aufgestockt, mit dem 500er geht jetzt
sicher wieder das Bescheißen los. Argumente, dass die großen
Motoren zu teuer sind, halte ich für dummes Gerede. Das Problem
mit den Mehrzylindern war, dass nicht jeder die Möglichkeit hatte,
sich ein Gespann extra für einen Mehrzylinder bauen zu lassen, da
es extrem teuer ist. Bei denen, die selber mit Rumschustern angefangen
haben, hat man ja gesehen, was dabei raus gekommen ist. Auf Langbahnen
muss ein Mehrzylinder besser gehen, das wäre ausbaufähig gewesen.
In Deutschland gibt es aber kaum Bahnen, auf denen diese Motoren ein
Vorteil gewesen wären. Wenn ich auf einer 500 Meter langen Grasbahn
fahre, brauche ich keinen Mehrzylinder, da reicht mir ein 500er. Würde
man nur auf langen Bahnen fahren, hätten sich die Mehrzylinder auf
Dauer von alleine durchgesetzt, auf kleinen Bahnen waren die Einzylinder
aber einfach zu konkurrenzfähig. Das hätte man über das
Reglement in den Griff bekommen und vereinheitlichen müssen. Die
Hubraumwahl mit 750 ccm war auch schlecht. Diese Motoren sind nicht für
Bahnrennen ausgelegt, man kommt mit ihnen nicht aus dem Start. Bis der
750er nach der halben Geraden das Schieben anfängt, bin ich mit
meinem 600er-Einzylinder schon fast wieder in der Kurve. Die DMSB-Offiziellen argumentieren für 500 ccm,
dass wir international ins Hintertreffen gekommen sind, weil wir in
Deutschland mit anderen Motoren fahren.
(Lacht). Das ist so ein großer Witz, was die daher bringen. Die haben
sich wieder etwas aus der Nase gezogen, irgend einen Grund müssen sie
ja aber angeben. Dass die deutschen Fahrer in der EM nichts gerissen haben
liegt vor allem daran, weil sie nicht fahren können. Denen könnte
man auch zwei 500er-Motoren ins Gespann bauen und es würde noch immer
nichts gehen. Ich bin oft genug nur zum Spaß mit einem 500er-Motor gefahren
und habe trotzdem gewonnen. Außerdem fahren die guten ausländischen
Fahrer alle in Deutschland und von denen fährt keiner mit 500 ccm. Bei
uns gibt es die meisten Gespannrennen, also sind die Ausländer mit dem
gleichen «Nachteil» behaftet wie die deutschen Fahrer. Ab 2005 gibt es eine 1000-ccm-Seitenwagen-WM. Bist
du dafür zu begeistern?
Gespann ist Gespann und gefallen würde mir das auch. Dass ich mir aber
selber ein Gespann dafür baue und mich richtig reinhänge, dafür
habe ich nicht mehr die Zeit. Gibt mir einer die Chance ein solches Gespann
zu probieren, würde ich das aber auf jeden Fall gerne tun. Vielleicht ändert
sich dann ja sogar meine Meinung. Dass die 1000er jetzt WM-Status bekommen
haben, ist eine tolle Geschichte, ich weiß aber nicht, ob sich die Deutschen
damit identifizieren können. Im Moment gibt es bei uns sicher einen Aufschwung,
weil es etwas Neues ist und die Zuschauer es sehen wollen. Ich glaube aber
nicht, dass es bei uns einen Umschwung auf 1000 ccm geben wird, das wird wohl
eine britisch-australische Geschichte bleiben. In Deutschland kommt immer das Argument, dass nur
die wenigsten Fahrer eine solche 1000er beherrschen. In Großbritannien,
Australien oder Neuseeland gibt es nur solche Gespanne.
Auch in England gibt es eine A- und eine B-Klasse und nicht jeder
beherrscht diese Gespanne. Bei den meisten englischen Bahnen ist es aber
so, dass es so große Auslaufzonen gibt, da ist es egal, ob ein
B-Fahrer das Gas zehn Meter später oder früher zu macht. Bei
uns würden da schon lange die Bande und die Zuschauer oder womöglich
ein Hauseck kommen. Auf der andren Seite wird in diesen Ländern
ja auch auf Speedwaybahnen gefahren. Das kann aber nur einer, der mit
wenigen Zentimeter Abstand neben einem anderen fahren kann.
Wenn es nach dir ginge, wie würde das Reglement
für den Gespannsport aussehen?
Eine Zeit lang fuhr ich mit einem aufgebohrten 720-ccm-Einzylinder-MZ, das
wäre das perfekte Konzept für die B-Lizenz. Mit diesem Motor kann
man drei Jahre lang fahren ohne das Öl zu wechseln und es geht echt einfach.
Ich hatte damals vorgeschlagen, eine Art Markencup einzuführen, in dem
ein Fahrer am Jahresanfang 8000 Euro bezahlen muss, einen Motor bekommt und
das ganze Jahr Rennen fahren kann. Das ist kein Geld im Motorsport. Einige
fanden den Vorschlag gut, andere hatten Angst, dass ihr Gespann, das jetzt
schon das ganze Jahr in der Scheune steht, dann nicht mehr zu gebrauchen wäre.
Letztlich ging mein Vorschlag unter. In der I-Lizenz würde ich es bei
750 ccm lassen, zum Beispiel mit einem V2, wie mir Marcel Gerhard einen gebaut
hatte.
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 Und Action |
Siehst du außer Oliver Wehrle
und Stefan Brandhofer noch weitere deutsche Gespann-Talente für
die nähere Zukunft?
Wehrle hat sich diese Jahr super gemacht. Er fährt zwar noch mit den Hörnern
auf dem Kopf, das legt sich aber noch. Brandhofer hat einen sehr schönen
Fahrstil. Er wird nur langsam schneller, aber er wird mit Sicherheit schneller.
Das sind zwei wirklich hoffnungsvolle Nachwuchsfahrer, die sicher mal sehr
gut werden. International sehe ich noch Matthijssen. Er hängt sich wahnsinnig
in die Technik rein. Er fragte mich schon, ob er mein Gespann vermessen darf.
Ich war früher auch so ehrgeizig. Er ist zwar stocksauer, wenn ich ihn
wieder einmal versäge, aber damit muss er leben, so lange ich noch fahre.
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Wo siehst du dich im Vergleich
zu Rekord-Europameister Josef Onderka?
Onderka war all die Jahre technisch auf dem besseren Stand als ich. Er hatte
Anton Nischler hinter sich, dank dem er immer einen Schritt voraus war. Onderka
ist mit seinem Material immer gut gefahren, während ich oft mit meinem
gekämpft habe. Er hat sich sein Gespann so gebaut, wie er es braucht und
ich bin auf einen Eisenhaufen gesessen und habe alles gegeben. Fahrerisch war
er auf dem gleichen Level wie ich.
Bei welchen Gespannrennen werden wir dich 2005 sehen?
Das hängt davon ab, wie die Supermoto-Termine liegen. Selbst wenn ich
mal an einem Wochenende Zeit habe, habe ich oft das Problem mit dem Startgeld.
Unter einem gewissen Level fahre ich nicht mehr. Supermoto hat Priorität,
wenn ich dann noch Zeit habe und man sich finanziell einigt, fahre ich auch
noch Gespannrennen. Kommende Ostern will ich im italienischen Casteletto di
Branduzzi ein Gespanntraining veranstalten, das bislang auch positiv aufgenommen
wird. Mir macht Gespannfahren ja noch immer viel Spaß.
Thema EM-Titel-Verteidigung.
Ist geplant. Ich weiß im Moment aber noch gar nichts. Das hängt
auch davon ab, ob mein Mechaniker Ede Starke weitermacht.
Den DM-Titel hast du durch eine sehr zweifelhafte
Schiedsrichterentscheidung verloren.
Nach meinem Ausfall und der Disqualifikation von Wehrle dachte ich mir, dass
das ausgleichende Gerechtigkeit wäre. Als der Schiedsrichter Wehrles Disqualifikation
eine halbe Stunde später wieder zurück nahm, habe ich die Welt nicht
mehr verstanden. Er verlor zweimal den Seitenwagenbügel, einmal im Training
und dann im Rennen, das ist ein klarer Disqualifikationsgrund. Der Schiedsrichter
hat uns den DM-Titel gekostet.
Im Gespann bist du Seriensieger, im Supermoto kämpfst
du noch nicht so oft an der Spitze.
Momentan fahre ich noch mit einem Standardmotorrad und bin auch 10
bis 15 Jahre älter als die meisten Fahrer. Für das, dass ich
noch nicht so lange fahre, komme ich ganz gut mit. In der 450er-Klasse
habe ich es auch schon aufs Treppchen geschafft und bin meist so um Rang
5. In der großen Klasse fahre ich mit demselben Motorrad und hole
regelmäßig DM-Punkte. Das ist gegen zehn oder zwölf Werksfahrer
sicher nicht schlecht.
Ist schon klar, für welches Team und in welchen
Serien du 2005 Supermoto fährst?
EM und WM sind mir zu teuer. Deshalb werde ich nur die DM in beiden Klassen
fahren und vielleicht einmal einen EM-Lauf, wenn er in der Nähe ist. Ich
werde wieder mit einem Motorrad von Honda Waldmann für das Grüter
Team fahren.
Kannst du mit deinen Titeln im Gespannsport nicht
mehr Geld verdienen als im Supermoto?
Schon. Wenn ich im Gespann aber zwei Motoren kaputt fahre, dann muss
ich das ganze Jahr Rennen fahren, um das Geld wieder rein zu bekommen.
Im Supermoto bekomme ich ein Motorrad, Ersatzteile und ein gewisses Kontingent
Reifen gestellt, meine Ausgaben sind also viel niedriger. Dazu kommt,
dass ich im Supermoto viel mehr zum Fahren komme als im Gespann. Ich
habe im Gespannsport einfach schon alles erreicht und im Sport selbst
hat sich auch nicht viel getan. Es gibt noch immer keinen Bahnrekord
für Gespanne und die Gespanne stehen immer noch hinter den Solofahrern
nach, obwohl viele Zuschauer die Gespanne genauso schätzen. Das
liegt teilweise aber auch am Auftreten der Fahrer. Ich hätte da
früher auch vieles besser machen können. |