Thomas Grundler – bestens bekannt als unser „deutscher Kontaktmann in Frankreich“, so wie ich es immer sage – ist ein Tausendsassa in Sachen Motorsport. Aktiv als Bahnfahrer war er in der Vergangenheit mit Andy Müller 1991-1992 sowie als Aushilfe bei Jürgen Michel im Gespanngeschäft unterwegs, ehe er 1993 mit Tommy Kunert seine Runden drehte. Aber auch mit 4 Rädern ist der gebürtige Hesse erfolgreich unterwegs gewesen, bevor es ihn dann irgendwann in den Süden Frankreichs verschlagen hat. Frage: Thomas, seit fast 6 Jahren wohnst du bereits in Südfrankreich und bist vor allem den deutschen Akteuren bei den französischen Rennen immer eine sehr große Hilfe, gerade wenn es auch um die Kommunikation geht. Viele Freundschaften haben sich seitdem entwickelt. Was war damals dein Beweggrund, Deutschland den Rücken zu kehren? Thomas: Als junger Bursche verbrachte ich schon immer meinen Urlaub in Süd-Frankreich mit meinen Eltern. Aber der eigentliche Grund heißt Beate, meine Frau. Durch die Verbindung zu dem ehemaligen Gespannteam und Brüdern Sambarrey, die auch unsere Trauzeugen sind, haben wir mehrmals Urlaub bei ihnen gemacht. Eines Tages sagte meine Frau: „Lass uns doch hier leben“. Ich antwortete ihr: „Du bist verrückt, wir sprechen kaum die Sprache und haben keine Arbeit“. Es dauerte dann noch mal fast zwei Jahre, bis sie mich überzeugte Deutschland den Rücken zu kehren. Und bis auf Kleinigkeiten haben wir diesen Schritt auch nicht bereut. Für unsere Kinder ist es ideal. Man muss sicher die beruflichen Perspektiven in Frankreich etwas einschränken, aber die Lebensqualität ist klasse. Frage: Wie bist du damals überhaupt zum Bahnsport gekommen? Thomas: Hier muss ich weit ausholen: Am Tag meiner Geburt 13.05.1964 kaufte sich mein Vater ein Gespann und somit schleppten meine Eltern mich schon als Baby mit zu den Rennen. Mein Vater war sowohl im Starren als im Schwenker recht erfolgreich unterwegs. Sein erster Beifahrer war der Bruder meiner Mutter (Philipp Abrell), leider kam er bei einem Rennen mit meinem Vater 1964 in Kirchhain ums Leben. Sein nächster Beifahrer war der sicher immer noch sehr bekannte Fritz Weil, der damals noch so jung war, dass er noch die Unterschrift seiner Eltern brauchte, um überhaupt mit meinem Vater fahren zu dürfen. Fritz zählte lange Jahre als einer der besten Schwenker-Beifahrer. 1967 bis 1969 fuhr dann Rudolf Karmasch mit ihm unterwegs. Horst Bund, bekannt durch seine legendäre „Münch Mammut“ stand bei einem Rennen ohne Beifahrer da und fragte meinen Vater ob, er sich nicht reinsetzen wolle. Nach langen hin und her schließlich - mein Vater war Fahrer und nicht Beifahrer - stieg er ein und es kam was kommen musste: er brach sich den Fuß so kompliziert, dass er 2 Jahre außer Gefecht war. Er fuhr danach noch einige Rennen und hörte dann ganz auf. Jahrelang waren wir daraufhin nur noch sehr wenig bei einzelnen Rennen als Zuschauer zu gegen - meistens in Diedenbergen - bevor wir 1990 ein Rennen in Neuenhasslau besuchten. Und wieder kam nach über 20 Jahren Horst Bund ins Spiel. Er fuhr immer noch Rennen, und zwar mit einem Honda Gespann. Horst sah mich und sagte einfach ganz trocken: „Was wiegst du?“ Ich antwortete: „Na ja so um die 64 Kilo. Warum?“ „Ideal! Mein Bruder fährt ebenfalls auf einer Honda hat aber keinen Beifahrer und du hast die Idealmaße“. Ich sagte zu meinem Vater: „Der spinnt“, denn bis auf ein wenig Motocross hatte ich überhaupt keine Erfahrung, schon gar nicht als Beifahrer. Mein Vater meinte zu mir: „Probiere es halt mal aus“. Gesagt – getan! Wir kauften eine Tageslizens, aber was dann kam, war abenteuerlich. Sie steckten mich in einen uralten roten Lederkombi mit dem ich aussah wie René Weller, vorne ne Beule und hinten keinen Hintern. Das Teil war so eng, dass ich nicht mal einen Protektor anziehen konnte. Für den Staub gab es natürlich ein hübsches rotes Halstuch und der Helm war so groß, dass er mir immer nach vorne vor die Augen kippte. Es folgte noch eine kurze Einweisung und los ging's zum freien Training. Als wir mit der Honda die Gerade volles Rohr in Angriff nahmen, sah ich Bande und Kurve auf mich zukommen. In Bruchteilen von Sekunden sagte ich mir: „Oh Gott, das wird übel ausgehen“. Ich hatte dermaßen Schiss, dass ich dachte, ich mache mir in die Hose. Aber wie gesagt, bei dem Kombi wäre ja weder vorne noch hinten was rausgekommen. Nach dem Training sagte man mir: “Na also, geht doch“. Mit schlotternden Knien empfand ich dies als Lob und war froh, dass es vorbei war - für den Samstag, denn es folgte ja noch das Rennen am Sonntag. Mit einer kaum an Schlaf zu denkenden Nacht reisten wir am Sonntag zum Rennen. Dort fielen wir aber schon im ersten Lauf aus, und mein Einstand war beendet. ( Für damals Gott sei Dank.) 1990 lernte ich Andy Müller kennen, der 1991 in die A Lizenz ging und keinen Beifahrer mehr hatte. Andy kaufte für die A Lizenz das gesamte Material von Hans Bollinger. Ich fuhr dann bis 1992 mit ihm. 1993 ging es mit schon etwas mehr Erfahrung zu Tommy Kunert ins Boot. Leider aber nur für vier Rennen. Ich verletzte mich in Mühldorf am Knie. Ich erinnere mich noch, wie Josef Onderka und Ewald Heim mein Knie sahen und zu mir meinten, ich hätte einen Vogel, so einzusteigen. Auf der Kniescheibe war keine Haut mehr und der Eiter lief herunter. Ich dachte, dass es schon geht und verband es notdürftig. Wir wurden in einem super Rennen Zweiter, und eine Woche später ging es zum nächsten Rennen. Die Verletzung wurde immer schmerzhafter und es ging nicht mehr. Persönliche und private Rückschläge zwangen mich dann zur Aufgabe. Noch heute bedaure ich diesen Schritt, zumal Tommy in Homberg Ohm ohne Beifahrer da stand, und ich an diesem Wochenende aus Frust in den alleinigen Urlaub in die Karibik düste. Ich bin froh, dass Tommy und ich uns noch heute immer wieder freuen, wenn wir uns sehen. Frage: Was waren deine persönlichen Highlights im Bahnsport? Thomas: Schwer zu sagen, aber ich denke, der 5 Platz in SBM Wertung im ersten Jahr A-Lizenz war nicht schlecht. Sicher aber der Sieg in Diessen am Ammersee. Und ganz sicher der Zweikampf Rad an Rad mit Josef Onderka in Mühldorf. Nicht zu vergessen die Demorunden im Gespann bei der Eis WM in Frankfurt vor 10.000 Zuschauern. Frage: Du warst selber aber auch in der Kartszene und im Renault elf Cup unterwegs. Was war zuerst? Der Bahnsport oder der Automobilsport? Thomas: Der Bahnsport Frage: Was war der Anlass, sich auch auf 4 Rädern zu versuchen? Thomas: Ich wollte unbedingt wissen, wie es ist, in einem Rennwagen ans Limit zu gehen. Ich war der Meinung, in einem 45 Fahrer starken Feld, wie beim Renault elf Cup, nicht Letzter zu werden. Schon als kleiner Junge bewegte ich alles, was irgendwie Räder hatte und driftete durch die Gegend. Frage: Welche Erfolge konntest du hier feiern? Thomas: Im Kart war es der 5 Platz bei der Kartmeisterschaft in der Formel ICC 125 ccm (übrigens eine echte Rakete so ein Schaltkart) sowie 2-maliger Sieger bei den 24 Stunden von Radeburg, Und Gewinner des Renault elf Kart Cups. Im Renault elf Cup mein dritter Platz bei der Quali im holländischem Zandfoort. Beim ersten Rennen auf der Superstrecke im Belgischen SPA der 19. Platz. Ansonsten befand ich mich immer im guten Mittelfeld. In Frankreich bin ich dann noch Kartcross gefahren. Diese Fahrzeuge werden meistens mit 500 ccm Honda Motoren aus dem Straßensport angetrieben. Am Anfang lachten meine Gegner, ein Deutscher und aus dem Automobilsport, na der kann sich warm anziehen. Leider hatten meine Kollegen etwas vergessen: ich kam vom Bahnsport und konnte mit Staub und Härte umgehen. Als ich den Führenden - war zwar nicht sehr fein - in den Reifenstapel schickte und dann auch noch Vierter in Loupiac wurde, hat keiner mehr gelacht. Frage: Gibt es noch weitere versteckte Talente von dir, von denen wir überhaupt nichts wissen? Thomas: Ich spiele wieder Fußball. Fußball war über 25 Jahre meine große Leidenschaft, und nach 7 Jahren der Abstinenz spiele ich seit September 2006 wieder aktiv. (Tut meiner Figur auch sehr gut) Ansonsten Wasserski! Gerd Riss und die Bachers sind schon bei uns über den See gefegt, wobei der Gerd echt ein Profi ist. 2005 fing ich dann noch mit dem Fliegen an. 4-sitzige DR 400 darf ich schon alleine fliegen, bin aber leider aus Zeit und Kostengründen noch nicht ganz fertig. Das einzige, was ich immer noch mal machen wollte, ist Speedway-Kart zu fahren, aber bisher hat sich diese Möglichkeit noch nicht geboten. Du bist, wie eingangs schon erwähnt, ein sehr wichtiger Mann, gerade für uns Deutschen auf den französischen Rennplätzen. Gerade ich persönlich belagere und bombardiere dich mit Fragen und Bitten, und das nicht nur, wenn ich selber auf den Rennen in Frankreich verweile, sondern auch zwischen den Rennen per Mail. (Dafür noch einmal ein großes Dankeschön). Frage: Du hast dich nun im Laufe der Jahre stets auf der passiven Seite des Sports auch weiter entwickelt. Du bist Rennleiter, fungierst als Schiedsrichter und begleitest deine jetzigen Landsmänner als FFM-Delegierter fast immer zu den Prädikatsrennen in deine alte Heimat oder auch nach Holland. Was war /ist schwieriger? Die Zeit als aktiver Sportler? Oder die Funktion als Organisator / Rennleiter etc.? Thomas: Das Dankeschön geht an dich zurück, denn eins ist klar: ohne dich und deine Berichte und die viele Arbeit, die du investierst, würde dem Bahnsport ein erheblicher Bestandteil der Kommunikation, Presse und Berichterstattung fehlen. Ottie: Danke dir für dieses tolle Lob!!! |
Thomas Grundler 2006 Der Rückblick
1965 mit der Mutter im Fahrerlager
Papa Grundler in Mainaschaft 1966 mit Beifahrer Fritz Weil und Helfer Harald Weigeld 1966
Endlauf der Hessenmeisterschaft in Bad Vilbel 1968 mit Beifahrer Rudolf Kormasch
1991 - 192 Beifahrer von Andy Müller
Mit Andy Müller 1991 in Bad Hersfeld
1993 mit Tommy Kunert
1993 Siegerehrung in Mühldorf mit Kunert, Onderka/Feigl
und den Gebr. Heim
Finale Kartmeisterschaft 1999
Renault elf Cup
Action im Renault elf Cup
Foto: Daniel Celvien
Euro Race 2001 in Spa
Kartcross in Loupiac / F
WM-Finale in Vechta 2006. Thomas als Delegierter und die FFM-Rider
Leben wie Gott in Frankreich |
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Thomas weiter: Zu meiner aktiven Zeit hätte ich meine heutigen Funktionen sicher nicht ausüben können. Zum einen fehlte mir jegliche Erfahrung und zum anderen habe ich mich auch menschlich extrem verändert. Früher war ich bei den Rennen zu aggressiv in meiner Wortwahl und außerdem legte ich mich mit jedem an, der mir irgendwie auf den Keks ging. Es ist kaum zu glauben, dass ich mal so gewesen bin, aber man entwickelt sich ja auch weiter. Ausschlaggebend waren sicher meine beruflichen erworbenen Kenntnisse in diversen Führungspositionen, die mir heute auf der eher diplomatischen Ebene zu Gute kommen. Das heißt allerdings nicht, dass ich nicht mehr meine Meinung sage. Glaube mir, in Frankreich tun sich einige Leute schwer damit, wenn ich versuche, um die Belange der Fahrer zu kämpfen. Dass ich aber sehr gut integriert und als Deutscher für meine Arbeit im Bahnsport respektiert werde, zeigt alleine schon die Tatsache, wie viele verantwortungsvolle Funktionen mir übertragen werden. Besonders stolz bin ich aber, dass man mir vertraut, denn stellt euch mal vor, ich bin in Deutschland geboren und leite Rennen in Frankreich, und das auch noch bei einer WM. Frage: Und was macht mehr Spass? Thomas: Als junger Kerl sicher die aktive Zeit, es juckt auch manchmal noch, so wie 2006, als ich mit Laurent Sambarrey beim Speedwaytraining gefahren bin. Wir sind beide nach 10 Jahren, ohne einmal gefahren zu sein, bei den Rennläufen in Lamothe immer als Erster über die Linie gefahren. Das war für unsere Kollegen vielleicht deprimierend. Ich habe auch immer wieder Anfragen von Fahrern, ob ich nicht einsteigen wolle, aber ich glaube eher nicht mehr. Außer beim Training, wenn es wieder sticht. Ansonsten denke ich kann ich heute mehr bewegen. Es ist zwar immer noch schwierig, in veraltete Systeme einzutauchen und diese verändern zu wollen, aber es bewegt sich langsam was, zumindest bei uns. Übrigens: der Robert Barth hat schon Recht mit seinem Interview in der BSA. Ein Vorreiter ist bei uns Christian Bouin. Wir haben erstmals 2007 eine französische Speedwaymeisterschaft sowie die französische Meisterschaft "Trophée de Hypodrome" auf Pferderennbahnen in Nordfrankreich (1100 bis 1300 Meter Langbahnen), aber es ist noch viel zu tun im Bahnsport. Deshalb macht es mir zurzeit mehr Spaß, aktiv in der Gegenwart und für die Zukunft des Bahnsportes mitzuwirken. Und außerdem habe ich heute dadurch mehr Kontakte und vor allem Freunde gefunden, die ihr Herz dem Bahnsport widmen. Frage: Dass der Bahnsport auch über die Grenzen hinaus verbindet, brauchen wir uns gegenseitig nicht zu erzählen. Wie sehr leidest du also bei einem Rennen, wenn deine französischen Freunde gegen deine deutschen Freunde auf der Bahn gegeneinander antreten? Thomas: Herzrasen. Ich bin immer hin und her gerissen, es ist aber auch schwierig. Generell möchte ich keine Verletzten sehen und der Beste möge gewinnen. Ich leide aber trotzdem wie ein Hund, weil ich halt so viele persönlich kenne und zu manchen sich eine echte Freundschaft entwickelt hat. Frage: Was glaubst du, wer wird im September bei der Langbahn Team WM-Premiere in Morizes besser abschneiden? Deutschland oder Frankreich? Thomas: Frankreich! Spaß bei Seite. Es kommt sicherlich darauf an, wer von den deutschen Fahrern antritt und wie stark sie als Team auftreten. Eines ist sicher Fakt: in Frankreich bei der Grande Nation ist alleine der Name „Equipe de France schon leistungssteigernd. Dies gilt für die Fahrer als auch für die Zuschauer. Und mal ehrlich, ein Stéphane und Mathieu Tresarrieu sowie Christophe Dubernard sind vor sicher vielen tausend Zuschauern auf ihrer Heimbahn ein ernst zu nehmender Gegner. Frage: Und für wen wird dein Herz schlagen? Thomas: Wenn schon zur Zeit kein Franzose Langbahweltmeister geworden ist, wobei sicher Mathieu eines Tages gute Karten hat, noch bei der EM Triumphe gefeiert werden können, so möge man es mir nachsehen, wenn ich sage, das beste Team soll gewinnen. Aber da ich auch noch als Mitglied vom MC Morizes sicher in der Rennleitung bei der Veranstaltung sein werde, Frankreich die Daumen Drücke. Speedway.org: Für deinen weiteren Werdegang wünschte dir das Speedway.org-Team auch in Zukunft alles Gute. Auf eine weiterhin sehr gute Zusammenarbeit! |
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