Int. Grasbahnrennen in Lüdinghausen
17.05.2007

17.05.2007 09:33:47
So Jungs, seid ihr fertig?
Diashow start/stop weiter

Zum Lesen auf Diashow start/stop klicken

Das 67. Himmelfahrtsrennen

Beim Grasbahnrennen in Lüdinghausen waren die Voraussetzungen perfekt. Trotz der Regenschauer in den Tagen zuvor sah die Bahn sehr gut aus und auch das Wetter sollte laut Vorhersage gut werden, während man beim anderen traditionellen Vatertagsrennen in Herxheim wegen dem Regen absagen musste.

Es gab im Laufe der Veranstaltung leider einige Stürze, angefangen bei Sybe Sybesma, der schon im Pflichttraining der B-Lizenz nach einem Highsider stürzte und ins Krankenhaus musste. In der Gespannklasse erwischte es die Lokalmatadoren Maik Domscheit und Kristoffer Loch, die als B-Lizenzfahrer an den Rennen der Internationalen teilnehmen durften.

Im 2. Lauf der 1000er stürzten Rob Wilson und Ian Whale, die wie alle anderen zuvor auch ins Krankenhaus mussten. Enrico Janoschka ging dann noch im letzten Vorlaufdurchgang ab, doch konnte er unverletzt zurück ins Fahrerlager.

Richtig schlimm war dann aber der Crash von Duncan Tolhurst und Terry Saunders, die sich im letzten Lauf der 1000er-Konkurrenz spektakulär überschlugen und Tolhurst gar mit dem Rettungshubschrauber nach Münster geflogen werden konnte. Auch wenn bei diesem Sturz Erinnerungen an den Crash in Cloppenburg 2005 wieder wach wurden, kann man jetzt 2 Tage nach dem Unfall sagen, dass beide auch „Glück im Unglück“ hatten. Und natürlich auch die Zuschauer, die mit dem Schrecken davon kamen, als Maschinenteile durch die Luft flogen.

Saunders war mit seiner Fussverletzung am folgenden Abend im Rollstuhl sitzend wieder im Stadion und schaute bei einem Bierchen bei den Abbauarbeiten zu. Wie man erfahren konnte, wurde Tolhurst hingegen noch am Unfallabend erfolgreich an seinem Blutgerinnsel am Kopf operiert und konnte nach einem Tag künstlichem Koma aus diesem wieder geholt werden.

Persönlich

Völlig geschockt war ich persönlich dann aber noch am Donnerstagabend, als ich gegen 23.00 Uhr einen Anruf erhielt, und gefragt wurde, ob es stimmt, dass es in Lüdinghausen einen tödlichen Unfall gegeben habe. Der Anrufer wollte sicher gehen und holte sich bei den aktuellen Stand der Dinge ein.

Liebe Fans, bevor man mit solchen Gerüchten hausieren geht, sollte man vielleicht erst einmal die offiziellen Pressemitteilungen abwarten. Es war nämlich nicht das erste Mal, dass ich mit solchen Anrufen konfrontiert wurde. Ich denke dabei an den niederländischen Shorttrackfahrer, der 2006 in Schwarme einen schweren Sturz hatte, sich aber schnell wieder erholt hatte.

Gute Besserung an alle Gestürzten.

Zu den Rennen

Der Beginn der Veranstaltung wurde mit dem NBM-Lauf absolviert, den Bernd Diener vor Enrico Janoschka und Christian Hülshorst gewann. Auch im Kampf gegen die Zeit Mitte der Rennen, waren alle 3 wieder mit von der Partie. Und in der selben Reihenfolge platzierten sich die Akteure, wobei Diener aber noch 2 km/h unter dem bestehenden Rekord von Robert Barth blieb.

Auch wenn Barth den Stahlschuh an den Nagel gehängt hatte, war er im Stadion und präsentierte sich gemeinsam mit Stadionsprecher Stephan Prante als ein perfektes Moderationsduo.

3 von 4

Wie üblich in Lüdinghausen nahm jeder I-Solist an 4 Vorläufen teil, deren 3 besten Resultate zur Ermittlung für den Einzug in den Endlauf berechnet wurden. Aufgrund des schweren Unfalles wurden aber dieser als auch der der Seitenwagen gecancelt, und man schritt nach den Vorläufen zur Siegerehrung.

Bernd Diener stand hier nun schon zum 3. Mal auf dem obersten Podest und konnte neben den 3 Pokalen auch noch die Vitrine sein Eigen nennen, die er als Sieger obendrauf erhielt. Mit 15 von 18 Punkten setzte er sich an die Spitze. Nur gegen Janoschka und Pijper verlor er im 2. Durchgang, doch dieser 3er war sein Streichergebnis. „Hart aber fair“, wie Diener es selber nach dem Lauf beschrieb, fuhr er im 6. Heat. An Rang 3 liegend liess er eingangs der 2. Ecke das Gas wesentlich länger stehen als die bisher führenden Tebbe und Hülshorst und stach innen durch. Ansonsten war er nicht zu halten und siegte verdient in Lüdinghausen.

Mit Sohnemann Ace John stieg Theo Pijper auf das Podest mit der 2, doch verdiente er sich diesen Erfolg ohne den Junior. Mit 14 von 17 eingefahrenen Zählern musste er sich in 2 Heats zum einen Janoschka und zum anderen Diener und Hülshorst geschlagen geben, während er die anderen 2 Heats für sich entschied.

Janoschka war der Kämpfer in dieser Konkurrenz. Immer wieder musste er sich nach schlechten Starts durchs Feld kämpfen und machte immer 2 Plätze gut. Mit 12 Zählern ging der Jungvater in den letzten Vorlauf und kämpfte sich wieder nach vorne, als es in der Startkurve der letzten Runde dann aber in der Planke endete. Dieser Sturz blieb für ihn zum Glück ohne Verletzungen und war dann sein Streichresultat. Er blieb mit 12 Punkte auf dem 3. Gesamtrang.

Dirk Fabriek begann seine Läufe mit Plätzen im Mittelfeld, doch steigerte er sich bis zum letzten Lauf, den er dann gar gewann. Dieser Laufsieg bescherte ihm Rang 4 mit 10 von 12 Punkten. Ihm folgte dann Jörg Tebbe, der im Training schon mit seinem 1. Bike haderte und nicht mal die Quali für den NBM-Lauf schaffte. Nach 2 Punkten und einem Nuller stieg er dann aber auf sein 2. Material um und fuhr damit 2 zweite Plätze ein. In der Addition machten das dann 10 von 10 Punkte und Rang 5.

Einen sauguten Start legte Benny Hegener in diese Veranstaltung hin. Er musste sich zunächst aber mit Toni Kröger und Ramon Stanek in einer internen Ausscheidung für 2 Plätze durchbeißen, was er aber klar für sich entschied. Benny nahm somit den Platz für den am Vortag in Poole gestützten Paul Hurry ein, der sich eine schwere Knieverletzung zuzog. Hegener gewann im Auftaktheat den Start vor Diener, dem er das Siegen in diesem Heat aber nicht einfach machte und immer wieder dagegen hielt. Im 2. Durchgang führte er die Konkurrenz gar als Sieger ins Ziel, ehe er dann leider nicht mehr viel hinzu zu setzten hatte. Ein Punkte blieb ihm am Ende noch, was dann ebenfalls 10 von 10 ausmachte.

Glen Philips fuhr in seinen 4 Heats immer in den Punkten und kam auf den Plätzen 2 bis 4 in Ziel, was aber auch Lüdinghausen-Debütant Jannick de Jong schaffte. Beide hatte somit 9 von 10 Punkten zu Buche stehen, doch da das bessere Abschneiden im letzten Lauf für die Platzierung zählte, galt Philips der 7. und de Jong der 8. Rang.

Etwas untergegangen ist der Europameister Stephan Katt, der nur im NBM-Lauf mit einem Blitzstart und die Führung bis in die erste Ecke brillierte. Ansonsten kam er nicht mehr wirklich zum Zuge und schaute auf 2 dritte Plätze als seine besten Ergebnisse. Mit 8 von 9 Punkten landete er auf Rang 9.

Der Drittschnellste aus dem Pflichttraining und Lokalhero Christian Hülshorst brachte seine Frau Simone in den Zuschauerrängen zu einem Stimmenverlust. Der erste Start ging ohne ihn ab, da er das Band berührte. Eine Nullrunde musste er im Anschluss wieder einstecken, doch schien es, als ob er im 3. Heat endlich zu Punkten käme. Doch das wurde auch nichts. Nach dem oben genannten Überholvorgang von Diener und dem Kampf um die Führung kam er in einen Strahl und das Kabel vom Zündkerzenstecker fiel ab. Im letzten Lauf schrieb er aber seine wohlverdienten 4 Punkte im Ziel, was Rang 10 ausmachte.

4 Punkte sammelte auch Daniel Rath in 3 Outings, da zu Beginn noch ohne Punkte ins Ziel kam. I-Lizenz-Aufsteiger Toni Kröger, der wie de Jong das erste Mal in Lüdinghausen am Start war, hatte ziemlichen Respekt vor dieser extrem langen Strecke, doch setzte er sich im Ausscheidungsheat noch gegen Stanek durch und füllte den letzten Platz im Feld auf. Auch er kam in 3 Heats immer zu Punkten – nämlich deren 4, und musste nur im letzten Lauf ohne Zähler zurück ins Fahrerlager. Das machte für ihn Platz 12 aus.

Ohne Punkte aus allen Meetings kamen Steve Braidford, der im Training eine Bodenprobe nahm und dem das 1000m-Oval anscheinend wirklich etwas zu lang war, und Otto Niedermeier. Der Bayer, der 10 Jahre nicht mehr auf dem Westfalenring fuhr, hatte Probleme mit dem Setup und wechselte gegenüber dem Training seine Übersetzung um insgesamt 3 Zähne. Die fehlende Erfahrung auf diesem Kurs spielte dabei aber auch eine Rolle.

Reservist Stanek kam nur zu einem Einsatz nach Hülshorsts Bandberührung, konnte aber nicht in die Punkte fahren. Platz 15 für ihn hinter Braidford und Niedermeier.

Die Seitenwagen

Beim ersten Auftritt von Markus Venus mit Florian Niedermeier überhaupt in Lüdinghausen, schafften sie gleich eine kleine Sensation. Sie gewannen den Start vor den Matthijssens. Sie brachten diese Führung auch ins Ziel, doch wurde der Abstand im Ziel deutlich geringer. Der rasende Reporter Barth erkundigte sich bei Markus, und teilte dem Publikum die Ursache mit: Er ist in ein Loch kommen, mit dem Fuss von der Raste gerutscht und ist sich selber über den Fuss gefahren. Gott sei dank ohne Folgen.

Im 2. Duelle der beiden Teams drehten die Geschwister den Spies um und siegten vor den Bayern. Getrennt voneinander gewannen dann beide wieder und aus 3 Heats schrieben sie beide 14 Punkte. Ohne Austragung des Finals ging dann der Tagesieg an William und Nathalie, da sie das bessere Abschneiden im letzten – in diesem Falle vorletzten – Lauf hatten.

Mit Rang 3 freuten sich Mark Detz und Linda Vijfschaft. Sie kämpften um jeden Platz und zumeist mit Thomas Raesfeld / Matze Stucke und Michael Pape / Jan Martin Wagner. Das bessere Ende stand dann auch für das niederländische Duo mit 9 Punkten.

Bravourös schlugen sich aber trotzdem die Lüdinghauser Raesfeld / Stucke, die im Fotofinish des 1. Heats Detz / Vijfschaft einen Punkt abnehmen konnten. Insgesamt fuhren sie 8 Punkte ins Ziel, was Rang 4 bedeutete.

Für die gestürzten Domscheit / Loch (dazu gleich mehr) kamen die Reservisten Raymond de Rooy und Sandra Mollema zum Zuge. In 2 Outings kämpften sie sich auf 6 Zähler und platzierten sich damit auf Rang 5. Ebenfalls 6 Punkte brachten Pape / Wagner über die Ziellinie, doch hätten es auch mehr sein können, da sie in ihrem 2. Lauf einem Ausfall nahe waren. „Der Motor ist eingebrochen und hat kein Gas mehr angenommen“, war die Erklärung, doch konnten sie in diesem Heat noch ein Punkt ins Ziel retten.

Paul Moorcock und John Cook schrieben die letzten Zähler in dieser Konkurrenz und kamen mit 3 fünften Rängen und deren 3 Punkte auf Platz 7. Nach einer Nullrunde fielen Peter Albrecht und Hans Peter Much im 2. Lauf aus und meldeten sich zum letzten Lauf ab. Ohne Punkte bedeutete dies Rang 8.

Der Sturz von Maik und Lochi

„Im Scheitelpunkt der Kurve gab es auf einmal einen Schlag und wir sind vorne rüber“, so Maik Domscheit 2 Tage nach dem Unfall bei ihrem 1. und einzigen Einsatz. Maik fuhr in der Startkurve aussen, da sich die anderen an der Innenkannte einreihten, doch wie es zu diesem Schlag kam, kann er sich bis heut nicht erklären. Während Kristoffer bis auf einige Prellungen unverletzt blieb, verletzte sich Maik „einmal die rechte Seite bitte“, so Maik scherzhaft am Telefon. Das Schlüsselbein ist gebrochen, die Rippen und der Oberschenkel sind geprellt, im Knie ist ein Bluterguss und der Mittelfuß hat Haarrisse. „Das Schlüsselbein wird wohl so 5-6 Woche dauern, der Fuss wird wohl wieder eher einsatzfähig sein“, so Maik weiter.

Maik konnte noch am Nachmittag aus dem Krankenhaus entlassen werden und rollt sich seitdem auf einem Schreibtischrollstuhl durch die elterliche Wohnung. – Gute Besserung weiterhin.

Die B-Lizenz

Nach dem Sturz im Pflichttraining von Sybe Sybesma kam es zu keinem weiteren Crash in der B-Lizenz Klasse. Im Gegenteil – Lokalmatador Jens Klein begeisterte die Fans ohne Ende und verdient das Prädikat: „Kämpfer des Tages“. Und Ursache dafür war ein kaputtes Getriebe. Dieses liess ihn nämlich im Auftaktheat als Letzter aus dem Band kommen doch schaffte er es, an der äußersten Kante mit soviel Schwung immer wieder an der Konkurrenz vorbeizufahren, dass er nach Ende der 3 Runden sich als Sieger sah. Weitere 5 Punkte holte er sich dann sicher mit einem perfekten Start im Anschluss, nachdem er am Material werkelte.

Maikel van der Helm folgte ihm in diesen beiden Läufe immer als erster und lag zur Halbzeit der 4 Wertungsläufe als erster Verfolger auch hinter ihm. Der 3. Lauf kostete dann Klein den möglichen Tagessieg: Wieder im Kampf nach vorne riss ihm an 3. Stelle liegend in der 2. Runde die Kette. Jens Buchberger nutzte die Gunst der Stunde und holte sich seinen Laufsieg vor van der Helm. Im letzten Lauf des Tages verpatzte Klein erneut den Start und musste wiederum von Rang 7 aus nach vorne preschen. Rang 3 im Ziel war sein Lohn, doch van der Helm gewann vor Buchberger.

Damit war Maikel der glückliche Tagessieger mit 17 Punkte vor Buchberger mit 13. Auch Klein hatte 13 Punkte, doch aufgrund des besseren Abschneidens im letzten Lauf wurde der Hemmoorer auf Rang 2 und der Lokalmatador auf Rang 3 gewertet.

Hinter diesem Spitzentrio klaffte eine Lücke, denn mit 8 Punkten folgte Robert Baumann, der aber auch einen Ausfall im 2. Lauf einstecken musste. „Sie ging einfach aus“, waren die ersten Worte zum Tuner Egon Müller, doch später stellte man fest, dass ein Kabelbruch die Ursache des Ausfalles war.

Der Brite Steve Leigh verzichtete auf den letzten Start und wurde mit 4 Punkten Fünfter, gefolgt von Marc Hansen (3), Mathias Encke (2), Sven Mannott (0) und dem Reservisten Dyfed Evans bei einem Einsatz aber 0 Punkten.

Die Enduro-Klasse

Wie bei den „richtigen“ Bahnsportlern mussten hier die 14 Plätze in einem Pflichttraining ausgefahren werden. Mit dabei als bekannter Name der Szene war auch der Bruder von Christian Hülshorst Dominik. Allerdings ließ er der Konkurrenz den Vortritt und bildete das Schlusslicht in der Wertung.

An der Spitze verteidigte Thomas Hols, ebenfalls aus Lüdinghausen, seinen Erfolg von der Premiere im letzten Jahr. 3 Starts, 3 Siege und er stand wiederum glücklich auf dem Podest mit der 1. Um Rang 2 und 3 kämpften Thomas Austrup (Lüdinghausen) und Peter Rademacher (Reken). Nach 2 Läufen stand es schon 2 : 0 für Austrup und so konnte er sich im letzten Lauf ruhig Rademacher beugen, um seinen 2. Gesamtrang nicht zu verlieren.

Die 1000er

Bis zum Zeitpunkt des schlimmen Unfalles lagen die gestürzten Tolhurst / Saunders klar mit 3 Laufsiegen vor ihrer Konkurrenz. Matthew Tyrell und Shaun Yates folgten mit 11 Punkten. Paul Whitelam mit Allen Elliott schreiben 10, und John Hiscock mit Gareth Bemister, die im 2. Heat bei Sturz von Rob Wilson und Ian Whale sofort ihre Weiterfahrt abbrachen, kamen bis hierhin auf 4 Punkte, während Wilson mit seinem C-Piloten zu Beginn einen Zähler ins Ziel brachten.

Die Endwertung und die Siegerehrung blieb auf verständlichen Gründen aus. Es bleiben somit nur noch die Genesungswünsche auf die Insel bzw. nach Münster in die Uniklinik zu senden.

Die Ergebnisse

Das Schlusswort

Das Schlusswort hat heute der 1. Vorsitzende des AMSC Lüdinghausen Albert Raesfeld:

„Die Veranstaltung ist vom Sportlichen her gut gelaufen, bis natürlich auf die Unfälle. Mit den Zuschauern sind wir sehr zufrieden. Aufgrund der Witterungsverhältnisse in den Tagen zuvor können wir eigentlich zufrieden sein. Die Zusammenarbeit mit den Sportleitern hat gut geklappt und die Fahrer waren auch mit der Bahn zufrieden. Eigentlich eine gute Veranstaltung, bis auf die Unfälle eben. Der Abbruch erfolgte dann durch die Rennleitung.“