Bahnpokal in Vechta,
24.09.2005

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Die Fahrervorstellung

Ludger Spils wollte mithalten

Die Schirmgirls bei ihrem ersten Auftritt

Angespannt bis in die Zähne
Paul Bauer

Das Training lief gut

Tuner Keil kümmert sich um das Problem bei Petersen

Training beendet - Volli Striepe

Check vor dem 2. Training
Paul Bauer

Relaxen ist bei Stanek und Petersen angesagt

Rennsekretärin Sylvia Wollering beim Verschnaufen mit den Enkeln Lea und Nils

 

Die deutsche Meisterschaft der B-Lizenz-Solisten – auch Bahnpokal genannt – wurde nach 1996 nun wieder im Waldstadion in Vechta ausgefahren. Das Fahrerfeld dieser Meisterschaft stellte sich, wie auch bei all die anderen Prädikatsrennen um die DM, aus den Wertungen der NBM und SBM zusammen. Der Veranstalter hatte also keinen Einfluss darauf, welche Fahrer ans Band ziehen würden. Durch mehrere Absagen – zunächst von Sven Lohmeier (verletzt) und Ulrich Büschke (Karriere beendet) - fehlten schon einmal 2 sehr gute Piloten und man stockte das Fahrerfeld zunächst mit 2 weiteren NBM-Akteuren auf. Doch je näher der Termin rückte, um so mehr Absagen folgten: Karsten Herzog Fisch sagte ab, da seine Frau einen schweren Autounfall hatte. Jens Buchberger verzichtete aus wichtigen beruflichen Gründen auf diese DM und Hermann Zausinger entschuldigte sich ebenfalls. Der für ihn aufrückende Jamie Isherwood erschien einfach nicht und so kam der kurzfristig nachnominierte Reservist Patrick Zwetsch fest ins Feld. Der 2. Reservist Bernd Dinklage stürzte schon im freien Training und verletzte sich am Knie, so dass nur noch die 18 Piloten gab, die bei dieser DM antreten konnten.

Sah man auf das nun entstandene Fahrerfeld, konnte man schon in der Trainingssession eine 3.Klassen-Gesellschaft erahnen, die ich mal als kulinarischen Salat aus Peperoni, Paprika und Oliven bezeichnen möchte. Zu den Peperoni gehörten ganz klar Striepe und Bauer, die ordentlich Feuer machen konnten. Aber auch Petersen als Trainingsschnellster, Haupt, Dachs, Baumann oder Stanek und Julia Frenk kannte man als diejenigen, die den Gegnern Feuer unterm Hintern machen konnten.

Mit einem Mittelfeld – die Paprikas – aus Scheibe, Klein, Nadine Frenk und Hansen waren Akteure am Band, die immer für eine Überraschung gut sein könnten, während die „Oliven“ wie Unland, Flick, Daubert, Berger und Zwetsch doch eher weniger Chancen hatten, den weit aus schärferen Gegnern Paroli zu bieten. Einzig bei Richard Speiser war man sich vor dem Training nicht sicher, in welcher Kategorie man ihn einordnen sollte. Er fuhr nur ein Grasbahnrennen dieses Jahr in Wolfegg, ist aber ein guter Speedwayfahrer, dem die Bahn in Vechta entgegen kommen sollte. Wie sich herausstellte, siedelte er sich in der ganz scharfen Gruppe an und hatte am Ende sogar ein ganz grosses Wort mitzureden.

Doch bis es soweit war ging es ähnlich los, wie bei der grossen DM in Bad Hersfeld eine Woche zuvor. Für einen DM-Anwärter war das Rennen schon im 1. Heat vorbei. Zunächst stürzte aber Jens Klein in der 2. Kurve und Schiedsrichter Albert Raesfeld brach den Lauf ab, obwohl Klein sich auf sein Bike schwingen konnte. Dieser Restart – ohne Klein – wurde Volker Striepe dann zum Verhängnis. Er kam nicht mehr an Haupt vorbei und touchierte dessen Hinterrad. Die Folge war ein spektakulärer Absteiger und ein 4-facher Schlüsselbeinruch beim Bassumer. Damit war für ihn diese DM vorbei und auch den Fans blieben spannende Rennen mit ihm verwehrt. So siegte Haupt ungefährdet vor Zwetsch und Unland in diesem Rerun, während Nadine Frenk auf Rang 3 liegend in der letzten Runde ausfiel.

Ein fast ähnliches Szenario spielte sich im 2. Heat ab, als Sönke Petersen an gleicher Stelle nach einem Salto auf dem Boden lag. Allerdings ging es ihm gut und er bekam vom Rennarzt grünes Licht für die Weiterfahrt, da Raesfeld hier alle 6 Fahrer wieder ans Band liess. Petersens Bike war allerdings völlig krumm und so musste er auf ein anderes Motorrad hoffen. Patrick Diener stellte ihm sein Ersatzbike zur Verfügung, auf dem der 16-Jährige erstaunlich schnell sehr gut zurecht kam. Ein Konkurrenzteam legte wegen dieser Leihgabe Protest ein, doch wurde diesem nicht stattgegeben, da aus technischer Abnahmesicht alles in Ordnung war. Beim Rerun dieses Laufes kam es erneut zu einem Crash, als von innen nach aussen Petersen, Dachs und Speiser parallel in die Zielkurve der 2. Runde einbogen. Petersen kam innen durch, während Speiser zu quer kam und Dachs mit voller Breitseite in Speiser krachte. Aufgrund dieser für den Schiedsrichter undurchsichtigen Lage liess er erneut alle 6 Piloten wieder ans Band, dessen Lauf Petersen vor Scheibe im Fotofinish mit Baumann, Dachs, Speiser und Flick gewann.

Paul Bauer konnte anschliessend mit einem ca. 80 Meter-Vorsprung klar seine ersten 5 Punkte ins Ziel bringen und das vor Julia Frenk, Stanek, Daubert, Hansen und Berger.

Ohne den 6. Startplatz durch Striepes Verletzung aufzufüllen, ging es im 4. Lauf mit 5 Mann ans Band. Speiser fuhr klar an der Spitze und sicherte sich den Sieg. In einem packenden Endspurt um den 2. Rang behauptete sich Dachs vor Haupt, während Hansen und Berger folgten. Nach dem Überholmanöver von Baumann gegenüber Stanek holte dieser sich weitere 5 Zähler im 5. Heat. Daubert kam auf Rang 3 ins Ziel, nachdem Klein ausgangs der Startkurve der letzten Runde auf Rang 3 erneut zu Sturz kam. Klein sprang aber wieder auf, und er konnte sich hinter Flick, der mit Unland zunächst um den letzten Platz gekämpft hatte, dennoch auf Rang 5 ins Ziel fahren, während Unland die rote Laterne hatte. Dass Bauer es wissen wollte, zeigte er im 6. Lauf, als er wieder gewinnen konnte. Er bezwang Petersen, Julia Frenk, Scheibe, Nadine Frenk und Zwetsch.

Mit dem letzten Vorlaufdurchgang setzte Bauer erneut einen Laufsieg drauf und führte die Konkurrenz klar an. Petersen, der nun mittlerweile doch einige Folgen seines Sturzes spürte, wollte in der 3. Runde auf Rang 2 fahrend aufgeben, doch sah er sich um, und sah die Konkurrenz weit hinter sich. Er biss also auf die Zähne und brachte diesen Lauf noch auf Rang 2 zu Ende, während Hansen auf Platz 3 Sieger über Flick und Unland blieb.

Mit einem ca. 80 Meter Vorsprung konnte sich Barth-Schützling Speiser im 8. Vorlauf absetzten und als Sieger durchs Ziel fahren. Scheibe, der vor dem Rennen verkündete, dies sei sein letztes Rennen, da der Arbeitgeber nicht mehr mitspielt, folgte auf Rang 2. Nadine Frenk, Daubert und Berger bekamen die letzten Zähler, während Klein schon in der 2. Kurve ins Innenfeld fuhr, da er nach seinem Sturz aus dem Durchgang zuvor nun einen Blackout hatte. Aufregung gab es dann im letzten Vorlauf im Team Haupt, als Thorsten Mitte der Startkurve zu Fall kam. Er war aber okay und auch er durfte wieder ans Band, worauf er diesen Lauf auch gewann. Mächtig spannend ging es dann aber hinter ihm zu, da Baumann sich zunächst von 3 auf 2 fahren konnte und Dachs im Dauerfight mit Stanek am Ende doch den 3. Rang ins Ziel fuhr. Hinter Stanek folgte dann noch Frenk, während Zwetsch mit Motorschaden ausfiel.

Nun standen also die Einteilungen für die Halbfinals an, dessen Helmfarben zuvor vom Sportkommissar nach den Vorlaufplatzierungen festgelegt wurden. Von Innen nach Aussen sollten somit im 1. Semi Stanek (9), Julia Frenk (8), Baumann (12), Zwetsch (4), Speiser (11) und Bauer (15) ans Band fahren. Doch da Zwetsch wegen seines technischen Defekts nicht mehr antrat und es wie in Bad Hersfeld bei den Semifinals und den Endlauf keine Reservefahrer gab, wurde das Fahrerfeld mit 5 Akteuren losgelassen. Aber auch dieser Lauf musste abgebrochen werden, da ausgangs der 1. Kurve Bauer in Führung liegend ohne Fremdeinwirkung zu Fall kam. Baumann legte daraufhin fair um, um Bauer nicht zu gefährden

und Referee Raesfeld liess auch hier alle Fahrer wieder zu. Die zuvor gestürzten Bauer und Baumann machten die Pace, doch während der Bayer zum Laufsieg fuhr, fiel der Mecklenburger in der 3. Runde an 2. Stelle liegend aus, was ihm am Ende leider das Finale kostete. Die 4 Punkte des Zweitplatzierten erntete somit Speiser gefolgt von Frenk und Stanek.

Durch Petersens Absage, die er nun mit 13 Punkten verkündete, blieb auch der gelbe Startplatz im Semi 2 frei und so konnten von Innen nach Aussen Hansen (6), Daubert (7), Dachs (9), Haupt (13) und Scheibe (10) auf die Reise gehen. Haupt zog nicht nur sicher zum Sieg, sondern auch ins Finale und Dachs, der sich von 3 auf 2 an Scheibe vorbeikämpfte, folgte ihm neben Scheibe in den Endlauf der besten Akteure. Zu erwähnen sei aber noch, dass Daubert, der sich insgesamt gesehen toll präsentierte bei dieser DM, und Hansen die letzten Punkte ins Ziel brachten.

Entgegen des Regelwerkes durften sich die Fahrer des Finals nun nach dem Angebot des Sportkommissars die Helmfarben selber aussuchen und Bauer (20) ging wieder auf die Außenbahn. Haupt (18) stellte sich auf den 3. Startplatz und Speiser (15) ging auf Rot ins Rennen. Mit jeweils 13 Punkten hatten dann noch Petersen, der aber wieder verzichtete, Scheibe, der die 4. Bahn wählte, und Dachs, der zwischen Bauer und Scheibe ins Rennen ging, den Zuschlag erhalten.

Bauer liess nichts anbrennen und behielt die Nerven zum Titelgewinn, während sich hinter ihm ein toller Fight auf den Plätzen 2-4 entwickelte. Zunächst schob sich Dachs von 3 auf 2 nach vorne, ehe Speiser und Haupt nicht weniger als 3 Positionswechsel auf die Bahn zauberten. Speiser verwies Haupt zwar in diesem Endlauf auf Rang 4, doch ging der Vizetitel am Ende an Haupt vor dem Sandbahn-Debütanten Speiser. Thorstens Schwägerin Frauke, die auch die Mutter der im Moment pausierenden Schülerfahrer Hauke und Ole Haupt ist, sagte zum Vizetitel: „Es ist doch schön, wenn immer noch ein großer Stern im Petto leuchtet.“ Scheibe, der diesem Finale nicht mehr als einen Zähler auftrumpfen konnte, war dennoch mit diesem Ergebnis zufrieden, da er vor dem Rennen nicht damit gerechnet hatte, überhaupt in dieses Finale zu kommen.

Das Ergebnis

2. Thorsten Haupt
1. Paul Bauer
3. Richard Speiser

 
Zur Siegerehrung von Paul, der sich nach der Zielflagge den Fans auch noch einmal ohne Helm präsentierte und einen Burnout bei Start und Ziel hinlegte, Thorsten und Richard war auch Volli Striepe wieder mit dabei, der zum einen verkünden konnte, dass es ihm den Umständen entsprechend gut ginge, auch wenn er seinen mehrfachen Schlüsselbeinbruch noch operieren lassen muss, und zum anderen konnte er ein Trostpflaster in Form einer Glastrophäe entgegen nehmen.