Interview mit Tommy Stange und Max Dilger

Von Manuel Wüst

Mit 16 und 20 Jahren zählen Max Dilger und Thomas “Tommy“ Stange zu den jüngeren Speedwayfahrern in Deutschland. Doch das hindert sie nicht daran, zur deutschen Spitze zu gehören. Gemeinsam haben die beiden in diesem Jahr mit ihrem Verein dem MSC Diedenbergen den Mannschaftspokal sowie die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft gewinnen können. Beide haben sich auch bei den Speedwayrennen in Herxheim bereits einen Namen gemacht und avancierten schnell zu den Publikumslieblingen bei den Rennen.
Manuel Wüst hat sich mit beiden über ihren Sport, die abgelaufene Saison und die Zukunft unterhalten.

 

Foto: Jörg Gaedtke

Tommy, du warst in diesem Jahr erstmals für ein U21 Weltfinale qualifiziert, was für dich ja auch einer der größten Erfolge deiner bisherigen Karriere ist. Durch starken Regen war ein normales Rennen auf der total aufgeweichten nassen Bahn nicht möglich. Bist du sehr enttäuscht?

Tommy: Das ein Weltfinale unter solchen Umständen gestartet wurde, war einfach lächerlich. Es war fast unmöglich auf dieser Bahn zu fahren. Die Krönung war dann, das nach 12 Läufen der Weltmeister unter den punktgleichen Fahrern gelost wurde. Ich bin enttäuscht, dass ich nicht zeigen konnte, was ich kann, denn ich war gut drauf zu dem Zeitpunkt, aber auf der Bahn ging nichts. Es war einfach zu nass. Ich hoffe nun auf nächstes Jahr.

Du warst ebenfalls in diesem Jahr Mitglied der jüngsten deutschen Nationalmannschaft aller Zeiten, die sich sensationell für die Endrunde der besten 8 zur Team WM qualifiziert hat. Das Abschneiden mit 5 Punkten war dann gegen übermächtige Gegner fast vorprogrammiert. Fehlte evtl. ein “alter Hase“?

Tommy: Ich denke, das hätte nichts geändert. Wir hatten ein gutes Team, aber wirklich übermächtige Gegner. Die hatten einfach einen Riesenvorteil gegenüber uns, was das Maschinensetup und die Erfahrung betrifft. Am Anfang des Rennens waren wir sicherlich auch nervös, da wir gegen Gegner wie den inzwischen sechsfachen Weltmeister Tony Rickardsson am Band standen. Gegen Ende des Rennens konnten wir dann aber schon ganz gut mithalten. Ich persönlich hatte im Training ein richtig gutes Gefühl, da ich ziemlich schnell unterwegs war. Zu Beginn des Rennens hatte ich dann zuviel Respekt.

Max, mit Martin Smolinski, Christian Hefenbrock und Co treten starke Fahrer aus dem U21 Bereich ab, da sie die Altersgrenze überschreiten. Mit dir und unter anderem Kevin Wölbert stehen junge erfolgshungrige Fahrer bereit. Traust du dir zu, in diese großen Fußstapfen zu treten?

Max : Es gibt momentan viele U21 Fahrer, die die Change haben, in die Fußstapfen der großen zu treten. Nur bis wir so weit sind, wird es noch ein paar Jahre dauern. Aber Natürlich versuchen wir so schnell wie möglich, diese Lücke zu schließen.

 
     

Ihr startet in der 1. und 2. Bundesliga für den MSC Diedenbergen, ihr seid befreundet und auch oft gemeinsam auf den Rennbahnen unterwegs. Wie ist es in den Einzelwettbewerben? Nehmt ihr Rücksicht aufeinander oder ist es dann nur noch der Gegner auf der Bahn?

Max: Wir Verstehen uns wirklich gut. In meiner ersten Saison hatte ich große Unterstützung durch die Familie Stange und in den Teamwettbewerben halten wir auch immer zusammen. Aber ein Rennen ist ein Rennen und dort hat man keine Freunde. Man muss vor jedem Fahrer Respekt haben und jedem die Luft zum Überleben lassen.

Tommy: Das geht ja nicht… Auf der Bahn hat man keine Freunde, egal gegen wen es geht.

Woche für Woche seid ihr auf Europas Speedwaybahnen unterwegs. Nun, da sich die Saison dem Ende neigt, was machen Speedwayfahrer im Winter? Wisst ihr überhaupt, was ihr machen sollt an den rennfreien Wochenenden??

Max: Man Redet immer von einem langen Winter. Nur so lange ist der eigentlich gar nicht. Im Winter wird bei uns das neue Material zusammengebaut und alles für die kommende Saison vorbereitet. Natürlich ist auch die eigene Fitness sehr wichtig und deshalb wird im Winter wieder ein hartes Fitnessprogramm durchgezogen. Und in der übrigen Zeit fahre ich ab und zu noch Snowboard.

Tommy: Ich werde mich erstmal um meine Freundin kümmern, dann kommt natürlich ein Fitnesstraining dazu und eventuell möchte ich bei der Bundeswehr eine Offizierslaufbahn anstreben.

Was sind eure Ziele für 2006 und die Zukunft?

Max: Natürlich will Ich mich wieder etwas verbessern. Ich will versuchen, bei internationalen Veranstaltungen so viele Erfahrungen zu sammeln wie nur möglich. Und hoffe natürlich mein Ergebnis von der diesjährigen U 21 DM zu toppen.

Tommy: Für mich ganz klar die U21 WM. Ich müsste vom Reglement her noch mal teilnehmen dürfen und will mich natürlich qualifizieren. Ich war sehr schnell bei den Trainings und dann fällt in diesem Jahr das Rennen aus. Ich will zeigen was ich kann.

Wissen eigentlich deine Freunde in der Schule was du für einen Sport betreibst und wie ist die Resonanz?

Max: Sie wissen es schon, dass ich so einen Sport betreibe. Den meisten ist es aber egal. Ab und zu kommt auch mal einer vorbei, wenn ich gerade meine Motorräder putze.

Tommy, du fährst seit diesem Jahr in der britischen Premiere League für die Kings Lynn Stars, für die auch schon Sirg Schützbach und Steffen Mell gefahren sind. Wie kam der Kontakt nach England zustande?

Tommy: Speziell durch meine konstanten Leistungen bei den Prädikatsrennen wurden die Promoter in England auf mich aufmerksam. Kings Lynn bot mir an, einige Rennen zu fahren und nahm mich unter Vertrag. Wie es im kommenden Jahr aussieht, muss man abwarten.

Tommy fährt ja seit Mitte des Jahres in der britischen Premiere League, ist England für dich auch ein Ziel? Was planst du nach der Schule?

Max: Ich beende nächstes Jahr die Schule und fange dann eine Ausbildung an. Und wenn ich diese beendet habe, dann ist England oder eine andere ausländische Liga ein Thema für mich.

Tommy, wirst du, wie in diesem Jahr, in 2006 wieder Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr sein?

Tommy: Ich hoffe es schon. Das hängt jedoch vom DMSB und der Bundeswehr ab. Ich hatte den Vorteil, mich das ganze Jahr über auf meinen Sport konzentrieren zu können und musste mich nur legendlich bei der Bundeswehr melden.

Wie viele Rennen seid ihr dieses Jahr gefahren, wie zufrieden wart ihr mit eurer Leistung über die gesamte Saison?

Max: Ich bin ca. 25 Rennen gefahren. Mit meiner Leistung konnte ich in dieser Saison zufrieden sein. Ich denke, dass ich in diesem Jahr eine konstante Leistung gezeigt habe. Durch die Starts in der 1. Bundesliga, der U 19 EM und anderen internationalen Rennen konnte ich viele Erfahrungen sammeln. Ich hoffe natürlich auch, in der Saison 2006 bei solchen Veranstaltungen mit am Start zu sein.

Tommy: Ich hatte in diesem Jahr 40 Rennen. Jedoch sind mir 2 Monate in England ausgefallen, ansonsten wären es circa 15 Rennen mehr gewesen.

Tommy, du bist viel auf internationalen Bahnen unterwegs, auch durch die Rennen in England konntest du neue Erfahrungen sammeln. Wo liegen die Unterschiede? Was haben euch die Fahrer im Ausland voraus?

Tommy: Es ist überwiegend die Erfahrung auf den Bahnen und das Gefühl und die Erfahrung für das richtige Set up. In Deutschland erfährt man von erfahrenen Fahrern selten etwas über das richtige Set up für die Bahn oder die Wetterbedingungen. In England kam nach meinem zweiten Rennen Tomas Topinka, der schon lang für Kings Lynn startet, auf mich zu, schnappte sich mein Motorrad, drehte einige Runden und stellte fest, dass ich mich im Set up total vergriffen hatte. Wir änderten Bedüsung, Vergaser, Übersetzung und so weiter und dann ging es schon besser. Das ist ein ganz anderer Zusammenhalt. In Deutschland macht jeder seinen Trott Woche für Woche und irgendwann, wenn es nicht läuft, beginnt man an sich selbst zu zweifeln. Das haben uns die starken Nationen wie Polen, England oder Dänemark voraus. Da lernen die Jungen das alles von den Alten, wobei wir eher Einzelkämpfer sind.

Was fehlt dem Speedwaysport in Deutschland um an Popularität zu gewinnen?

Max: Wahrscheinlich ein Weltmeister... Aber bis diese Zeiten kommen, dauert es noch zu lange. Man müsste versuchen, den Speedwaysport ins Fernsehen zu bringen. Und man müsste mehr für die Vermarktung und Präsentation in der Öffentlichkeit tun. Ebenfalls sollte man mehr Showeinlagen dazunehmen.

Tommy: Es müsste mal wieder ein Deutscher in die absolute Weltspitze eindringen und was erreichen, ähnlich wie beim Skispringen mit Martin Schmitt und Sven Hannawald. Martin Smolinski ist da auf einem super Weg und auch ich hoffe, meinen Weg machen zu können.

Du bist bisher seid deiner Zeit in den Schülerklassen nur Speedway gefahren, sieht man dich irgendwann mal auch auf der Langbahn?

Max: Ich werde vorerst auf der Speedwaybahn bleiben. Zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen will ich im Speedwaysport so weit wie möglich kommen. Falls ich aber nicht mehr weiter komme, bin ich nicht abgeneigt, einmal auf die Langbahn zu wechseln.

Tommy, wie sieht es bei dir mit der Langbahn aus?

Tommy: Im Moment nicht, eventuell irgendwann mal. Aber im Moment will ich mich auf Speedway konzentrieren.

In Berghaupten und Herxheim wurden neue Speedwaybahnen gebaut, speziell beim U21 DM Rennen in Herxheim wurde toller Speedwaysport gezeigt. Wie bewertest du die Rennen der "Langbahnveranstalter" auf den Speedwaybahnen?

Max: Die beiden Vereine haben in den letzten Jahren sehr hart gearbeitet, und ich denke, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Auf beiden Bahnen haben wir super Sport gesehen. Und wir können froh sein, dass es noch solche Vereine gibt, die so einen Schritt gehen, um die Junioren nach vorne zu bringen.

Tommy: Die Veranstaltungen sind gut aufgezogen, die Bahnen sind ziemlich klein und recht gut. Es sind wieder neue Veranstalter da, was positiv ist.

Max, du hast die Qualifikationsrunde zur U21 DM dominiert und auch die Wertung gewonnen, beim Finale in Berghaupten kam für dich dann Platz 3 heraus. Wie zufrieden warst du mit deinem Abschneiden?

Max: Ich wollte unter die ersten 8. Das Feld das die U21 DM in diesem Jahr vorweisen konnte, war so ausgeglichen wie noch nie. Ich habe vor dem Rennen gesagt das 10 Fahrer den Titel holen könnten. Das ich auf Platz 3 gefahren bin, war für mich mehr als überraschend. Das ganze Team hat an diesem Abend eine super Leistung gebracht. Ohne dieses Team wäre es vielleicht anders ausgegangen.

Tommy: Ich hatte mir mehr vorgenommen. Das Problem bei dem Rennen war, dass derjenige, der den Start gewonnen hat, vorne war. Überholen war fast unmöglich. Ich war von der Geschwindigkeit her richtig schnell jedoch bin ich regelrecht auf die Gegner aufgefahren, da es verdammt schwer, war auf der Bahn zu überholen. Ich bin dann noch zweimal gestürzt und am Ende war ich Zehnter.