Tommy Stange greift wieder anInterveiw vom 09.09.2006
Beim Heimspiel in Berghaupten musste Tommy verletzungsbedingt
zusehen. 4 Wochen zuvor zog er sich bei einem Crash einen Trümmerbruch
der rechten Mittelhand zu. Im Gespräch mit Tommy am Rennwochenende
in Berghaupten erzählte er über diesen Unfall und seinem
Ziel.
Tommy vor einem Teil seiner Trophäen-Sammlung Frage: Eigentlich wäre dieses Wochenende ein Heimspiel für dich hier in Berghaupten gewesen. Du kannst aber leider nicht starten, weil du verletzt bist. Wann und was ist genau passiert? Tommy: Ich bin beim Europacup der Landesmeister in Daugavpils gestürzt. Da bin ich von Kjastas Poudzuks abgeschossen worden. 6 Wochen zuvor gab es schon einmal in der polnischen Liga die gleiche Situation, doch ging da noch alles gut. In Daugavpils bin ich dann in die Bande gedrängt worden und meine Hand muss zwischen Lenker und Bande gewesen sein. Letztendlich war es eine offene Trümmerfraktur und auch einige Arterien waren verletzt. Es hat ziemlich stark geblutet. Tja, und dann haben die mich in Lettland eben notdürftig zusammengeflickt. Frage: Du hast dich dann nach Ulm in die Bundeswehrklinik bringen lassen. Allerdings hat es dort auch noch einige Tage gedauert, bis man dich dort operieren konnte. Tommy: Ja, ich hatte schon überlegt, ob ich erst noch nach Berlin gehen soll, weil es doch stark aus dem Gips raus geblutet hatte und ich hatte Angst, dass ich zuviel Blut verliere, weil sie es ja nur so notdürftig gemacht haben. Dann hat sich aber doch unter dem Gips eine Kruste gebildet und dann hab ich mir gesagt, okay ruf ich doch mal bei der Bundeswehr an. Die haben mir dann gesagt, dass die Klinik in Ulm das Beste nun für mich wäre. Dort bin ich dann abends 2 Tage nach dem Unfall angekommen und die haben sich das alles angeguckt und haben die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Sie meinten: „Erst mal desinfizieren.“ Die Hand wurde dann eine Stunde lang in einem Bad gelegt. Als es sich am nächsten Tag der Arzt anschaute, sagte er, dass sie immer noch nicht operieren können, da wäre noch eine zu große Entzündung in der Hand. So musste ich da erst mal 6 oder 7 Tage bleiben und es wurde 2x am Tag der Verband gewechselt, bis die Wunde wenigstens einigermaßen zu war. Am Montag nach dem Rennen in Memmingen bin ich dann endlich operiert worden
Die Hand heilt gut ab Frage: Diese OP ist jetzt gut 2 Wochen her. Wir haben uns gestern ja schon getroffen und ich war überrascht, dass du jetzt nicht einmal einen Gips trägst, sondern eine spezial angefertigte Manschette, die du nur zum Fahrradfahren trägst. Selber sagst du von dir, dass du unwahrscheinlich viele Fortschritte gemacht hast. Tommy: Ja das ist richtig. Es wundert mich selber und es ist erstaunlich, dass ich 2 ½ Woche nach der OP schon wieder alles machen kann. Ich habe keine Schwellung drin, ich kann meine Hand schließen und richtig fest zudrücken. Ich habe das aber alles den Ärzten von der Bundeswehr zu verdanken. Ich habe die besten Ärzte dort bekommen, die haben wirklich was drauf. Danach habe ich dann bei meiner Sportfördergruppe in Todtnau angerufen und gesagt: „Jetzt seid ihr gefragt. Macht bitte was. Ich habe in 3 Wochen ein Rennen und da muss ich fit sein.“ Sie meinten, dass es kein Problem wäre und haben in Freiburg in der Sport-Universität angerufen, wo auch der Olympia-Stützpunkt ist und sie haben mir gleich am nächsten Tag einen Termin gegeben, was normalerweise sonst längst nicht so einfach ist. Dort bin ich da zwischen den ganzen Fußball-Bundesliga-Stars oder Sven Hannawald und Martin Schmitt gewesen und dann ist der Herr Doktor Aust gekommen und hat sich die Hand angesehen. Er ist der offizielle Arzt vom SC Freiburg. Ich habe ihm alles gesagt und er hat mir alles aufgeschrieben, was ich an Medikamenten nehmen soll, damit es schneller heilt, zu welcher Krankengymnastik ich gehen soll und hat mir für die folgenden Wochen einen ganzen Tagesablauf zusammengestellt, damit das alles wieder ganz schnell fit wird. Ich habe alles befolgt und war nach einer Woche zum Röntgen zur Kontrolle wieder da. Der Bruch war zwar noch nicht ganz zusammengeheilt, denn beschleunigen kann er das auch nicht und es braucht halt Minimum 4 Wochen. Er hat sich aber wirklich 2 Stunden für mich Zeit genommen. Also ich muss sagen, da lässt sich die Bundeswehr ja wirklich nicht lumpen. Er hat sich mit mir ins Auto gesetzt und ist mit mir zu einem Spezialisten gefahren, der für alle Sportler mit Problemen Spezialmanschetten anfertigt. Dieser unscheinbare ältere Mann hat sich alles angeguckt und der Arzt hat ihm gesagt, was er für mich anfertigen soll. Eine Manschette ist für den Alltag und eine zum Motorradfahren. Frage: Das ist jetzt ein ganz spezielles Material. Wie wird das verarbeitet? Tommy: Das Material wird erhitzt und um die Hand rumgelegt, so dass alles wie bei einem Tape fixiert ist. Es wird dann mit der Zeit hart und zum Schluss bearbeitet er es noch mal und polstert die Kanten mit einem Fliessstoff. Innerhalb von 1 ¼ Stunde hat er das alles gemacht. Sowas habe ich echt noch nie gesehen. Mit dieser Schiene kannst du echt alles machen. Du kannst damit um den Lenker fassen.
Die Spezialmanschette ist besser als ein Gips Frage: Wie sieht dein Tagesablauf aus? Tommy: Es fängt bei mir morgens um 7 mit der ersten Krankengymnastik an, dann mache ich ganz normal mein Training für die Kraft und gehe mittags wieder zur Krankengymnastik. Am Nachmittag gehe ich zu einem Arzt, der sich das anschaut und am Abend habe ich zumeist wieder Krankengymnastik. Ich habe das also 2-3 mal am Tag. Ein normaler Arzt hätte zu mir gesagt, dass ich nichts damit machen kann, da es noch gebrochen ist. Da muss ‚ne dicke Gipsschiene um, so eine die hoch geht, bis zum Ellenbogen. Aber da sieht man mal, was letztendlich geht und ich sage hier immer mein Vergleich: Wenn sich ein Fußball-Spieler schwer verletzt, und er spielt nach 2-3 Wochen wieder, das kann doch nicht sein. Und wenn ich eine leichte Verletzung habe, dass ich dann so lange dran laborieren muss. Jetzt bin ich selber bei den guten Ärzten und sehe nun, was geht und was nicht. Natürlich tut das alles weh und schmerzt bei der Krankengymnastik wie die Sau, aber ich sehe jetzt ja meine schnelle Genesung. Ich mache sogar in einer halben Stunde solche Fortschritte, die andere in einer Woche machen. Wenn man kontinuierlich dran bliebt und den Willen hat, bald wieder zu fahren, sieht man ja was alles geht. Frage: Du sprichst es gerade an. Was ist dein angestrebtes Ziel? Du bist sowohl bei der Junioren DM in Diedenbergen mit dabei als auch schon fest bei DM in Herxheim im Feld. Tommy: Vor Diedenbergen und Herxheim möchte ich auf alle Fälle noch ein Training fahren. Und dann habe ich mir überlegt, ob ich jetzt Diedenbergen wirklich mitfahren soll. So gesehen bringt es mir ja für nächstes Jahr überhaupt nichts (Altersgrenze 2007 überschritten). Aber dann habe ich mir gedacht, was soll's, warum soll ich gleich das erste Rennen in Herxheim fahren. Ich möchte da schon eine einigermaßen gute Platzierung erfahren. Also nehme ich das Rennen in Diedenbergen doch einfach mal mit und schaue gleich, ob ich ein Rennen auch durchstehe, denn ist ja immer noch nicht allzu lange her mit der OP und der Bruch ist ja auch noch nicht wirklich zusammen. Ich werde einfach gucken ob es geht. Und wenn es nicht geht, dann brauche ich in Herxheim auch nicht antreten, auch wenn Herxheim extrem wichtig ist wegen der WM- und EM-Plätze im nächsten Jahr. Und wenn ich da nächstes dann nichts habe, kann ich auch gleich aufhören, denn sieht es für die Bundesliga und auch im Ausland ähnlich schlecht aus. Tommy, vielen Dank fürs Interview. Ich wünsche dir für deine Zukunft alles Gute, eine schnelle Genesung und dass du in Herxheim zeigen kannst, wo der Hammer hängt. |