Interview mit Martin Smolinski

Manuel Wüst führte das Interview mit dem Deutschen Junioren Meister 2003
und Neu-England-Profi Smolinski. Josef Westenkirchner stellte die Bilder zur Verfügung.

„Ist ja langweilig das zu machen, was alle anderen machen...“

Der Speedwaysport in Deutschland ist wieder im Kommen, so wurden in der Vergangenheit in Teterow oder auch in Berghaupten Speedwaybahnen gebaut und mit großem Zuschauerzuspruch eingeweiht. In diesem Jahr wird am 17. April die neu erbaute Speedwaybahn in Herxheim offiziell eingeweiht. Das Deutschland aber nicht nur durch neue Bahnen, sondern auch durch internationale Erfolge im Kommen ist, zeigt Youngster Martin Smolinski. Er belegte im vergangenen Jahr bei der U21 Weltmeisterschaft im Speedway den 6. Platz und wird in diesem Jahr in der britischen Elite League, der härtesten Speedwayliga weltweit an den Start gehen.
Manuel Wüst hat sich mit dem 20 jährigen aus dem bayrischen Olching über seinen Sport und die neue Saison unterhalten:

Für dich war 2003 das EM Finale der Junioren in Pocking sicherlich ein Tiefpunkt in deiner Kariere. Du hast vor heimischem Publikum den letzten Platz belegt. 2004 hingegen war eines deiner besten Jahre. Du warst die Stütze der deutschen Nationalmannschaft, hast in den Qualifikationen zur Team WM und zur Paar EM insgesamt nur einen Punkt abgegeben. Wie kam der Wandel ?
Das Team hat sich nach der EM in Pocking sehr hart auseinander gesetzt mit den vorgefallenen Problemen. Es gab viele Motorenprobleme, die ich nicht näher erläutern möchte, sowie viele Kleinigkeiten, die am Erfolg sehr wichtig sind. Man sah beim Junioren DM Finale in Neuenknick schon einen sehr starken Wandel. Obwohl mich sehr viele Leute schon abgeschrieben haben, holte ich nach einer sehr verkorksten Saison den Titel unangefochten nach Hause. Mit einem KLM Motor und einigen Klarstellungen in meinem Team. Ich selber musste auch sehr hart an mir arbeiten. Es klappte, wie ihr seht. Ich bin 2004 sehr optimistisch in die Saison gestartet. Mit komplett neuem Material und sehr hartem aber erfolgeichen Fitnesstraining im Med Sport Fitnesscenter. Ich fand 2004 einen sehr guten Rythmus und man sah, was dabei raus kam.

Was ist für dich das spannende, interessante am Speedwaysport. Wieso übst du ausgerechnet diesen Sport aus und nicht einen Alltagssport wie Fußball ?
Ist ja langweilig das zu machen, was alle machen und machen können. Wer kann und darf schon mit 5 Jahren Motorrad fahren? Es ist einfach die Faszination am Sport, die Geschwindigkeit das schnelle Starten. Was schau ich mir bei einem F1 Rennen an? Den Start! Und den hab ich bei uns im Speedway im "Minuten Takt" - da ist dann Spannung pur dahinter.

Was sind langfristig deine Ziele im Speedwaysport ?
Ich möchte mir im Motorport einen guten Namen machen und Erfolge erzielen.

Du fährst bisher nur Speedway. Warum nicht auf der Langbahn ?
Warum soll ich Langbahn fahren, wenn der Trend zu Speedway geht und der Speedwaysport professionell von BSI vermarktet wird? Persönlich macht es mir auch als Zuschauer keinen Spass, dabei zu zusehen. Es gibt selten Rad an Rad Duelle. Es kommt nicht so sehr auf das Können der Fahrer an, sondern sehr viel auf das Bike. Vielleicht aber mal, wenn ich Älter werde. Ich werde dieses Jahr an die 70 bis 80 Speedwayrennen fahren - da bleibt keine Zeit mehr für Langbahn.

Was war für dich der größte Erfolg in deiner Kariere ?
Der 6.Platz bei der Jun. WM in Polen 2004. Leider stürzte ich im Halbfinale unglücklich.

Wie hältst du dich den Winter über fit ? Wie sieht dein Training neben der Rennstrecke aus ? Wie oft trainierst du auf dem Motorrad ?
Im Winter gehe ich 6 mal die Woche trainieren. 4 mal Krafttraining im Med Sport Center, 2 mal Ausdauer (Power Track und Flexy Bar) Und wenn ich ganz viel Lust habe, gehe ich zeitweise noch ein bisschen Radeln und Laufen. Im Winter bin ich ganz selten auf dem Bike - meistens Anfang des Jahres 2 Wochen Italien.

Du wirst ab dem kommenden Jahr in der ersten britischen Liga starten für die Coventry Bees an den Start gehen. Wie kam es dazu ?
Durch meine konstante Leistung 2004. Sie fragten mich, ob ich mal Lust hätte, bei ihnen auszuhelfen. Das tat ich im August und im November 2004 machten wir einen Vertrag. Dazu muss ich sagen, dass wir schon seit längerem einen sehr guten Kontakt zu einigen englischen Vereinen hatten.

Wo liegen die Unterschiede beim Speedwaysport in England und Deutschland ?
Warum ist in England Speedway populär und in den Medien vertreten? Und wieso ist es in Deutschland das krasse Gegenteil ? Das kommt rein von den Vereinen in der Elite League. Sie ziehen alle an einem Strang und wissen, was sie wollen. Und wenn einer dagegen spielen will, bekommt er einen auf den Deckel. Bestes Beispiel: In der 1. Bundesliga in Deutschland sollte es 8 Rennen pro Mannschaf werden. Jetzt fahren wir nur 4 mal gegen die gleichen Teams. Am besten wäre Team gegen Team. Aber das verstehen viele Leute nicht und einige Vereine schauen nur auf ihr eigenes Wohl. Das ist traurig, aber dagegen kann man nichts machen - deutsche Mentalität.