Bis zum Semifinale der U21-WM habe ich
es geschafft. Dort bin ich erstmalig mit einem getunten Motor gefahren.
Zuvor bin ich immer mit preiswerteren Standardmotoren angetreten. Um
Geld zu sparen, besorgte ich mir in den letzten Jahren immer wieder von
Fahrerkollegen günstig deren verbogene Rahmen und Gabeln, die ich
mir mit einer speziellen Vorrichtung richtete.
Viele Leute meinten beim Anblick meiner Motorräder
immer, mein Material wäre topp, aber es sah nur sehr gepflegt aus.
Im letzten Winter habe ich neben meinem intensiven Fitnesstraining viel
Zeit in die Sponsorensuche investiert, was sich in einer strukturschwachen
Region wie Brandenburg sehr schwierig gestaltete und mich zunehmend frustrierte.
Die finanzielle Situation wurde immer angespannter und irgendwann kam der Punkt,
an dem ich unter diesen Voraussetzungen keine Perspektive mehr sah.
Ich war immer motiviert und hatte große Freude,
an meiner Fitness und an meinem Fahrstil zu arbeiten, meine Motorräder
vorzubereiten und vor allem auf der Bahn zu kämpfen. Aber wenn selbst
das Geld fehlt, um regelmäßig Training zu fahren, kann ich
mich nicht verbessern.
Ich mag keine halben Sachen, sondern mache etwas entweder richtig oder gar
nicht. Es ist mir aufgrund des Geldes nicht gelungen, den Sport richtig zu
betreiben, also lasse ich es lieber. Auch wenn es mir sehr schwer fällt.
Trainer Mario Stoll:
Wir haben in den letzten Monaten viel darüber gesprochen. Seine Konsequenz
verdient Respekt. Ich habe sehr gern mit Alexander zusammen gearbeitet, da
er sehr schnell lernt, auch wenn er das erworbene Wissen mangels Fahrpraxis
nicht so schnell umsetzen konnte.
Für mich war es bei den Rennen oft frustrierend zu sehen, wie lange er
für kleine Verbesserungen brauchte. Aber das ist ganz logisch, denn wenn
man sich verbessern möchte, muss man das außerhalb von Leistungssituationen
wie Rennen tun, also bei Trainings. Und dort müssen die Sachen mehrere
hundert Mal richtig wiederholt werden, damit sie auch in Leistungssitationen
stabil abrufbar sind.
Frage: Weshalb kommt dein Rücktritt
so plötzlich?
Alexander:
Mit meinem Team MSC Pfaffenhofen wollte ich das Finale der 2. Bundesliga erreichen.
Wenn uns der Einzug ins Finale gelungen wäre, hätte ich mein Team
selbstverständlich weiter unterstützt. Aber nach dem Ausscheiden
in Olching fiel auch diese Motivation weg.
Und bei der Deutschen Juniorenmeisterschaft könnte ich mit meinen derzeitigen
Leistungen kein besseres Ergebnis als im Vorjahr erzielen. Ich will keinen
Rückschritt machen, deshalb die konsequente Entscheidung, auch dort nicht
zu fahren.
Frage: Kannst du dir vorstellen, später
mal wieder zu fahren?
Alexander:
Ja klar. Wenn die Perspektive stimmt, dann lieber heute als morgen. Ich halte
mich weiter fit, weil es mir einfach Spaß macht. Ein Motorrad und einige
Ersatzteile möchte ich verkaufen, vom Rest kann ich mich derzeit noch
nicht trennen.
Frage: Du trägst einen großen Namen.
Dein Vater gehörte in der DDR zu den erfolgreichsten Bahnsportlern
und auf dem Bergring Teterow ist er der erfolgreichste Fahrer aller Zeiten.
War der Name jemals eine Last für dich?
Alexander:
Ich wurde wenige Wochen vor dem schweren Unfall meines Vaters geboren. Seine
Erfolge sind das eine. Aber der Unfall hat allen in der Familie klar gemacht,
welche Folgen dieser Sport haben kann. Deshalb war meine Familie nicht begeistert,
als ich Speedway fahren wollte.
Ich musste sie geradezu drängeln, sie haben mich nie gepusht. Meine Familie
unterstützte mich im Rahmen der Möglichkeiten. Aber aufgrund seiner
Behinderung konnte mein Vater mit mir nie lange Strecken zu den Rennen fahren
oder viel mit am Motorrad schrauben. Dennoch habe ich ihm sehr viel zu verdanken.
Vater Dietmar Lieschke:
Meine aktive Zeit ist mit der jetzigen Zeit nicht vergleichbar. Ich brauchte
mich damals um die finanziellen Dinge nicht zu kümmern, sondern konnte
mich voll und ganz auf den Sport konzentrieren. Zu meiner aktiven Zeit lag
unser Hauptproblem in der Materialbeschaffung, das aber mit Eigeninitiative
und Improvisation zu lösen war.
Es ist schade, dass heute die Aufmerksamkeit für den Bahnsport wesentlich
geringer ist als zu meiner Zeit. Jedoch waren wir damals „eingesperrt“ und
konnten uns international nur mit Fahrern aus dem Ostblock messen.
Frage: Alex, wie wird deine Zukunft aussehen?
Alexander:
Im letzten Jahr habe ich mein Fachabitur neben der laufenden Saison mit der
Abschlussnote 1,4 gemacht. Ich habe extra nur ein zweijähriges Fachabitur
und nicht ein dreijähriges Abitur gewählt, um ein Jahr zu gewinnen
und mich möglichst schnell auf den Sport zu konzentrieren. Aber naja
...
Ab Oktober werde ich für einige Monate zu Freunden nach Australien fliegen.
Dort kann ich wohnen und mir das Geld für das Abenteuer verdienen. Weiterhin
möchte ich dort mein Englisch verbessern, meinen Horizont etwas erweitern
und hoffe, besser über das frühe Karriereende hinweg zu kommen, als
wenn ich jeden Tag meine Motorräder sehe.
Danach möchte ich in Berlin Fahrzeugtechnik studieren. Wenn sich im Sport
Perspektiven ergeben, bin ich gerne wieder dabei. Aber ich habe da keine Illusionen.
Abschließend möchte ich mich bei allen bedanken,
die mich in dem Sport unterstützt haben und wünsche meinen
Fahrerkollegen für die Zukunft alles Gute.
Speedway.org: Auch ich wünsche dir für deine
Zukunft alles Gute und bedanke mich für
das Interview. - Laß mal was von dir hören von der anderen Seite der
Welt. |