Wie geht es eigentlich Tommy Stange?

Tommy in Brokstedt - 22.06.08

 

Die Serie des Verletzungspechs von Tommy Stange reißt nicht ab. Seit 2003 muss er der mittlerweile 23-Jährige Schwarzwälder immer wieder derbe Rückschläge durch schwere und langwierige Verletzungen einstecken. Allein in den letzten 8 Monaten verletzte er sich 2 Mal richtig heftig, angefangen mit dem Bruch des 6. Brustwirbels bei einem Sturz in Teterow. Am 1. Mai diesen Jahres stürzte er schwer bei einem Ligarennen Bydgoszcz und kugelte sich die rechte Hüfte aus. Beim Jubiläumsrennens in Brokstedt verdrehte er sich nun während der Fahrt das rechte Knie. Diagnose: Die Kniescheibe ist rausgesprungen und hat das Innenband verletzt. Gottseidank ist diese Verletzung nicht ganz so arg, so dass er bereits eine Woche später schon wieder an einem Rennen teilnehmen.

 

Aber dennoch: „Es reicht langsam. Es war in letzter Zeit alles etwas zuviel – ich hab im Moment einen mentalen Tiefpunkt. Ich bin vom Kopf her gar nicht wirklich frei“, so Tommy am Sonntagabend nach dem Rennen in Brokstedt. „Das einzige, was mich weiterfahren lässt, ist die Tatsache, dass ich nach einer langen Verletzungspause immer wieder gleich mit den Guten wie Hefe oder Smoli mithalten kann. Auch steht mein Team immer hinter mir und motiviert mich immer wieder aufs Neue. Sie glauben an mich, und dass ich gleich wieder gut dabei bin, ist mein einziger Halt.“

Zu diesem Phänomen kommt dann auch noch hinzu, dass er nach diesen schweren Verletzungen wesentlich schneller wieder genesen ist, als es ihm die Ärzte immer wieder prophezeit hatten. So kam er nur 6 Monate nach der Wirbelverletzung zurück auf die Bahn, obwohl sie ihm 1 Jahr Pause vorausgesagt hatten. 4 Wochen nach seiner ausgekugelten Hüfte saß er erneut auf dem Bock, obwohl es normaler Weise bis zu einem ¾ Jahr dauern kann.

„Die Ärzte stehen bei mir immer wieder vor einem Rätsel, warum ich so schnell wieder fit bin. Aber es liegt einzig und allein daran, dass ich sehr gut durchtrainiert bin, was mir vor allem bei der Hüftverletzung vor Schlimmeren bewahrt hatte,“ erklärt er. Seine Reha-Maßnahmen und Trainingseinheiten absolviert er im Sportcenter Top-Life in Berghaupten und konnte dort vor allem die Muskulatur mit einem speziellen Reha-Programm um den verletzten Brustwirbel so stärken, dass da nichts mehr passieren kann.

„Aufgrund der vielen Verletzungen habe ich sehr wenig Rennpraxis und wenige Starts. Wenn man in Polen einmal nicht die Leistung bringt, ist man gleich raus aus der Stammmannschaft. Die Ersatzbank ist stark finanziert Ich möchte deshalb versuchen, auch an vielen offenen Rennen teilzunehmen,“ hofft Tommy.

Aufgrund seiner Ligaverpflichtungen in Polen zog er erstmals im Mai 2007 nach Bydgoszcz. Auch die Rennen für seinen damaligen schwedischen Club Gripana Nyköping bereiste er von Polen aus. Im August kam er dann aber zurück nach Deutschland ins heimatliche Gengenbach. Der Grund lag darin, dass er sich von seinem damaligen Mechaniker getrennt hatte, mit dem er gemeinsam ein Wohnung hatte. Seit März 2008 ist sein Hauptwohnsitz nun wieder in Bydgoszcz, um von da aus die Rennen für seinen Club GTZ Grudziadz zu bestreiten. Hier wohnt er mit Pauline Bykowska zusammen, mit der er – und das betonte er ausdrücklich – keine Beziehung führt.

„Pauline ist eine gute Freundin und sie kümmert sich um mein Management und hilft mir, wo sie nur kann. Sie ist von meinem Sponsor Arno Bönte als Geschäftsführerin eingestellt worden, da er in Polen eine Zweigstelle seines Hydraulik-Unternehmens aufbauen will. Es hilft mir sehr, dass sie mir grad in Polen sprach- und kommunikationstechnisch zur Seite steht,“ erklärt er.

Ihre sehr guten Deutschkenntnisse halfen in der Vergangenheit auch schon einigen Clubs wie Teterow und Fahrer wie Hefe, um in Verhandlungen mit polnischen Fahrern und Veranstaltern in Kontakt zu treten, wie sie selber in Brokstedt erzählte.

Neben ihr als Managerin gehört auch noch sein polnischer Mechaniker Maciej zum Team. „In Polen sind die Mechaniker gefragte Männer. Sie arbeiten für uns hauptberuflich und kümmern sich für mehr als das 3-fache eines durchschnittlichen polnischen Monatsgehalt um das Material etc.“

Der Kontakt zu Maciej, der zuvor bei Piloten wie Tomasz Gollob, Andy Smith oder zuletzt Kaj Laukanen tätig war, entstand durch Andreas Jonsson. „Das war echt Zufall. Ich war im Winter bei Jonno zuhaus in der Werkstatt. (Anm. Speedway.org: Jonsson wohnt auch in Bydgoszcz) Und als er mich fragte, ob ich alles schon fertig für die Saison hätte, klagte ich über einen fehlenden Mechaniker. Er schlug mir sofort Maciej vor und dann ging alles ganz schnell,“ grinste Tommy.

So oft es geht, versucht Tommy dennoch seine Familie und sein Team um seinen deutschen Mechaniker Christian Hengst, der ihm auch weiterhin zur Seite steht, in Gengenbach zu besuchen.