WM-Qualifikation in Vechta,
21.05.2005

Innerhalb eines Jahres bekam der AC-Vechta zum 2. mal den Zuschlag für einen Qualifikationslauf zur Langbahn WM. Um sich aber auch für ein Langbahn-Finale als Ausrichter zu bewerben, hatte man u.a. für die WM-Piloten das Fahrerlager hinter Start und Ziel bei den Pferdeboxen her gerichtet. Dort hatten die Fahrer (anders wie im Wald an gewohnter Stelle) einen ebenen Untergrund und waren vor den Fans abgeschirmt. Dies stieß bei den Cracks zwar auf unterschiedlichste Meinungen, doch kam diese Neuerung im Großen und Ganzen eigentlich ganz gut an.
Da am Freitag der tschechische Fahrer Petr Vandirek noch absagen musste, rutschte Manfred Knappe fest ins Feld, so dass Hans Jörg Müller und auch noch Patrick Diener die Reservefahrer stellten. Der deutsche Teambetreuer Josef Hukelmann hatte also nicht nur das erste Mal seit bestehen der Langbahn-WM Vater und Sohn in einem WM-Qualifikationslauf, sondern auch insgesamt 7 deutsche Akteure am Band. Die grössten Ambitionen auf das Erreichen der nächsten Runde räumte man wohl Ex-Weltmeister Robert Barth ein, doch der kam etwas verspätet, aber immer noch rechtzeitig zum Training, in Vechta an. Grund war eine Autopanne, die ihn 1½ Stunden gekostet hat. Und auch der Auftakt von Barth ging völlig in die Hose, da er wegen Getriebeproblemen am Start stehen blieb.
Für Barth war dieser Ausfall natürlich eine Nervensache in Hinblick auf die folgenden Heats, doch hob dies bei den ca 3000 Fans die Spannung, da man um den Ehrgeiz des Memminger ja weiss. Einen deutschen Triumph in Sachen Laufsieg gab es trotzdem, denn konnte Reservist Müller, der für den ins Band gefahrenen Tim Korneliussen ins Feld kam, den Auftaktsieg übernehmen. Dies sollte aber nicht der einzige Auftritt von Müller werden, denn bekam er - wie Diener-Junior auch - noch des öfteren die Gelegenheit, sich zu beweisen und Punkte zu sammeln, da unter anderem Korneliussen gar nicht mehr antrat, der Ex-Eisspeedway-Pilot Jari Ahlbom ebenfalls einmal ins Band zog, und auch Karel Kadlec einmal nicht rechtzeitig am Band erschien.

Neben Barth, Müller und P. Diener waren aber auch noch Bernd Diener, Markus Eibl, Enrico Janoschka und eben Knappe nach Vechta gereist, um sich die Chance auf die WM-Teilnahme zu wahren. Und nur einer von ihnen konnte den späteren Gesamtsieger bezwingen - und das war Bernd Diener. Ansonsten kam der finnische Speedwayprofi, der nach 1999 das 2. Mal im Waldstadion an den Start ging, sehr schnell zurecht auf der ungewohnt tiefen Bahn und fuhr jedem anderem nach packenden Überholmanövern davon.
Mit 19 Punkten ging Kylmäkorpi also als erster ins A-Finale. Mit insgesamt 17 Zählern fuhr Diener Senior, der im letzten Lauf Sohnemann Patrick etwas Schützenhilfe gab, auf den 2. Vorlaufplatz, gefolgt von Jannick de Jong. Der 17-Jährige Niederländer eroberte wie Kylmäkorpi die meisten seiner 16 Vorlaufzähler aus Überholaktionen. Überragend präsentierte er sich dabei vor allem im 7. Lauf, nachdem er den Start komplett vermasselt hatte und als letzter vom Band weg kam. In nur einer Runde fuhr er sich schon auf Rang 3 vor und nutze die übrigen 3 Runden zum Laufsieg. Einen Zähler weniger schrieb Enrico Janoschka, der auf den Rängen 2 und einen 3. Platz nichts anbrennen liess und natürlich auch das Ticket für eines der Semis in der Tasche hatte. Mit 14 Punkten folgte dann Barth, der es mit 2 Laufsiegen und einem 2. Rang doch geschafft hat, die Entscheidung der nächsten WM-Runde direkt durchs A-Finale zu sichern. Mit jeweils 13 Punkten ging es zwischen Eibl und Knappe dann um den Platz im A-Finale, der aufgrund der Majorität der besseren Plätze zu Gunsten des Bahnpokal-Siegers 2004 ausging.

Knappe, der noch immer leicht angeschlagen vom Lüdinghausen-Crash ins Rennen ging, aber eine erstaunlich gute Leistung zeigte, musste also im B-Finale alles daran setzten, durch einen Platz zwischen 1 und 3 immer noch direkt eine Runde weiter zu kommen. Doch hier standen auch Müller (12) und Diener (11) drin, die ihre vom Umstand her glücklichen Einsätze in wertvolle Punkte umwandeln konnten. Mit jeweils 10 Punkten fighteten dann Paul Cooper und auch Dirk Fabriek. Während der wilde Brite durch seinen spektakulären Fahrstil in den Punkterängen zu finden war, musste Fabriek wie Barth wegen Maschinenproblemen am Start des 1. Durchganges passen. Auch wenn er von der Vater-Sohn-Schützenhilfe mit dem Laufsieg profitierte, hätten mögliche 9 Zähler auch zum Einzug ins B-Finale gereicht, denn war Marius Rokeberg mit 7 Punkten der Letzte, der im wichtigsten Lauf des Abends stand.

Die Teilnehmer am C-Finale waren Sergej Eroshin (6), der aber auf den Endlauf verzichtete, Jérôme Lespinasse und sein Landsmann Jeremy Coste Lescoul (je 4), Karel Kadlec und Mark Chilman (je 3) sowie Willy Tjessem (2), während Ahlbom und Korneliussen automatisch die Plätze 19 und 20 einnahmen. Auch wenn diese Burschen in den Heats gegen die vermeindlich Stärkeren kaum Chancen hatten, zeigten sie in diesem "internen" Lauf doch allerhand Action. Coste-Lescoul war zwar gleich an der Spitze und gab diesen Sieg auch nicht mehr ab, doch boten der Norweger Tjessem, Lespinasse und Kadlec eine interessanten Fight um die Plätze 2, 3 und 4, während sich der Engländer Chilman doch etwas aus diesem Dreikampf heraus hielt.

Die Nerven lagen nun fast blank bei Josef Hukelmann, der nun seine zu betreuenden Fahrer nur noch mit Daumen drücken unterstützen konnte. Das Außenverhältnis war ausgeglichen und somit auch die theoretische Chance alle 3 B-Finalisten direkt in die WM-Semi-Runde zu begleiten, doch waren mit Fabriek, Cooper und auch Rokeberg Fighter am Band. Müller suchte die direkte Entscheidung und sicherte sich ohne grosse Fragen den Laufsieg, doch dahinter wurde es mächtig eng. Vor allem die ersten 2 Runden wurden durch Überholmanövern geprägt, in denen sich alle bis auf Rokeberg befanden. Doch dann machte Knappe ausgangs der 4. Ecke einen Fahrfehler und fuhr enttäuschend ins Innenfeld. Bei dem Versuch, die Maschine unter Kontrolle zu behalten, verrenkte er sich das Bein und konnte nichts ausrichten, während die anderen immer noch um die festen Tickets kämpften. Am Ende waren es Fabriek und P. Diener, der hinter Müller das Ziel erreicht haben. Cooper und Rokeberg erhielten somit also die Reserveplätze für das folgende Wochenende, doch war der sonst immer gut aufgelegte Cooperman wie Knappe mehr als enttäuscht über das Abschneiden dieses Finals.

Im A-Finale ging es nun also darum, wer die Podestplätze einnehmen würde und der "Flying Finn" Kylmäkorpi blieb auch in diesem Lauf ungeschlagen. Barth setzte zwar alles daran, mit der 2. Maschine diesen Tagessieg zu seinem zu machen, doch reichte die Leistung des 2. Motorrades nicht ganz, und er konnte Kylmäkorpi nur ins Ziel vor sich her jagen. Mit Rang 3 sorgte dann der fast 20-Jahre jüngere (gegenüber Barth) de Jong für die Überraschung, in dem er Diener, Janoschka und Eibl auf die weiteren Plätze verwies.
Trotz der tollen deutschen Quote von 66 % war die Enttäuschung von Knappe ein Wermutstropfen."Ein einziger Punkt hat gefehlt", so der Bayer nach dem Rennen, dem die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben stand.

Volle Tribünen im Waldstadion

und mittendrin der Fahrerlagereinlass

Der erste WN-Lauf mit Vater und Sohn

Joonas Kylmäkorpi

Kein guter Start in diese WM für Barth

Auch Fabriek musste passen

Jupp Hukelmann ... ohne Worte

Er kümmert sich als erstes um den enttäuschten Knappe

Der Blick auf die Startgates vor der Auslosung

2. Robert Barth
1. Joonas Kylmäkorpi
3. Jannik de Jong

Das Ergebnis

Alle Ergebnisse des Rahmenprogramms auf www.ac-vechta.de

Das Action-Album aller Klassen

Mit einem ausgeglichenen Fahrerfeld gab es auch in der internationalen Gespannklasse packende Fights. Und auch wenn die Matthijssens wieder ein Klasse für sich waren, gab es dahinter klasse Kämpfe. Allerdings mussten die Geschwister aus den Niederlanden ihren ersten Punkt in der laufenden Saison abgeben. Stefan Brandhofer und Markus Venus gelang es nämlich, ihnen als erstes Team ihnen einen Laufsieg 2005 streitig zu machen. Da ihnen aber aufgrund eines kapitalen Motorschadens weitere Punkte fehlten, langte es bei ihnen nur
für den undankbaren 4. Rang. Einen Brandhofer gab es dennoch auf dem Podest, denn konnte Bruder Markus bei seinem 3. Rennen nach 2 Jahren Verletzungspause endlich wieder das Podium erklimmen. Gemeinsam mit Thomas Scheunemann belegten er mit 12 Punkten den 2. Rang und verweis dabei sogar die deutschen Meister Oliver Wehrle und Christof Stelmaszik. Auf Rang 5 kamen dann Karl Keil und Daisy Daubert vor Thomas Raesfeld, der sich kurzfristig Matze Stucke ins Boot holte und Markus Gössing mit Maik Domscheit.

2. Brandhofer/Scheunemann
1. Matthijssen/Matthijssen
3. Wehrle/Stelmaszik

In der B-Lizenz Solo gab es 2 Gruppen, die nach 2 Vorläufen ihre besten 8 Fahrer ins Finale schickten. Bereits vor der Quali durch das Pflichttraining verabschiedete sich Julia Frenk durch einen Sturz schon nach einer ¾ Runde. Mit einer Schlüsselbeinverletzung war sie aber später wieder im Stadion und konnte ihre Kollegen beim Siegen zu sehen.
Vechta und Stürzen und auch eine Geschichte, die Jens Klein bisher immer erlebt hatte. Doch im 3. Anlauf klappte es und er kam ohne Sturz oder sonst irgend einem Missgeschick durch die Rennen auch wenn er am Ende mit 1 Punkt den 12. Platz belegte. Doch leider ging der Renntag für Sven Lohmeier wieder so zu Ende, wie er auch bei der letzten Flutlichtentscheidung ausging. Im 2. Vorlauf verriss der vor ihm fahrende Robert Baumann das Bike und stürzte. Um ihn nicht zu gefährden legte Lohmeier um, doch rutschte er Richtung Bande und knallte mit dem Rücken in die Planken. Auch wenn er für diesen Lauf noch 4 Punkte zugesprochen bekam, konnte er im Finale nicht mehr angreifen, da man ihn mit Verdacht auf eine Rückenverletzung ins Krankenhaus bringen musste.

Speedway.org wünscht gute Besserung

Wie Lohmeier schrieb nach den 2 Vorläufen auch Volker Striepe 9 Punkte und hatte in Paul Bauer mit 7 Zählern seinen ersten Konkurrenten um den Tagessieg am Band. Bauer sicherte sich dann auch den Endlauf, nachdem er den 2. Lauf verpatzte, vor Striepe. Marcel Dachs, Kay Scheibe und Ramon Stanek gingen mit jeweils 6 Zählern ins Finale, doch hier setzte sich der 15-Jährige Youngster Stanek durch, der zum ersten Mal in Vechta fuhr. Er zog bei seinem 2. Langbahnrennen nach Lüdinghausen durch und sicherte sich nach Rang 3 im Finale auch den 3. Podestplatz. Somit verwies er nicht nur Scheibe und Dachs, sondern auch Baumann, der trotz der Disqualifikation als Sturzverursacher von Lohmeiers Crash mit 4 Punkten aus dem 1. Heat im Finale stand. Christian Mell durfte für Lohmeier das Endlauffeld auffüllen, doch blieb es bei seinen 3 Punkten, die am Ende auch Marc Hansen und Thorsten

Im 3. Anlauf endlich zu Ende gefahren: Jens Klein

Dafür erwischte es Sven Lohmeier
zum 2. Mal

Paul Bauer visiert im September
Rang 1 an

Haupt auf dem Konto hatten. Haupt wurden allerdings die 3 Minuten im 2. Durchgang nicht gegeben und die Post ging somit ohne ihn ab. Es folgte dann Sönke Petersen in der Wertung, der seinen Erfolg vom letzten September, wo er bei seinem Langbahndebüt Rang 2 belegte, nicht wiederholen, obwohl er sich auch wieder durch Überholvorgänge auszeichnen konnte. Hinter dem auf Rang 12 liegenden Klein kam Mathias Encke ebenfalls noch mit einen Punkt, ehe Frank Unland ohne Punkt diese Wertung abschließt.

2. Paul Bauer
1. Volker Striepe
3. Ramon Stanek

Vor gut 9 Monaten wurde die neue 250ccm Maschine in Werlte vorgestellt und da es bei dem anhaltenden Babyboom bis zur Geburt eben 9 Monate dauert, konnte in Vechta nun das 1. Rennen in der Schülerklasse C 250ccm ausgetragen werden. Natürlich waren die "Erfinder" dieser Klasse mit Herman Armbruster und Josef Hukelmann mit von der Partie und beobachteten die 4 Akteure ganz genau.
Nur 2 Mal konnte z.B. Kai Huckenbeck auf einer 250er trainieren, doch machte er auch in dieser Klasse alles klar. Im 3. Durchgang stürzte er sogar in Führung liegend, doch sprang er wieder auf und verpasste im Ziel nur knapp den 3. Platz. Am Ende ging der Gesamtsieg aber wieder einmal an den Werlter, der es sich nicht nehmen ließ, sich recht herzlich bei Hans Zierk zu bedanken, der ihm das Material zur Verfügung gestellt hat. Auf die Frage, was ihm mehr Spass macht, 125ccm oder die doppelte Kubikzahl, erklärte der 3-fache deutsche Meister: "Die 250er macht auf jeden fall mehr Spass. Die lässt sich viel leichter fahren und man kann viel besser driften"

Über Rang 2 freute sich "Flitzer" René Deddens aber ebenso, wie Kai über Rang 1. Im ersten Heat unterlag er zwar noch Friedrich Ruf, doch konnte er in den übrigen 3 Läufen sicher den 2. Rang nach Hause fahren. Der einzige Vertreter aus dem SBM-Bereich Ruf scheiterte am Ende an Rang 3, da im letzten Lauf wegen technischen Problemen ausfiel. Somit konnte Marcel van Düllen Ruf um nur einen Punkt schlagen und sich seinerseits Rang 3 sichern.

Links: Armbruster und Hukelmann freuten sich über das gelungene Debüt der neuen 250er Schülerklasse C

Mit 3 Läufen kamen auch 4 Quadfahrer zum Einsatz, die sich auf der Bahn so richtig austoben konnten. Nach 2 Laufsiegen führte Ex-Gespannfahrer Detlef Brüner, doch fehlten ihm 2 Minuten zum Start des letzten Laufes, was ihm Rang 2 einbrachte. Trotz Punktgleichheit unterlag er am Ende Thomas Vogelsang um einen Platz, konnte aber vor Hans-Peter Faltus Rang 2 behalten. Rang 4 ging an Sven Groß.