Team WM-Quali in Abensberg,
28.05.2007

Text: Manuel Wüst - Fotos: Jörg Gaedtke

Deutsches Team begeistert Fans und scheitert trotzdem

Eine deutsche Nationalmannschaft, die beherzt und mit absolutem Kampfeswillen eine grandiose Leistung bot, die Zuschauer begeisterte und am Ende doch nicht gewinnen konnte. So lässt sich die Leistung der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der grandiosen WM 2006 beschreiben. Aber auch genau dieselben Worte treffen auf Martin Smolinski, Tommy Stange, Christian Hefenbrock, Tobias Kroner und Mathias Schultz zu, die deutsche Speedwaynationalmannschaft.

Die Quali zum Semifinale des World Team Cups in Vojens wollten unsere fünf Speedwayprofis, die von Robert Barth betreut wurden, vor heimischem Publikum in Abensberg schaffen. Es begann auch nach Maß für unsere Mannschaft, die mit einem Altersschnitt von 22 Jahren mit Abstand die jüngste Mannschaft des Tages war. Martin Smolinski legte als Kapitän gleich furios los und rang im wahrsten Sinne des Wortes GP Fahrer Matej Zagar in der Startkurve nieder und gewann unangefochten. Christian Hefenbrock ließ den zweiten Dreier folgen, ehe die erste von zwei Pechsträhnen für unser Team begann. Tobias Kroner fiel an zweiter Stelle liegend aus, Tommy Stange lag bei seinem Ausfall sicher in Führung. Nachdem Matze Schultz einen dritten Rang erzielt hatte, war das Feld nach Durchgang eins noch dicht beisammen:

Finnland & Lettland 8, Deutschland 7, Slowenien 6

Ohne Bahndienstpause ging es direkt mit dem zweiten Durchgang weiter. Hier gab es dann für Matze Schultz gegen Matej Zagar, Joonas Kylmakorpi sowie Maximilian Bogdanows nur einen vierten Platz, obwohl der Schweriner kämpfte wie ein Löwe. Es war das einzige Mal, das Deutschland ohne Sturz bzw. Ausfall als letzter über den Zielstrich rollte. Jedoch hat Matze alles probiert, um Bogdanows abzufangen. Doch der Lette fuhr besser als es ihm viele zugetraut hatten. Den einzigen Laufsieg in diesem Durchgang fuhr Martin Smolinski ein, der seine Gegner auf Distanz halten konnte. Somit stand es nach 10 von 25 Läufen:

Finnland 19, Deutschland 15, Lettland 14, Slowenien 11

Nun hieß es für unsere Deutschen Jungs, die Finnen einzuholen und versuchen, möglichst viele Punkte gut zumachen und auch die Letten im Auge zu behalten. Was den Letten keiner zugetraut hatte, ist eingetreten. Das Team kämpfte munter mit und war keinesfalls abgeschlagen. Im Gegensatz zu den Slowenen, die nur Dank GP Fahrer Matej Zagar sowie durch Izak Santej im Rennen blieben. Kolenko, Gregoric und Stojs blieben eher blass. Nachdem Matej Zagar dem Finnen Kaj Laukkanen die erste Niederlage des Tages beigebracht hatte, konnte Matze Schultz den Finnen Tero Aarnio hinter sich lassen und einen Punkt auf die Finnen gutmachen. Tommy Stange gewann den darauf folgenden Lauf und da Kauko Nieminen nur letzter wurde, war Deutschland den Finnen inzwischen mächtig auf die Pelle gerückt. In Lauf 14 war es Smoli der nochmals zwei Punkte gutmachte und wie! Nach gewonnenem Start wurde Martin vom Letten Bogdanows abgedrängt und kam nah an die Bande. Martin korrigierte und fand sich auf Platz drei wieder und nahm nun die Jagd auf. Erst schnappte er sich den Finnen Hautamäki und machte sofort Jagd auf Bogdanows, den er dann auch recht schnell überholen konnte. Unter dem Jubel der Fans überquerte Martin die Ziellinie. Deutschland hatte erstmals wieder mit einem Punkt vor Finnland die Führung übernommen. Christian Hefenbrock musste sich dann Matej Zagar, der als taktische Reserve fuhr, und auch Joonas Kylmakorpi geschlagen geben. Somit war nach drei von fünf Durchgängen Gleichstand:

Deutschland & Finnland 25, Lettland 21, Slowenien 18

Im vierten Durchgang erzielte Deutschland dann 10 Punkte. Die Finnen hingegen nur acht und somit war der Tag auch nach Durchgang vier fast nicht mehr an Spannung zu toppen. Auch Lettland, das Aleksandrs Ivanovs mit der taktischen Reserve durch Kjastas Puodzuks ersetzte, blieb weiter auf Schlagdistanz, so dass man die wacker kämpfenden Letten zwar nicht fürchten, doch auf der Rechnung haben musste. Etwas abgeschlagen lagen inzwischen die Slowenen, die lediglich durch den Sieg von Matej Zagar und dem vierten Platz von Izak Santej in diesem Durchgang punkten konnten.

Deutschland 35, Finnland 33, Lettland 29, Slowenien 22

Die letzten fünf Heats mussten nun entscheiden ob, Deutschland oder Finnland nach Vojens ins Semi reisen, oder ob die Letten noch die Sensation schaffen würden.

In Lauf 21 startete Christian Hefenbrock sensationell und führte, doch wurde der deutsche Meister schnell von Puodzuks und Zagar auf den dritten Platz durchgereicht. Die Meinung der Fans: Zum Glück vor Finnland geblieben.

Zwischenstand Deutschland 36, Finnland 33, Lettland 32, Slowenien 24

Im 22. Lauf kam die zweite Pechsträhne für das deutsche Team. Tobias Kroner lag hinter Kauko Nieminen an zweiter Stelle, als er in der Zielkurve zu Sturz kam und mit dem Krankenwagen von der Bahn gebracht werden musste. Am Ende des Rennens war er jedoch im Fahrerlager wieder auf den Beinen. Den Re-Run gewann Kauko Nieminen vor Bogdanows und Kolenko.

Zwischenstand Deutschland 36, Finnland 36, Lettland 34, Slowenien 25

Mit noch drei ausstehenden Läufen, sollte durch Matze Schultz im 23. Lauf wieder die Führung für Deutschland her. Matze startete super und bog als erster in die Kurve, ehe er Ausgangs der Startkurve Griff bekam und ebenfalls unsanft zu Boden musste. Im Rerun siegte Izak Santej und Leonid Paura vor dem Finnen, sodass sich die Disqualifikation von Matze als Sturzverursacher noch in Grenzen hielt. Aber dennoch enttäuschend war.

Zwischenstand: Finnland 37, Deutschland & Lettland 36, Slowenien 28

Vor Lauf 24 beratschlagten sich Tommy Stange und Martin Smolinski auf der Bahn, da diese beiden mit Siegen gegen die hervorragend fahrenden Joonas Kylmakorpi und Kaj Laukkanen den Spies noch umdrehen konnten. Alle Augen waren somit auf das Duell Kylmakorpi – Stange gerichtet. Tommy startete gut, doch der Finne spielte seine Routine und Erfahrung aus und konnte Stange schlagen, der alles gab und dem Finnen immer auf den Fersen war, doch keinen Weg an ihm vorbei fand.

Zwischenstand: Finnland 40, Deutschland 38, Lettland 37, Slowenien 28

Nun war das zweite Duell: also Martin Smolinski gegen Kaj Laukkanen. Hier mussten die Deutschen jedoch auf Schützenhilfe seitens der Letten oder der Slowenen hoffen, da Martin zwei Punkte gutmachen musste, um ein Stechen um den Sieg zu erzwingen. Laukkanen war in Abensberg jedoch super zu Recht gekommen und ließ Martin, der beherzt Angriff und ständig einen Weg vorbei am Finnen suchte, keine Chance vorbeizukommen und sicherte den Finnen somit das Ticket nach Vojens.

Endstand: Finnland 43, Deutschland 40, Lettland 37, Slowenien 29

Trotz alledem hat unser Team die Fans in Abensberg beigeistert, und sie können stolz auf ihre Leistung sein, da ohne Stürze und ohne Ausfälle das deutsche Team 10 Punkte mehr auf dem Konto gehabt hätte.

Auf geht's im nächsten Jahr…