Gespann EM in Siddeburen,
27.08.2005

Der Himmel brannte und auf der Bahn gab es das passende Feuer

„Oh mein Gott, Sven fahr nicht so schnell“, kreischte Mama Daubert von aussen auf die Strecke. Doch ohne Fleiß keinen Preis, denn bei der Pressekonferenz, die rund 10 Tage vor dem Rennen abgehalten wurde, meinte Sven Holstein: „Ich werde alles versuchen, um Europameister zu werden“. Und da im Gespannsport auch die Arbeit des Co-Piloten mehr als wichtig ist, konnte man die Angst von Daisys Mutter verstehen.

Bei den beiden, die seit gut einem halben Jahr auch privat ein Paar sind und nun seit knapp 5 Rennen auch gemeinsam im Gespann Platz nehmen, hat an diesem Abend aber auch alles gepasst: Das Material war perfekt abgestimmt, der durch das Gewitter in der Nacht zuvor doch etwas glitschige Untergrund lag ihnen und die Starts des 17-Jährigen waren perfekt. Nur einen einzigen Punkt gaben sie in der Vorrunde gegen Tommy Kunert und Bernd Kreuzer ab, auf die sie im Finale wieder treffen sollten.

Allerdings begann das Rennen für die deutschen Rekordmeister nur mit zwei 2. Plätzen, da sie sich zum einen Sven und Daisy und zum anderen Oliver Wehrle mit Christof Stelmaszek (die ihrerseits mit einem Nuller aus dem 1. Lauf kamen) geschlagen geben mussten. Auch die hochfavorisierten holländischen Geschwister William und Nathalie Matthijssen mussten im ersten Lauf einen Punkt an Mark Detz und Gerald Eelsing abgeben. William, der allerdings immer noch gehandicapt mit einer Handbandage ins Rennen ging, fuhr mit seiner Schwester die mit Abstand schnellste Trainingszeit und zeigte sich trotz leichtem Gipsverband topfit.

Während Sven und Desirée auch im letzten Vorlauf wieder klar siegen konnten und somit Vorlaufbeste wurden, gab es im 11. Lauf das Duell Kunert gegen Matthijssen. Kunert setzte sich durch und sowohl er, als auch die niederländischen Meister hatten somit 10 Vorlaufpunkte auf dem Konto. Das Los entschied, dass am Ende auch Detz/Eelsing ins A-Finale gehen durften, denn hatten sie wie die Briten Nic Radley und Craig Mathison 8 Punkte auf dem Konto und da es bei gleicher Majorität ohne direktes Duell keinen „Besseren“ auszumachen galt, musste laut Regelwerk gelost werden.

Schon im Training konnte man sehen, dass die gelbe Außenbahn den besten Startplatz bietet und auch im Rennen wurden 7 der 12 Vorläufe von gelb aus gewonnen, während es von weiß deren 4 sowie einen von rot gewonnen wurde. Um so erstaunlicher war es dann bei der Startplatzwahl, bei der die Punktbesten Holstein/Daubert als erstes zum Zuge kamen, sie sich die weisse Bahn als Startplatz wählten. Übrigens konnte man bei den anderen Finalaufstellungen das gleiche Prozedere erleben, da auch die jeweiligen Punktbesten von weiss in ihre Finals gingen. Und das war zum einen für Shaun Harvey und Danny Hogg (C-Finale) und zum anderen für Radley/Mathison, die ja nun knapp A-Finale scheiterten, ein grosser Fehler. Denn sie unterlagen den Teams, die sich auf gelb an den Start stellten.

Die Prognose für das A-Finale schien aus deutscher Sicht also gut zu verlaufen, denn hatte sich Kunert als Zweitbester eben die gelbe Bahn unter den Nagel gerissen, während Matthijssen auf blau und Detz auf rot ins Rennen gehen sollten. Es wurde auch viel spekuliert, dass die erfahreneren Akteure die Youngster am Start ins Sandwich nehmen könnten, doch belehrten Sven und Daisy nicht nur sie eines Besseren. Mit einem Katapultstart schoben sie sich in die erste Ecke, zunächst noch arg bedrängt von Kunert. Doch Sven konnte sich absetzten, während Tommy es mit William zu tun bekam. Dieses Duell endete mit einer Berührung und einem Kettenriss bei der einzigen noch verbliebenen deutschen Titelhoffnung. Somit wurden nicht nur zum ersten mal ein „Teenager“ mit einer Frau Europameister, sondern es wurde auch ein holländischer Dreifachtriumph mit Matthijssen und Detz.

Aus dem B-Finale gab es dennoch Grund zur Freude, was die vielen deutschen Fans von den rund 5300 anging. Denn konnte sich Markus Brandhofer mit Thomas Scheunemann, der im Training allerdings in die Bande fuhren und sich überschlug, im B-Finale (von gelb!) den Sieg und somit den 5. Gesamtrang sichern. Sie kamen im Laufe der Vorrunde auch immer besser zurecht und überzeugten im letzten Vorlauf sogar mit einem Laufsieg. Ihnen folgten Lester und Anthony Goodwin, Wehrle/Stelmaszek, die nach ihrem Laufsieg nur noch 2 weitere Punkte ins Ziel brachten, und Radley/Mathison, die mit Rang 8 am Ende unter Wert geschlagen wurden. Zu allem Übel kamen sie nach der Zieldurchfahrt auch noch zu Sturz, als sie dem bereits jubelnden und langsam fahrenden Brandhofer nicht mehr ausweichen konnten.

Im C-Finale siegte Tjeerd Hoekstra mit Henk Auwema (ebenfalls von gelb) vor Harvey/Hogg, Stefan Brandhofer mit Markus Venus und Simon Beard mit Stuart Supple. Der jüngere Brandhofer-Bruder kämpfte und arbeitete hart auf der Bahn, doch blieben ihm am Ende nur 2 Vorlaufpunkte und der vorletzte Platz in der Gesamtwertung

 

Aufgrund der nassen Bahn streute man Sägemehl und verschob das Training um eine Stunde nach hinten

Die Bahn nach den ersten Trainingsrunden

Die Spuren des Untergrunds

Die Beseitigung: So oder...

...so

Viele Fans reisten aus England an

Die Hand von William Matthijssen

Geisterfahrer und Geisterläufer

   
 

Das Ergebnis - Das Action-Album

 

Glückwunsch an Daisy und Sven

 

 

 
„Erst mal die Quali für das Finale schaffen und dann wird neu abgerechnet“, dachte sich bestimmt Dirk Fabriek (15 Vorlaufpunkte), der es als Vorletzter schaffte, in das doppelte A-Finale zu kommen. In der Vorrunde unterlag er noch Pijper (20), Katt (20), Strack (18), Janoschka (17) und Kröger (17), doch mit einer komplett neu gestarteten Punktwertung wurden die Karten neu gemischt. Auch neben Jannick de Jong (14) stand der Medizinstudent im Endlauf und sicherte sich hinter Strack und Pijper den 3. Rang gefolgt von Janoschka, Katt, Kröger und de Jong. Doch da bei Punktgleichheit nach den beiden Endläufen der letzte Lauf entscheidet, sicherte sich der Vize-Europameister mit dem Laufsieg auch den Tagessieg.

Strack, der einen starken Tag erwischte, kam hinter Janoschka auf den 3. Platz. Der Güstrower, der sich in diesem Lauf wieder in seiner bekannten Art nach vorne fuhr, sorgte somit für das Eintreffen der Regel und „vermasselte“ Strack so gesehen den Tagessieg, obwohl er seinerseits meinte: "Ich wollte ja nun nicht ganz mit leeren Händen nach Hause fahren.“. Sein Lohn für den Einsatz im letzten Heat war der 3. Gesamtrang.

Als Vorlaufbester musste sich Pijper dann am Ende mit Rang 4 begnügen, da er im 2. Finale nur auf Rang 5 ins Ziel kam. Katt, der im ersten Endlauf auf dieser Position das Ziel erreichte, konnte sich mit einem 4 Platz in der Gesamtwertung nicht besser als Rang 5 platzieren. Kröger und de Jong teilten sich derweil die 6. und 7. Plätze und landeten am Ende auch auf diesen Rängen.

Knapp am Finale scheiterte Erik Eijbergen, der wie de Jong 14 Zähler hatte. Mit jeweils 10 Punkten holten sich René van Weele und Jörg Tebbe die Plätze 9 und 10. Besonders ärgerlich war Tebbe nach seinem ersten Lauf: In der Startkurve dieses Heats stürzte Christian Hülshorst. Er stieg wieder auf und fuhr weiter, allerdings war das Feld bereits wieder an seinem Hinterrad, angeführt von Tebbe (Foto links). Eine Runde weiter hing Tebbe immer noch hinter dem Lüdinghauser fest, der einen kleinen Fahrfehler machte. Auch Tebbe musste etwas zu machen, was für Katt und van Weele innen die Tür öffnete. Doch im Kampf gegen Kröger blieb der Jungvater auf der Ziellinie immerhin noch Sieger, schimpfte aber anschliessend über diese Situation, vor allem, da Hülshorst letztendlich doch vorzeitig ins Innenfeld fuhr, da er als mittlerweile Überrundeter eh keine Punkte mehr erhalten hätte.

Hinter Tebbe kam dann Rozenberg (7) in die Wertung gefolgt von Ostyn (4), Doornbos (2) und Hülshorst (0), der auch beim 2. Einsatz den Bahnbelag testete.

   
         
   
         
   
         
       
         

Internationale Lizenz Solo
#
Name Nat
1
2
3
4
5
6
7
8
Pkt A-Fin 1 A-Fin 2 Pkt Platz
3
Dirk Fabriek
3
3
6
3
15
4
6
10
1.
8
Ralf Strack
2
5
5
6
18
6
4
10
2.
5
Enrico Janoschka
5
4
6
2
17
3
5
8
3.
4
Theo Pijper
6
6
2
6
20
5
2
7
4.
9
Stephan Katt
6
6
4
4
20
2
3
5
5.
7
Jannick de Jong
4
2
3
5
14
0
1
1
6.
15
Matthias Kröger
3
4
5
5
17
1
0
1
7.
1
Erik Eijbergen
2
5
4
3
14
8.
14
René van Weele
5
1
3
1
10
9.
11
Jörg Tebbe
4
0
2
4
10
10.
12
Sjoerd Rozenberg
1
3
1
2
7
11.
6
Philippe Ostyn
1
2
1
0
4
12.
16
Erik Doornbos
0
1
0
1
2
13.
10
Christian Hülshorst
D
S
0
A
0
14.

   
2. Ralf Strack
1. Dirk Fabriek
3. Enrico Janoschka

Sieger der 125ccm:
2. Kelly Velda - 1. Jan Okke Loonstra - 3. Robin Lukens