„Ist ja langweilig das zu machen, was alle anderen
machen...“
Der Speedwaysport in Deutschland ist wieder im Kommen, so wurden in der Vergangenheit
in Teterow oder auch in Berghaupten Speedwaybahnen gebaut und mit großem Zuschauerzuspruch
eingeweiht. In diesem Jahr wird am 17. April die neu erbaute Speedwaybahn in
Herxheim offiziell eingeweiht. Das Deutschland aber nicht nur durch neue Bahnen,
sondern auch durch internationale Erfolge im Kommen ist, zeigt Youngster Martin
Smolinski. Er belegte im vergangenen Jahr bei der U21 Weltmeisterschaft im Speedway
den 6. Platz und wird in diesem Jahr in der britischen Elite League, der härtesten
Speedwayliga weltweit an den Start gehen.
Manuel Wüst hat sich mit dem 20 jährigen
aus dem bayrischen Olching über seinen Sport und die neue Saison unterhalten:
Für dich war 2003 das EM Finale der Junioren in Pocking sicherlich ein Tiefpunkt
in deiner Kariere. Du hast vor heimischem Publikum den letzten Platz belegt.
2004 hingegen war eines deiner besten Jahre. Du warst die Stütze der deutschen
Nationalmannschaft, hast in den Qualifikationen zur Team WM und zur Paar EM insgesamt
nur einen Punkt abgegeben. Wie kam der Wandel ?
Das Team hat sich nach der EM in Pocking sehr hart auseinander gesetzt
mit den vorgefallenen Problemen. Es gab viele Motorenprobleme, die ich
nicht näher erläutern möchte, sowie viele Kleinigkeiten, die am Erfolg
sehr wichtig sind. Man sah beim Junioren DM Finale in Neuenknick schon einen
sehr starken Wandel. Obwohl mich sehr viele Leute schon abgeschrieben haben,
holte ich nach einer sehr verkorksten Saison den Titel unangefochten nach Hause.
Mit einem KLM Motor und einigen Klarstellungen in meinem Team. Ich selber musste
auch sehr hart an mir arbeiten. Es klappte, wie ihr seht. Ich bin 2004 sehr
optimistisch in die Saison gestartet. Mit komplett neuem Material und sehr
hartem aber erfolgeichen Fitnesstraining im Med Sport Fitnesscenter. Ich fand
2004 einen sehr guten Rythmus und man sah, was dabei raus kam.
Was ist für dich das spannende, interessante am Speedwaysport. Wieso übst du
ausgerechnet diesen Sport aus und nicht einen Alltagssport wie Fußball ?
Ist ja langweilig das zu machen, was alle machen und machen können. Wer kann
und darf schon mit 5 Jahren Motorrad fahren? Es ist einfach die Faszination am
Sport, die Geschwindigkeit das schnelle Starten. Was schau ich mir bei einem
F1 Rennen an? Den Start! Und den hab ich bei uns im Speedway im "Minuten Takt"
- da ist dann Spannung pur dahinter.
Was sind langfristig deine Ziele im Speedwaysport ?
Ich möchte mir im Motorport einen guten Namen machen und Erfolge erzielen.
Du fährst bisher nur Speedway. Warum nicht auf der Langbahn ?
Warum soll ich Langbahn fahren, wenn der Trend zu Speedway geht und der
Speedwaysport professionell von BSI vermarktet wird? Persönlich macht es mir
auch als Zuschauer keinen Spass, dabei zu zusehen. Es gibt selten Rad an Rad
Duelle. Es kommt nicht so sehr auf das Können der Fahrer an, sondern sehr
viel auf das Bike. Vielleicht aber mal, wenn ich Älter werde. Ich werde dieses
Jahr an die 70 bis 80 Speedwayrennen fahren - da bleibt keine Zeit mehr für
Langbahn.
Was war für dich der größte Erfolg in deiner Kariere ?
Der 6.Platz bei der Jun. WM in Polen 2004. Leider stürzte ich im
Halbfinale unglücklich.
Wie hältst du dich den Winter über fit ? Wie sieht dein Training neben der
Rennstrecke aus ? Wie oft trainierst du auf dem Motorrad ?
Im Winter gehe ich
6 mal die Woche trainieren. 4 mal Krafttraining im Med Sport Center, 2 mal
Ausdauer (Power Track und Flexy Bar) Und wenn ich ganz viel Lust habe, gehe
ich zeitweise noch ein bisschen Radeln und Laufen. Im Winter bin ich ganz selten
auf dem Bike - meistens Anfang des Jahres 2 Wochen Italien.
Du wirst ab dem kommenden Jahr in der ersten britischen Liga starten für
die Coventry Bees an den Start gehen. Wie kam es dazu ?
Durch meine konstante Leistung
2004. Sie fragten mich, ob ich mal
Lust hätte, bei ihnen auszuhelfen. Das tat
ich im August und im November 2004 machten wir einen Vertrag. Dazu muss ich
sagen, dass wir schon seit längerem einen sehr guten Kontakt zu einigen
englischen Vereinen hatten.
Wo liegen die Unterschiede beim Speedwaysport in England und Deutschland ?
Warum ist in England Speedway populär und in den Medien vertreten? Und wieso
ist es in Deutschland das krasse Gegenteil ?
Das kommt rein von den Vereinen in der Elite League. Sie ziehen alle an
einem Strang und wissen, was sie wollen. Und wenn einer dagegen spielen
will, bekommt er einen auf den Deckel. Bestes Beispiel: In der 1. Bundesliga
in Deutschland sollte es 8 Rennen pro Mannschaf werden. Jetzt fahren wir
nur 4 mal gegen die gleichen Teams. Am besten wäre Team gegen Team. Aber
das verstehen viele Leute nicht und einige Vereine schauen nur auf ihr eigenes
Wohl. Das ist traurig, aber dagegen kann man nichts machen - deutsche Mentalität.