Sandbahnrennen in Scheessel
27.08.2006

27.08.2006 10:32:39
Der Blick sollte nach vorne gerichtet sein
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Es war nicht einfach

Im Rahmenprogramm zum 3. Lauf der Shorttrack- EM stellte der MSC Scheessel ein starkes und ausgeglichenes Fahrerfeld zusammen. Die Voraussetzungen auf der Bahn waren nicht gerade optimal, aber der Bahndienst tat sein Möglichstes, um das beste aus dem Untergrund zu zaubern.

Doch dieser tiefe, dunkle und später auch nasse Untergrund bereitete den Akteuren arge Probleme. Sichtprobleme nach einem Strahl waren gefährlich und so waren diese Sichtprobleme auch die Ursachen dafür, dass es in der Gespannklasse gleich 2 Mal heftig knallte.

Sturz im Auftaktheat der Seitenwagenklasse

Gleich im Eröffnungsheat der „Dreiräder“ krachte Sven Holstein ausgangs der 1. Ecke in die Bretter. Er selber blieb unverletzt, doch musste man seine Freundin Desirée ins Krankenhaus bringen. Mittlerweile (heute Montag) hat sie sich persönlich bei mir gemeldet.

Die schwere Gehirnerschütterung hat sich neben schweren Prellungen am ganzen Körper bestätigt und sie wurde 5 Stunden lang im Krankenhaus durch Röntgen und CT durchgecheckt. Am Abend konnte sie allerdings die Heimreise wieder antreten und erholt sich nun von den Folgen des Sturzes.

Crazy Desi möchte es sich aber nicht nehmen lassen, sich bei Marco Hundsrucker und Lester Goodwin zu bedanken, die extrem schnell reagieren und ausweichen konnten, als der Unfall passierte. Natürlich bedankt sie sich auch bei ihrem Freund Sven, der die ganze Zeit an ihrer Seite war und den „Montörs“, die Papa Holstein Derk beim Einladen geholfen haben und er somit mit dem Rest der Crew ins Krankenhaus schnellstens folgen konnte.

Desi, die sich an den Unfallhergang selber nicht erinnern kann, möchte aber so schnell wieder ins Boot steigen, denn ans Aufhören denkt sie jetzt trotzdem nicht.

Gute Besserung weiterhin.

Sturz im Innenfeld

Der Genesungsgruß geht aber auch an Karl Keil und Berit Tralau, die im 3. Heat der Gespannkonkurrenz einen spektakulären Crash erlitten. Auch hier waren es anscheinend Sichtprobleme, die der Auslöser dieses Unfalles waren, bei dem der Innenfeld befindliche Rennleiter Günther Bünning Höhe Start und Ziel durch einen Strohballen regelrecht umgeworfen wurde.

Während er aber zum Glück nur mit dem Schrecken davon kam und Beifahrerin Berit von Prellungen übersäht ist, kam noch am Rennabend eine Positive Nachricht von Alex Keil. Sein Vater Karl hatte ebenfalls noch einen riesengroßen Schutzengel gehabt, denn diagnostizierten die Ärzte einen Bruch des Schlüsselbeins und einen Bruch des 8. Brustwirbels.

Was tun gegen die Sichtprobleme?

Es war nur gut, dass Andy Schwickert mit ihren Sichtschutzsystemen persönlich vor Ort war, und den Akteuren immer wieder sofort helfen konnte, auch wenn sie selber schon aufgrund der Folgen dieses schweren Bahnbelages fast verzweifelte.

Beispiele

In der Soloklasse wurde natürlich auch mit viel Dreck geworfen, doch fielen die Akteure durch diese Packungen „nur“ um einige Positionen zurück. Bei Christian Hülshorst konnte man dieses Szenario bereits im NBM-Lauf beobachten, als er durch einen Strahl von 3 auf 4 zurückfiel. Durch seinen Kampfgeist holte er sich Rang 3 aber wieder zurück.

Das 2. Beispiel erlebte Ronny Stüdemann, der im ersten Wertungslauf dieser internationalen Konkurrenz nach einem perfekten Start als Zweiter in die Startkurve einbog. Doch kämpfte er bis Mitte der Gegenraden mit dem Dreck und verlor dadurch 4 Plätze.

Das Wetter

Während die Rennen bei sonnigen und angenehm warmen Temperaturen gegen 14.00 Uhr gestartet wurde, hörte man schon, dass es am Nachmittag noch regnen sollte. Eine riesengroße schwarze Wolke näherte sich auch auf der Startgeraden-Seite und die ersten Tropfen fielen zu Beginn des 3. Wertungsblockes. Es donnerte und blitzte auch, aber man hatte das Gefühl, dass es „nur“ die Randausläufers des Gewitters sind, die über den Eichenring zogen.

Die Rennen wurden fortgesetzt und das bei anhaltendem Regen. Obwohl der Bahndienst immer wieder rausrückte und immer das Optimalste aus den Verhältnissen machte, wurde es für die Akteure immer schwerer, die Rennen zu bestreiten. Selbst ein in Führung liegender Bernd Diener hatte so seine Schwierigkeiten mit der „freien“ Sicht.

Die Läufe der I-Solisten

Dennoch: Diener, der den NBM-Lauf klar vor Matten Kröger und Hülse gewinnen konnte, war der überlegene Akteur dieses Meetings in Scheessel. In der 1. Wertungsrunde, das in 4 Läufen mit je 7 Fahrern ausgefahren wurde, holte er die optimale Punktzahl von 12 Zählern heraus. Klar, dass er sich für die 2. Runde, das dann nur noch mit 6 Fahrern gefahren wurde, qualifiziert hatte.

Mit 11 Punkten stand ihm als erstes Jannick de Jong zur Seite, der als Grasbahnspezialist auf dieser 1000m Bahn eine sehr gute Figur machte. Mit einem ernormen Leistungsschub präsentierte sich Nynke de Jong, die nach 2 Wochen „Zwangspause“ mit noch einem etwas lädierten Fuss wieder aufs Motorrad stieg.

In der Startkurve ihres 1. Heats behielt sie auch die Nerven und fuhr als Sandwich zwischen Diener und Zdenek Schneiderwind in diesem 3er-Pulk durch die Kurve. Im Ziel kam sie auf dem 2. Platz an, so wie auch im 2. Durchgang, als sie Matten Kröger über eine Runde lang das Kämpfen anbot.

Kröger, der in seinem ersten Heat wegen Motorschadens ausfiel, konnte einzig auf diese 6 Punkte aus dem 3. Wertungslauf blicken, stand aber auch in der neben Nynke, die 10 Punkte sammelte, in der nächste Runde.

Vor Kröger platzierten sich aber noch Paul Bauer und Sjoerd Rozenberg, die jeweils 7 Zähler ins Ziel brachten. Der Niederländer tat dies durch einen überraschenden 2. Rang zu Beginn plus eines 5. Ranges, bei dem aber 2 weitere Mitstreiter ausfielen bzw. nicht mehr antreten konnten. Den Ausfall musste der Trainingsschnellste Benny Hegener (129 Km/h über 3 Runden) einstecken, während Klaus Peter Gerdemann nach einem kapitalen Motorschaden schon gar nicht mehr antreten konnte. Bauer hingegen kämpfte sich immer Mittelfeld durch und rangierte auf den Plätzen 3 und 4 i Ziel.

Hegener musste sich im übrigen sein Outfit und Material zusammen leihen. Auf dem Ersatzbike seines Freundes Paul Bauer trat er zum Teil an und musste sich auch das Outfit von Ex-Fahrer Günther Bünning ankleiden. Bei seinem Kombi verabschiedete sich der Reißverschluss.

Neben Kröger gingen noch vor Hegener, der nur einen Punkt aus 2 Läufen ins Ziel „errollte“,

mit ebenfalls 6 Punkten Hülse, der finnische Gast René Lehtinen, Enrico Hoth und Ronny Stüdemann sowie Dirk Fabriek mit 4 Punkten in die nächste Runde.

Neben Gerdemann, der ja „platt“ war, schied auch Schneiderwind aus, da er in beiden Einsätzen das Ziel wegen Ausfällen gar nicht erst erreichte.

Hülse - das muss noch eben erwähnt werden – kam in der 2. Runde seines ersten Laufes eingangs der Zielkurve spektakulär zu Sturz, doch – und so kennen wir den Lüdinghauser – rappelte er sich wieder hoch, schwang sich aufs Bike und fuhr noch 2 Punkte ins Ziel.

Die 2. Wertungsrunde

In der 2. Runde dieser Wertungsgeschichte sollten dann eigentlich wiederum jeweils 2 Läufe pro Fahrer gefahren werden, doch beendete man – auch in Absprache mit den Fahrern - das Rennen nach diesem 1. Durchgang zu beenden.

Benny Hegener, und ich betone Benny Hegener, lag hier in Führung und gewann auch diesen insgesamt 3. Heat. Er fuhr dabei nicht nur das Material des noch an der Hand verletzten Volker Striepes, sondern schlüpfte dabei auch noch in das Rennoutfit des Bassumers (Striepe versuchte es im Training, doch ging es noch nicht und hatte deswegen sein Material auch vor Ort.)

Stadionsprecher Horst Kaiser erkannte Hegener zunächst auch als solchen, doch wurde er auf dem Turm von anderen Personen so durcheinander gebracht, dass er nach der ersten Punktvergabe sagte: „Es hat sich jetzt anscheinend Volker Striepe unters Fahrerfeld gemischt. Wir werden diesen Sachverhalt aber klären“. Während Volli Striepe auf dem Fahrerlagerwall seinem „Double“ während des Laufes ordentlich anfeuerte, klärte Benny die Sachlage aber umgehend nach Kaisers Aussage mit Bünning.

Kröger wurde hier im übrigen Zweiter vor Bauer, Nynke de Jong, Rozenberg und Stüdemann.

Im 2. Outing, der nun zum letzten Lauf dieser Konkurrenz wurde, kam Diener mit seinem 3. Laufsieg zum verdienten Maximum-Sieg. Jannick de Jong folgte ihm als erstes vor Fabriek und Hoth, während Hülshorst und Lehtinen wegen dem Dreck vor der Brille aufgeben mussten.

Am Ende machte das, obwohl Hülshorst noch einen Plan B für den 2. Lauf dieser Runde vor der Absage austüftelte, eine Platzierung von Diener vor de Jong und de Jong. Eine strahlende – und sie machte dem wolkenbehangenen Himmel und Nieselregen damit den Gar aus - Nynke de Jong stand auf dem Podest mit der 3 neben Bernd auf 1 und Namensvetter Jannick auf 2.

Die Gespannklasse

Neben den 2 schweren Stürzen zu Beginn und zum Ende der Serie gab es auch zum Teil packende Zweikämpfe zu sehen, ehe sich die Fahrerfelder auseinander zogen und vorzeitig entschieden waren.

Die Matthijssens duellierten sich mit Tommy Kunert und Bernd Kreuzer 2 Mal. Diese Duelle gingen unentschieden aus. Im 3. Heat – es war der Heat des Sturzes von Keil / Tralau – blieben sie allerdings am Start stehen. Und ehe sie merkten was los war, schossen die anderen schon fast aus der Startkurve heraus. Wie auch immer, schlossen sich die Methanolhähne auf dem Weg zum Start und nach einer ¾ Runde hielten sie dann Höhe Fahrerlagertor im Innenfeld an.

Nach dem Sturz wurde dieser Lauf später doch gewertet und somit hatten die Niederländer den Gesamtsieg sicher in der Tasche. Die Europameister kamen trotzdem noch auf Rang 2 in der Endwertung mit einem Zähler vor Lester und Anthony Goodwin.

Die Briten fuhren ein durchschnittliches Rennen und kamen auf den Plätzen 3, 5 und 2 ins Ziel. Ihre 8 Punkte langten aber zum 3. Podestplatz.

Marco Hundsrucker und Florian Niedermeier landeten auf dem 4. Rang, nachdem sie auf die Plätze 5 und 4 ins Ziel fuhren. Wegen des Sturzabbruches – sie wurden zwar kurz vor dem Crash von Keil noch eingeholt – erhielten sie dann noch 3 Punkte, was ihr Konto auf 6 anwachsen liess.

Keil / Tralau, die zuvor Rang 4 und 3 absolvierten, kamen in der Wertung noch auf Rang 5 vor Arne Friskovec mit Jan Martin Wagner. Das eigentliche B-Lizenz Gespann durfte in dieser internationalen Konkurrenz teilnehmen, da der deutsche Friskovec mit einer dänischen Lizenz unterwegs ist.

Allerdings wurden sie – im Nachhinein gesehen – um einen Lauf „betrogen“. Laut Programmheft war ein Startschema vorgesehen, bei dem je 2 Teams aussetzten sollten. Da aber von vornherein nur 7, anstatt 8 Teams vor Ort waren, und nach dem Sturz von Holstein / Daubert jetzt nur noch 6 einsatzfähig waren, reagierte die Rennleitung prompt und liess alle anderen Heats mit diesen 6 auch fahren. Friskovec / Wagner hatten so gesehen nur Pech, das sie im ersten Durchgang laut Startschema aussetzten mussten.

Nach einer Nullrunde im 2. Heat bekamen sie am Ende dann noch 2 Ehrenpunkte, auch wenn der Schleswig-Holsteiner gestand, mehr mit den Bahnverhältnissen als mit den Gegnern zu kämpfen hatte.

Die B-Lizenz Solo

Dramatische Szenen spielten sich im 3 und letzten Lauf der Nachwuchsfahrer ab. Toni Kröger, der 10 Punkte sprich 2 Laufsiege in den 3. Lauf mitbrachte, fiel in Führung liegend aus, konnte aber noch hinterher rollen. Ramon Stanek, der im Training schon einen Getriebeschaden hatte und damit auch im 1. Lauf nicht wirklich in die Gänge kam, war im 2. Heat mehr als begeistert vom Material, das ihm Bernd Diener zur Verfügung stellte. „Das geht ja ab wie mit 'nem Turbo“, so Ramon, der sich einen der wohl packensten Fights mit Toni über eine Runde lang im 2. Heat auf diesen 1000m Kurs lieferte.

Auch wenn er diesen Fight verlor, war er doch zuversichtlich, was den letzten Lauf anging. Doch man bekam das Gerät auch mit vereinten Kräften nicht an. Die Maschine schien abgesoffen zu sein und es stellte sich heraus, dass es die Zündkerze war. Somit musste er von aussen zusehen.

Robert Baumann, der ja als frischgebackener Bahnpokalsieger ins Rennen ging, sicherte sich auch nach schweren Kämpfen wie Ramon in den 2 Heats 7 Punkte. Und auch er lieh sich zwischenzeitig ein anderes Material. Mit diesem fiel er aber aus, da der Motor streikte.

Aus Sicht von Jens Klein, der jeweils auf Rang 5 in den ersten 2 Läufen ins Ziel kam, war der 3. Lauf dann so gesehen: „Ramon war schon nicht mehr dabei und ich sah, wie Robert ausfiel.

Gut, ein sicherer 2. Rang hinter Toni ist doch okay. Doch dann wurde auch er langsamer eingangs der 3. Runde und ich dachte, was ist denn jetzt los? Dann werde ich mal ganz ohne Probleme versuchen, diesen Lauf zu gewinnen.“

Klein gewann diesen Lauf und kam nun Dank dieses Laufsieges auch auf den 3. Rang, da er zwar wie Stanek und Baumann 7 Punkte hatte, aber nun die bessere Majorität hatte.

Zwischen ihm und Kröger, sein Tagessieg war trotz Malheur eigentlich nicht gefährdet, positionierte sich noch Jens Buchberger. Der Hemmoorer gewann den Start zum 1. Heat, fiel dann aber in der ersten Ecke – wegen einer Packung, die er zunächst von Kröger bekam – bis auf Rang 4 zurück. Diesen Platz rettete er dann aber ins Ziel.

Hinter den Podestanwärtern sowie Stanek und Baumann rundete Sven Mannott das Fahrerfeld ab. Er kämpfte verbissen, doch fuhr ihm die Konkurrenz zumeist auf und davon. Mit 3 Punkten aus dem dezimierten letzten Lauf verabschiedete er sich auf dem 6. Rang.

Die Ergebnisse

Das Scheessel-Fazit:

Negativ:

Nach dem Unfall von Keil / Tralau, der genau bei Start und Ziel passierte, wurde mir wieder richtig bewusst, welchen Gefahren wir Fotografen und auch die Streckenposten sich im Innenfeld immer wieder aussetzten. Zum Glück kam Günther Bünning, der ja einen Strohballen abbekam, wirklich nur mit dem Schrecken davon.

Die nach jedem Lauf zugeschobenen Startrillen boten für alle Fahrer zwar immer wieder gleiche Bedingungen, doch wurde dieser lose Kram am Start mit „der Start aus einem Sandkasten“ beschrieben.

Durch die 2 langen Sturzpausen und dem – allerdings wirklich nötigen – Bahndienst schritt die Zeit immer mehr voran. Der zur Hälfte des Rennens einsetzende Regen verzögerte den Rennablauf somit auch noch obendrein.

Warum mussten die Akteure bereits um 08.30 Uhr das Training beginnen, wenn nach der Trainingssession fast 2 Stunden Pause bis zum Start waren? Hier sollte man vielleicht das Training um mindestens eine Stunde später ansetzten.

Positiv:

Nach dem Sturz von Holstein und Daubert war eine lange Pause. Die Rennleitung reagierte hier aber und zog schon einmal die Ehrung zur NBM zur Überbrückung vor.

Völlig unkompliziert ging man auch in die nächsten Runden der Seitenwagenklasse, in dem man auf das Startschema verzichtete und mit jeweils 6 Teams immer ein volles Fahrerfeld auf die Bahn brachte.

Den besten Kampf, den es wohl seit langem auf dieser 1000m gab, boten Toni Kröger und Ramon Stanek, die sich über eine Runde lang fair bekriegten.

Das Rennen vor den letzten 2 Läufen (ein Solo und ein Gespannlauf) zu beenden, war richtig. Zum einen schützte man sich damit vor weiteren möglichen Unfällen und zum anderen war es auch schon 17.30 Uhr durch. Viele Fans verließen anscheinend auch schon bei Einsetzten des Regens das Stadion.

Sytze Hilliger gewann den 3. Lauf zur Shorttrack-EM und konnte damit seinen Vorsprung in der Gesamtwertung ausbauen. Rang 2 ging an Raymon Woortmann und Platz 3 an Bert Dijkstra. Unser „Bahnsport-Vertreter“ Jürgen Schmidt war nach 6 Punkten und dem 17. Gesamtrang im unteren Drittel des Ergebnisses zu finden.