1000er WM in Werlte,
06./07.08.2005

 
Es sollte ein Fest werden - ein Premierenfest mit hochkarätigem Gespannsport. Alles war bestens vorbereitet, die Werbung lief im Vorfeld mehr als sehr gut, und das auch überregional. Die Helfer und MSC Mitglieder schufteten über 3 Monate lang an der Bahn, um die erste WM der 1000er Gespanne vorzubereiten, doch das Wetter machte schlicht weg einen Strich durch die Rechnung. Dabei staubte es noch beim ersten freien Training, ehe der Regen einsetzte und alle Bemühungen, die im Vorfeld getroffen wurden, wurden erneut auf eine sehr harte Probe gestellt.
Es langte zunächst nur ein Wolkenbruch, um die Bahn für fast 4 Stunden unbefahrbar zu machen. Doch, und das ist das grosse Plus in Werlte, konnte man entsprechenden Gerätschaften durch Umpflügen und Walzen die Bahn wieder so herrichten, dass das Rahmenprogramm fast planmäßig das Training und auch jeweils die ersten Wertungsläufe der I-Lizenz, der B-Lizenz und der Schüler C 250ccm-Klasse durchgeführt werden konnte. Aber während der je 2 Heats der Solistenklassen fing es wieder an zu regnen, und man musste erneut schweres Geschütz auf die Bahn bringen.
Durch das erste Umpflügen war die Bahn schon weicher als im Originalzustand, und so wurde der Untergrund auch nicht unbedingt fester, als man nun ca 70cm tiefe Erde nach oben holte, umdrehte und erneut fest walzte. Das ganze unermüdliche Szenario der MSC-Mitglieder zog sich bis ca. 21.30 hin und während man in der Zwischenzeit nach Zeitplan die Fahrervorstellung - ebenfalls bei strömenden Regen - durchzog, schien es nun bei Dunkelheit endlich los zu gehen.

Man gewährte den 1000er Piloten eine Einführungsrunde, doch in dieser stürzten noch vor dem Startband Dave Botrell und Peter Teale. Alle Kollegen machten sich zur Unfallstelle auf und waren zunächst einmal froh, dass ihren Kollegen nichts passiert war. Aber man entschloss sich letztendlich doch, die WM für den Samstag abzubrechen und auf den Sonntag zu verlegen, in der Hoffnung, dass der Wettergott dieses mal ein Einsehen hätte.
Während im Festzelt die Fans also das beste aus der Situation machten, gab es für die Verantwortlichen des Clubs viel zu organisieren. Sanitäter, Feuerwehr, Bahndienstfahrzeuge und und und mussten nun auch am Sonntag zur Verfügung stehen und alles wurde wieder perfekt vorbereitet. Man verschob zwar den angesetzten Start von 11.0 Uhr auf ca 12.00 Uhr, da man die Bahn erneut nach bestem Gewissen wieder her richtete, doch reichte am Sonntag erneut ein heftiger Schauer aus, um das ganze Unterfangen "1000er Gespann-WM" schlichtweg nach Absprache mit den Akteuren zu canceln. Dies betraf auch die Solisten, die sich in kleineren Gruppen auch für den Sonntag zur Verfügung stellten.
Wer Initiator und Rennleiter Josef Hukelmann kennt, kann sich vorstellen, wie schwer ihm die Worte der Absage gefallen waren, ehe er sich zunächst ganz alleine zurückzog und die Aufgabe trotz sämtlicher zur Verfügung stehenden Möglichkeiten akzeptieren musste. Aber noch auf der Bahn kam ihm z.B. das komplette Australische Team entgegen und bedankte sich persönlich und stellvertretend für alle fleißigen Hände bei ihm, für die Bemühungen, die 200%ig waren. Dies erkannte auch die Jury und das Publikum, das am Sonntag ebenfalls zahlreich anwesend war, und honorierte diesen Einsatz mit Applaus.
Ex-Weltmeister Robert Barth fand schon am Samstag lobende Worte für den Bahndienst, als man noch einen Start glaubte: "Dass, was der Jupp hier auf die Beine stellt, ist ein Beispiel für alle Veranstalter. Seine Leute sind sowas von bemüht und können zum Glück auf die entsprechenden Gerätschaften zurückgreifen." Barth erinnerte sich dabei - wie im übrigen viele andere auch - an das EM-Semifinale Anfang der 90er, wo ebenfalls heftiger Regen die Bahn unfahrbar machte, doch schon damals wurde die Bahn umgekrempelt und man konnte das Halbfinale zur Grasbahn EM austragen.

Aber noch einmal zurück zu den Australiern, die sich am Abend gemeinsam mit Hukelmann den Frust von der Seele "feierten". Hukelmann fand durch diesen gemeinsamen Abend auch wieder zu fast gewohnten Fröhlichkeit zurück.
Mark Plaisted gestand gegenüber Speedway.org, dass sie sehr viel für diesen WM-Lauf auf sich genommen haben. Es war ein langer Weg und sie haben eine Menge Geld bezahlt. Natürlich sind sie alle enttäuscht über den Verlauf dieses Wochenendes, doch fühlen sie alle mit Hukelmann, der, immer stellvertretend für alle Helfer, trotz allem ein dickes Lob erntete. Auch Darrin Treloar, der Promoter dieser 8-köpfigen Truppe bedankt sich auf diesem Wege noch einmal bei Hukelmann, den Bahndienstlern und den Clubfrauen, die alles menschenmögliche versucht haben.
Nach einem 23-stündigen Flug vom anderen Ende der Welt ging es für die 4 Teams vor 2 Wochen zunächst nach England, wo sie ihr Material, was sie 6 Wochen zuvor verschifft hatten, in Transporter laden konnten und den Weg nach Werlte fanden. Noch bis zum kommenden Sonntag werden sie in Europa - sprich England - verweilen, ehe sie wieder die Heimreise antreten werden. Die "Aussis" lassen noch einmal alle Fans grüssen, die so lange ausgeharrt haben.

 







 

Aus dem Rahmenprogramm

Aber wie die WM-Piloten gaben auch die Solisten nicht auf und konnten zumindest die Fans mit einigen Läufen entschädigen, die schon sehr früh nach Werlte kamen. In der I-Lizenz kamen am besten Enrico Janoschka und Jörg Tebbe mit dem Untergrund zurecht, die ihre Läufe gewannen. Doch muss man auch dazu sagen, dass die folgenden Piloten natürlich auch mit den Sichtproblemen zu kämpfen hatte.
In der B-Lizenz waren es dann René van Weele und Sönke Petersen, die ihre Läufe ins Ziel bringen konnten, wobei es in dieser Klasse zu 2 Ausrutschern kam. Es waren Thorsten Haupt und Darren Pugh, die jeweils in Führung liegend in der Fahrerlagerkurve zu Boden gingen. Doch alle nachfolgenden Fahrer kamen vorbei und so endeten diese Ausrutscher mehr oder weniger mit nassen Klamotten als mit Verletzungen.
Unbeeindruckt von den Bahnverhältnissen knisterte Kai Huckenbeck auf der 250ccm Maschine ums Oval. Da sich Marcel van Düllen im Training - ohne Einfluss der Bahnverhältnisse - nach einem Sturz verletzte, blieb in dieser Schülerklasse C neben Kai nur noch Friedrich Ruf übrig, der aber eine halbe Gerade hinter dem Lokalmatador lag. Kais Zeit war im übrigen nur um rund 5 km/h langsamer als die der B-Lizenz-Akteure.