Eis GP 3 in Assen
11.03.2006

10.03.2006 10:04:41
Das Training am Freitagmorgen
Diashow start/stop weiter

Der Weltmeister auf dem Weg zur Titelverteidigung

Nikolai Krasnikov kam als Titelverteidiger und WM-Leader aus den beiden Russland GPs nach Assen und brachte einen 10-Punkte Vorsprung gegenüber seinem Landsmann Younir Bazeev mit. Bazeev allerdings gewann zuvor jede Vorrunde und unterlag Krasnikov jeweils in den A-Finals.

Mit einem Maximum kam Bazeev auch am Samstag in Assen aus den Vorläufen und verwies im direkten Duell seinen ärgsten Gegner im 11. Heat, nachdem er sich von 2 auf 1 vorfahren konnte. Maksim Zakharov folgte diesen Beiden ins A-Finale mit 12 Zählern. Im 2. Heat sicherte er sich 2 Punkte, nachdem er Lumpov überholen konnte. Im 8. Lauf fuhr er einen klaren Start-Ziel-Sieg, ehe er im 13. Heat noch einmal Rang 2 ins Ziel brachte und zum Abschluss noch einmal in Lauf 19 siegen konnte.

Mit nur 10 Punkten reichte es am Ende für Lumpov dann aber doch, um neben diesen 3 Akteuren ins A-Finale zu kommen. Nach dem eben erwähnten 3. Rang zum Auftakt folgte ein Ausfall im 6. Heat. Er machte einen Fahrfehler und war aus dem Rennen und schrieb nach 2 Durchgängen ein mageres Pünktchen. Aber mit den Laufsiegen in den Heats 12, 15 und 17 schob er sich so gerade eben noch in das höchste Finale.

10 kleine Negerlein im A-Finale

Dieses Finale wurde also allein unter den russischen Akteuren ausgefahren, doch kam nur einer an. Bazeev legte den besten Start hin, wurde er schnell von Krasnikov eingeholt. Dieser Fight ging in die Zielkurve der 2. Runde. Beide Akteure kamen sich ziemlich nahe und der Weltmeister fand sich in den Strohballen wieder. Für diesen Abtritt wurde Bazeev von Referee Istvan Darago vom Restart ausgeschlossen und er schloss mit 16 WM-Punkten den ersten Tag ab.

Auch im 2. Start kam Krasnikov nicht am besten aus den Bändern, dies war nämlich nun Lumpov, der allerdings schnell auf Rang 3 durchgereicht wurde. Er biss sich wieder ran, doch beim Kurvenausgang der 2. Runde stürzte auch er und fand sich in den Strohballen wieder.Auch ihm passierte nichts, außer, dass er nun ebenfalls aus dem Rennen genommen wurde und 18 WM-Zähler auf sein Konto schreiben konnte.

Der 3. Restart stand nun also an, bei dem nun nur noch Krasnikov und Zakharov übrig blieben. Doch Letzterer fiel auch noch aus und so kam der Titelverteidiger alleine ins Ziel und schraubte sein WM-Konto auf Maximum 75 Punkte, während Zakharov mit diesen 20 Punkten einen gewaltigen Sprung in der Zwischenwertung nach oben machte.

Die besten West-Europäer folgten

Ilya Drozdov und Franky Zorn, der wieder eine Menge Fans in Assen im Rücken hatte, kamen mit je 9 Punkten aus der Vorrunde. Drozdov begann gleich im Auftaktheat mit einem 2. Platz, nachdem er Stefan Svensson diese Position abnehmen konnte. Rang 3 war sein Ergebnis im 5. Lauf, ehe er in Heat 9 einen Start-Ziel-Sieg nach Hause fuhr. Im spannensten Lauf des Abends konnte er im 13. Lauf Antonin Klatovsky auf Rang 4 verweisen, was er im 17. Outing noch einmal mit Zorn machte, als er ihm die 2. Position streitig machte.

Mit einem Blitzstart begann Zorn im 4. Heat sein Rennen, doch konnte er zunächst Bazeev nicht halten, da ihn ein böser Schlenker von der richtigen Linie abbrachte. Er arbeitete sich zwar von Rang 3 wieder auf 2 vor, doch liess dies Andrej Shishegov nicht zu und es gab mehrere Positionskämpfe um Rang 2, dass erst im Ziel mit einem Fotofinish zu Gunsten des Russen entschieden wurde.
Als klarer Favorit des Laufes 7 holte er sich auch die 3 Punkte, ehe er im 10. Heat nur Mikhail Bogdanov den Vortritt lassen musste. In den letzten 2 Vorläufen 16 und 17 konnte er jeweils nur auf Rang 3 das Ziel erreichen, obwohl er im 17. Heat ähnlich wie zu Beginn den Start gewann aber durch böse Schlenker und Fast-Highsider eine bessere Punkteausbeute verlor.

Neben Drozdov und Zorn fuhren sich aber auch Per Olov Serenius, der den Lautstärke-Pegel der Fans gegenüber Zorn wie immer in Assen noch toppen konnte, und Bogdanov. Beide schrieben sie 8 Punkte, während das direkte Duell zu Gunsten vom alten Schweden ausging. Dies war gleich der Auftakt im 2. Lauf, nachdem der nun 58-Jährige (!!!) Posa (er feierte am Donnerstag seinen Geburtstag) den Russen die Führung abnehmen konnte. Nur mit der roten Laterne ging es für den Schweden im 6. Lauf aus den Bändern, doch weiss er ja immer eine Linie zu fahren, die ihm auch am Ende dieses Heats den 2. Rang bescherte.

Seine Spikes werden den 9. Lauf mit Sicherheit aber nicht überlebt haben, denn kam er auf der Gegengeraden der ersten Runde, warum auch immer, so weit auf die Innenbahn, dass er sogar das Eis verlies, und kurz auf dem Beton unterwegs war. Es schien, als blockiere das Hinterrad, doch wie er das auch wieder hinbekommen hat, fand er den Weg kurz zurück aufs Eis, ehe er ganz ausfiel. 2 Punkte sicherte er sich dann im 16. Lauf wieder, dem er im 19. Lauf noch einmal einen hinzufügen konnte.

Das Bild bei Bogdanov war in den Outings 2 und 5 identisch. Er gewann die Starts, doch musste er sich zum einen (wie erwähnt) Posa und dann auch Krasnikov geschlagen geben. Lauf 10 absolvierte er dann endlich als Laufsieger und hatte auch im 15. Lauf die Führung inne, als ihm die Kette absprang und er noch von Glück sagen konnte, dass ihn seine Mitstreiter ohne Gefahr passieren konnten. Im letzten Vorlauf hatte er dann aber keine Chance mehr, mehr als einen Zähler zu sammeln.

Fotofinish im Ziel

Drozdov, Zorn, Posa und Bogdanov gingen von Innen nach Aussen auf die 4 Runden des B-Finals und alle 4 lieferten sich einen harten aber fairen Kampf. Während Serenius allerdings zum Ende hin etwas den Anschluss verlor und nur noch Bogdanov in Lauerstellung zur Spitze hin war, überließ Zorn Drozdov nicht so ohne weiteres den Laufsieg in diesem Endlauf. Er kämpfte bis zur Ziellinie, was aber am Ende für den Russen ausging. Dennoch war er nach dem Rennen mehr als zufrieden über diesen 6. Rang am 1. Tag in Assen und es sollte ja noch der 2. Tag folgen.

Nach dem Wechsel des Bikes lief es besser

Eigentlich liebt der Finne Antti Aakko das Eis in Assen sehr, und man weiss von ihm, dass er zumindest einen Tag dieser Doppelveranstaltung immer im A-Finale steht. Doch schon im Training am Freitagmorgen ging er einmal zu Boden und er eröffnete seine Läufe 4 und 5 jeweils nur mit einem Nuller. Er hatte Probleme mit dem Federbein und wechselte daraufhin sein Aggregat. Und das war gut so. Auf einmal war Aakko wieder mittendrin statt nur dabei.

Er zog im 12. Lauf nach dem Start an die Spitze, doch konnte er Lumpov in diesem 4-Runden-Match nicht halten. Das Glück des Tüchtigen stand ihm im 14. Lauf aber zur Seite, als er in einer Millimeterentscheidung knapp vor Svensson das Ziel erreichte. Gegen Zakharov hatte er im 19. Heat aber keine Chance und brachte einen weiteren 2. Rang sicher ins Ziel.

Ex-Weltmeister Dmitri Bulankin begann im Auftaktheat mit einem Laufsieg, als er Svensson die Führung abnahm. Der 8. Heat endete für ihn allerdings schmerzhaft, als er an 2. Stelle liegend in der Zielkurve der 1. Runde in die Ballen krachte. Humpelnd ging er zurück ins Fahrerlager und war bei den folgenden Auftritten in 12 und 16 nun sichtlich von der Rolle. Teilweise mit derbem Abstand erreichte er nur als Letzter das Ziel. Im 20. Lauf rettete er sich mit einem 2. Platz noch einmal vor dem D-Finale, obwohl er auch hier wieder an letzter Stelle war. Er biss aber ganz gewaltig auf die Zähne und konnte sich vorbei an Johnny Tuinstra und Bogdanov schieben.

Svensson, der mit einer starken Leistung aus Russland kam, konnte diesen Stand nicht ganz halten. Der verlorenen Führung im Auftaktheat, wo er am Ende nur auf Rang 3 ins Ziel kam, folgte wiederum ein 3. Rang im 6. Lauf, als er den 2. Platz an seinen Landsmann Posa abgeben musste. Im 10. Heat ging er völlig leer aus, während er im 14. Lauf zwar Aakko auf der Ziellinie unterlag aber mit seinem Kampfgeist glänzen konnte. Zum Abschluss seiner Vorrunde fügte er durch einen 3. Rang in Heat 18 noch einmal einen Punkt hinzu und schrieb am Ende nur 5.

Der Assen-Debütant war Andrej Shishegov hatte auf dem Kunsteis seine Müh und Not, was gerade am Sonntag deutlich wurde. Schon im Training haderte er das ein oder andere Mal und musste seine Serie mit der direkten Niederlage im Ziel gegen Zorn in Lauf 4 beginnen. Ausgangs der 1. Ecke des 8. Laufes stürzte er gar an 3. Stelle liegend und verlor auch im 9. Lauf die 3. Position an Tuinstra, doch aufgrund von Posas Ausfall in diesem Lauf rettete er noch einen Zähler. Mehr waren es im 15. Lauf aber auch nicht und nur durch den Einsatz der wilden Reiter GmbH holte er im letzten Vorlauf 18 noch einmal 2 Punkte.

Sturz nach dem Ziel

Den Start zum C-Finale sicherte sich Svensson, der allerdings bis auf den letzten Platz durchgereicht wurde. Der angeschlagene Bulankin siegte mit einer beherzten Fahrt am Ende knapp vor Aakko und Shishegov. Beim Ausrollen nach dem Ziel kamen sich dann Aakko und Shishegov ins Gehege und beide stürzten. Passiert ist aber zum Glück nichts.

C-Finale war das Ziel

Lokalhero Johnny Tuinstra, der durch den Golden Spike Lauf am Freitag schon ein Rennen mehr in den Knochen hatte, hatte auf alle Fälle die Option auch am Sonntag zu starten, egal auf welchem Platz er diesen WM-Lauf beenden würde. Schon vor der Eis WM war mit der FIM abgesprochen, dass er in Holland an beiden Tagen starten wird, da er der einzige niederländische Vertreter in diesem GP ist. Auf diesen Lohbeeren wollte er sich aber nicht ausruhen und auf alle Fälle das C-Finale erreichen.

Im Auftaktheat Nr. 3 konnte er den russischen Kollegen nicht ganz folgen und kam mit ca. 30 Rückstand ins Ziel. Doch in den Läufen 7 und 9 brachte er jeweils 2 Punkte ins Ziel. Diese 4 Punkte blieben aber leider auch die einzigen, denn in den Heats 14 und 20 ging er leer aus.

Enttäuschend war die Vorstellung von Slava Nikulin, der in seiner 1. Saison nach seiner Pause noch nicht wieder an die Leistungen anknüpfen konnte, die er vor seinem Bandscheibenvorfall hatte. Mit 2 Nullrunden aus 1 und 7 fuhr er jeweils zurück ins Fahrerlager, ehe er im 11. Heat seinen ersten Zähler holte. Dank eines Endspurtes gegenüber Shishegov sicherte er sich 2 Punkte im 15. Lauf, wo aber ja Bogdanov zuvor ausgefallen war. Im 19. Lauf hielt er dann die rote Laterne vom Start weg bis ins Ziel wieder inne.

Insgesamt 3 Punkte schrieb am Ende auch Tommy Flyktman, der im 2. Lauf mit Rang 4 begann. Wegen der Stürze im 8. Lauf von Bogdanov und Shishegov sicherte er sich hinter Zakharov 2 Punkte. Nach einem weiteren Nuller in Heat 11 erkämpfte er sich anschliessend im 14. Lauf dann noch einen weiteren Zähler.

Wheelieking Antonin Klatovsky begann mit konstanten 3 Plätzen in den Heats 2, 7 und 12, doch blieb es bei dieser Punkteausbeute, da er in 13 und 18 das Schlusslicht bildete.

Das Aus für Tuinstra

Von ganz Innen ging Tuinstra in das D-Finale, doch kam er in der 1. Ecke zu Sturz. Nachdem er sich kurz Zeit für die Erholung gönnte und ohne fremde Hilfe zurück ins Fahrerlager konnte, kam es später doch noch zu einem Krankenhausaufenthalt. Zunächst ging aber der Restart von statten, den Flyktman vor Klatovsky und Nikulin für sich entschied.

Tuinstra, der nun im Fahrerlager Blut spukte, begab sich sofort ins Assener Krankenhaus und liess sich vom Arzt gründlich durchchecken. Mit einigen Prellungen an der Hüfte und Rippen, sowie einer leichten Nierenverletzung behielt ihn der Arzt zur Beobachtung die Nacht über in der Klinik, doch sollte die Abschlussuntersuchung am Sonntagmorgen Aufschluss darüber geben, ob Tuinstra an den Start gehen könne oder nicht. Dieses war nicht der Fall, da Johnny noch Blut im Urin hatte und so wurde Johnny zum Zuschauen am Sonntag verdammt. Dennoch nahm er es am Sonntag mit Humor, und meinte: „Das Motorrad kann man reparieren, meine Verletzung muss alleine heilen.“

Und am Sonntag?

Für das Fahrerfeld am Sonntag hiess dies nun, dass zum einen die Reservisten Harald Simon und Robert Eibl auf alle Fälle ins Rennen gehen. Auf die Reservebank sollten somit - laut FIM Regelwerk - Flyktman und Tuinstra, da sie am wenigsten Matchpunkte in der Gesamtwertung hatten. Doch nach der Vereinbarung mit der FIM stünde Tuinstra der feste Platz zu und Klatovsky hätte den 1. Reserveplatz gehabt.

Allerdings wird nach dem Startverbot für Tuinstra Klatovsky an seiner Stelle doch in das 2. WM-Rennen in Assen gehen, während Flyktman auf die 1. Reserveposition rutscht und man nach einer Jurysitzung am Sonntag Markus Skabraut, als erster der ausgeschiedenen Standby-Fahrer auf den 2. Reserveplatz beordert.
Beide sollten aber ohne Einsatz bleiben. Der Bericht vom Sonntag folgt.

Die Punkte Heat für Heat