Smoli hofft auf Wildcard

Volle Fahrt voraus: Speedwayprofi Martin Smolinski (22)

hofft auf Wild Card beim Grand Prix Finale auf Schalke

So schnell kann sich das Blatt im Motorsport wenden: Noch vor wenigen Monaten war der 22-jährige Speedwayprofi Martin Smolinski aus dem oberbayerischen Olching drauf und dran, alles hinzuschmeißen. Nach einer verkorksten Saison im vergangenen Jahr mit drei schweren Stürzen und zahllosen Motorausfällen, klebte ihm das Pech zu Beginn der diesjährigen Saison weiterhin an den Reifen. Motorschäden am laufenden Band.

„Martin Smolinski steht vor dem Aus“, titelte Motorsport aktuell schon im April. Doch seitdem der Youngster voll auf die Motoren von Anton Nischler setzt, der auch lange Jahre mit dem mehrfachen Sandbahnweltmeister Robert Barth zusammengearbeitet hat, läuft es wie am Schnürchen. „Ich habe mit meinem Team quasi wieder bei null angefangen“, sagt Smolinski.

So konstant wie in den vergangenen Wochen ist der 22-Jährige noch nie gefahren. Martin ist wieder magic! „Ich fahre regelmäßig meine acht bis zehn Punkte“, sagt der Oberbayer – und das in fünf verschiedenen Ligen, in England, Schweden, Dänemark, Polen und Deutschland.

Deshalb macht sich der Speedway-Profi berechtigte Hoffnungen auf den Wild Card-Platz bei der letzten WM-Runde der FIM Speedway Grand Prix Series – dem FIM German Speedway Grand Prix – in der Arena auf Schalke am 13. Oktober. Die besten 16 Speedway-Fahrer der Welt kämpfen im 100. Grand-Prix-Lauf um das höchste Preisgeld in der Geschichte des Speedway-Sports: 100.000 Dollar. John Postlethwaite von Benfield Sports International (BSI) spricht von der „lukrativsten Minute im Motorsport“.

„Es ist der Traum eines jeden Speedwayfahrer. Der Grand Prix ist einfach das höchste wie die Formal 1. Ich wäre total happy, wenn ich die Wild Card bekäme“, sagt Smolinski. Seine beiden stärksten Konkurrenten sind Christian Hefenbrock und Tobias Kroner.

Derzeit fährt kein Deutscher in der Grand Prix Serie mit. Es ist außerdem das erste Mal seit 20 Jahren, dass in Deutschland wieder ein Weltmeister im Speedway gekürt wird. John Postlethwaite ist vom Erfolg der Veranstaltung überzeugt: „Speedway ist die am schnellsten wachsende Motorsportart der Welt.“ Klar, dass Martin Smolinski da gerne dabei sein möchte. Die Entscheidung wird wohl innerhalb der kommenden zwei Wochen fallen. Bis dahin will der 22-Jährige so weitermachen wie er in den vergangenen Wochen. Durch Leistung überzeugen und konstant punkten.

Dabei hat die Belastung keineswegs ab-, sondern im Gegenteil, eher noch zugenommen. Sechs Rennen in acht Tagen in drei Nationen, so schaut momentan Smolinskis Wochenplan aus: Montag England, Dienstag Schweden, Mittwoch Dänemark, Donnerstag frei, Freitag England, Samstag Dänemark, Sonntag frei, Montag England, usw. Es ist nicht mehr nur das Rennen, sondern es ist vor allem die Logistik, die perfekt sitzen muss.

„Um Planung und um Flüge kümmere ich mich selbst“, erklär der Olchinger, der alles gern selbst im Überblick hat. „Es macht wieder riesig Spaß.“ Sein englischer Club, die Coventry Bees, steht in der Elite League momentan auf Platz zwei, mit Tuchfühlung auf den ersten Rang, vor den Play-offs. Bei seinem neuem schwedischen Club, Bajen Hammarby Stockholm, hat er sich dank Top- Resultaten vom Reservefahrer auf einen Stammplatz gefahren.

Durch seine gute Leistungen dort ist auch das dänische Team Slangerup auf den deutschen Youngster aufmerksam geworden, wo Smolinski jetzt ebenfalls eingestiegen ist. In der 1. deutschen Bundesliga will er natürlich mit seinem Heimatverein, dem MSC Olching, den Meistertitel aus dem vergangenen Jahr verteidigen. Nur bei seinem polnischen Club, dem RKM Rybnik, läuft es derzeit nicht so rund, aber nicht wegen schlechter Leistung seitens Smolinskis, sondern wegen schlechter Zahlungsmoral seitens des Vereins.

„Das ist knallhartes Business. Wenn nicht gezahlt wird, fahre ich nicht“, sagt der Speedwayprofi. Nur mit dieser nötigen Härte kommt man im Speedwaysport weiter. Und Smolinski hat diese Härte schließlich auch gegen sich selbst gezeigt, als er sich Anfang dieser Saison von ganz unten wieder nach ganz oben gekämpft hat. „Ich fühle mich topfit, hatte in dieser Saison noch keine Stürze und bin einfach gut drauf“, sagt er jetzt. Ein oberbayerisches Kämpferherz gibt eben niemals auf.

Text: Carolin Kober - Foto: Privat