WM-Revanche in Parchimt
08.10.2006

08.10.2006 14:38:44
Teilnehmer aus 6 Nationen kamen zur WM-Revanche
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In deutscher Hand...

... lagen nicht nur alle Langbahn-Prädikats-Entscheidungen in diesem Jahr – denkt man an Barth, Katt sowie Kunert/Kreuzer bei den WM- und EM-Finals, sondern auch in Parchim bei der WM-Revanche. Auch wenn es inkl. der Wildcardfahrer aus der WM-Serie Glen Phillips und Matten Kröger insgesamt nur 10 WM-Teilnehmer in Parchim am Start waren, kame diese aus 6 Nationen.

Nun gut, Weltmeister Robert Barth hatte seine Langbahnkarriere beendete und fuhr zeitgleich in Olching sein vorletztes Speedwayrennen, während Theo Pijper in Südfrankreich sich den Titel des französischen Meisters im Stechen gegen Stéphane Tresarrieu sicherte. Das war somit auch der Grund warum z. B. Tresarrieu und auch Christoph Dubernard als WM-Teilnehmer nicht in Parchim antraten, und Mathieu Tresarrieu sowieso aus Verletzungsgründen out of order ist.

Im Vorfeld sagten dann auch noch Paul Cooper, Kenneth Borgenhaugh und der Pole Grzegorz Knapp ab, und wurden durch Jaroslav Ptak, Ronny Stüdemann und Richard Wolff ersetzt. Stüdemann kam als 1. Reservist fest ins Feld, da der eigentlich geplante Kim Rudi Mortensen nicht erschien. Doch insgesamt gesehen, kam keiner dieser 3 Akteure über das C-Finale hinaus.

Noch im Training gab es Probleme bei Marius Rokeberg, der schon die schwarze Flagge sah. Bei der Kontrolle nach der Papierabnahme fehlte die Freigabe der norwegischen Förderation. Diese „lag aber im Auto“, so Marius vor dem Start lachend.

Aus der Vorrunde

Auch wenn es abgesehen von den üblichen Startkurven-Fights nur knapp einem Dutzend Überholvorgänge gab, sah man ein auf alle Fälle ein sturzfreies Rennen, einen überragenden Bernd Diener der Vorrunde, einige Pechvögel und einen Matten Kröger, der noch eine halbe Runde schiebender Weise zu Fuss ins Ziel absolvierte.

Lokalmatador Jörg Tebbe begann mit dem Sieg im Auftaktheat gleich furios, was ihm dann eben Diener und auch der wieder genesene Enrico Janoschka nach machten. „Meinem Knie geht es wieder gut. Ich hatte gestern nach dem Liga-Finale in Lulu allerdings etwas Schmerzen“, so Ricky, der sich das A-Finale zum Ziel gesetzt hatte. Gefahren wurde nämlich wie bei der WM im Modus der 12 Vorläufe plus C-, B- und A-Finals.

Im Detail erzählt:

Heat 1 – 113,784 Km/h:

Hinter Tebbe versuchte Kröger seinerseits im 1. Heat nun alles, ihm diese Führung streitig zu machen, doch blieb der Dohrener in Front. Auch Zdenek Schneiderwind hielt auf Rang 3 noch Anschluss, während Clubfahrerin Nynke de Jong, Stüdemann und Ptak schon mit Abstand auf den Plätzen 4, 5 und 6 ins Ziel kamen.

Heat 2 - 114,475 Km/h:

Die erste Ecke war die spannenste, denn fuhren hier Diener, Stephan Katt und Gerd Riss an der Spitze. Riss konnte Katt Platz 2 streitig machen, musste aber Diener ziehen lassen. Glen Phillips, Herbert Rudolph und Richard Wolff, der abgeschlagen folgte, komplettierten den Einlauf.

Heat 3 – 113,435 Km/h:

Während Tebbe und Diener ihre Laufsiege von Startplatz rot einläuteten, vollbrachte dies Janoschka mit dem besten Start der 2 - also der blauen Startbahn. Er ließ dem Vizeweltmeister Joonas Kylmäkorpi keine Chance zum Überholen und verwies ihn auf Rang 2, der seinerseits zunächst mit Sirg Schützbach um diesen 2. Rang in der Startkurve fightete. Marius Rokeberg und Shane Colvin brachten die letzte Punkte ins Ziel, während Daniel Rath – nachdem er sich grad von 6 auf 5 vorgearbeitet hatte – wegen eines Kettenrisses, vermutlich verursacht durch einen Speichenbruch, in der letzten Runde ausfiel.

Heat 4 – 114,185 Km/h:

Die ungeschlagenen Tebbe und Diener trafen hier auf die Zweitplatzierten Riss und Kröger. Diener war bestens sortiert und setzte sich erneut beindruckend durch und verwies somit Riss und Schützbach auf die Plätze, während erst nun Kröger, Tebbe und Colvin folgten.

Heat 5 – 115,034 Km/h:

Mit einem perfekten Start konnte de Jong von der eigentlich schlechten Startbahn 5 neben Katt in die 1. Ecke einbiegen. Innenliegend setzte sich Katt aber durch, während de Jong stark auf Rang 2 die 4 Punkte ins Ziel brachte. Am Kurvenausgang nach dem Start wurde Janoschka abgestrahlt und lag dadurch nur auf Rang 3 und wurde dann vom innen vorbei fahrenden Schneiderwind noch abgefangen. Den letzten Punkt ergatterte sich Wolff, da Rath nun zum 2. Mal das Ziel nicht erreichte. Genauer gesagt, erreichte der Teterower nicht einmal die 1. Ecke, da er diesmal wegen eines Motorschadens schon am Start aufstecken musste.

Heat 6 – 110,781 Km/h:

Phillips setzte sich vom Start weg in Front und konnte Kylmäkorpi locker hinter sich lassen. In der 2. Runde verlor dann der bis dahin auf Rang 3 liegende Stüdemann diesen 3. Platz an Rudolph, was als Szenario als erstes im Laufe der 4. Runden herausgefahrene Überholmanöver zu verbuchen war. Hinter Stüdemann kam dann Rokeberg ins Ziel, der nach einem guten Start noch in der Startkurve bis auf Rang 5 durchgereicht wurde. Schlusslicht war wieder weit abgeschlagen Ptak.

Heat 7 – 113,027 Km/h:

Nun konnte sich Kylmäkorpi von einer der Innenbahnen aus den Startsieg und auch den Laufsieg sichern. Diesmal war Tebbe wieder gut mit dabei und fuhr locker auf Rang 2 ins Ziel, während Schützbach mit einer guten Vorstellung den 2. Überholvorgang einläutet: In der 3. Runde hatte er sich Phillips zurechtlegen können. Allerdings schien der Brite auch durch ein blubberndes Bike an Leistung zu verlieren, während Schneiderwind und Landsmann Wolff das Schluss-Duo bildeten.

Heat 8 – 113,188 Km/h:

Rudolph kam von rot mehr als optimal aus den Bändern, doch schaffte es Riss, der von ganz aussen kam, ihm in der Startkurve den Schneit abzukaufen. In dieser Reihenfolge fuhren sie auch ins Ziel gefolgt von Rath, der sich nun endlich in Szene setzten konnte. Er schaffte es, in der 3. Runde an Stüdemann vorbei auf Rang 3 zu platzieren, während Stüdemann auch noch den Platz für Colvin frei machen musste.

De Jong, der ausgangs der Startkurve durch einen Strahl und ein großer Stein die Scheibe aus der Sichthalterung brach, musste sich erst wieder sammeln und für Durchblick sorgen, ehe sie die Fahrt wieder aufnehmen konnte. Im Nachhinein ärgerte sie sich, da sie aus ihrer Sicht zu lange mit der wiederaufgenommen Fahrt gewartet hatte, denn kam sie im Ziel mit einem schnellen Schritten Stüdemann dann doch noch wieder verdammt nahe.

Heat 9 – 114,614 Km/h:

Diener stand als einziger nun ungeschlagen in der Wertung und musste gegen den frischgebackenen Europameister Katt ran. Dieser schaffte es dann tatsächlich, den fast unschlagbaren Diener die erste Niederlage beizubringen, als er aussen in der Startkurve den längeren Atem hatte.

Bis zur letzten Runde lag Kröger in diesem Match sicher auf Rang 3, doch verabschiedete sich sein Zahnriemen bis in fast alle einzelnen Bestandteile. Somit ergatterte Janoschka einen Zähler mehr nun auf Rang 3 gefolgt von Rokeberg und Ptak, der seinen ersten Zähler verbuchen konnte.

Heat 10 – 115,315 Km/h – schnellster Lauf des Tages:

Das Duell dieses Heats lautete Riss gegen Kylmäkorpi, doch blieb der eigentliche Zweikampf so gesehen aus, denn kam der Finne nicht in Fahrt. Tebbe und auch Rath sorgten ebenfalls dafür, dass Kylmäkorpi nur 2 Punkte im Ziel einstecken durfte. Wolff holte derweil nun seinen 2. Zähler aber einzigen Punkt, den er aus einem Fight ziehen konnte. Stüdemann hatte dadurch bereist zum 3. Mal das Nachsehen.

Heat 11 – 113,448 Km/h:

Katt und Kröger gingen ans Band und Katt führte zum Teil hauchdünn vor seinem Kumpel. Am Ende der 3. Runde kam es dann zum Wechsel an der Spitze. „Allerdings“, so Katt später: „hatte ich mir in der Kurve kurz das Bein verdreht und ein Stechen zog durch meine Hüfte.“

Auf Rang 3 kam Rudolph sicher ins Ziel, während de Jong unsicher in der 3. Runde ca. 70 Meter ausgangs der Startkurve die Planke als Führungshilfe in Anspruch nahm. Sie konnte diese Gefahrensituation aber unter Kontrolle und sich wieder zurück auf die Strecke bringen. „Zum Glück war keiner direkt neben mir, als ich den Satz nach Links gemacht habe, um wieder auf der Strecke zu fahren“, so Nynke im Anschluss.
Gemeint waren damit Rokeberg und Colvin, die weit genug hinter ihr waren und daher auch kein Gefahr bestand.

Heat 12 – 114,122 Km/h:

Der Vorrunden-Triumphator Diener konnte sich jetzt nur noch selber schlagen, denn machte er vor Janoschka alles klar zu 19 Punkten. Janoschka hingegen, der sich über den 2. Lauf mit nur 2 Punkte ärgerte, wusste, dass er nur vor Schützbach und Phillips bleiben musste, um das A-Finale zu erreichen. Dieser Plan ging beim Güstrower auf, auch wenn Phillips – allerdings wieder mit blubbernden Bike – Rang 3 ins Ziel brachte. Schützbach hingegen fightete und gab noch einmal alles, was mit dem gelungenen Überholvorgang auf Schneiderwind von 5 auf 4 belohnt wurde. Ohne Zieldurchfahrt verabschiedete sich derweil Ptak in der 2. Runde am Ende des Feldes liegend.

Zwischenwertung

Für das C-Finale haben sich qualifiziert:

Rath (6), Rokeberg (6), Stüdemann (4), Colvin (3), Wolff (2) und Ptak (1)

Für das B-Finale haben sich qualifiziert:

Phillips (12), Kröger (11 bei einem Ausfall), Rudolph (11), Schützbach (11), de Jong (8), Schneiderwind (8)

Für das A-Finale haben sich qualifiziert:

Diener (19), Riss (18), Katt (17), Kylmäkorpi (15), Tebbe (14), Janoschka (14)

Das C-Finale – 108,908 Km/h:

Aus dem engen Getümmel der Startkurve kam Rokeberg am besten raus. Nachdem aber Rath bereits Stüdemann hinter sich lassen konnte, machte dieser nun Jagd auf den Norweger. Rath liess nicht locker und kam in der Startkurve der letzten Runde an ihm vorbei und fuhr bis ins Ziel noch einen tollen Vorsprung heraus. Damit bewies Rath zumindest, dass ihn nur die Technik an diesem Tag von einer weit aus besseren Platzierung abhalten konnte. Rang 3 sicherte sich nun seinerseits Stüdemann, der vor Wolff, Colvin und Ptak ins Ziel kam.

Das B-Finale – 110,580 Km/h:

Kröger und Phillips waren schon bei der WM die Nominierungen der Last-Chance Heats „verbunden“ und auch in diesem B-Finale tat es der eine dem anderen wieder gleich - allerdings durch den Einfluss technischer Probleme.

Beide setzten sich zunächst in Front und während sich Kröger dann die alleinige Pole sicherte, fiel der Brite in der 3. Runde auf der Gegengeraden aus. Grund: Ein Zahnriemenriss. Genau eine Runde weiter wurde nun auch Kröger langsamer und schaute sich zum Verfolgertrupp um:

Ihm war der Vergaser abgefallen und er liess Rudolph, der dadurch zum B-Final-Sieger wurde, Schützbach, der sich an de Jong vorbeikämpfen konnte, de Jong und Schneiderwind vorbei, ehe Kröger die letzte halbe Runde zu Fuss ins Ziel brachte. Eigentlich hätte er sich diese Kraft sparen können, da ihm der 5. Platz nach dem Ausfall nun eh zustand. Dennoch wurde er vom Applaus des Publikums ins Ziel und danach auch ins Fahrerlager begleitet.

Das A-Finale – 114,945 Km/h:

Kylmäkorpi gegen Deutschland hiess es in diesem Finale, und die Akzente setzten auch die in Überzahl vertretenden Deutschen. Katt erwischte den besten Start und bog vor Diener und Riss und die erste Ecke. Riss war aber sauschnell und konnte unter dem Jubel der Fans an Diener eine halbe Runde später vorbeizeihen. Katt schien aber schon weit weg geeilt zu sein, dennoch holte Riss Meter für Meter auf. Er schnupperte schon fast am Auspuff des Europameisters, doch blieb der Tagessieg dieser WM-Revanche Katt vorbehalten.

Erst auf Rang 4 ordnete sich Kylmäkorpi ein, während Janoschkas Überholmanöver auf Tebbe und somit der 5. Gesamtrang bei der Spannung an der Spitze fast unbeachtet blieb.

Dazwischen

Nach den jeweils 3 Wertungsläufen kamen die 1000ccm Gespanne zu ihren Debüt auf dem Mecklenburgring. In Demorunden zeigten Rob King / James Benfeld, Neal Owen / Kevin Colborne sowie Roel Limburg / David Williams einiges aus ihrem Repertoire.

Im Innenring traten dann Kids während der Bahndienstpausen der Schülerklasse A sowie einige Nachwuchsfahrer auf den größeren Maschinen an.

Gesichtet:

Nach fast 3 Jahren erspähte Speedway.org dann auch Brian Karger wieder, der mit seinem Mechaniker im Fahrerlager nach den alten Kollegen schaute. Schmal ist der Däne geworden, doch berichtete er, dass es ihm gut ginge und dass er eine Menge zu tun habe durch seine nun alleinige Aufgabe des Motorentunings. Aber auch Diethelm Triemer – Erfolgsfahrer vergangener Tage – schaute in Parchim vorbei.

Das Ergebnis

Das Parchim-Fazit:

Negativ:

Auf die Versammlung zur Helmfarbenauslosung am Vorstart – wie es sonst eigentlich üblich ist – wartete ich vergebens. 2 Fahrerlagerobmänner rannten derweil nämlich laut den Vorlaufplatzierungen von Box zu Box und fragten auf diesem Wege jeden einzeln nach der Farbe des Startplatzes. – Dieses dauerte somit doppelt so lange und war fast ein Slalom-Parcour für die beiden Herren.

Bis die Sieger endlich zur Siegerehrung kamen, vergingen fast 15 Minuten. Auch hier mal ein Vorschlag fürs nächste Mal: Nach dem Finale das Fahrerlagertor geschlossen halten und die Sieger direkt zur Ehrung sowie wartenden Fans und Fotografen schicken.

2500 Fans waren anwesend, doch leider waren es anscheinend immer noch etwas zu wenig, denn gab es anscheinend bei der Fahrergelderauszahlung vorrübergehend Engpässe. Man sorgte aber aus Reihen des Clubs dafür, dass jeder Akteur sein Geld bekommen sollte.

Positiv:

Nach diesem unfallfreien Rennen zum Ende der Langbahnsaison kann man schon fast beruhigt in die Winterpause gehen.

Hut ab vor Matten Kröger, der sich die Strapazen des Schiebens im B-Finale noch antat. Den sportlichen Fairness-Preis für ihn.

Gerd, Stephan und auch Bernd plauderten munter mit dem erkrankten Klaus Witt (Mandelentzündung - gute Besserung) nach dem offiziellen Teil der Siegerehrung und sorgten somit noch für einige Jokes nach Rennende.

In dreifacher Ausführung lagen nach der Siegerehrung die Ergebnislisten der WM-Revanche ausreichend parat.