Flutlichtrennen in Osnabrück
30.09.2006

30.09.2006 19:06:45
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Von wegen 2. Garde...

Nach Erscheinen des Fahrerfeldes konnte man im Web lesen: „Kylmäkorpi und dann die 2. Garde.“ Aber der Finne hatte noch lange nicht gewonnen, nur weil er als Vizeweltmeister nach Osnabrück reiste. Im Gegenteil, er schaffte nicht einmal einen Podestplatz, denn fuhr ihm „die 2. Garde“ mehr oder weniger um die Ohren.

Schon im Training fand er in Christian Hülshorst seinen Meister und auch Lokalhero Benny Hegener, der die schnellste Trainingszeit fuhr, sowie Jörg Tebbe kannten im Gegensatz zu Kylmäkorpi die Bahn in Osnabrück bestens.

Wie vermutet war das Fahrerfeld ausgeglichenen, was die Kandidaten um die Finalteilnahme anging. NBM-Laufsieger Jörg Tebbe beeindruckte dabei vor allem in 3 seiner 4. Vorläufe:

Im ersten Heat fuhr er in der Startkurve aussen von 2 auf 1, ehe er im 2. Durchgang einen Start-Ziel-Sieg hinlegte. Mit einem äußerst schlechten Start kam er nur als Fünfter aus den Bändern und arbeitete sich atemberaubend auf Platz 2 vor. Kylmäkorpi, dem er im ersten Heat den Laufsieg abnahm, schaffte er nicht mehr ganz einzuholen. In seinem letzten Vorlauf stürzte Jörg in der Startkurve und durfte zum Restart wieder mit ans Band. Hier sicherte er sich 4 weitere Punkte und stand mit 18 Zählern im Finale.

18 Punkte hatte aber auch Bahnrekord-Sieger Paul Bauer. Bauer kam zum Startrecht beim Angriff gegen die Uhr, da Tebbe verzichtete. Auch Bauer arbeitete unermüdlich und wurde bei seinem Auftakt mit Rang 1 belohnt, nachdem er sich von 3 auf 1 vorkämpfen konnte. 2 zweite Plätze liess er folgen und fightete mit Steve Braidford im letzten Vorlauf um die Führung. Sein Konter an dem gerade vorbei gezogenen Briten brachte ihm den Laufsieg und die 18 Punkte.

Braidford, der für den nach Marmande beorderten Daniel Rath ins Rennen ging, kam sehr gut zurecht auf der Strecke. Platz 3 zu Beginn und 2 Laufsiege hatte er vor dem letzten Lauf schon inne, ehe der heiße Fight mit Bauer kommen sollte. Insgesamt nahm er 17 Punkte mit ins Finale.

Mit jeweils 15 Punkten folgten dann noch Kylmäkorpi und Christian Hülshorst. Platz 2 für den Finnen zu Beginn wurde mit einem 3. Rang fortgesetzt. Hier musste er sich aber erst an Manfred Knappe vorbeiarbeiten. Der Laufsieg im 3. Durchgang ging völlig in Ordnung, ehe er im letzten Outing der Vorrunde den heranstürmenden Braidford ziehen lassen musste und wiederum auf Rang 3 ins Ziel kam.

Hülse, der auf dem durch die Luftfeuchtigkeit rutschigen Untergrund beim NBM-Lauf an 2. Stelle liegend wegrutschte, steigerte sich zum Ende hin, nachdem er zu Beginn einen Punkt an Hegener, der im NBM-Lauf wegen Zahnriemenriss ausfiel, abgeben musste. Platz 2 und 3 brachte der Lüdinghauser anschliessend ins Ziel. Sein Lauf folgte dann im 4. Durchgang, als er an Tebbe und Steve Leigh vorbei fuhr und unter dem lauten Jubel seiner Fans das Ziel als Sieger erreichte.

Das Finale komplettierte der Lokalhero Hegener. Doch nach dem starken Auftritt zu Beginn, liess er in jedem Lauf einen Zähler mehr auf der Strecke. Die Ursache hierfür: „Als mein Glücksbringer nicht mehr da war, lief es nicht mehr“, so Benny, der seinen Sohn Marlon als Glücksbringer bezeichnet.

Das Finale

Hülse erwischte einen bombastischen Start und liess nichts mehr anbrennen. Fehlerfrei sicherte er sich den Finalsieg, der ihn am Ende auf Rang 2 brachte. Tebbe reichten die 4 Punkte des Zweitplatzierten, und machte seinen Tagessieg dingfest. Aufgrund einer Packung verlor Braidford seinen 3. Rang an Kylmäkorpi und Bauer und wurde auf Rang 5 durchgereicht. Hegener folgte am Ende des Feldes.

Mit diesem Einlauf kam Tebbe auf Platz 1 und nur aufgrund des besseren Abschneiden im Endlauf sicherte sich Hülse den 2. Platz vor dem punktgleichen Bauer. Erst auf Rang 4 kam der Vizeweltmeister mit 18 Zählern und Braidford, der ebenfalls 18 Punkte schrieb, aber auch das schlechtere Finalresultat einfuhr. Hegener blieb auf Rang 6 mit 10 Punkten.

Manfred Knappe, der immer dann in Osnabrück war, als es wegen Regen abgesagt werden musste, fuhr somit sein erstes komplettes Rennen auf der Nahner Waldbahn und verkaufte sich nicht schlecht. Insgesamt fuhr er 8 Punkte ins Ziel und kam auf Platz 7 in der Wertung.

Mit 6 Zählern zog sich Björn Danielczik aus der Affäre vor Steve Leigh (5), Gareth Hickmott (5), Daniel Winterton (3) und Stefan Bromberg (0), der aber zumindest – wenn auch weit abgeschlagen – im NBM-Lauf 3 Punkte sicherte.

Die Gespannklasse

„Das Rennleiterherz ist ein Gespannherz“, eröffnete Dieter Glatzer bei der Siegerehrung der Seitenwagenakteure. Auch wenn es gleich zu Beginn der Konkurrenz zum schmerzhaften Ende für die Europameister Tommy Kunert und Bernd Kreuzer kam, waren die Gespannrennen wieder einmal die Crème de la Crème.

Zum Unfall kam es, als die Matthijssens in der 2. Ecke auf dem feuchten Untergrund machtlos quer standen und Kunert ausweichen wollte. Sie kamen in die Bande und Tommy musste mit etlichen Knochenbrüchen an Schlüsselbein, Rippen, Ellenbogen und Hand ins Krankenhaus eingeliefert werden. Beifahrer Bernd hingegen, der mit dem Rücken in die Bande einschlug, blieb im Stadion, doch platze ihm noch am Abend der Schleimbeutel am linken Ellenbogen.

Da es keine Reserveteam in dieser Klasse gab, kam es somit zu einigen Rennen mit nur 5 Gespannen. Das fiel aber irgendwie nicht wirklich auf, denn stand die Action und Dramatik auch so ganz hoch im Kurs.

Lester Goodwin, die sich nach dem Unfall von Kunert ebenfalls noch kurz auf der Seite wiederfanden, da sie hängen geblieben waren, fuhren von Laufsieg zu Laufsieg. Im 2. Heat holten sie sich die Führung der zuvor wegen Startbandberührung disqualifizierten Sven Holstein und Desirée Daubert, während ihr 3. Match von Anfang an der Spitze klar ging.

Im letztem Vorlauf hatten sie sich gerade von 3 auf 2 vorgearbeitet, als Schiedsrichter Michael Junklewitz den Lauf abbrechen musste. Auf der letzten Position stürzten nämlich Marco Hundsrucker und sein Aushilfs-Copilot Markus Eibl ausgangs der Startkurve der 2. Runde. Und das Szenario wiederholte sich nach dem Restart, denn kamen die Briten wieder nur auf 3 aus den Bändern, schoben sich vor auf Platz 2 und hatten nun die führenden Mark Detz und Gerard Eelsing im Visier. Während sie sich diesen Laufsieg sicherten, kam es zu einem Fotofinish mit den Niederländern und den Ex-Europameistern Holstein / Daubert.Detz gewann diesen knappen Zieleinlauf.

Mit 20 Punkten standen Onkel und Neffe Goodwin schon wie gut auf dem Podest, denn hatten sie einen 5 Punkte-Vorsprung herausfahren können. Markus Brandhofer und Robert Barth-Mechaniker Guido Stettner – auch besser bekannt als „Disco“ – kamen in dieser Konstellation auf 15 Punkte. Hut ab vor Disco, der sich nach dem 1. Heat schnell die Rippen polsterte und seine Sache als Aushilfs-Beifahrer für den verhinderten Helmut Beller bestens meisterte.

Ihr Auftritt begann nach dem Crash von Kunert zunächst aber mit einem Dreher in der Startkurve. Doch da dieser Rerun nach der Bandberührung von Holstein und der Disqualifikation von Matthijssen nur noch zu Dritt ausgefahren wurde, konnten sie immerhin noch 3 Punkte sichern. In den folgenden 2 Outings holten sie einen Laufsieg und einen 3. Rang, während sie dann im letzten Vorlauf von 4 auf 2 nach vorne preschten.

Auch Nick Radley und Craig Mathison hatten am Ende der Vorrunde 15 Punkte. Sie begannen ihrerseits mit einem Laufsieg, dem aber nur ein 5. Platz folgte. Durch einen 2. Rang und einen weiteren Laufsieg kämpften sie sich wieder in Podestnähe und hatten wie Brandhofer / Stettner 4 weitere Punkte Vorsprung auf Raymond de Rooy und Sandra Mollema.

Die niederländische gemischte Doppel gefiel augenscheinlich die Strecke in Osnabrück schon im Training. Und obwohl sie nur mit Rang 5 ihre Punktejagd begannen, kamen neben Platz 3 und 4 auch noch ein Laufsieg heraus. Mit 11 Punkten standen sie auch im Endlauf.

3 Teams schrieben nach 4 Vorlaufdurchgängen je 10 Punkte, doch nur 2 von ihnen hatten noch die Startberechtigung fürs Finale. Zum einen kamen Markus Venus mit Thomas Angerer dank ihrer 2 zweiten Plätze in den ersten beiden Heats zum Finaleinsatz, obwohl sie anschliessend 2 mal auf Rang 5 das Ziel erreichten.
Zum anderen waren es dann die Matthijssens, die nach der Disqualifikation im 1. Heat noch einen hart umkämpften 2. Rang sowie zwei 3. Plätze ins Ziel fuhren.

Auf der Strecke blieben somit die deutschen Meister Stefan Brandhofer und Stefan Peters. Sie fuhren bei ihrem 1. Auftritt auf Rang 5, holten sich Platz 4, dann 3 und hatten auch schon Platz 2 kurz inne gehabt, doch konterte hier Venus und siegte in einer hauchdünnen Entscheidung auf der Linie in diesem Duell um Platz 2.Ein weiterer 3. Platz und 2 vierte Ränge reichten dann aufgrund der schlechteren Majorität dann nicht mehr fürs Finale.

Das Finale

Das Finale hatte es dann in sich: Wie es sich gehört, gab es zum Schluss den Höhepunkt an Zweikämpfen. Wie viele Überholaktionen gestartet wurden, ist nicht mehr zählbar, doch mit dem Einlauf Matthijssen, Radley, de Rooy, Goodwin, M. Brandhofer und Venus gab es im Kampf um die Podestplätze keine Änderungen mehr.

Die Goodwins siegten vor deren Landsmännern Radley / Mathison sowie M. Brandhofer mit dem ausgepowerten Stettner. Hinter den Matthijssens, de Rooy/ Mollema, Venus / Angerer sowie S. Brandhofer / Peters ging es dann mit der Wertung wie folgt weiter:

Detz / Eelsing, Hundsrucker / Eibl, Holstein / Daubert sowie den Detz-Brüdern.

Detz / Eelsing konnten nur einmal zeigen was in ihnen steckt und das erst im letzten Vorlauf. Zuvor mussten sie die Konkurrenz ziehen lassen und verloren einige Plätze. Nur im Fight gegen Venus – wie schon erwähnt – bissen sie in den Lenker und holten mit diesen 4 Punkten auch ihr bestes Laufresultat.

Hundsrucker stieg mit Kumpel Eibl ins Gespann. Markus ging es soweit ganz gut und er konnte sich, obwohl in letzter Zeit die Schwierigkeiten mit dem herausgesprungenen Rückenwirbel hat, ohne Probleme im Boot bewegen. Der Sturz im letzten Vorlauf, bei dem aber beide glimpflich davon kamen, kostete zumindest keinen Punkt.

Holstein / Daubert kamen nur 2 Mal auf den Punkterängen ins Ziel. Wie schon erwähnt, fuhren sie im 1. Heat isn Band. Im 2. Lauf führten sie die Konkurrenz an, doch wurden sie von den Goodwins eingeholt. Lauf 3 war eine Nullrunde und im 4. Heat wurden sie nach anfänglicher Führung auf Platz 3 durchgereicht.

Für die Detz-Brothers Wilfried und Denny gab es zu keinem Zeitpunkt wirklich eine Chance auf einen Platz im Mittelfeld. Sie holten in den 4. Outings nur 2 Pünktchen.

Die ErgebnisseDas Rahmenprogramm

Das Osnabrück-Fazit:

Negativ:

Oh oh oh, das hätte auch ganz anders ausgehen können, als es im 7. Heat der Gespannkonkurrenz auf einmal in der Zielkurve dunkel wurde. Doch zum Glück konnten alle beteiligten Akteure ungefährdet den Gashahn zu machen.

Diese Panne mit den ausgefallenen Lichtmasten passierte aber leider nicht zum ersten Mal. Zunächst verabschiedeten sich 9 Lampen auf der Startgeraden, als der DJ ans Werkeln ging. Danach fielen 3 Lampen am Fahrerlager aus – diesmal war die Pizzabude schuld daran. Doch nach einigen Diskussionen fuhren die nächsten Fahrer aus der Solistenklasse ein Einführungsrunde, um die Sicht zu testen. Es ging und fürs erste konnte das Rennen wieder fortgesetzt werden. Bis zum Ausfall von 12 Masten in der Zielkurve, was durch den THW verursacht wurde. Zu einer weiteren Unterbrechung kam es außerdem, da die Ampelanlage ohne Strom war. Die unplanmäßigen Pausen waren daher nötig.

Einen Vorwurf kann man dem Veranstalter nicht wirklich machen. Man kann nur froh sein, dass gerade im Lauf der Gespanne alles gut ging.

Mit den rutschigen Bahnverhältnissen - nach dem Wasser in der Trainingssession und der Luftfeuchtigkeit am Abend - standen die Akteure mehr als skeptisch gegenüber. Doch im Laufe der Veranstaltung stellten sich die Jungs darauf ein, obwohl gegen den Staub nichts getan wurde.

Durch die notgedrungenen Pausen verzögerte sich die Veranstaltung bis um Mitternacht.

Positiv:

Tolle und packende Fights standen an der Tagesordnung. Die Gespanne fuhren wieder einmal auf einem sehr hohen Niveau und das Fahrerfeld hierzu hätte besser gar nicht zusammengestellt werden können.

In der Soloklasse gab es mit den Top5 des Abends eine klasse Besetzung. Kämpferische Einsätze und viele Überholmanöver standen hoch im Kurs. Ein stark kämpfender Jörg Tebbe siegte am Ende verdient sowie auch Hülse und Paul verdient auf dem Podest standen.

Ein richtig gut aufgelegter Joonas Kylmäkorpi sorgte zum Teil zwischen den Läufen auf dem Fahrerlagerwall für Unterhaltung – wie z.b. für ein Gruppenfoto mit den Speedway.org Usern.

Ein Kompliment an die Blumendamen, die mal wieder vor Ort die Sträuße für die Fahrervorstellung und Siegerehrungen fertigten.

Gute Besserung...

... noch einmal an Tommy Kunert und Bernd Kreuzer sowie Andreas Kielkämper aus der B-Lizenz Solo und Maik Domscheit aus der B-Seitenwagen-Klasse. (Die Berichte zum Rahmenprogramm folgen)