Grasbahn EM Semifinale in Vries,
20.03.2005

 
Wie viel wurde zuvor über den Saisonauftakt in Kombination mit dem Wetter spekuliert? Denn immerhin handelte es sich bei diesem ersten Langbahnrennen 2005 gleich um einen Prädikatslauf. Doch es war ein herrlicher Frühlings- und ein perfekter Renntag obendrein, abgesehen von den schlimmen Stürzen in der Gespannklasse (Doch dazu auf anderer Seite mehr).
Mit 4 Deutschen Akteuren konnte Team-Chef Josef Hukelmann nach Vries anreisen und jeder von ihnen galt als Favorit auf den Einzug ins EM-Finale. Allerdings waren bei den Jungs die Vorbereitungen unterschiedlichster Art: Während Enrico Janoschka sich in Güstrow auf der Speedwaybahn austobte und seine Starts somit perfektionierte, konnten Stephan Katt und Matten Kröger 3 Tage vor dem Rennen in Hamburg Bahrenfeld auf der Trabrennbahn ihr Material testen. Die anwesenden Zuschauer, die wegen dem Pferderennen anwesend waren, riss es beim Aufheulen der Motoren schlicht weg von den Sitzen. "Das war die beste Bahn, die ich je gefahren habe", so Mattens Kommentar zu der ungewöhnlichen Trainingsbahn. Alle drei fuhren auch am Abend zuvor noch ein Hallenspeedway in Rostock, bei dem Janoschka schon als Sieger die Veranstaltung verliess.
Einzig Jörg Tebbe konnte nicht einmal zuvor das Motorrad bewegen: "Ich sitze heute zum ersten Mal in diesem Jahr auf dem Bike". Doch ist er Profi genug, um sich auf diese für ihn ungünstige Voraussetzung einzustellen.
 
   
   

6 Tickets galt es zu verteilen, die den Start beim EM-Finale Ende Juli in Schwarme berechtigen und da unsere Jungs klar in die Favoritenrolle schlüpften, blieben theoretisch "nur" 2 Fahrkarten für 14 weitere Akteure übrig. Ganz klar setzten die Niederländer und Fachleute auf den Youngster Dirk Fabriek und auch seinem WM-Kollegen Glen Philips räumte man grosse Chancen ein. Doch während der Brite sich die Hoffnungen auf das EM-Finale nach einem Ausfall im letzten Vorlauf abschminken musste, trat das für Harm Jannes Renkema ein, dass er als "gutes Omen" bezeichnete. Im Training rutschte der Ältere der Renkema-Boys weg und testete den Bahnbelag. Auf meine Feststellung hin, dass es bei ihm eigentlich nie ohne Bodenkontakt geht, sagte er mit verschmitztem Lächeln: "Das war mir hier letztes Jahr auch passiert. Im Training bin ich gestürzt und am Ende habe ich das Rennen gewonnen". Zum Sieg reichte es für ihn nicht, doch kratzte er im A-Finale bis kurz vor dem Ziel sogar noch am Podest.

Der tiefe und matschige Untergrund
6 Trophäen zeigen Richtung Schwarme
Josef Hukelmann mit der magischen Vier - alle Deutschen sind weiter

Bereist im Training demonstrierten die EM-Semifinalisten, dass es endlich wieder Zeit wurde, die Sand- und Grasbahnen umzupflügen. Und mit jedem Lauf wurden auch die Temperaturen für die Fans immer angenehmer - für manch einen sogar bis hin zu einem Sonnenbrand - wie am eigenen Leib erfahren :-)
Der erste Durchgang ging in der gewünschten Rechnung auf, denn konnten sich alle Deutschen auf Rang 1 bzw 2 wiederfinden. Ein Auftakt nach Mass, den Catman allerdings in seinem 2. Outing fast wieder einbüsste. Keine Ahnung wie er das geschafft hat, doch konnte er sich schon fast am
Boden liegend ausgangs der 1. Ecke wieder auf seine Bike hieven und das Rennen von Rang 5 aus neu starten. Fotos Für die vordersten Plätze reichte es zwar nicht mehr, dennoch holte er sich 2 weitere Zähler zu seinen bisherigen 5 aus dem 2. Heat. Enrico Janoschka fuhr im 6. Lauf ebenfalls auf einer Herzinfarkt-Linie für seine Fans, denn touchierte er im Clinch mit Dirk Fabriek die Planke und liess es dann auf Rang 3 bis ins Ziel ruhiger angehen. "Es war doch gar nichts los", so Ricky, "mir ist doch nur das Vorderrad kurz weg gerutscht" Jörg Tebbe gewann derweil aber dieses Lauf und hielt somit die deutschen Farben trotzdem hoch. Matten Kröger lag mit Abschluss des 2. Durchganges mit 2 perfekten Laufsiegen also alleinig in Front des Klassements.

Gleich mit dem ersten Start des 3. Wertungsblocks musste sich Matten allerdings überraschend Christophe Dubernard, der bis daher erst 3 Zähler einfuhr, und Renkema geschlagen geben. Doch nachdem Matten Referee Milan Spinka auf eine ungültige Fahrweise des Niederländers aufmerksam machte, wurden H-J. die 4 Zähler wegen Durchfahrens des Innenfeldes wieder aberkannt. So konnte auch Jörg in diesem Heat einen Punkt mehr ergattern und erhöhte sein Konto um weitere 3 Zähler.
Die Freunde Ricky und Catman, der im übrigen von seiner Freundin und seiner knapp 2 Monate alten Tochter Luna-Sophie mental auf dem Rennen unterstützt wurde, blieben auch weiter auf Erfolgskurs. Ricky kämpfte Paul Cooper in einem fairen Duell nieder und sicherte sich seinen nächsten Sieg, während Kati hinter Dirk Fabriek ins Ziel kam. Dirk stockte sein Punktepolster somit schon auf 13 Zähler auf und die EM-Quali war schon so gut, wie in der Tasche.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man auch noch Glen Philips auf der Rechnung, der in einem verhältnismäßig"leichten" Lauf das A-Finale hätte erreichen können, zumal Tebbe in diesem Lauf einen Stein ans Knie bekam und "nur" auf Rang 4 ins Ziel fahren konnte."Das war noch ganz schön eng mit den Punkten, doch als Glen ausgefallen war, wusste ich, dass es für mich reicht." Mit gesenktem Haupt musste Glen also vom Innenfeld aus zurück in die Pits.
Einen Ausfall musste im 11. Vorlauf auch Wouter Duursema einstecken, der wie Patrick Cazimir für die Ukrainer Trofimov und Kolody ins Feld rutschten. Duursema schlug sich wacker und sammelte bis zu seinem Ausfall 9 Punkte, doch waren die Chancen auf einen Laufsieg über Kröger, Katt und Fabriek doch eher utopisch.
Im letzten Vorlauf schien dann aber der Wurm im Detail zu stecken, denn musste dieser Lauf 3 mal gestartet werden. Zuerst krachte Gabriel Dubernard ausgangs der 1. Runde in die Planke als er versuchte, die Lücke zwischen der Bande und Karel Kadlec für sich zu nutzen. Zum Glück passierte ihm nix, und der Lauf konnte in den Rerun gehen. Diesmal erwischte sein französischer Landsmann Jérôme Lespinasse einen Rodeo-Aufsteiger mit eingedrehter Bielmann-Piourette. Wieder drückte Spinka auf rot, und jeder war gespannt, ob der überlegende Favorit Janoschka nun nicht dem Defektteufel oder ähnlichem zum Opfer fallen würde. Doch Pustekuchen, Ricky spielte seine gerechtfertigte Favoritenrolle gegenüber Richard Wolff, Daniel Winterton und Karel Kadlec mehr als spielerisch aus.



 

Schon vor der nun kommenden Helmfarben-Auslosung wurden die Glückwünsche im Fahrerlager an EM-Finalisten verteilt. Jeder fragte sich aber nun, wer auf dem Podest stehen würde. Doch bevor es soweit war, gingen ja wie üblich die C-und B-Finals über die Bühne. Und wer meint, dass 1. die C-Finalisten nichts zeigen können und 2. der Langbahnsport doch nur von der Startphase leben würde, wurde eines Besseren belehrt. Während sich der jüngere Bruder von Christophe Dubernard Gabriel einen Start-Ziel-Sieg sicherte, kämpften Patrick Cazemir, Jérôme Lespinasse, Daniel Winterton, Karel Kadlec und Eddie Turksema verbissen um jeden Platz zwischen 2-6.
Natürlich geknickt durch den Zahnriemenschaden im letzten Vorlauf ging Philips als Sieger des B-Finals über die Linie und konnte somit dennoch unter Beweis stellen, dass er nur mit Pech aus der EM ausgeschieden ist. Hinter ihm konnte sich Henry van der Steen auf Rang 2 platzieren, der auch in der Vorrunde schon ein tolles Rennen zeigen konnte. Der "grosse Dubs" hielt den Tschechen Wolff in Schach, während Duursema und Cooperman noch in der ersten Runde ausfielen, bzw. aufgaben.

Zum grossen Showdown kam es dann aber im A-Finale, bei dem Start-Ziel-Sieger Janoschka nicht mitbekam, was hinter ihm geschah - schade für den Güstrower, denn hätte er vielleicht diese Fights auch gerne gesehen :-)

 

Tebbe gab wegen seiner Schmerzen im Knie schon in der ersten Runde auf, während Kröger sich von 2 auf 4 durchreichen lassen musste. Katt eroberte somit also schon mal Rang 2, den er bis ins Ziel inne hielt. Matten musste sich aber den den harten Attacken von Renkema erwehren, was erst kurz vor dem Ziel zu seinen Gunsten ausging. Fabriek mischte sich in diesen Fight nicht mehr ein, aber was solls - die EM-Quali war ja eh schon in der Tasche.


Trio-Infernale: Katt - Janoschka - Kröger

Das Ergebnis und das Action-Album

Das Rahmenprogramm