WM-Qualifikation in Mulmshorn
13./14.05.2006

13.05.2006 10:49:10
Halb 10 morgens in Mulmshorn
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Oh oh oh, wenn es kommt, dann aber knüppeldick

Es sollte eine tolle dreifache Premiere in Mulmshorn werden: 1. die erste WM-Veranstaltung, 2. der erste offizielle Auftritt der neuen 1. Vorsitzenden Brigitte Haltermann und 3. die Premiere der Schülerklassen auf dem Wümmering. Es endete in einer Tragödie.

Der schlechte Einfluss von oben zog sich wie ein roter Faden durch diese 2-Tages-Veranstaltung.

Henry van der Steen

Bereits im freien Training am Samstag stürzte Henry van der Steen so schwer, dass er bis in die tiefe Nacht hinein fast 12 Stunden lang an seinen gebrochenen Oberschenkel, Hüfte, Ellenbogen und Oberarm operiert werden musste. Bei seinem fürchterlich Flug über die Planke erwischte er dabei fast meinen Fotografenkollegen Ubbo Bandy, der aber zum Glück hinter der Sicherheitszone im Außenring stand.

Zum Glück konnte auch Henrys Bruder Hans am nächsten Tag nach einem kurzen Besuch bei ihm im Rotenburger Krankenhaus mit einigermaßen guten Nachrichten im Fahrerlager einen Zwischenstop machen, ehe er am Abend wieder hinfahren wollte. Henry ging es schon wieder so „gut“ – natürlich den Umständen entsprechend – dass er schon wieder kleine Witze und Späße machen konnte.

Natürlich war Henrys Unfall seit dem Geschehen am Samstag das Gesprächsthema Nr. 1 im Fahrerlager – bis zum 3. Vorlauf der B-Lizenz am Sonntag. (Diese Klasse fuhr bereits insgesamt 4 Läufe am Samstag).

   
Das Unglück nahm seinen Lauf

Im Kampf um die Führung rutschte Chris Hendriksen aus England ausgangs der Zielkurve der 2. Runde ohne Fremdeinwirkung weg. Toni Kröger, Jens Buchberger, Jens Klein und auch Paul Evitts hatten diese Situation im Griff und kamen ohne größere Schwierigkeiten so nach und nach an Hendriksen vorbei.

Schiedsrichter Holger Bolsmann erkannte die Situation und brach den Lauf nicht ab, da sich Hendriksen schon wieder auf die Beine machte, um sein Bike ins Innenfeld zu ziehen. Es konnte aber auch keiner damit rechnen,

 

dass ausgerechnet der letzte Fahrer, der den anderen weit hinterher fuhr, nicht weiter nach vorne schaute und sehen konnte, dass sich der 55-Jährige wieder aufrappelte.

Patrick Cazemier fuhr frontal in ihn hinein und kam natürlich ebenfalls zu Sturz. Er selber konnte mit einer Fussverletzung aber zurück ins Fahrerlager gehen, während man sich sofort um den schwerstverletzten aber ansprechbaren Hendriksen kümmerte.

Er konnte seine Gliedmaßen bewegen, doch schien er so schwere innere Verletzungen zu haben, dass man den Rettungshubschrauber anfordern musste.

Es dauerte alles viel zu lange und der Hubschrauber flog ohne Patienten wieder zurück. Beide Bahnärzte fuhren mit ihm Krankenwagen ins Krankenhaus ebenfalls nach Rotenburg.

Dass der Brite diesen dummen und überflüssigen Unfall nicht überlebte, ist bekannt, doch fragt man sich, wie das geschehen konnte. Bolsmann kann man keine Schuld geben, er hat ja gesehen, dass 4 andere gut an ihm vorbei kamen und auch, dass Hendriksen schon fast wieder stand.

Man fragte sich aber auch, wie Cazemier das nun alles erlebt hat: „Ich habe ihn nicht gesehen. Ausserdem gibt es Holland die gelben Flaggen, wenn etwas auf der Bahn passiert ist“, so der geschockte Niederländer. Wie es ihm nun geht, kann sich jeder vorstellen, aber kann man sich nur auf Flaggen, die es in Deutschland schon seit fast 20 Jahren nicht mehr gibt, verlassen? Sollte man nicht wissen, welche Flaggen eingesetzt werden? Und hilft nicht auch etwas vorrausschauendes Fahren?

In Gedanken

Hendriksens Landsleute waren natürlich geschockt nach dem Rennen, doch konnte John Hartley etwas über seine Persönlichkeit berichten: „Sein Vater ist schon mit dem Vater von Kelvin Tatum Rennen gefahren und auch er hatte viele Jahre Rennen absolviert. Chris war ein Sportsmann und er ist bei dem verstorben, was ihm am meisten Spaß gemacht hat. Sein Motto war immer „The Show must go on“, doch war er heute leider wirklich zur falschen Zeit am falschen Fleck“

An dieser Stelle noch einmal herzlichstes Beileid. Wir wünschen den Angehörigen und Freunden viel Kraft in diesen schweren Stunden.

Chaos oder Beschiss?

Diese fast 2 ½ stündige traurige Zwangspause verursachte im Fahrerlager einen weiteren Trubel. Sergej Eroshin, der am Samstag schon bei der Abnahme mit seinem Bike nach 3-maligem Vorstellen kein Go bekommen hatte und sich trotzdem auf die Bahn zum Training schlich, hatte am Sonntag nach 2 guten Starts jeweils einen Ausfall einzustecken.
Er verzichtete zunächst auf die weiteren Läufe und suchte sich aber ein Ersatzbike in der Pause, was er bei John Hartley fand. Er nahm seine Absage wieder zurück und deklarierte diese Absage als Verzicht auf den einen nächsten Lauf.

Die Zeit war ja lang genug und so konnten die Umbaumaßnahmen am Bike vorgenommen werden, ehe es zur Abnahme ging. FIM Jury Präsident Andrzej Grodzki gab das Okay dafür, da jedem Fahrer 2 Motorräder zustünden, doch schien diese ganze Geschichte nicht wirklich regelkonform zu sein, da er sich zuvor schon offiziell abgemeldet hatte.

Das Renngeschehen

Sei es drum, mit 3 Ausfällen konnte Eroshin sowieso kein Ticket erzielen. Das weitere Renngeschehen ist nun aber schnell erzählt. Riss und Tebbe fuhren ohne direktes Duell je das Maximum von 20 Punkten ins Ziel. Dirk Fabriek, Harms Jannes Renkema, Marius Rokeberg und Paul Cooper erreichten das sichere A-Finale, das Riss vor Fabriek, Tebbe, Cooper, Renkema und Rokeberg gewann.

Diese Jungs waren auch um Welten schneller, als so manch ein anderer Konkurrent, die zum Teil noch langsamere Zeiten als die Akteure der B-Lizenz fuhr. Die Konstellationen innerhalb der Vorrunde waren daher auch teilweise schon langweilig, da schon vor der Kurve die Positionen festlagen. Die Entfernung vom Sieger zum 6. seines Laufes erstreckten sich zum Teil daher auch auf fast einer ¾ Runde.

Dass dann ein Mann wie Volker Striepe, der als I-Lizenz-Aufsteiger und Reservist solchen Fahrern aus den – ich will es mal „Langbahn-Entwicklungsländern“ nennen – die Show stiehlt und sich im Kampf mit Cooper durchsetzten kann, spricht für sich. 2 Einsätze reichten Striepe, um mit 8 Punkten locker im B-Finale zu sein.

Ein Witz

Sein 2. Einsatz sorgte allerdings vor dem Start für reges Gelächter auf den Rängen: Beim Start zum 10. Vorlauf rutschte Ilya Bogdanov, der Sohn des russischen Eisspeedway-Rider vergangener Tage, in der Startkurve der 2. Runde weg. Referee Thierry Bouin brach den Lauf ab. Da Paul Bauer, der für van der Steen nun mit der 15 ins Rennen gehen konnte, die Zeit überschritt (da er Maschinenprobleme hatte) sollte der nachnominierte 2. Reservist Christian Hülshorst in diesen Lauf kommen.
Doch der sagte zunächst ab und Volli machte sich auf den Weg. Dann die Nachricht: "Hülshorst kommt doch". Volli musste, mittlerweile schon am Band stehend, Platz machen. Hülse hingegen fuhr dann warum auch immer ins Innenfeld und Bouin bestand auf den Ablauf der 3 Minuten-Frist, ehe Striepe nun letztendlich doch ans Band durfte.

Striepes Coup

Wie gesagt, Striepe holte sein persönlich Optimum heraus und stand im B-Finale, das er souverän gewinnen konnte. Riesenfreude bei ihm und der großen, zumeist weiblichen Anhängerschar. Jeremy Coste Lescoul und Willy Tjessem schafften ebenfalls den Einzug ins Semifinale nach Artigues du Lussac oder Pfarrkirchen, während Ilya Bondarenko und Richard Wolff die Reserveplätze einnehmen werden. Etwas leid konnte einem Gabriel Dubernard tun, der sich im Kampf mit seinem Landsmann Lescoul auf Rang 2 durchsetzten konnte, dann aber ausfiel.

Unser Sorgenkind

Unser Problemkind war Pauli Bauer, der sich über seine nun gekommene Chance freute. Doch im ersten Lauf fiel er an vielversprechender 3. Stelle liegend wegen Motorschadens aus. Aus Durchgang 2 und 3 holte er dann tolle 5 Punkte und alle Chancen mit 2-3 Punkten waren auch noch durch den letzten Vorlauf auf den Einzug ins B-Finale gegeben. Doch dann geschah vor dem Restart ja das Malheur, was die Lachnummer für die Fans wurde.

Das Bauer durchaus einen Semifinalplatz hätte erreichen können, bewies er mit dem Sieg des C-Finals in einer Geschwindigkeit von 109,74. Damit war er sogar um 0,68 Km/h schneller als Striepe und über 4 Km/h als der Rest des B-Finals.

Eroshin, Jiri Petrasek, Vincent Kinchin, Markus Helin und Hendrik Grynnerup reihten sich mit großen Abständen hinter dem Bayer ein, während zum einen Petro Fedyk – seine schnellste Geschwindigkeit war im übrigen 91,54 Km/h (!) – und auch Hülse, der im letzten Lauf doch noch einmal zum Einsatz kam und sich hier durch einen Ausrutscher in der letzten Ecke von Rang 2 auf 5 wiederfand, gar nicht erst am C-Finale teilnahmen.

Das ErgebnisDas Rahmenprogramm

Das Mulmshorn Fazit:

Das spare ich mir!!! Ich möchte nur noch einmal persönlich loswerden, dass es mir diesmal mehr als schwer fiel, über dieses Rennwochenende zu berichten.