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Sonne und Staub – Staub und Sonne„Ich frage mich, was die an der Bahn gemacht haben“, so der O-Ton mehrerer EM-Halbfinalisten. Der neu angesäte Rasen versprach nicht ganz das, was sich die Piloten von der Strecke erhofften. Die extreme Staubentwicklung war - nachdem nur in der Mittagspause ein Wasserwagen die Bahn bewässerte – somit für Fans und Fahrer eine extreme Angelegenheit. Doch den Dreck konnten sich die Fans aus den Augen wischen und die Akteure kamen dennoch mit dem Staub und dem Untergrund zu gut zurecht, dass dieses Rennen unfallfrei über die Bühne ging. Die FavoritenWie schon beim WM-Quali-Lauf in Mulmshorn, gab es auch bei diesem EM-Finale 2 Favoriten, die in der Vorrunde nicht aufeinander treffen sollten. Und ausgerechnet diese beiden Akteure fuhren sich auch mit 4 Laufsiegen klar ins A-Finale. Die Rede ist von Englandprofi Theo Pijper und dem Bergring-Held des letzten Wochenendes Enrico Janoschka. Pijper fuhr seine Laufsiege zumeist klar nach dem Start weg direkt ins Ziel. Ohne Kompromisse. Ohne Fehler. Fehler erlaubte sich Janoschka zwar auch nicht, doch waren seine Start nicht ganz so perfekt und er musste des öfteren auf seine unnachahmlichen Überholmanöver setzten. Bestes Beispiel - Heat 5: Andrew Appleton setzte sich an die Spitze gefolgt vom Güstrower. Ricky liess den Abstand zu seinem Vordermann zwar nicht unbedingt geringer werden, aber er kontrollierte das Geschehen am Ende auf seine Weise. In seiner mittlerweile berühmt-berüchtigten Art holt er eingangs der letzten Ecke soviel Schwung, dass er in der typischen „Ricky-Manier“ aussen an der Bretterwand entlang den Weg zur Spitze und ins Ziel fand. Wow – was für ein Endspurt. Der junge Brite und Ricky besiegelten dies mit einem Shakehands noch auf der Bahn. LosentscheidungAppleton, der ebenfalls kein direktes Duell gegen Bernd Diener zu fahren hatte, schrieb mit einem Laufsieg und 3 zweiten Plätzen 17 Zähler. Exakt diese Ausbeute hatte auch sein älterer Fahrerkollege aus dem Schwarzwald eingefahren. Doch da die Nachnominierung Matten Kröger aus seinen 4 Heats kämpferische 18 Punkte holte, musste das Los um das letzte und vierte A-Final-Ticket entscheiden. Appleton siegte und stand im A-Finale. Diener musste ins B-Finale. Was ist wichtiger?Das Geschrei nach ungerechter Regelung mag nun – wie auch in Gorredijk - wieder groß sein, aber letztendlich geht es doch darum, die Spannung im Bahnsport aufrechtzuerhalten oder gar zu erhöhen, als sich mit und über das Regelwerk in unendliche Diskussionen zu verstricken. Vom B ins A-FinaleNatürlich mehr als nervlich angespannt waren die Akteure des B-Finals - gar keine Frage - aber mit Bernd Diener und Jörg Tebbe zogen noch 2 weitere Fahrer in das A-Finale, die nach starker und punktereicher Vorrunde eh auf den Vorlaufplätzen 5 und 7 lagen. Einzig Marius Rokeberg, der nach einer grandiosen Vorstellung mit 14 Zählern auf dem 6. Zwischenrang lag, verlor nun mit dem neuen Regelwerk. Die C-FinalistenDoch fangen wir jetzt mal mit den Teilnehmern des C-Finals an. Gar nicht erst in dieses Finale kamen Pascal Swart (3), Pavel Ondrasik (2) – der Sohn des Referees Petr Ondrasik und der Norweger Kim Rudi Mortensen. Während Ondrasik und Mortensen, der einmal gar nicht ans Band fuhr und einem wegen Bandberührung ausgeschlossen wurde, etwas zu überfordert zu sein schienen, schlug sich Swart noch ganz wacker, wenn man bedenkt, dass er sonst nur in der B-Lizenz in Deutschland oder in den nationalen Klassen in den Niederlanden an den Start geht. Das C-FinaleReservist Benny Hegener, der für Mortensen 2 mal und einmal für Steve Braidford (4), der wegen Motorschaden weder im 4. noch am C-Finale teilnahm, kam bei einem Ausfall zu 3 Vorlaufpunkten. Im C-Finale stand der Osnabrücker dann neben Thomas Cooper (6), Patrick Diener (5) sowie Richard Wolff, und Philippe Ostyn (beide 4). Diener Junior, der wie Kröger nachnominiert wurde – er bekam den Platz der russischen Förderation – konnte im C-Finale siegen. In den Vorläufen bemühte er sich redlich um jeden Punkt, doch zeigte er in diesem Endlauf vor Ostyn, Cooper, Hegener und Wolff, dass er zumindest diese Konkurrenz klar unter Kontrolle hatte. Die B-FinalistenDie Teilnahme am B-Finale schafften Bernd Diener (17), Rokeberg (14), Tebbe (13), Sirg Schützbach (12) sowie Alessandro Milanese und Erik Eijbergen (beide 9). Im Falle des Italieners wusste man im Vorfeld überhaupt nicht, wie er sich durchs Feld schlagen würde. Er kämpfte unerschrocken und so waren 9 Punkte auch ein verdienter Lohn in der Vorrunde. Eijbergen fuhr konstante 3. Plätze ins Ziel, verlor aber weitere Zähler im 2. Heat als er „nur“ auf Rang 6 fuhr und dann auch noch ausfiel. Sein Kämpferherz hatte auch Schützbach ausgepackt, allerdings hatte er im Training schon einen Motorschaden zu beklagen. 12 Punkte bedeuteten für ihn der 8. Vorlaufplatz. Tebbe fuhr mit 3 dritten und einem zweiten Rang seine 13 Punkte ins Ziel, während sich Rokeberg mit je 2 zweiten und dritten Rängen ins B-Finale fuhr. Nun gut, Diener gehörte zwar zum Kreise der Laufsieger neben seinen 3 zweiten Rängen, doch ackerte er am meisten. Eigentlich in jedem Lauf musste er sich seine Finish-Positionen hart erarbeiten. Das B-FinaleDirekt nach dem Start zum B-Finale setzten sich Diener und Tebbe schon von den Verfolgern ab und mussten also noch einem 6. Lauf an diesem Tag fahren. Eijbergen blieb seiner bisherigen Platzierungen treu und fuhr sich auf den Reserveplatz für das EM-Finale in La Réole. Rokeberg kämpfte derweil mit Milanese um den 4. Rang, den er auch für sich verbuchen konnte, während Schützbach verletzt aus dem Rennen ausschied. Schon sein Start war nicht gut und in der Startkurve kam noch eine Ladung Dreck hinzu. Obendrein hakte Sirg mit dem Bein auch noch in ein Loch ein, so dass er mit einer verdrehten Leiste unter Schmerzen vorzeitig ins Innenfeld fuhr. Schützbach erhielt vom Veranstalter den Pechvogel-Pokal und eine kleine finanzielle Spritze. Puh – Luftholen, das B-Finale war geschafft und neben den qualifizierten EM-Teilnehmern, die jetzt noch um die Tageswertung antreten mussten, wusste einer auch, dass er nach Frankreich, wenn auch nur als Reserve, reisen darf: Erik Eijbergen. Die A-FinalistenEndlich, nun sollte sich auch herausstellen, wer der wahre Sieger in Bielefeld ist. Während Pijper, wie schon erwähnt, seiner Konkurrenz kaum den Hauch einer Chance liess, überzeugte Janoschka mit Überholvorgängen und der schnellsten Laufszeit des Tages: 110,88 Km/h war die Bestmarke, die Ricky ausgerechnet auch in dem Lauf einfuhr, in dem er Appleton den Laufsieg vor der Nase wegschnappte. Das A-FinaleFür Tebbe und Diener blieben nach der Helmfarbenwahl der bisherigen 4 Finalisten nur noch rot und blau übrig. Kröger ging von weiß, Pijper von gelb, Janoschka von grün und Appleton von schwarz/weiß ins Rennen. Pijper hatte wieder einmal einen Blitzstart, gefolgt von Kröger und Janoschka, die fast auf gleicher Höhe waren. Janoschka setzte sich durch und Kröger verlor Meter um Meter. 2x mal hakte er mit seinem „speziellen“ Fuss in die Löcher ein und konnte somit auch nicht mehr Diener halten, der sich von hinten (Rang 5) schon wieder mit einem Turbo unterm Hintern nach vorne ackerte. Appleton witterte seine Chance dann ebenfalls noch und konnte Kröger dann sogar den 4. Platz noch streitig machen, nachdem sie sich hier mehrmals auf den Plätzen abwechselten. Und Tebbe? Jörg hatte leider ein Vergaser-Problem zu beklagen und musste vorzeitig aufgeben. „Egal – weiter ist weiter“, so auch in Bielefeld sein Statement, nachdem ihm im A-Finale des WM-Semis in Pfarrkirchen das gleiche Malheur passierte. 2/3 des Fahrerfeldes um die Grasbahn EM steht jetzt also fest. Abwarten, welche 6+1 Akteure sich aus dem 3. Semi in Swingfield GB am 20.08. hinzu gesellen werden. Das Ergebnis – Das Rahmenprogramm Das Bielefeld-Fazit:Negativ: Muss ein Fotografen-Praktikant Gewehr bei Fuss im Innenfeld bei seinem „Chef“ stehen und den anderen Fotografen somit zum einen die Sicht versperren und zum anderen ein unnötiges Risiko sich selbst gegenüber eingehen? Im Namen aller B-Lizenz-Akteure: Kann im kommenden Jahr die Trainingssession von 1x3 Runden freies und 1x3 Runden Zeittraining aufgestockt werden? 2x3 Runden freies Training und 2x2 Runden Pflichttraining dürften nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen, um den Zeitplan zu gefährden. Ein ausgiebiges Testen der Strecke kann auch für die Fans und Veranstalter zum Vorteil sein, und die Akteure haben bei Maschinendefekten immer noch die Möglichkeit, sich für das Rennen zu qualifizieren. Gegen die extreme Staubentwicklung hätte auf alle Fälle etwas mehr getan werden müssen – vor allem zur Sicherheit der Fahrer. Positiv: Für viel Drumherum wurde rund ums Oval, auf dem Platz und in der Luft getan. Die B-Lizenz zeigte (trotz geringer Trainingsmöglichkeit) zum Teil spannendere Rennen als die EM-Akteure. Allen voran Toni Kröger und Ramon Stanek (Der Bericht zum Rahmenprogramm folgt am Dienstag) Der französische Team-Betreuer Thomas Grundler fand eine besondere Art der Motivation für seinen Schützling Philippe Ostyn. Nachdem der Franzose nach 2 Durchgängen ohne Zähler am Ende des Klassements stand, konnte er mit diesem Motivationsschub 2 vierte Plätze und den 2. Rang im C-Finale ins Ziel fahren. Um was es bei dieser Motivation ging, bleibt für die Öffentlichkeit allerdings ein Geheimnis J Nachbarschaftshilfe der besonderen Art: Der SC Neuenknick stellte die Crew der Streckenposten und auch Dauer-Streckenposten-Dienstler Reinhard sorgte wieder auf der Bahn für Ordnung. |