ideallinie" nach dem 1. Guß
Striepe im Einsatz
Man verkürzte um 3-4 Meter
Diskussionen untereinander...
... und mit den Verantwortlichen
Das Luftkissenboot diente
Trotz allem ging es um diese Trophäen
Schiedsrichter Mike Bates appellierte
Beliebtester Zufluchtsort im Fahrerlager |
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Alle Punkte Heat für Heat - Action Galerie - oder was davon übrig bliebDen eigentlichen Rennbericht
spare ich mir aber, denn wurde alles gesagt und man kann alles anhand der Punktliste nachvollziehen. Das Rahmenprogramm |
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Als die Welt am Samstag noch in Ordnung war |
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Apropos Janoschka..2 Tage vor dem EM-Finale wurde der Clubfahrer 30 Jahre
alt und bei der Fahrerpräsentation
am Samstag im Festzelt erhielt er ein "Gänsehaut-Ständchen" vom Sänger der
Willy Nagel Band. Doch auch am Sonntag stand er im Blickpunkt des Medieninteresses.
TV-Sender Radio Bremen nahm den Güstrower unter die Lupe und begleitete ihn
durch den Renntag. Am Morgen stand Ricky dem Fernsehteam mit Rede und
Antwort zur Seite und erklärte dem Fernsehpublikum unter anderen auch seine
Maschine. Vorraussichtlich soll dieses Portrait am Dienstag um 18.45 Uhr
auf N3 (Bremer Region) in Sportblitz ausgestrahlt werden. Diese Angabe
ist aber nicht genau, da sich die Redaktion auch auf Montag oder Mittwoch
entscheiden könnte. |
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