Int. Grasbahnrennen in Lüdinghausen
01.05.2008

01.05.2008 09:35:11
Hey Lea - heute darf der Papa vor
der Haustür ein Rennen fahren
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Eine gute Wahl

Mit der Auswahl des internationalen Solo-Fahrerfeldes hatte Werner Mushövel im Vorfeld ein mehr als glückliches Händchen, denn war es so ausgeglichen, wie selten zuvor. Dies hatte die positive Folge, dass es viele Überholvorgänge und Dauerfights bis hin zum Fotofinish gab. Mushövel erklärte auch, dass es vor Jahren Bernd Diener war, der den Vorschlag machte, nach 4 Vorlaufdurchgängen nur die besten 3 von ihnen in die Wertung vor dem Endlauf zu nehmen. Die Spannung blieb damit bis nach dem Endlauf immer garantiert – und Diener wurde fast noch Opfer seiner eigenen Idee.

Doch bevor es am Donnerstagmorgen gegen 10.00 Uhr mit dem Training auf dem Westfalenring rund ging, gab es zur Einstimmung auf dieses Event eine Zeltfete am Mittwochabend. Stadionsprecher Stephan Prante konnte den bereits den anwesenden Fans Interviews mit den Lokalmatadoren Christian Hülshorst, Jens Klein sowie Maik Domscheit und Kristoffer Loch bieten. Aber auch Paul Hurry, eigentlich ein Dauergast auf dem 1000m Oval, konnte Prante zu seinem derzeitigem Gesundheitszustand befragen, nachdem er erneut einen Bruch seines seit 2003 lädierten rechten Arm erleiden musste.

Gute Besserung weiterhin Paul

Gute Besserung kann auch Michael Pape mehr als genug gebrauchen, denn stürzte der Berliner beim 2. Ausscheidungslauf am Donnerstagmorgen kurz nach dem Start. Nach einem Aufsteiger kippte er links rüber und blieb anscheinend so unglücklich mit dem Fuss im Gespann hängen, dass dieser brach. Einen Handgelenksbruch wurde ebenfalls diagnostiziert.

Um es einmal vorweg zu nehmen, blieb dieses – bis auf einen Sturz von Jens Klein in der B-Lizenz, und einem brennenden Motorrad von Wolfgang Berger (ebenfalls B-Lizenz) – das einzige Makel, was von einem perfekten Renntag absah.

Eine große Ehre war es für den AMSC Vorsitzenden Albert Raesfeld, den im letzten Jahr so schwer in der 1000er Gespannklasse verunglückten Duncan Tolhurst und seinen Beifahrer Terry Saunders in Deutsch und Englisch begrüßen zu dürfen. Mit einem riesigem Genesungsapplaus wurden die beiden auf einer Ehrenrunde den Fans präsentiert.

Weitere ehemalige und auch noch Aktive wurden weiterhin gesichtet: Josef Onderka und Robert Heim, die in der Gespannklasse als Mechaniker fungierten, Matt Read unterstützte wieder Glen Phillips, Egon Müller kümmerte sich um seine Jungs, Eiscowboy Stefan Pletschacher kam erneut mit Manfred Knappe, und Robert Barth machte den rasenden Reporter und komplettierte das perfekte Sprecherduo zu Stephan Prante.

3 Debütanten in der int. Lizenz

Aus England reiste Richard Smith an und gestand im Vorfeld, dass er noch nie eine so lange Bahn gefahren sei. Mit Barth kam auch Richard Speiser, der lange schauen musste, bis er die erste Kurve vom Fahrerlagertor aus sah. Doch im Laufe der Fahrten auf diesen 1000m gefiel es ihm immer besser. Das Debütanten-Trio komplettierte Sönke Petersen, der allerdings am Abend zuvor noch bei einem Ligarennen in Dänemark mit Antonio Lindbäck stürzte und neben Ramon Stanek um den letzten freien Platz einen Ausscheidungslauf gegen seinen Kumpel Ramon Stanek fahren musste. Petersen unterlag allerdings und hatte nach dem NBM-Lauf später als Reservist keinen Einsatz mehr.

NBM und Bahnrekord

Den Auftakt der 24 Heats machten die 8 NBM-Teilnehmer, die diesen Lauf als einziges über 4 Runden fahren mussten. Bernd Diener gewann hier klar vor Enrico Jansochka und Jörg Tebbe. Er war dabei mit 123,92 km/h sogar noch einen Wimpernschlag schneller, als der Bahnrekordsieger Daniel Rath, der mit 123,88 km/h die fliegende Runde absolvierte. Die Ursache lag einfach darin, dass es im Kampf Mann gegen Lichtschranke zu regnen begann. Doch nach Ende dieses Wettbewerbes kam die Sonne wieder zurück und blieb weit bis übers Rennende hinaus.

Die Vorrunde

Mit 4 reinen Laufsiegen führte Diener klar die Konkurrenz mit 20 Punkten vor Dirk Fabriek mit 16 Zählern an. Glen Phillips, Jörg Tebbe und Enrico Janoschka folgten mit 15, 14 und 12 Punkten. Nach der Regelung mit der Streichung des schlechtesten Vorlaufes sah es allerdings ganz anders vor dem Finale aus.

Da der gut aufgelegte Tebbe im 2. Lauf eine komplette Nullrunde einfuhr, fand er sich nun hinter Diener (15) mit 14 Punkten noch vor Fabriek (13) sowie Phillips und Janoschka (beide 12) auf dem 2. Vorlaufrang wieder. Erik Eijbergen und auch Daniel Rath, die mit 8 und 7 Punkten in die letzten 3 Runden des Tages ins Rennen gingen, hatten keine Chance mehr auf einen Podestplatz.

Ausgerechnet der Start des Finals gelang bei Diener überhaupt nicht und er bog nur im Mittelfeld in die erste Ecke ein. Bis auf Rang 2 kämpfte sich Oldie Diener vor, wusste aber auch, dass mit dem Finalsieg des vor ihm fahrenden Fabriek sein Tagessieg nicht gefährdet ist. Tebbe sicherte sich dahinter Rang 3 in der Gesamtwertung klar vor Phillips, Janoschka Eijbergen und Rath, die auch in dieser Reihenfolge das Ziel erreichten.

Lokalmatador Christian Hülshorst verpasste als Erster das Finale nur aufgrund der schlechteren Majorität gegenüber Rath äußerst knapp. Barth-Schützling Speiser brillierte derweil im 2. Durchgang, als er überraschend Rang 2 ins Ziel brachte. Smith kämpfte von allen Fahren wohl am meisten, denn fuhr er sich in die meisten Zweikämpfe, bei denen er aber den erfahrerenen Westfalenring-Piloten den Vortritt lassen musste. Jannick de Jong konnte sich seinen schlechten Auftritt nicht erklären und landete auf vor Manfred Knappe sowie Benny Hegener und Ramon Stanek, die beide zum keinen Zeitpunkt des Rennens in den Punkten fuhren.

Die Gespannklasse

Nach dem Trainingsunfall von Pape blieben Peter Albrecht und Jasmin Staudacher als einzige auf dem Reservistenplatz übrig. Während jeweils 6 Teams in die insgesamt 4 Vorläufe gingen, schauten sie alle Rennen vom Fahrerlager aus an. Auch sie mussten erkennen, dass die Matthijssens eine Klasse für sich waren. Zu keinem Zeitpunkt des Rennens hatte auch nur ein Gespannteam die Chance, ihnen annähernd das Wasser zu reichen. Klar, dass sie mit 5 Laufsiegen ungeschlagen auf dem obersten Podest standen.

Als einzige konnten – bei der Pause der Niederländer – Markus Venus und Florian Niedermeier einen Laufsieg einfahren. Am Ende landeten sie aber mit 4 Zählern weniger auf dem Konto auf Rang 2, mussten aber im 2. Lauf einen Turbogang einlegen, um noch in die Punkte zu kommen, nachdem sie sich am Start etwas eingruben. Punktgleich nach Ende des Finals lagen Raymond de Rooy und Sandra Mollema sowie Shaun Harvey mit Danny Hogg mit 12 Zählern in der Wertung. Doch aufgrund des besseren Abschneidens im Finale durften die Niederländer mit aufs Podest.

Die B-Lizenz-Aufsteiger Stefan und Sebastian Steigerwald schieden nach 7 Vorlaufpunkten im Finale durch technischen Defekts aus. Sie rangierten somit auf Rang 5 vor den norddeutschen Aufsteigern aus der B-Lizenz Arne Friskovec und Jan Martin Wagner, die als letztes im Finale standen. Für Mark Detz und Linda Vijfschaft sowie den Lokalheros Domscheit / Loch, die die Sonderreglung der B-Lizenz wahr nahmen, belegten die letzten Plätze.

Beide Teams hatten aber auch etwas Pech, denn verfuhr sich Detz im 2. Durchgang ausgangs der Zielkurve der 2. Runde so extrem, dass er innen an der Startmaschine und nur um Zentimeter an dem Maschendrahtzaun im Innenfeld vorbeischlitterte, ehe er den Weg zurück auf die Strecke wieder fand. Schiedsrichter Alfons Sagemüller sprach ihm zwar die Disqualifikation für diesen Lauf aus, doch passierte dieser Fahrfehler eh auf dem letzten Platz.

Die Lüdinghauser, die im letzten Jahr nicht über die erste Rennkurve hinauskamen, mussten anerkennen, dass die Konkurrenz aus der internationalen Klasse doch noch eine Nummer zu hoch ist. Ein Zahnriemenriss im 1. Durchgang kam noch hinzu, und auch wenn sie ihren Wunsch, den ein oder anderen Gegner etwas ärgern zu können, nicht erfüllen konnten, kamen sie dieses Mal komplett durch die ganze Rennserie.

Die Ausländer dominierten

Das 17-Mann starke Fahrerfeld zur Trainingssession der B-Lizenz wurde nach dem Training zum Rennen hin ordentlich durchgesiebt, so dass die 8+2 Trainingsschnellsten am Nachmittag mit von der Partie waren. Kompliment hier für Stephan Diener, der nach einigen Trainingseinheiten in Berghaupten, nun an seinem 1. Langbahnrennen teilnahm. Diener? Berghaupten? Ja richtig, Stephan ist der Neffe von Bernd Diener und der Schwager von Jörg Tebbe und erhielt kurzfristig einen Start. Chapeau vor ihm, denn, obwohl er noch etwas an seinem Fahrstil feilen muss, schaffte er es als Zehnter, zumindest einen Reserveplatz erfahren zu haben.

Die Konkurrenz aus England und Holland war für die deutschen Fahrer insgesamt gesehen aber zu stark. Vor allem, nachdem Lokalmatador Klein im 2. Lauf an 2. Stelle liegend in der Zielkurve auf einem glatten Abschnitt stürzte. Leicht benommen nahm er zwar noch an den 2 letzten Läufen teil, war hier aber nur ein Schatten seiner selbst.

Der Kampf um die Podestplätze wurde ebenfalls dadurch etwas dezimiert, nachdem Berry de Vos am Start des 2. Heats mit seinem Hinterrad in der Rille stecken blieb, was sogar einen Achsenbruch hervor brachte. Er gehörte am Ende des Tages zwar zu den Top 4, doch aufs Podest kletterten Darren Pugh, Vorjahressieger Maikel van der Helm und Gareth Hickmott, der sich erst 3 Wochen zuvor 3 Rippen brach.

Bester deutscher wurde Mathias Encke mit 4 Punkten vor Klein, Ulrich Büschke (beide 1) sowie Marc Hansen und Wolfgang Berger (beide 0). Reservist Hansen kam im letzten Durchgang unverhofft zum Zuge, da Berger vor dem Startband das Motorrad fast abfackelte.

Nur kurze Zeit zuvor berichtete Barth aus Herxheim, dass Stephan Katts Motorrad während eines Laufes zu brennen begann und nun musste auch in Lüdinghausen der Feuerlöscher zum Einsatz kommen.

Nach dem Rennen

Nach dem Rennen erklärte Klein dann noch, dass er nach einem Besuch beim Rennarzt doch noch das Krankenhaus aufsuchen sollte, da ihm am rechten Ellenbogen eine Beule wuchs. Entwarnung gab er dann am späten Abend per SMS: „Ich habe nur Prellungen und im Ellenbogen ist ein Gefäß geplatzt. Ist aber nicht schlimm, das bildet sich alleine zurück.“

Auch wenn Jensemann noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen ist, wird dieses Rennen zunächst eines seiner Letzten gewesen sein, denn muss er sich wegen einer anderen gesundheitlichen Geschichte ins Krankenhaus begeben und fängt obendrein eine 2-jährige Umschulung an, auf die er sich nun erst einmal konzentrieren möchte.

Die Enduroklasse

Wie schon in den letzten Jahren durften auch wieder einige Hobbyfahrer mit ihren Crossern das Oval unsicher machen. Aus 2 Reihen gingen sie in 4 Heats in die Wertung, dessen besten mit Thomas Hols, Markus Plesker und Jens Althoff am Abend bei der Siegerehrung auf dem Podest standen.

Die Ergebnisse