Eisspeedway GP 6 in Berlin
16.03.2008

16.03.2008 13:42:18
Der Sieger vom Vorabend Dmitri Khomitsevich
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Tag der Entscheidung

Nun ging es darum – nur noch ein einziges Rennen und die Eisspeedway Weltmeisterschaft 2008 ist schon wieder Geschichte. Die Zeichen standen bei allen auf Angriff und obwohl das Wetter nicht so mitspielte wie am Samstag, kamen noch mehr Fans ins Stadion, – nämlich 4500 – um die Entscheidung live mit zu erleben.

Was ist sein Erfolgsrezept?

Speedway.org nutzte vor dem Rennen noch kurz die Zeit, um Franz Zorn nach seinem Erfolgsrezept zu fragen.

Frage: Was ist dein Erfolgsrezept? Wie erklärst du dir das, dass du als einziger Nicht-Russe so langsam in diese Domäne eindringen kannst und die Anderen, die jahrelang fahren, den Anschluss gar nicht wirklich schaffen?

Franky: Der Anschluss ist wirklich schwierig. Das hat man schon gesehen beim Günther Bauer, in dem ersten Jahr, wo er seinen Sturz gehabt hat. Da war er wirklich nicht schlecht – also alle Achtung, das war eine riesen Leistung von ihm. Und dann im Jahr drauf hat er doch ein wenig abgebaut. Ich nehme jetzt den Günther mal daher, weil er ein guter Standart ist, vom Material und vom fahrerischen her.

Ja, es ist schwierig. Ich finde es traurig und es ist auch schade, dass da wirklich niemand ist, der den Russen die Punkte wegnehmen kann. Und dadurch wird es nun natürlich noch schwieriger. Aber man muss trotzdem 110 % geben.

Tja – Erfolgsrezept: Ich habe ein super Team, das bei jeder Scheiße hinter mir steht. Wir besprechen alles zusammen, was wir machen, was wir nicht machen. Naja, ich bin körperlich gut beisammen und das Maschinenmaterial passt auch.

Und es hat gepasst

Als Vorlaufsieger kam Zorn aus der Vorrunde und gab nur einen einzigen Zähler an Arkhipov ab, der nach 4 Durchgängen wie Zorn nun mit 11 Punkten die Wertung anführte. Der Russe lag nach dem Samstag 6 Gesamtzähler hinter Zorn, doch wollte er seine Chancen auf eine Medaille natürlich auch wahren. Ein schmerzliches Ende fand er dann allerdings am Ende der Startkurve des 17. Laufes. Ein Highsider schmiss ihm vom Bock und ließ ihn ca. 5 Meter in der Luft wirbeln, ehe er übelst auf dem Eis landete. Wie man erfahren konnte, hat er wohl mit Prellungen am Rücken und Schlüsselbein aber nach Glück gehabt, und er verließ noch am Sonntagabend auf eigene Verantwortung das Krankenhaus.

Seine 11 Zähler langten am Ende aber dennoch, um im A-Finale startberechtigt zu sein, an dem er aber logischer Weise nicht teilnehmen konnte. So gingen weitere 16 WM-Punkte auf sein Konto und das Finale wurde nur zu dritt gefahren.

Das A-Finale

Es war ein Hammerlauf – in dem Zorn zunächst mit seinem ärgsten Kontrahenten Ivanov um die Bronzemedaille um Rang 2 kämpfte. Zu diesem Zeitpunkt stand nämlich Dmitri Khomitsevich als Vizeweltmeister schon fest, egal auf welchem der 3 Plätze er ins Ziel fahren würde. Durch einen kleinen Fahrfehler ließ Khomitsevich Zorn dann wieder rankommen, was im Ziel eine Millimeterentscheidung wurde. Khomitsevich gewann hauchdünn vor Zorn und Ivanov, was nun die Konsequenz hatte, dass es wirklich noch ein Stechen gab, nachdem Zorn schon eine Ehrenrunde mit einem seiner Mechaniker fuhr.

Mit einem Abflug in die Strohballen seitens Ivanov in Führung liegend, kam die Entscheidung um Bronze so gesehen vor der Zielflagge zugunsten vorn Zorn. Der jüngere Bruder des Vorjahres-Vizeweltmeister Vitaly Khomitsevich holte mit insgesamt 50 Matchpunkten das Optimum aus den Rennen in Berlin heraus und sicherte sich – auch profitierend vom Nichtstart Arkhipovs – die Silbermedaille vorzeitig.

Vorzeitig Weltmeister

Neben der Spannung um die weiteren Platzierungen hinter Krasnikov in der Gesamtwertung ging es fast unter, dass Nikolai eigentlich mit dem 16. Lauf seinen Titel verteidigt hatte. Nach Abschluss des 4. Durchganges lag er nämlich auf den 4. Vorlaufrang und es sollte für ihn nicht schlechter als das B-Finale ausgehen. Nun gut - er machte es mit einem Sturz im letzten Vorlauf zwar noch einmal kurz spannend, aber mit der Quali für das B-Finale konnte er sich schon mal feiern lassen. Würdig beendete er mit dem Sieg im B-Finale und einer anschließenden Wheelieshow auch diese Eissaison mit der erfolgreichen und erneuten Titelverteidigung.

Weiter im B-Finale

Harald Simon war die große Überraschung dieses letzten GPs, nachdem er am Samstag noch arg gebeutelt nur im D-Finale stand. Starke 9 Punkte holte er aus der Vorrunde, in dem er sich auch nicht scheute, die Russen anzugreifen. Im B-Finale blieb er aber hinter Krasnikov und Drozdov auf Rang 3, konnte aber zumindest Zakharov hinter sich lassen, der nach einem Schlenker nur noch „spazierend“ hinterher fuhr.

Das C-Finale

Vitaly Khomitsevich führte das Fahrerfeld an, wurde aber bis auf Rang durchgereicht. Sein Auftritt am Sonntag glänzte nur mit dem letzten Durchgang, in dem 3 seiner insgesamt 4 Zähler einfuhr. Sein Landsmann Tsjajka und Svensson, der wiederum ein großartiges Rennen fuhr, überholten ihn, so dass nur Aakko hinter ihm blieb.

Das D-Finale

Beim 6. und letzten GP kamen zum ersten Mal die Reservisten zum Einsatz, die sich auch beide durch ihre eingefahrenen Laufpunkte ins D-Finale fahren konnten. Da sich Günther Bauer nach 2 Läufen nun wegen seiner Schulterprobleme abmeldete, kamen Klatovsky und Tschatschin zu ihren Einsätzen und fuhren ihre Punkte ins Ziel. Das hatte zur Folge, dass Bauer und auch Tommy Flyktman, der 5 Nuller ins Ziel brachte, keine weiteren WM-Punkte aufs Konto schreiben konnten.

Posa führte die Konkurrenz zwar an, blieb aber letztendlich auf der Gegengeraden stehen. Somit war der 60-Jährige das Schlusslicht dieser WM. Dadurch kamen Klatovsky, Tuinstra und Tschatschin in der Tageswertung je einen Platz höher und sicherten sich die letzten WM-Punkte.

Was bleibt von dieser WM?

Die Erkenntnis, dass Nikolai Krasnikov mit seinem 4. Titel in Folge der beste Eisspeedwayfahrer der Gegenwart ist, die russische Dominanz aber Dank Franky Zorn doch bezwingbar ist.

Das ErgebnisDer WM-Endstand