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Frage:Warum sind in der 2-Takt Hochburg Nordhastedt keine
250ccm-Piloten am Start? Ganz klar, alle Akteure waren eingebunden als
offizielle Posten. Sei es als Rennleiter, Startmarschall oder was auch
immer. Der Zusammenhalt dieser Truppe, was man auf den anderen Rennplätzen
immer wieder beobachten kann, wurde nun durch perfektes Teamwork vorgestellt.
The Final Countdown...... nicht nur musikalisch drang dieser Hit von Europe
durch die großen Boxen im Innenfeld. Der MSC Nordhastedt stellte
insgesamt 6 Klassen zusammen und freute sich auf ein Fahrerfeld mit Akteuren
auch aus Dänemark. Doch wie sagte der 1. Vorsitzende Lutz Bilgenroth
bei der Begrüßung so schön: „Leider hat die Bürokratie
auch in Dänemark Einzug gehalten.“
Dänische BürokratieKurzfristig mussten nämlich die Fahrer aus Dänemark ihre Starts
absagen, da ihnen die dänische Förderation DMU keine Freigabe
für diese als Trainingsrennen ausgeschriebene Veranstaltung gab.
Die Fahrer könnten mit einer internationalen Lizenz die Freigabe
erhalten... so die Erklärung. (Doch was für ein Schwachsinn,
denn wurde doch grad für die Teilnahmen der Fahrer im Ausland die
EU-offenen Veranstaltungen und Rennen vor einigen Jahren ins Leben gerufen.)
Für die Verantwortlichen des Clubs hieß dies nicht nur neue Fahrer bitten zu kommen, nein - auch das bereits gedruckte Programmheft musste neu überarbeitet werden, was in der Nacht zum Samstag noch mal eben kurz geschafft wurde. NachrückerRonnie Weis und Marcel Limberger, der nach 1 ½ Jahren erstmals wieder an einem Speedwayrennen teilnahm, kamen ohne zu zögern und waren eine Bereicherung für die Gruppe A. Hier mischten sich einige international erfahrene Lizenzfahrer mit sehr guten B-Lizenz Akteuren. Aus der VorrundeWeis hatte vom Namen her mit Sicherheit die größte Favoritenrolle zu tragen, doch hatte er, wie auch ich persönlich nach 12 Jahren erstmals wieder vor Ort, die Bahn viel größer in Erinnerung. Seine Übersetzung, die er sich auf dem Weg in den hohen Norden überlegte, musste er um 3 Zähne wieder verändern, als er die Bahn sah. Im ersten Heat fand er sich auch ausgangs der 1. Ecke am Ende des Feldes wieder, nachdem er den Eingang nicht richtig erwischte und zu weit nach aussen getragen wurde. In seinen folgenden 4 Heats sammelte er aber eifrigst Laufsiege und war mit 14 Punkten nicht nur Tagesieger, sondern stand auch als erster Teilnehmer für den Dithmarschen Cup, der mit den 2 besten Akteuren der Gruppe B im Handicap-Start zum Rennende über die Bühne gehen sollte. 3 x 12 PunkteMit jeweils 12 Zählern kamen Kristian Drossmann, Marcel Limberger und Toni Kröger aus der Vorrunde. Bis hier hin war es schon mal das Szenario „Hut ab“ vor Limberger, der nach so langer Zeit vor allem konditionell mithalten und sogar 4 seiner 5 Heats gewinnen konnte. Allerdings musste er zur Halbzeit seiner 5 Läufe den 8. Heat vom Innenfeld aus auf seinem Helm sitzend beobachten. Bei dem Probestart kurz vor dem Band riss ihm die Kette und er hatte keine Möglichkeit, auf ein Reservebike zu wechseln. Kröger hingegen kam erst nach dem 1. Durchgang wirklich in Fahrt. Im 2. Lauf dieser Klasse kam er „nur“ auf Rang 3 ins Ziel, doch gab er in den letzten 4. Outings nur noch 1 Punkt ab. Drossmann mischte immer um 1 und 2 mit und fuhr 2 Laufsiege und 3 zweite Plätze ins Ziel. Ab zum StechenDiese 3 Youngster traten also zu einem Stechen an, was durch Schiedsrichter Rolf Goldmann – der Vater von den Schülerklassen A Kids Finn und Tobias - entschieden wurde. Limberger musste sich für dieses Stechen ein neues Hinterrad leihen, da sein Reifen bereits fertig war. Und das hatte Konsequenzen: Während Drossmann die Führung inne hielt, fiel Kröger noch in der 1. Runde auf Rang 3 liegend aus. Ihm war die hintere Kette vom Ritzel gelaufen. Da waren es nur noch 2... Doch am Ende der 2. Runde kam nun Limberger auch noch zu Fall. Das Hinterrad war nicht richtig fest. Ein Wunder aber, dass nicht mehr passiert ist, als der Schreck und das Ärgernis. Aber dass Marcel mit diesem Malheur überhaupt so weit gekommen war, war schon in krasse Sache. Drossmann sicherte sich also mit diesem „One-Man-Zieleinlauf“ den 2. Tagesplatz und natürlich auch die Quali für den Handicap-Lauf. Nach einer kurzen Pause hiess es dann aber, Limberger und Kröger müssen erneut zu einem Stechen raus auf die Bahn. Und wieder gab es Probs bei Limberger: Nach dem Blitzstart von Kröger tuckerte Marcel zunächst aus dem Band, ehe er bis zur Startkurve die Methanolzufuhr noch endlich gewährleisten konnte. Das 2. StechenDas Problem war nämlich, dass der Kurvenbeobachter, der sein Bike nach dem Sturz im 1. Stechen ins Innenfeld schob, auch den 2. an seinem Bike befindlichen Hahn geschlossen hatte, worauf Marcel vor dem Start aber nicht geachtet hatte. „Eigentlich war das Stechen bereits gelaufen, denn war Toni schon zu weit weg. Ich konnte irgendwie also nur noch hoffen, dass evtl. was bei ihm passiert“, so Marcel nach dem Rennen. Pechvogel Toni KrögerUnd es passierte was: Eine halbe Runde vor der Zielflagge rasselte es wieder bei Toni und er wurde deutlich langsamer. Nun war es die Primärkette, die Toni im Stich gelassen hatte. Und obwohl Marcels Maschine nicht wirklich rund lief, konnte er sich blubbernd ins Ziel retten und sowohl Rang 3 auf dem Podest der Einzelwertung als auch den letzten Startplatz um den Dithmarschen Cup einnehmen. Der Dithmarschen CupZu diesem Lauf traten die Gruppe-A Akteure 15 Meter hinter dem Startband an. Vorne standen Sam Seefeld, der die Gruppe B mit Maximum gewann und der zweitplatzierte Patrick Döllmann, der mit 9 Punkten ein gutes Rennen fuhr. (Der Bericht zum Rahmenprogramm folgt.) 5 Runden wurden angezeigt und Weis zuckte vielleicht etwas zu früh. Der Start wurde aber vollzogen und während Limberger auf den Abbruch wartete, konnte sich Seefeld schon einen kleinen Vorsprung heraus fahren. Drossmann und Weis kämpften untereinander und holten sich in Schwerstarbeit Döllmann. Drossmann schnappte sich dann noch Seefeld und fuhr dem Sieg entgegen. Auch Weis kam noch an Seefeld vorbei, während Limberger seine Müh und Not hatte, Döllmann auch noch hinter sich zu lassen. Zum Geburtstag nachträglichDamit machte sich Drossmann tatsächlich noch ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk, denn wurde er einen Tag zuvor 18 Jahre. Die weiteren PlatzierungenHinter Kröger, der nun ja mehr als unglücklich auf Rang 4 der Gesamtwertung landete, rangierte dann Robert Baumann mit 9 Punkten. Allerdings fiel er im 2. Durchgang an 2. Stelle liegend aus und musste auch im letzten Heat vermeintliche Punkte durch einen Ausrutscher auf der Strecke lassen. Er konnte sich, nachdem Weis und Dennis Möller an ihm vorbei kamen, wieder aufs Bike schwingen und hinterher fahren. Sein Glück war dann aber noch, dass Möller seinen 2. Ausfall einstecken musste und Baumann dann zu 2. Punkten kam. Rang 6 ging an Malte Zyweck mit 8 Punkten. Der auf der Langbahn als 250ccm-Pilot furios bei seinen wenigen Rennen in Erscheinung trat, fuhr ein klasse Rennen mit vielen Zweikämpfen. Vor allem mit Robert Baumann duellierte er sich in den 2 Läufen, bei denen sie aufeinander trafen, immer wieder, deren Fights aber immer fair waren und im 4. Durchgang nur durch ein Fotofinish entschieden werden konnte. Ebenfalls 8 Punkte schrieb Henning Loof, der zu seinem letzten Rennen antrat. Wie schon vorher bekannt, muss er aus finanziellen Gründen den Stahlschuh an den Nagel hängen. Leider blieb ihm ein Laufsieg verwehrt, doch fuhr er nach seinem letzten Lauf noch einmal eine Ehrenrunde. Servus HenningAuch an die Fans, die bei der Siegerehrung nach dem Rennen vor dem Clubheim noch anwesenden waren, richtete er noch einige Worte und bedankte sich noch einmal: „Ich bin 14 Jahre gefahren und hatte viele Höhe und Tiefen, aber es war eine schöne Zeit. Ich habe gute Erinnerungen an den Sport und viele Freunde gefunden“, so Hennings Worte, der mit geschlossenen Augen einem - seinem Hardrock-Lied lauschte und nur noch mit „Tschüss“ ins Auto sprang und vom Hof fuhr. Doch wird Henning nicht ganz von der Bahnsport-Bildfläche verschwinden, denn wird er sich innerhalb des Clubs als Trainer für den Nachwusch zur Verfügung stellen. Die SchlusslichterAuf Rang 8 landete letztendlich Arne Ledwig, der etwas zu zaghaft in die Zweikämpfe ging. Doch kaum hatte er im 4. Durchgang einen mehr als Blitzstart – okay, er hatte den Start geklaut – mischte er ordentlich mit und fuhr einen starken 2. Platz ins Ziel. Insgesamt sammelte der nun 18-Jährige 5 Punkte. Platz 9 ging an Dennis Möller, der einen nervenaufreibenden Renntag erlebte. Vor seinem 2. Auftritt musste er auf das Reservebike wechseln, was aber auch nicht wirklich anspringen wollte. Es gelang aber dennoch, doch kam er in der 2. Ecke an 2. Stelle zu Sturz. Zyweck kam zwar noch grad dran vorbei, doch schien das Bike etwas verbogen zu sein. Referee Goldmann stoppte den Lauf und bat zum Rerun mit allen 3 Fahrern - der Startplatz des abgemeldeten Henk Bos blieb nämlich den ganzen Tag frei. Nachdem er, wie auch zu Beginn, 1 Punkt ins Ziel brachte, fiel er im 3. Durchgang gänzlich aus, da er einen Platten am Hinterrad einstecken musste. Nach einem weiteren Zähler kam er im letzten Lauf erneut wegen eines Ausfalles nicht ins Ziel. Ebenfalls 3 Punkte brachte nach Bos' Absage der einzig verbliebene Gast aus dem Ausland Sjoerd Rozenberg ins Ziel. Doch für den mit Abstand ältesten Akteur auf dem Oval waren die jungen Burschen doch etwas zu fix unterwegs. Schlusslicht wurde aber Simon Seefeld, der nur im 3. Durchgang mit einem 2. Rang glänzen konnte, während er bei den anderen Heats jeweils die rote Laterne ins Ziel brachte. Die Ergebnisse – Das RahmenprogrammDas Nordhastedt-Fazit:Negativ: Die Absagen der dänischen Fahrer durch die Förderationsbürokratie waren mehr als schade. Wie Lutz Bilgenroth auch noch andeutete, kann dies auch zur Folge haben, dass der MSC auch für die Trainingslehrgänge keine Gäste aus dem Nachbarland mehr einladen darf, sofern sie nicht in Besitz einer internationalen Lizenz sind. Wozu gibt es eine Sicherheitszone? Diese Zone ist nicht nur für die Fans auf den Rängen notwendig, nein sie sollte auch am Fahrerlagereinlass eingehalten werden. Es kann nicht sein, dass Erwachsene mit dem Kopf und Händen hier über der Planke hängen und die Jungs auf der Bahn anfeuern. Leider war zu sehen, dass im Anschluss dann auch ein Junge dieses Szenario abguckte und nachahmte. Doch nach einem Gespräch mit den Verantwortlichen wurde darauf geachtet und die imaginäre Sicherheitszone am Fahrerlagertor wurde eingehalten. Schade war es, dass nur so wenige Zuschauer ins Stadion kamen. Schuld daran war aber mit Sicherheit der Regen, der im weiten Umfeld der Rennbahn herunter kam, während es im Stadion selber den ganzen Renntag über trocken blieb und sogar für eine kurze Zeit die Sonne als Gast hatte. Positiv: Family Affair war ganz groß geschrieben. Man fühlte sich richtig wohl und es tut mir heute noch leid, dass ich es erst nach 12 Jahren wieder geschafft habe, auf der Rennbahn vorbei zu gucken. Die Musik-Intros für die Fahrer bis zum Hochschnellen des Startbandes waren super und durch den 1. Vorsitzenden perfekt zusammengestellt. Hut ab vor Sabine Seefeld, die nach einem technischen Problem der Lautsprecheranlage aus dem Innenfeld heraus die Startaufstellungen und Punkte durchgeben musste. Auf ein Kommentieren der einzelnen Läufe musste allerdings verzichtet werden, da der Motorradlärm um die Boxen herum zu laut war. Sie machte ihre Sache aber dennoch wirklich gut und behielt auch die Nerven, als ihre Söhne Simon und Sam auf der Bahn waren. Wie wäre es, auch mal andere Rennen als Sprecherin zu unterstützen? Der MSC hat es bewiesen: Man kann auch ohne die wirklich großen Namen actionreichen und zum Teil auch dramatischen Rennsport garantieren. |